2021: Sommerausklang im Bayerischen Wald

Panorama: Lusen - Ausblick

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Mo., 13.09.2021: "A" wie Anreise

Das wird ein stressfreier Urlaubsstart. Ich habe eine Email bekommen, dass mein Zimmer erst ab drei Uhr Nachmittag bereit sein wird. Trotzdem stehe ich so um halb sieben auf, weil ich einfach ausgeschlafen bin. Da ist genug Zeit, noch ein bisschen Geschirr zu spülen, fertig zu packen, Altglas wegzubringen und trotzdem ohne Eile um elf den Mietwagen zu holen. Ich fahre sogar noch bei einem Naturmöbelhaus vorbei und kaufe ein Teil für die Umgestaltung meines Wohnzimmers. Der Mietwagen ist ein kleiner SUV von Opel geworden, dabei hatte ich einen Kompakten reserviert. Ich zeichne mir sogar noch ein kleines Roadbook zur Orientierung im Bayerischen Wald.

Nach eins bringe ich mein Gepäck ins Auto, da gehe ich auch aus Bequemlichkeit zweimal. Schon deutlich vor halb zwei bin ich unterwegs und habe viel Zeit für die Anfahrt. Die nehme ich mir auch und die ganze Autobahnstrecke bis Deggendorf bleibt ereignislos, sieht man einmal von einem Stau und der Sperrung auf der Gegenfahrbahn ab. Bei BMW in Dingolfing scheint gerade Schichtwechsel zu sein, denn es ist ab da etwas voller. Das hindert mich aber kein bisschen an meinem Fortkommen. Ab Deggendorf ist es nur noch eine Bundesstraße, aber die ist nicht nur gut ausgebaut, sondern leider auch sehr gut ausgelastet. Es ist viel los und das bleibt auch so, als ich die Bundesstraße Richtung Bodenmais verlasse. Erst so etwa zehn Kilometer vor Bodenmais kann ich einen Holländer, der so einiges aufhält, überholen. Danach geht es ungehindert weiter und ich finde in Bodenmais auch auf Anhieb den Aldi. Es ist jetzt etwa Viertel nach drei und ich gehe erst einmal Brotzeit kaufen fürs Wandern. Nach gut zwanzig Minuten bin ich fertig und habe meine Einkäufe verstaut. Jetzt sind es nur noch ein paar Kilometer bis zu meinem Wellness-Hotel. Das erreiche ich auch ohne Umwege, fahre aber einfach dran vorbei, um die zweite Route raus auf die Durchgangsstraße noch zu finden. An der drehe ich um und fahre zurück zum Hotel. Ich parke direkt vor dem Eingang.

Der Checkin ist superfix, aber dann werde ich erst einmal ein paar Minuten in der Lobby geparkt. Da wird dann in der Zwischenzeit ein Pärchen eingecheckt und aufs Zimmer geführt. Dann bin aber auch ich dran. Das Zimmer ist sehr beeindruckend, schön und groß, eigentlich für bis zu vier Personen ausgelegt. Hinter der Glasfront ist ein großer Westbalkon mit voller Nachmittagssonne. Ich hole mein Gepäck aus dem Auto und parke es dann auf dem Parkplatz oberhalb vom Hotel. Am Rückweg sehe ich mir den Außenpool und den Badeteich mit der Liegewiese an. Die Gelegenheit nutze ich, um im Spa die enthaltene Behandlung umzubuchen, von Mittwochmittag auf Dienstagmorgen. Dabei buche ich auch gleich noch eine Massage für den Samstagnachmittag dazu. Es ist noch einige Zeit hin bis zum Abendessen, also beginne ich mit dem Travelblog und dann nutze ich den sonnigen Balkon, um etwas herunter zu kommen. Der Hahn mit hervorragendem Quellwasser neben dem Bett ist dabei durchaus hilfreich.

Kurz nach halb sieben gehe ich zum ersten Abendessen hinunter in das Restaurant. Ich bin ratzfatz platziert und werde von einem freundlichen jungen Mann bedient. Ich wähle das Rinderhüftsteak mit Gemüse und Gnocchi, vorher statt einer Suppe einen Saft und eine raffinierte Mousse als Dessert. Aber zuerst geht es an das Salatbuffet für einen kleinen Salat zum Start. Ich muss die Dame hinter mir in der Schlange fragen, wo Sie denn den Einmalhandschuh her hat, aber dann bin ich auch bald dran. Das Salatbuffet weckt schon mal Hoffnungen. Nach dem Salat bekomme ich den Saft, einen Gemüse-Obstsaft mit leichter Chilinote und crushed Ice. Eine tolle Idee. Kurz vor dem Hauptgang bekomme ich mein alkoholfreies Weißbier vom Lammsbräu. Das Steak danach sind zwei dünne perfekt rosa gebratene Scheiben auf etwas gebratenem Gemüse. Ein paar einzelne grüne Gnocchi sind darum herum drapiert. Die Portion ist überschaubar, aber das Richtige für ein Vier-Gänge-Menü. Das Dessert ist eine Mousse au Chocolat mit angenehmer, leicht bitterer Note auf einem frischen Marzipanboden, gekrönt mit einer kleinen Kugel Himbeerschaum und ein paar Beeren. Die Antwort auf meine Frage, ob das Lindenwirtsgeheimnis ein Brand oder ein Likör ist, ist wie erhofft: Es ist ein Brand aus Vogelbeeren und zwei weiteren Beeren. Und es ist traumhaft.

Ich bin um Viertel vor acht wieder auf dem Zimmer, fotografiere noch den Sonnenuntergang von meinem Balkon aus und schreibe während der Tagesschau am Travelblog.

Di., 14.09.2021: Zwei "Oh's" - Ohrkerzenbehandlung und Osser

Und schon wieder stehe ich um halb sieben auf, weil ich perfekt ausgeschlafen bin. Das bedeutet, dass ich extrem viel Zeit bis zum Frühstück habe. Duschen, alles für die Behandlung und die Wanderung vorbereiten, ein bisschen surfen, bis ich um Punkt acht im Restaurant zum Frühstück aufschlage. Das Buffet ist beeindruckend und, bevor ich zum ersten Mal zurück bin, steht mein Kaffee am Platz. Ich bin sehr angetan und mache drei Runden. Halbierte Passionsfrüchte hatte ich noch nie beim Obst. Natürlich sind alle Standards da, sogar mit großer Auswahl. Ich beeile mich trotzdem etwas, denn um 8:40 Uhr habe ich ja eine Behandlung im Spa. Aber das schaffe ich locker, trotz Wechsel in den Bademantel am Zimmer. Ich bin über fünf Minuten zu früh und werde gleich in einen Ruheraum geführt. Nach ein paar Minuten dort holt mich die Dame ab, lässt mich auf einer Liege ausstrecken, wickelt mich in Handtücher ein und sagt, ich soll den Kopf weit zur Seite drehen. Dann steckt sie mir ein Pappröhrchen ins Ohr, das etwas knistert und leichte Wärme vermittelt. Nach geraumer Zeit nimmt sie es heraus, lässt mich den Kopf auf die andere Seite drehen und wiederholt das mit dem anderen Ohr. Dann massiert sie mir den Kopf und anschließend wickelt sie mich wieder aus den Handtüchern aus. Ich lasse mir beim Smalltalk danach noch ein abgebranntes Röhrchen zeigen, weil ich neugierig bin. Das war also eine Ohrkerzenbehandlung. Durchaus eine schöne Erfahrung, wird aber vermutlich trotzdem nicht Nummer eins auf meiner Liste.

Ich gehe wieder aufs Zimmer, wechsle in die Wanderklamotten und greife meine Tasche mit der Ausrüstung, die nicht sowieso ganz im Auto geblieben ist. Noch am Parkplatz packe ich damit den Rucksack und etwa um halb zehn geht es los. Ich fahre über Eck, Arrach und Lam nach Lohberg, wo es einen Wanderparkplatz zum Osser gibt. Nach dem angenehm freien Anstieg auf den Sattel bei Eck fange ich mir auch wieder ein Hindernisfahrzeug ein. Ich bin fast in Lohberg, als der mir den Weg frei macht, hilft nix. Und in Lohberg vertraue ich der Karte vom Navi im Opel und lande auf einer Privatstraße an einer Schranke. Also wieder runter und eine andere Route durch den Ort zum Parkplatz. Auf dieser ist der Parkplatz auch ausgeschildert, nur ist das unmöglich von der Durchgangsstraße aus zu erkennen. Die letzten fünfzig Meter zum Parkplatz sind ein sehr unebener Forstweg und der Platz selbst besteht auch nur aus zwei einigermaßen ebenen Flächen im Wald. Ich muss als erster auf der zweiten Fläche parken. Dafür komme ich dann schnell los mit meiner Vorbereitung. In die Wanderstiefel, Rucksack schultern, Auto abschließen und los.

Es ist Viertel nach zehn. Ich folge zunächst dem Osserpfad als dem am besten ausgeschilderten Aufstieg. Nach kaum halber Strecke will ich aber eine andere Route wählen. Der eigentliche Abzweig existiert nicht, wenn man die Handy-Karte auch genauer ansieht, dann kommt mein Wunschweg gar nicht bis zum Osserpfad – und ist gesperrt. Das macht aber nichts, denn dann nehme ich erst einmal einen leicht zu findenden Forstweg etwas weiter oben. Auf dem merke ich, dass ich heute jeden Sonnenschutz vergessen habe, denn die Sonnte brennt mir genau von hinten auf den Kopf. Da muss ich durch, denn ich habe auch keine Kopfbedeckung dabei. Nach einem ganzen Stück auf dem Forstweg finde ich die Stelle mit der Abzweigung des Steigs auf den Kleinen Osser, gehe trotzdem zunächst den falschen Waldweg, aber bald werde ich misstrauisch und mit der Handy-Karte komme ich wieder in die Spur. Der richtige Pfad ist allerdings wirklich schwer zu finden und ohne Handy-Karte würde mich sicher die ein oder andere falsche Abzweigung verführen. Wenn der Hauptpfad kaum mehr als ein Wildpfad ist, dann erscheint alles plausibel. Ich frage mich auch geraume Zeit, ob die weißen Markierungen an manchen Bäumen eine Wegmarkierung sind oder nur forstwirtschaftliche Bedeutung haben. Als ich sie nach einem Stück zu Wegmarkierungen erklären will, hören sie auf. Der Pfad ist jetzt etwas leichter zu finden, wird aber immer steiler und felsiger. Schon zweihundert Höhenmeter unterm Gipfel fange ich an, manchmal die Hände beim Kraxeln zu Hilfe zu nehmen. Es wird aber immer alpiner und die Hände brauche ich immer mehr. Das ist ein durchaus herausfordernder Aufstieg – laut Karte der Südgrat – der wirklich alpine Erfahrung erfordert. Hier ist der Weg aber immerhin sporadisch mit blauen Markierungen ausgewiesen. Etwa fünfundzwanzig Höhenmeter unter dem Gipfel, das Kreuz ist schon groß zu sehen, kommt mir der direkte Weg wie echte Kletterei vor. Ich entscheide mich für einen kleinen Pfad am Hang entlang, der ansteigend um den Gipfel auf die Ostseite führt. Dieser ist immer noch etwas anspruchsvoll, aber gut machbar, und ich komme von Osten auf den Gipfel des Kleinen Osser. Da ist das Risiko im Gelände einen schwierigen unmarkierten Pfad zu gehen besser als das Risiko, möglicherweise eine herausfordernde, aber markierte Kletterei bewältigen zu müssen. Am Gipfel mache ich erst einmal Brotzeit und versuche dem Einzelwanderer nicht zuzuhören, der ein Pärchen mit seinen Marathon- und Berglauf-Abenteuern beeindrucken will. Ich habe nur kurz meine Ruhe, mache ein paar Fotos, dann kommt ein größere Wandergruppe auf den Gipfel. Da bin ich aber schon dabei, den zu verlassen. Ich lasse die vorbei und mache mich auf den Weg zum Großen Osser. Der ist nicht weit und es ist nur ein kleiner Abstieg auf den Sattel, wo sich eine Kapelle mit Unterstand befindet. Der Aufstieg auf den Gipfel des Großen Osser ist für mich leicht, aber dort ist auch sehr viel mehr los. Kein Wunder, ist doch gleich unter dem Gipfel das bewirtete Osser-Schutzhaus mit einer schönen Terrasse. Aber auch direkt am Gipfel ist viel mehr los, so dass ich nach ein paar Fotos schnell wieder das Weite suche und den Abstieg beginne. Wieder nehme ich zuerst den Osserpfad, auf dem hier oben auch einiges los ist. Zunächst geht er ein Stück an dem Grat entlang, der auch die tschechische Grenze markiert – ich bin sogar versehentlich kurz in Tschechien. Dann geht er aber wieder sehr geradeaus am Hang entlang bergab. Ich empfinde ihn nicht schwer, aber gerade im oberen Bereich ist er wohl schon eine gewisse Herausforderung für manche der anderen Wanderer. Nach unten wird er immer einfacher und wieder verlasse ich ihn vor der Hälfte, um eine andere Route zu suchen. Effektiv habe ich nur im Mittelteil einen halben Kilometer vom Osserpfad ausgelassen. Meine Alternative beim Abstieg ist wunderbar einsam, wobei ich auch schon ein Stück vor der Abzweigung niemanden mehr getroffen habe. Ich suche eine schöne Stelle für eine zweite Brotzeit, was aber doch ein wenig dauert. Es ist praktisch Punkt eins, als ich meinen Spot gefunden habe. Noch eine Kleinigkeit essen und trinken, dann versuche ich mich ein wenig an der Detail- und Makrofotografie mit meiner noch recht neuen Kamera. Oben am Kleinen Osser habe schon die Panoramafunktion meines neuen Handys ausprobiert. Das zeichnet auch die Wanderung als Track auf, so wie das alte vorher auch. Bevor mir langweilig werden kann, schultere ich wieder den Rucksack und steige weiter ab durch den Wald. Da hier das Gelände im Wald unproblematisch ist, checke ich weniger und weniger die Handy-Karte, auch wenn ich auf unmarkierten Wegen bin. Die wirken aber wenigstens ausreichend richtig. An einer Kreuzung vergewissere ich mich mal wieder und stelle fest, dass ich wieder am untersten Stück vom Osserpfad kurz vor dem Parkplatz herausgekommen bin. Nicht ganz die geplante Route am Schluss, aber gut genug. Es ist Viertel vor zwei, als ich am Auto bin. Damit war ich insgesamt nur dreieinhalb Stunden unterwegs, aber die Wanderung war ja auch nur gut sieben Kilometer lang bei sechshundert Metern Höhenunterschied, eine Halbtagswanderung.

Großer Osser
Großer Osser

Ich rüste ab, wechsele das T-Shirt und fahre los. Praktischerweise stand das Auto im Schatten, als ich zurück kam, aber es ist auch so schon warm. Zurück nehme ich die Route über den Arber. Ein unbeladener Holzlaster beim Aufstieg bremst mich wenig, er wird eher vom voranfahrenden Cinquecento ausgebremst. An der Arberseilbahn ist so viel los, dass meine Lust, auf den Großen Arber zu steigen, ziemlich schwindet. Und sie schwindet weiter, als ich am Arbersee sehe, wie viel dort abgeht. Das wäre auch mein Ausgangspunkt. Zu allem Überfluss fährt dann auch noch die ganze Strecke bis Bodenmais ein krasses Hindernisfahrzeug vor mir. Ich fahre sogar durch den Ort, nur um dem auszukommen. Trotzdem bin ich um halb drei zurück am Hotel.

Dort bin ich sofort wieder in Badehose und Bademantel und auf dem Weg zum Pool. Ich kriege eine letzte Liege mit Sonnenschirm am Aussenpool und bin erst einmal meine obligatorischen zehn Bahnen schwimmen. Nach dem Abduschen lese ich in Ruhe ein Kapitel des Rushdie-Romans vom vorletzten Jahr, den ich am Vorabend begonnen habe. Dann packe ich wieder mein Zeug und will die Saunalandschaft erkunden. Volle fünfzehn Minuten – die ganze Sanduhr – verbringe ich in der normalen Sauna, dann tauche ich im Kaltwasserbottich auf der kleinen Saunaterrasse unter und wechsle auf die vordere Terrasse – hier wieder in Badehose und Bademantel. Da wartet eine wunderbar große Hängematte auf mich. Genau das richtige, um den Kreislauf herunter kommen zu lassen. Als ich ein ganzes Stück später das Gefühl bekomme, dass mir langsam fad wird, gehe ich aufs Zimmer, mich noch einmal abduschen, meinen Kopf nach all der Sonne, die er ungeschützt ertragen musste, eincremen und am Travelblog schreiben. Und weil der Tag ereignisreich war, dauert das alles so lange, dass ich mich dann schon wieder auf das Abendessen vorbereiten kann.

Ich bin durchaus hungrig, als ich kurz nach halb sieben wieder runter zum Dinner gehe. Ich werde nicht enttäuscht. Das Salatbuffet ist genauso gut, wenn auch etwas anders bestückt als am Vortag, die Suppe heute ist lecker, mit scheinbar wenig Einlage, aber neben den vereinzelten Leberspätzle sind da noch sehr kleine, aber knackige Gemüsewürfel, was die Kombination wirklich schön macht. Der Wolfsbarsch mit Süßkartoffelpüree ist astrein und das Dessert ist ein kleines Topfenmarillenknödel mit etwas Pistazieneis an einem Beerenspiegel. Perfekt. Nach dem Riesling gibt es noch einmal ein Lindenwirtsgeheimnis für mich und heute kann ich mir auch die beiden anderen Beeren neben der Vogelbeere merken: Brombeere und Blaubeere, von ersterer merkt man einen Hauch, wenn man darauf achtet, die Blaubeere komplimentiert die präsentere Vogelbeere eher unauffällig. Kurz vor acht bin ich wieder am Zimmer, rechtzeitig zur Tagesschau. Danach sind noch Travelblog und Rushdie angesagt. Später zum Monduntergang schieße ich noch ein paar Fotos, wie er hinter dem Waldrücken untergeht.

Mi., 15.09.2021: Viele "Ah's" - Auf und ab und auf und ab am Kaitersberg

Und wieder bin ich wach um halb sieben und pünktlich um acht beim Frühstück, auch wenn keine Termine drängen.

Aber so bin ich um fünf vor neun am Parkplatz in Eck, bereit loszugehen. Nur kreisele ich etwas herum: zuerst gehe ich am Einstieg zu meinem geplanten Aufstieg vorbei, und als ich ihn gefunden habe, wird mit Schildern unmissverständlich klar gemacht, dass diesen Weg über die Skipiste keiner gehen soll. Also nehme ich den anderen Aufstieg über den Forstweg zum Großen Riedelstein, den ich für den Rückweg geplant hatte. Das sind nur etwa dreihundert Höhenmeter, aber ich schwitze doch massiv. Ein Pärchen verfolgt mich regelrecht, wir sind fast gleich schnell. Beim Pinkeln holen sie mich fast ein und am Gipfel sehe ich sie auch wieder. Und wir verlassen fast gleichzeitig diesen Gipfel mit einem Denkmal drauf, als eine Jugendgruppe heraufkommt. Auf dem weiteren Weg am Rücken entlang, erst einmal überwiegend abwärts, überholen sie mich bald. Aber schon am Einstieg zu den Rauchröhren treffe ich sie wieder. Die Frau möchte nicht den schwierigen Weg durch und über die Rauchröhren gehen, also sieht der Mann es sich allein am. Wir beide wechseln oben ein paar Worte, dann geht er wieder zurück und ich den Weg weiter. Sie gehen die Umgehung und sind trotzdem vor mir. Ich sehe sie noch eine ganze Zeit immer etwas vor mir. Ich gehe weiter am Rücken auf die Kötztinger Hütte und den Mittagsstein zu. Der Weg ist erst einmal sehr felsig und es geht nicht so schnell voran, wird aber später besser und ich gebe etwas Gas, trotz des schönen Geländes. Ich hatte den Eindruck, dass ich etwas trödle. Die Hütte lasse ich links liegen und der Mittagsstein ist eher unspektakulär. Doch der Weg wird danach wieder sehr malerisch und ich gehe auf den Kreuzfelsen vom Kaitersberg zu. Als ich an der Abzweigung zu Kreuzfelsen bzw. Räuber-Heigl-Höhle bin, kraxel ich zuerst auf den Kreuzfelsen. Da oben ist eine Wandergruppe von Mittfünfzigern und aufwärts. Die gehen aber gleich meinen Aufstieg runter und ich habe den Gipfel nur mit einem Pärchen zu teilen. Nach ein paar Fotos gehe ich zurück Richtung Abzweigung und nehme vorher schon eine kleine Abkürzung durch die Felsen hinunter auf den Weg zur Räuber-Heigl-Höhle. Wieder äußerst malerisch, aber auch ein ziemlich fixer Abstieg. Nach einem Stück darf ich ein Handyfoto einer Damen-Wandergruppe schießen, die ich dann erst passiere, aber als ich mir die Höhle ankucke, gehen sie wieder an mir vorbei. Die Höhle ist nicht gerade groß, aber wenigstens den kurzen Besuch wert, den ich ihr abstatte. Dann steige ich weiter ab, den Damen hinterher. Ich suche eine zweite Höhle in der Handy-Karte, wo sich der Abstieg und mein Rückweg nahe kommen. Mein erster Abstecher ist keine Höhle, aber bei zweiten Versuch mit der Karte finde ich sie. Diese ist sehr klein, nur ein Hohlraum unter einem Felsen. Aber dort sehe ich meinen Rückweg, zehn Meter den Hang hinunter. Es geht jetzt retour, aber auf einem inoffiziellen, nicht ausgeschilderten Weg. Der ist aber hier recht leicht zu finden, wobei ich dennoch immer wieder die Handy-Karte zu Rate ziehe, um die richtige Abzweigung zu erwischen. Es geht auch hier auf und ab, nur am Hang entlang, und es sind immer wieder mal fünfzig Höhenmeter hin oder her. Nach einiger Zeit komme ich auf einen gut befestigen Forstweg, auf dem ich schnell vorankomme. Ich denke immer noch, ich darf nicht zu sehr trödeln. In der Karte ist eine Hütte ein kleines bisschen abseits vom Weg eingezeichnet, von der ich hoffe, dass es ein Unterstand für Wanderer ist, wo ich Brotzeit machen kann. Sie ist auch nahe eines Wegs auf den Rücken hinauf. Als ich sie finde, zeigt sich, dass es eine verschlossene Hütte für irgendeinen anderen Zweck ist. Warum sollte an so einem Weg auch etwas für Wanderer sein? Es ist zwar kein völlig unmarkierter Weg mehr, aber auch sowas von kein Hauptweg. Ich gehe weiter und muss genau aufpassen, denn in knapp zwei Kilometern kommt meine Abzweigung, die ich nicht verpassen darf. Sonst komme ich mindestens zweihundert Höhenmeter unterhalb des Parkplatzes auf der Straße raus. Langsam ist auch eine Mittagsrast überfällig. Mit genauem Blick auf die Handy-Karte, und weil ich aufpasse wie ein Schießhund, klappt es mit der Abzweigung ganz locker. Nur geht der Weg auf den Rücken hinauf und gegen meine eigentliche Zielrichtung. Da muss ich in Kürze noch eine Abzweigung, die mich auf Kurs zum Kleinen Riedelstein bringt, erwischen. Auch das bekomme ich hin und dann finde ich auch bald einen Rastplatz für meine Mittagsbrotzeit. Ich bin ja jetzt etwa fünf Stunden unterwegs, es ist so eins, und ich habe gut zwölf Kilometer hinter mir, ganz schweigen vom dauernden Auf und Ab. Ich bin aber ruhelos und nach schon zehn Minuten gehe ich weiter, wieder auf der Hut, bald erneut die richtige Abzweigung zu erwischen. Sonst komme ich am Rücken raus und nicht unterhalb am Kleinen Riedelstein. Ich finde auch einen Weg an der richtigen Stelle und folge ihm. Als er aber sehr zugewachsen ist, checke ich das nach etwa hundert Metern und bin zwanzig Höhenmeter zu tief. Also zurück. Es zeigt sich, dass die Karte ungenau ist, denn ein bisschen weiter ist die Abzweigung der Weg auf den Rücken und nicht meiner. Ich muss nur weiter gehen und dem Weg weiter folgen. Und finden, denn er ist bald wieder sehr unauffällig. Doch danach komme ich recht schnell an eine Kreuzung mit markierten Wegen, wo ein Schlussanstieg zum Hauptweg losgeht. Auf dem Hauptweg schaue ich kurz nach dem Anstieg auf den Gipfel vom Kleinen Riedelstein, verwerfe einen Besuch aber, weil ich schon echt ausgelaugt bin und der Ausblick wohl so wie vom Großen Riedelstein ist. Ich steige den Weg ab, den ich herauf gekommen bin, nehme dabei die Varianten bzw. Abkürzungen, die ich hinauf nicht genommen habe. Da mache ich noch ein paar abschliessede Blümchenfotos und bin kurz vor halb drei wieder am Auto, nach fast sechzehn Kilometern und vielen, vielen Höhenmetern.

Rauchröhren
Rauchröhren

Ich bin gegen drei wieder im Hotel und mache mich schnell auf den Weg in den Wellnessbereich. Ein paar Bahnen im Außenpool, aber der Whirlpool ist immer noch besetzt. Also ein Saunagang. Auch da ist jemand zu Anfang drin. Aber die letzten Minuten habe ich die Sauna mit dem großen Fenster für mich. Doch als ich raus gehe, sind da auch andere Leute, anders als gestern. Und der Kaltwasserbottich mit Patina von gestern ist gegen einen nagelneuen ausgetauscht. Der funktioniert aber genauso. Ich erinnere mich, dass der angeliefert wurde, als ich am Morgen losgefahren bin. Ich suche mir eine Liege im Ruheraum nebenan, in dem ich wieder allein bin. Nach einiger Zeit habe keine innere Ruhe mehr, gehe raus auf die Terrasse, sehe, dass der Whirlpool immer noch belegt ist, und beschließe, wieder aufs Zimmer zu gehen. Da leg ich mich erst einmal hin, es ist ja noch deutlich vor fünf. Die Zeit bis zum Abendessen vertändle ich, ich bin immer noch ausgelutscht.

Ich bin kurz nach halb sieben im Restaurant und lege gleich los. Heute ist alles am Bayerischen Buffet. Da bin ich allein schon wieder schnell unterwegs, bestelle ein – sehr leckeres – Dunkles und widme mich einem kleinen Salat. Dann die Kartoffelcremesuppe, anschließend je ein kleines Stück Krustenbraten und Haxe mit Kartoffelknödel und Sauerkraut. Ich nehme noch etwas Gemüse dazu. Es ist wie immer alles von allerhöchster Qualität, was auch für das Dessert gilt: Ich nehme eine Bayerisch Creme und eine Schokoladenmousse, glücklicherweise in kleinen Gläschen. Gerade zum Schweinernen heute muss natürlich ein Lindenwirtsgeheimnis den Abschluss bilden. Trotzdem bin ich lang vor der Tagesschau wieder am Zimmer und schreibe am Travelblog. Nach der Tagesschau lasse ich Das fünfte Element weiterlaufen, als Hintergrund, und bin um Viertel nach neun fertig mit dem Schreiben. Das reicht mir für heute.

Do., 16.09.2021: Oben unten, glasklar - zwei Geduldsproben

Zur üblichen Zeit bin ich wach und wenn ich auch noch ein kleines bisschen liegen bleibe, so treibt mich doch bald der Ruf der Toilette raus. Heute Nacht hat es ordentlich geregnet und auch am Tag soll es regnerisch bleiben. Also mal kein Wandertag. Das ist auch gut so, denn die gestrige Wanderung spüre ich schon noch erkennbar in den Beinen, speziell die Knie sagen mir, was sie gestern geleistet haben. Nach der Dusche, der Vorbereitung auf den Tag und etwas Wanderrecherche ist es kaum zehn nach acht als ich beim Frühstück bin. Da habe ich noch großzügig Zeit danach, bevor ich um neun losfahre zum Besucherbergwerk Silberberg bei Bodenmais. Ich weiß ja schon, wo es lang geht und bin früh da. An der Talstation des Sessellifts machen sie sich gerade für den Tag fertig und da steht, die Tickets für das Bergwerk gibt es oben am Eingang. Also gehe ich zu Fuß Richtung Mittelstation, wo das Bergwerk sein soll. Es ist ein asphaltierter Fahrweg und gemäß des Verlaufs an der Skipiste doch ganz schön steil. Ich komme ins Schwitzen, kann aber oben erst mal alles bis aufs T-Shirt ausziehen. Ich komme um halb zehn an und vor zehn ist da noch nix. Zwei ältere Herren kommen so um Viertel vor zehn an und fünf Minuten vor zehn macht die Kasse auf, wo wir drei erfahren, dass die erste Führung erst um halb elf ist. Um zehn macht wirklich nur die Kasse auf. Also noch eine weitere halbe Stunde abwarten. Es ist zwar feucht und dunstig, Bodenmais verschwindet fast im Nebel, aber nicht kalt und es regnet nicht. Das Warten ist also nicht so schlimm. Es klart sogar ein wenig auf.

Kurz vor der Führung haben sich dann doch einige Leute versammelt und wir alle werden mit Helmen ausgestattet. Schließlich geht es hier oben am Berg doch unter Tage in die Stollen. Wie eigentlich immer bei sowas ist Fotografieren verboten. Dann gibt es halt nur eine Selfie mit Helm vor dem Eingang. Der junge Mann, der die Tour durchführt, ist in traditioneller Bergmannskluft und zeigt erst einmal einen Film. Dann geht es aber tiefer in die Stollen, die oft sehr niedrig sind. Bei zahlreichen Stationen erklärt er Einzelheiten recht kurzweilig und beantwortet auch alle Fragen sehr kompetent. Wir sehen die Maschinen der vorletzten Jahrhundertwende und steigen über Stiegen in einen Hohlraum hinauf und wieder herunter. Nach einer abschließenden Fragerunde, da, wo wir am tiefsten im Stollen sind, führt er vor, wie laut die Bohrer waren und wie dunkel es bei der Beleuchtung mit Karbidlampen war. Das ist freilich nur ein Ansatz, denn den Staub der Bohrungen und die Hitze der Feuer und haben wir heute nicht. Beim Weg hinaus treffen wir auf eine spätere Führung und draußen macht sich schon das Publikum der nächsten bereit. Es ist fünf vor halb zwölf.

Der Abstieg zur Talstation geht fix, trotz Pinkelpause im Wald. Ich könnte mich ja deshalb als leidenschaftlichen Wildpinkler bezeichnen, aber oben, wo es Toiletten gab, meinte ich einfach noch, nicht zu müssen. Kaum eine Viertelstunde nachdem ich aus dem Bergwerk oben rauskam, bin ich schon wieder auf der Straße. Jetzt geht es zur Glasbläserei von Pöschinger in Frauenau. Dort bieten sie nicht nur Besichtigungen an, sondern haben noch eine eigene Edelbrandmanufaktur. Die Fahrt ist gemütlich und ich finde die Glashütte sofort, auch wenn sie ein wenig versteckt liegt. Ich komme um zehn nach zwölf dort an, nur um festzustellen, dass die Führungen jeweils zur vollen Stunde beginnen. Ich habe also gerade eine verpasst. Nichtsdestotrotz kaufe ich mir ein Ticket für die nächste und sehe mir den Ausstellungsraum an. Die Produkte der Edelbrandmanufaktur stehen zwar gut sichtbar, aber etwas verloren da herum und es fehlt mir an Detailinformation. Die Dame an der Kasse ist scheinbar mit einem Lieferanten aus dem Ort beschäftigt. Auch die Glasprodukte sind zwar schön präsentiert, erscheinen aber mehr wie in einem Museum. Lediglich die Sonderangebote am Grabbeltisch in einem Nebenraum wirken so, als würden sie die wirklich auch verkaufen wollen. Zunächst gehe ich ein wenig spazieren, aber am Ende greife ich dann doch bei zwei kleinen Probierfläschchen mit verschiedenen Apfelbränden zu, Gläser sind mir angesichts meines vollen Schrankes daheim zu viel Commitment. Nachdem ich die Brände im Auto verstaut habe, ist es nicht mehr lang hin zum Start der Führung und ich warte zusammen mit anderen Gästen bei der Tür in die Ofenhalle.

Dort bittet uns dann auch die junge Dame, die die Führung leitet, hinein und sammelt unsere Eintrittskarten ein. In der Mitte steht der Glasofen, der absolut immer läuft, und um ihn herum finden alle Arbeitsschritte mit dem formbaren Glas statt. Sie führt uns in einigen Stationen um ihn herum und erklärt die Bestandteile, die Färbung, die Blasformen, die sog. Modeln sowie deren Entstehung und Verwendung. Sie stammen von Buchen aus eigenem Wald, wobei die Stämme ein Jahr gewässert werden und auch die Formen nass gelagert werden, damit sie verwendet werden können. Nur so kann ein Wasserdampffilm das Verbrennen des Holzes beim Blasen des heißen Glases verhindern. Früher drechselten sie die Formen, aber der Lehrberuf existiert nicht mehr, weshalb sie heute CNC-Fräsen verwenden müssen. Sie zeigt die großen, schweren langstieligen Metallkellen, mit denen die Schamottkübel mit dem flüssigen Glas entleert werden, wenn die Glasfarbe gewechselt wird. Und dann können wir auch die Glasbläser bei der Arbeit sehen. Heute entstehen riesige mundgeblasene, kugelförmige Lampenschirme, die bestimmt 40 cm Durchmesser haben. Zu Anfang geht einer schief und bricht von der Glaspfeife ab, der wird dann in einem Wasserkübel entsorgt, wobei er tausend Sprünge bekommt. Die Kugel zerbirst aber erst, als ein paar Minuten später einer mit einem Werkzeug draufschlägt. Die späteren gelingen alle, wobei es wirklich faszinierend ist, zuzusehen. Wir bekommen noch das Modellager und die Schleiferei gezeigt, wobei sie hier nur den Rand sicher machen und Kunstschliff an einen benachbarten Schleifer vergeben, der gerade zufällig da ist. Witzigerweise machen sie die roten Glaskugeln, die der Fernsehsender Vox in seinen Imagespots immer zeigt. In einem Wagen ist eine Lieferung dafür in Arbeit, was mir die Bemerkung entlockt, dass die einen ganz schönen Verbrauch haben müssen, denn es scheint da locker ein Dutzend von diesen roten Kugeln drauf zu sein. Dann wird uns noch ein Film vorgeführt, in dem die Schritte bei der Entstehung eines Glases gezeigt werden. Ich bin vorher ja skeptisch, aber weil sie die Bilder für sich sprechen lassen, ganz ohne O-Ton oder Off-Kommentar, ist das wirklich gut. Man sieht noch den Formendrechsler bei der Arbeit und ein paar Schritte bei der Arbeit mit filigranen Glasformen, die wir nicht zu sehen bekamen. Die filigranen Arbeiten werden immer morgens gemacht, noch vor der ersten Führung, wenn die Glasbläser noch frisch und ausgeruht sind. Danach kann man nochmal in die Ofenhalle und durch den Showroom raus. Ich werfe noch einen Blick auf die Farbenabteilung und bin dann raus durch den Laden.

Glasblasen
Glasblasen

Es ist deutlich nach zwei und ich fahre zurück ins Hotel, mache aber einen Stopp beim Lidl in Zwiesel, vor allem wegen etwas Obst. Es wird ein bisschen mehr Nervennahrung, bleibt aber insgesamt wenig. Noch vor drei bin ich zurück am Hotel, versandel etwas Zeit am Zimmer, wo ich verwundert feststelle, dass es heute nicht gemacht wurde. Ich gehe dann noch vor halb vier in den Saunabereich. Das Hallenbad ist in der Hand von ein paar Familien mit Kindern. Ich gönne ihnen den Spass und mache einen Saunagang. Die Ruhephase gönne ich mir im Zirbenraum, dessen besondere Atmosphäre wirklich entspannen hilft. Trotzdem ist mir auch im Saunabereich zu viel los und nach einer Stunde bin ich wieder am Zimmer. Nach einer gemütlichen Dusche habe ich mich genug gesammelt, um am Travelblog zu schreiben. Um sechs gehe ich nochmal ans Auto, die Wanderhalbschuhe wegbringen und die Wasserflasche fürs Wandern holen, um sie auffüllen zu können.

Freilich bin ich wieder beizeiten beim Abendessen. Nach dem Salat gibt es für mich heute wieder Saft statt Suppe, diesmal auf Wassermelonenbasis. Der Hauptgang wird von einem Côtes du Rhone begleitet und besteht aus ein paar Scheiben zartrosa Entenbrust an Wirsinggemüse mit ein paar Gnocci-ähnlichen Zugaben. Alles wie immer von allerfeinster Qualität, aber das heutige vegane Dessert toppt das noch alles: Es ist eine halbe eingelegte Feige neben einer nicht so sehr süßen Creme mit etwas Textur auf einem relativ süßem Fruchtspiegel mit ein paar Beeren: Heidelbeeren und rote Johannisbeeren. Das Zusammenspiel ist ein Feuerwerk und setzt einem sehr guten Dinner das Krönchen auf. Und doch bin ich Viertel vor acht am Zimmer, genug Zeit das Travelblog für heute fertig zu schreiben und die Tagesschau anzusehen. Es wartet ja auch noch die Lektüre.

Fr., 17.09.2021: Frisch - Tag des Wassers

Auch heute versuche ich wieder mit nur wenig Erfolg, etwas länger liegen zu bleiben. Dann habe ich halt wieder jede Menge Zeit, zu duschen und mich auf den Tag vorzubereiten. Das Frühstück ist perfekt und lecker wie immer, daher bin ich trotzdem schon um halb neun wieder aus dem Speisesaal. Schnell bin ich wanderfertig und unterwegs zum Wanderparkplatz Klause am Rand von Bodenmais.

Das ist nicht weit und deswegen laufe ich da schon um fünf nach neun los. Zuerst geht es oberhalb von Bodenmais um den Berg herum, quasi als Zubringer zum Riesbachtal. Ein sehr kurzes Stück muss ich auf einer kleinen Straße am Rand des Ortes gehen, sonst ist das aber bei dem starken Nebeldunst durch den feuchten Wald schon ein echtes Erlebnis! Dabei ist es gar nicht kalt. Direkt nachdem ich auf einer kleinen Holzbrücke den Riesbach überquert habe, muss ich auf einer Forststraße das Tal hinauf gehen. Da ist zuerst einmal der Wanderparkplatz auf den Kleinen Arber, der schon gut besetzt ist. Gerade läuft da auch ein Pärchen los und ein anderes macht sich fertig. Noch einer kleinen Weile zweigt der Weg auf den kleinen Arber ab und das erste Pärchen nimmt den. Ich bleibe im Tal und steige darin hinauf. Der Weg wird wird hier wieder einmal wildromantisch, zuerst ein Waldweg mit einer Art Naturfelsenpflasterung, später ein sehr schöner Waldpfad. Noch auf ersterem ziehe ich meine Jacke aus, trotz des moderaten Anstiegs schwitze ich genug, dass meine Fleeceweste locker reicht. Da überholt mich das zweite Pärchen vom Parkplatz. Ich komme selbst aber auch gut voran, denn, nachdem ich ein weiteres Pärchen überholt habe, bin ich nach etwa einer Stunde an den Risslochfällen. Da ist eine richtig große Wandergruppe, scheinbar mehrere Familien. Die trollen sich jedoch gerade, als ich ankomme, so dass ich den Aussichtspunkt unten an der Brücke kurz für mich alleine habe. Da kann ich ausgiebig Fotos machen und die verschiedenen Belichtungsmöglichkeiten durchdeklinieren. Dann gehe ich den Wanderweg hinauf, der direkt an den Fällen entlang führt und oft direkten Zugang bietet. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und mache bis oben an den Fällen noch einige Fotos. Das wiederhole ich beim Abstieg wieder hinunter zur Brücke, wobei mir da ein ganze Männerwandergruppe und ein Pärchen entgegenkommen. Hier ist viel los. Das ist auch nur verständlich, denn das sind wirklich schöne Wasserfälle.1 Ich gehe den verbleibenden Weg weiter, ein alter Holzweg, der völlig eben am Hang entlang geht. Dieser ist wegen seinem Ausbau nicht nur kinderleicht, sondern durch den Wald auch ungewöhnlich schön. Nach einem ganzen Stück verläuft der ausgeschilderte Wanderweg bergab, doch der Holzweg geht auch weiter. Ich bleiben auf letzterem und der wird noch schöner, auch weil er weniger genutzt wird. Dort versuche ich auch eine ganze Reihe Fotos von Spinnennetzen mit Tau. Ich bin gespannt, wie gut die werden. Es ist wieder ein ganzes Stück, bis der Weg über eine Lichtung geht und bei einer Betriebshütte endet. Kurz vorher habe ich eine kaum feuchte Bank auf der Lichtung als Brotzeithalt verworfen. Hier ist der Anschluss auf eine Forststraße und diese mündet bald auf eine asphaltierte Straße. Leichter Wind kommt von vorn und hier ist mir sogar etwas kühl. Hier fange ich auch an, ein wenig Samen zu sammeln von den hier weitverbreiteten lilienartigen Blumen, deren Samenstände regelrecht explodieren, wenn man sie berührt. Nach einem Stück auf der Straße komme ich an eine Kreuzung, bei der jede Richtung asphaltiert ist. Aber es gibt einen Unterstand mit Bank. Da mache ich Brotzeit, immerhin ist es Viertel nach elf durch und wer weiß, wann ich wieder ein trockenes Plätzchen zum Sitzen finde. Heute ist alles nass von Regen, Tau und Nebel, wobei sich letzterer seit kurzem langsam lichtet. Es ist aber auch nicht der spektakulärste Pausenplatz, also bin ich nach kaum einer Viertelstunde wieder unterwegs, die Straße am Hang weiter. Bei der nächsten Kreuzung muss ich die Straße in das Tal hinter nehmen, die leicht ansteigt. Auch die ist asphaltiert, aber schon nach zweihundert Metern zweigt ein Wanderpfad ab, der etwa parallel oberhalb verläuft. Dem folge ich durch den Wald, auch da, wo er über einen Wanderparkplatz geht und ich auf der anderen Seite wieder im Wald verschwinden kann. Dieser Pfad endet an einer Wegkreuzung, bei der ich die Straße wieder hundert Meter zurück gehen muss. Hier ist sie nur noch eine befestigte Forststraße und ich biege ja bald das Tal wieder hinunter in Richtung Hochfall ab. Das ist wieder ein richtiger Wanderweg. Der verliert jedoch für meinen Geschmack erst einmal kaum an Höhe, während der Bach in Stufen immer weiter nach unten verschwindet, doch ein Blick auf die Handy-Karte versöhnt mich wieder: Mein Weg wird auch absteigen und der Hochfall ist noch etwas entfernt. So kommt es auch: es geht deutlich hinab und der Weg trifft auf einen geschotterten Waldweg, der in der Gegenrichtung zu meiner bisherigen hinunter zum Hochfall führt. Dort gibt es auch eine Brücke mit tollem Blick auf den Fall, aber man kommt nur unterhalb auch etwas näher ran. Das hindert mich nicht, wieder so einige Fotos zu machen. Als ich diesen zweiten Wasserfall heute verlasse, gehe ich weiter das Tal auf der Seite hinab, auf der ich kam, denn jede andere Route würde fernab von meinem Parkplatz führen. So bin ich weiter auf einem eher ebenen Waldweg unterwegs, der zwar hin und wieder ein klein wenig ansteigt, mich aber direkt zu meinem Mietwagen führt. Überflüssig zu sagen, dass ich auf den Wegen um den Hochfall auch mehrfach andere Wanderer treffe, die durchweg paarweise unterwegs sind. Erst unmittelbar vor dem Parkplatz treffe ich auf eine größere Gruppe aus Silberlocken. Ich sehe schon mein Auto, als das Handy klingelt: Joe ruft in seiner Mittagspause an und wir quatschen bis kurz vor eins, als er in seinen nächsten Call muss.

Hochfall
Hochfall

Ich bereite mich danach darauf vor, mal kurz durch das Zentrum von Bodenmais zu gehen und packe alles dafür Nötige inklusive Corona-Maske in eine kleine Jutetasche. Dann fahre ich die paar Minuten in die Ortsmitte, wobei ich sogar über eine Umleitung gezwungen werde. Nach kurzem Kreiseln parke ich an der Straße in Richtung Deggendorf, auf der ich am Montag durchkam. Ich gehe die Hauptstraße hinunter und und hoffe auf interessante Läden, die ich beim Durchfahren nicht wahrgenommen habe. Leider erlebe ich keine Überraschung, aber immerhin ist der Rewe-Supermarkt da, so wie ich mich erinnert habe. Ich gehe erst einmal daran vorbei, doch schon am Bahnhof sehe ich, dass da nicht mehr kommt, was heute mein Interesse wecken könnte. Also drehe ich um und gehe im Rewe noch ein bisschen Brotzeit kaufen, damit ich über den Sonntag komme. Danach mache ich mich auf den Rückweg zum Auto. Ein Laden auf der anderen Straßenseite will jetzt doch begutachtet werden, denn sie könnten echte Buff Halstücher haben. Ich vermisse immer noch nach Jahren mein Buff-Tuch mit Piratenmuster, das mysteriös verschwand. Es sind dann aber nur welche einer anderen Marke. Aber ich sehe eine hübsche Schiebermütze aus hellbeigem Denim. Die gefällt mir. Ich checke, ob sie mir passen kann und kaufe sie dann kurzentschlossen. Dann geht es aber wirklich zum Auto. Ich fahre auf der Straße nach Deggendorf einfach weiter, denn die kommt bei einem Kreisel aus dem Ort, bei dem ich direkt zum Hotel abbiegen kann. Da komme ich dann auch schon um Viertel vor zwei wieder an und packe erst einmal um. Die Brotzeit kommt komplett in den Jutebeute, auch die aus dem Rucksack, und alles was ich am Zimmer brauche, in die andere Tasche. Als ich ganz unten die Kameratasche aus dem Rucksack hole, spitzt mich ein vertrautes Muster an: Es ist das seit Jahren vermisste Piraten-Buff, das sich die ganze Zeit dort versteckt hatte. Das kommt sofort mit aufs Zimmer! Ein wirklich schöne Überraschung.

Am Zimmer brauche ich erst einmal, um mich zu sortieren. Heute wurde das Zimmer auch wieder gemacht und die Handtücher sind ausgetauscht, so wie ich es wollte. Das war wohl gestern nur ein Versehen. Nebenbei wasche ich die Heidelbeeren aus dem Supermarkt und gegen halb drei bin ich dann langsam soweit, wieder ein Wellness-Abenteuer zu suchen. Mein Blick ins Hallenbad überrascht mich: Es ist praktisch leer und der Whirlpool ist unbesetzt. Da bin ich dann aber stante pede rein. Und gönne mir zwei Runden sprudeln, weil immer noch keiner da ist. Dann gehe ich durch den Zugang vom Hallenbad in den Außenpool, der auch völlig jungfräulich da liegt. Ich kann allein genau in der Mitte meine üblichen Bahnen ziehen und danach ein paar Minuten dem Wasser zusehen, wie es sich wieder beruhigt. Als ich wieder rein gehe, kommt eine junge Frau rein und wir sind uns einig, dass man das ausnutzen muss. Ich dusche mich ab und lege mich auf eine Liege zum Ausruhen. Da wird klar, dass auf den Liegen, die nach draußen zeigen, ein paar wenige Gäste sind, die man aber kaum wahrnimmt. Nach etwas Ruhen ist es immer noch ruhig im Hallenbad, so dass ich noch zwei Runden im Whirlpool genießen kann. Dann wird nochmal abgeduscht und wieder die Liege genossen. Als mir das nach einem ganzen Stück wieder reicht, gehe ich hoch in den Saunabereich. Ich sehe, dass der Kaminzimmer-Ruheraum das Feuer an hat. Er scheint auch eher leer zu sein. Zuerst will ich aber in die Sauna. Da kommt gerade ein Pärchen raus, als ich reingehe. Ich habe die Sauna also erst einmal für mich allein. Sie kommen wieder rein, als ich schon fast raus möchte, so dass es am Ende vielleicht nur zwei Minuten Überschneidung sind. Dann der neue Kaltwasserbottich draußen, und zwar gründlich. Danach nochmal etwas abduschen, abtrocknen und einen Platz zum Ruhen finden. Leider ist das Kaminzimmer jetzt doch gut besetzt, so dass ich da nicht mehr unter Einhaltung der Abstandsregeln reinpasse. Aber im Liegenbereich nebenan im hintersten Eck ist eine Einzelliege, auf der ich meine Ruhe habe. Auf der lese ich dann auch die nächsten zwei Kapitel von Salman Rushdie. Und weil da auch direkt der Ausgang in den Garten ist, gehe ich danach durch den Garten zurück aufs Zimmer. Da muss ich mich nach dem Wellnessprogramm auch wieder sortieren, aber bald nach fünf fange ich an, am Travelblog zu schreiben. Das mache ich auch, bis es Zeit wird, zum Abendessen wieder hinunter zu gehen. Nebenbei verputze ich die Heidelbeeren.

Nach eineinhalb Stunden und lang vor der Tagesschau bin ich zurück vom Essen, verpflegt und glücklich. Es gab ein Vorspeisenbuttet statt eines reinen Salatbuffets. Sie hatten die verschiedensten Arten Sushi, Lachs, auch auf Spießen, Thunfisch-Carpaccio, Meeresfrüchte- und Octopussalat, Garnelen, dazu ein paar Salate und daneben fleischbasierte Vorspeisen inklusive gebeizter Entenbrust und kaltem Schweinsbraten schlau recycelt von den Vortagen. Ich habe mich auf die Meeresfrüchte und das Sushi konzentriert und bin allerbestens gefahren. Die Suppe habe ich wieder durch den Saft, diesmal mit Ananas, ersetzt. Der Hauptgang war heute für mich ein Stück Zander mit Rote-Beete-Risotto und ein paar gebratenen Kräutergarnelen, einfach perfekt. Als Dessert folgte dann ein Schokoküchlein, natürlich mit flüssiger Schokolade im Kern, mit Zwetschgenröster und Mangosorbet, in der Kombination wirklich wunderbar. Das konnte dann wieder einen Abschluss mit einem Lindenwirtsgeheimnis finden. Der freundliche junge Kellner, der mich schon die ganze Woche bedient hat, hat mich auch darauf hingewiesen, dass er morgen am Samstag frei hat. Damit hat er sein Ziel erreicht und für den heutigen Abend ein etwas größeres Trinkgeld bekommen.

Das Travelblog ist vor acht praktisch fertig und so kann ich nach der Tagesschau weiterlesen.

Sa., 18.09.2021: Halbtagswaldschrat

Es ist das übliche Morgenritual mit viel Zeit und Frühstück kurz nach acht. Um halb neun gehe ich wieder aufs Zimmer, um möglichst schnell zum Wandern zu kommen. Das klappt auch ziemlich gut, denn um fünf nach neun wandere ich los, wieder vom nahen Wanderparkplatz am Eck, nur die andere Richtung vom Rücken entlang.

Schon bei der Abfahrt vom Hotel habe ich mich für die Sonnenbrille entschieden, weil die Sonne auch immer wieder durchspitzt und hoffnungsvoll wünsche ich mir mehr davon. Die Straße auf den Sattel hinauf war völlig frei und mit dieser Euphorie bleibe ich bei der Sonnenbrille beim Wandern. Dabei geht es im Wald leicht aufwärts und es zieht eher zu. Kein Wunder, das ist der Rücken mit dem höchsten Berg vom Bayerischen Wald: Wo, wenn nicht hier, sollen sich tiefhängende Wolken fangen? Es bleibt neblig, dunstig, wolkenverhangen und ist manchmal etwas kühl, wenn leichter Wind von Osten herein kommt. Ich bleibe störrisch bei der Sonnenbrille, auch weil die weniger beschlägt als die ungetönte. Und ich schwitze durchaus beim Anstieg, auch wenn der nicht allzu heftig ist, ist er genug, um mich etwas anzustrengen. Der Weg selbst ist wieder einmal Waldromantik pur und macht sehr viel Spaß, der Nebeldunst tut ein Übriges und schafft eine eigene schöne Atmosphäre. Nach knapp einer Stunde bin ich schon am ersten Gipfel, dem Mühlriegel. Bis hierher bin ich gut zweihundert Höhenmeter gestiegen und das ging ganz easy. Das ist ein schöner, großer Gipfelbuckel mit ein paar Felserhebungen, die man auch leicht besteigen kann. Am höchsten Felsen ist das Gipfelkreuz. Bei dem biete ich einer dreiköpfigen Familie an, sie alle gemeinsam auf ein Foto zu nehmen, was sie dankend annehmen. Ihr Gegenangebot lehne ich dankend ab mit dem Hinweis, mit nur einer Person gelingen Selfies recht gut. Nach ausgiebiger fotografischer Würdigung gehe ich weiter und der Weg am Rücken bleibt sehr schön. Schon bald erreiche ich den Ödriegel, den nächsten Gipfel. Dessen höchste Felsnadel ist nur für Kletterer erreichbar, also lasse ich ihn buchstäblich links liegen, freilich nicht ohne ein Foto zu machen. Von da wird der Rücken bald zu einer Hochmoor-ähnlichen Landschaft, was im Nebeldunst auch sehr gut wirkt. Hier begegnen mir auch ein einzelner Weitwanderer und ein einsamer Trailrunner. Sonst sind da nur wenige Pärchen gewesen. Neben ein paar echten Fotomotiven gebe ich mir Mühe, einige möglichst nichtssagende Bilder vom Weg zu schießen, immer dort, wo möglicherweise der höchste Punkt meiner Wanderung ist. Das ist nicht leicht zu bestimmen, denn es geht auf einem Niveau nur wenig auf und ab. Doch irgendwann geht es doch erst wieder in eine feuchte Waldsenke und dann nach einem kleinen Hügel noch etwas weiter hinab und ich bin am Waldwiesmarterl, immer noch am Bergrücken, verlasse ihn dann jedoch hier. Es wird gerade auch in meiner Gegenrichtung auf den anderen Seite hinab von einer Männerwandergruppe verlassen. Dort ist auch ein Unterstand, der ist aber so dunkel, dass ich hier keine Rast machen will. Ich gehe das Steinerne Gaßerl hinunter Richtung Arnbruck. Nach der Karte hatte ich befürchtet, ab hier sei der Weg dann fade, aber das ist ein wunderschöner Abstieg. Man muss zwar auf seinen Tritt achten, aber schwer ist es dann auch nicht. Ich muss nur bei den zahlreichen Wald- und Forstwegen, die den recht geraden Weg kreuzen, darauf achten, später meine Abzweigung zurück zum Eck zu erwischen. Hier begegnet mir auch eine alleinwandernde ältere Frau aus Baden-Württemberg, die sich über die Beschilderung beschwert. Ich gebe ihr recht, dass die Hauptwege gut markiert sind, es bei den Nebenwegen aber oft hapert. Nach ein paar Minuten plauschen steigt sie weiter auf und ich weiter ab. Beim nächsten Forstweg, den die Route quert, achte ich darauf, und hier ist es nicht so. Auf beiden Seiten ist ein Wegweiser mit klaren Angaben. Als ich nun darauf achte, sehe ich auch unterwegs Wegmarkierungen für die Route. Für diesen Weg hat sie sicher nicht recht, denn das bleibt so, bis ich die Hammerlochstraße erreiche, die mein Weg zurück nach Eck ist. Die ist hier einspurig und asphaltiert. Jetzt wird es also fad. Hier sind sogar vereinzelt Mountainbiker unterwegs, nur wenige und manche elektrifiziert, aber es hat definitiv gerade keinen Wanderwegcharakter. Nach einem dreiviertel Kilometer komme ich an einen Hochstand und inspiziere, ob er als Brotzeitplatz taugt. Er ist offen, aber drin ist es eng, dunkel und ein alter Bürostuhl ist die einzige Sitzgelegenheit. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich steige runter und gehe weiter. So hundert Meter weiter wundere ich mich über ein Schild, dass einen Waldweg hinein weist und behauptet, hier gehe es zum Eck. Wie hanebüchen. Ich gehe die asphaltierte Straße weiter, doch nach zweihundert Metern endet die einfach und es geht kein Weg weiter, der mir plausibel erscheint. Also zurück und doch den Waldweg beim Wegweiser rein. Der gabelt sich auch dann gleich, aber es sollte die untere Gabel sein, die eher am Hang entlang geht als ihn hinauf. Diese Theorie bestätigt sich auch, als ich sie nach zweihundert Metern mit der Handy-Karte prüfe. Nach einem Stück wird dieser ganz hübsche Waldweg wieder zu einer befestigten Forststraße, aber weil sie nicht asphaltiert ist, ist das alles immer noch deutlich besser als meine ursprüngliche Erwartung. Auf einem herumliegenden Baumstamm an der Kreuzung mit dem Wanderweg von Arnbruck hinauf auf den Mühlriegel mache ich dann auch etwas Rast und eine Brotzeit. Auch heute ist es nicht der beeindruckendste Rastplatz und daher geht es nach einer Viertelstunde weiter. Es ist noch eine ganze Strecke und ich fange bei Gelegenheit wieder an, ein paar Samen einzusammeln. Die Sonne spitzt jetzt hier auch hin und wieder mal durch. Schließlich komme ich an eine Abzweigung, wo ein Waldweg hinauf zum Skywalk geht. Die nehme ich auch, erspare ich mir so auch den letzten halben Kilometer an der Staatsstraße entlang gehen zu müssen, eine andere Befürchtung, die ich hatte. Am Skywalk sind zwei ältere Pärchen und ein Pärchen Mountainbiker, also schieße ich nur ein Foto von der Aussicht, die man inzwischen sogar sieht und gehe weiter Richtung Eck hinauf und sammle noch ein paar Samen. Das ist auch gar nicht mehr weit vom Skywalk. Ich bin also fix zurück am Auto und rüste ab. Um halb zwei fahre ich zurück ins Hotel. Es war also wieder mal eine Halbtagswanderung im Wald.

Mühlriegel
Mühlriegel

Ich bin fünf vor zwei wieder am Zimmer und mache mich schnell Wellness-fertig, habe ich doch heute noch einen Termin. Aber erst einmal ins Hallenbad. Der Whirlpool ist frei, also gleich auf zwei Runden rein. Nach kurzem Abduschen gehe ich direkt in den Außenpool, meine Bahnen schwimmen. Da ist zwar ein Pärchen, ich kann aber trotzdem in Ruhe schwimmen. Als ich mein halbes Pensum durch habe, sind sie auch weg und ich habe den Pool doch für mich allein. Danach wieder abduschen, allein weil diese Regenduschen so angenehm sind, und etwas entspannen und runterkommen. Als ich mich dafür bereit fühle, gehe ich in den Saunabereich, doch die Sauna ist mit drei Personen für Corona-Zeiten schon recht voll. Aber das Dampfbad ist leer. Das ist eine Alternative, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe, zu Unrecht, wie sich herausstellt. Nachdem ich vom Dampfbad genug habe, wird zuerst kalt unter dem Schwall und dann warm unter einer Regendusche geduscht und dann gehe ich abgetrocknet ins Kaminzimmer im Ruhebereich. Diesmal ist eine Seite frei und ich kann einen Schaukelstuhl nehmen. Nach einem bisschen legt sogar ein Mitarbeiter Holz nach und das Feuer im Kamin brennt wieder hoch. Das genieße ich, bis es deutlich nach halb vier ist, dann gehe ich wieder aufs Zimmer, um den ganzen Ballast los zu werden. Ich habe um fünf nach vier eine Massage und will nur ein Handtuch mitnehmen. Zehn Minuten vor der Zeit bin ich an der Spa-Rezeption und werde gleich in einen Ruheraum mit hängenden Schaukelliegen geführt. Und als es soweit ist, werde ich da abgeholt und bekomme meine Massage für den Rücken. Nach ein paar Detailabfragen geht es auch los und es ist ein schönes Ritual mit dem warmen Öl. Ich werde sehr wohlig, durchaus kräftig durchgewalkt, aber es tut einfach gut. Nach einer halben Stunde bin ich wieder am Zimmer, schön entspannt und dusche erst einmal das Massageöl ab. Damit habe ich heute sechsmal geduscht: Wasser ist Luxus und den gönne ich mir heute in vollen Zügen. Es war jedesmal schön.

Ich schreibe danach am Travelblog bis es schon wieder Zeit wird, zum Abendessen zu gehen. Wieder bin ich um fünf nach halb unten. Ein schneller Salat und dann bekomme ich auch irgendwann mal mein alkoholfreies Weißbier. Das vom Lammsbräu ist recht lecker, aber auch recht süß, so dass ich kaum ein zweites will. Dann bekomme ich auch meinen Saft statt Suppe, heute Rote Beete/Apfel/Fenchel, sehr lecker. Danach ist der Hauptgang eine Maispoularde, freilich nur zwei Stücke von der Brust, dazu zwei dicke Kartoffelscheiben und etwas Wildspargel, das ganze in Pfefferrahmsauce. Das Dessert ist eine Topfenmousse und Wildbeerensorbet mit Zitronenspiegel, wieder eine sehr tolle Kombination. Der heutige Ersatzkellner bringt mir aber den Getränkebeleg nicht von selber. Also finde ich auch, schon halb am Hinausweg, noch das kleine Käsebuffet, das ich aus der Ferne bisher für unattraktiv gehalten habe. Es stellt sich aber als recht originell heraus und ich nehme noch etwas Käse, der nicht nur originell, sondern auch sehr gut ist. Doch auch jetzt muss ich den Getränkebeleg explizit bestellen. Das klappt dann aber gut und ich gehe zehn vor acht wieder aufs Zimmer und schreibe während der Tagesschau das Travelblog fertig. Etwas lustlos fange ich kurz an zu packen, lasse das dann aber sein und lese lieber weiter am Rushdie.

So., 19.09.2021: Über oben - Lusen und ab nach Hause

Heute variiere ich die Morgenroutine gezwungenermaßen: Es ist der letzte Tag und ich reise nach dem Frühstück ab. Also packe ich gleich nach der Dusche meine Sachen und bringe einen Teil schon um halb acht ins Auto, da mache ich auch noch ein paar Handyfotos vom Hotel, es war ja außergewöhnlich schön hier. Weil ich aber schon um Viertel vor acht damit fertig bin, checke ich auch gleich noch vor dem Frühstück aus. Punkt acht geht es dann ein letztes Mal das Frühstücksbuffet genießen. Weil ich aber auch weiter will, fällt das auch nicht länger als sonst aus, und um fünf vor halb neun bin ich fertig, hole meinen Koffer vom Zimmer, fahre das Auto zum Einladen vor und bin wenig später unterwegs. Es geht über Regen und Spiegelau nach Waldhäuser im Nationalpark. In Regen kreisele ich wegen einer Baustellenumleitung im Zickzack durch das Städtchen, bis ich auf der Bundesstraße bin. Durch einmal falsch Abbiegen wegen meinem Lesefehler auf der Navikarte komme ich drei Kilometer vor der Stadt auf die Bundesstraße und muss nochmal an Regen vorbeifahren. Von Spiegelau nach Waldhäuser hänge ich vor der Abzweigung nach Waldhäuser hinter einem Linienbus, der auch abbiegt, aber dann links in eine Haltestelle einbiegt. So ist der Anstieg eine schöne Auffahrt. In Waldhäuser gibt es viele Parkplätze an verschiedenen Stellen, weshalb ich auf einem ersten versuche, meinen Wunschparkplatz zu lokalisieren. Er ist ein wenig weiter oben an der steilen Hauptstraße und ich fahre da rein und erst nochmal raus, weil er so klein erscheint. Es ist aber der Parkplatz am Waldhäuser Bolzplatz und ich stelle mich möglichst weit weg von den zwei Wohnmobilen. Der Bolzplatz ist etwas hinter noch weiteren Bäumen versteckt. Das erklärt es.

Um zehn vor zehn wandere ich los in Richtung Waldhäuserriegel und am Ende auf den Lusen. Ich muss noch etwa zweihundert Meter die Hauptstraße hoch. Dort zweigt der Wanderweg ab und ich muss aufpassen, nicht den falschen Waldweg zu nehmen, der weiter unten verläuft. Etwa zwanzig Meter hinter dem geht meiner in den Wald und ist gleich ein moderater Anstieg auf einem sehr schönen, ruhigen Wanderweg. Es geht erst hinauf auf den Waldhäuserriegel und dann den Rücken etwas entlang, macht einen Knick und geht minimal hinab über einen Sattel und durch ein dortiges kleines Hochmoor auf den obersten Wanderparkplatz zum Lusen an der Waldhausreibe. Von da nehme ich den Winterweg hinauf zum Lusenschutzhaus. Der Steig, den ich geplant hatte, ginge ein wenig unterhalb, um dann einen steilen Aufstieg zu nehmen, doch der Steig ist in der Handykarte als gesperrt ausgewiesen und taucht auf der Übersichtkarte am Parkplatz gar nicht auf. Dann werde ich den gerade im Nationalpark im Sinne des Naturschutzes bestimmt nicht gehen. Der Winterweg ist eine gut befestige Forststraße, die zunächst moderat durch den Buchenwald ansteigt und im Lauf der Zeit etwas steiler wird, weiter oben in den Fichten-/Heidewald wechselt, aber immer gut begehbar bleibt. Mir kommen schon immer wieder andere entgegen, die abstiegen. Die konnten halt schon deutlich früher los und sind deshalb schon wieder am Rückweg, um mittags zurück zu sein. Ich bin dann ja auch schon um halb zwölf am Lusenschutzhaus, das bereits geöffnet hat und ganz gut besetzt ist. Mir ist es aber zu früh für eine Einkehr, also gehe ich gleich auf den Gipfel, der ja schon fast erreicht ist. Es ist nur ein kurzer Wanderweg, der sehr bald über die übliche Geröllhalde führt, die ja so mancher Gipfel im Bayerischen Wald ist. Auf diesem Gipfel ist zwar viel Platz, es sind aber freilich auch hier schon einige Leute da. Hier oben weht aber ein leichter Wind aus Nordost, der daran schuld ist, dass es sich deutlich kühler anfühlt als im Schutz des Waldes. Daher beschließe ich nach ein paar Minuten und einer Reihe von Fotos, erst später eine richtige Rast zu machen und beginne den Abstieg und bin wieder auf der Leeseite. Der Abstieg geht freilich über den ikonischen Sommerweg, der kilometerweit praktisch schnurgerade hinunter geht. Zuerst kurz über die Geröllhalde, bis er in den Heidewald kommt. Dort ist es aber am steilsten und es geht ziemlich gerade und teils sehr deutlich über Treppen aus den natürlichen Felsbrocken hinab, bis er zuerst flacher wird und dann eben, sogar mit einem geringen Anstieg, weiter verläuft und dann wieder in den Buchenwald wechselt. Auf dem Sommerweg kommen mir sehr viele andere Wanderer entgegen. Das ist auch kein Wunder, handelt es sich doch um eine technisch einfache und nicht besonders lange Wanderung. Daher sind viele Gruppen, auch Familien und ältere Wanderer, recht viele auch mit Hunden unterwegs. Dabei geht der Sommerweg geradeaus bis zu der Schutzhütte bei der Glasarche, die dort als Sehenswürdigkeit platziert wurde. Das verlangt auch ein paar Fotos, bevor ich weiter gehe in Richtung Teufelsloch. Der Weg geht ab da ein ganzes Stück über Holzbohlen durch das Hochmoor. Selbst ein kurzes Stück nach der Abzweigung, an der ich hinunter steige, ist noch so befestigt. Danach wird es aber schnell ein normaler Wanderweg, der bald auch in den Buchenwald wechselt. Ein Stück weiter unten ist das Teufelsloch, keine Höhle, wie der Name vermuten ließe, sondern eine etwas breitere Schlucht aus Granitblöcken mit unterirdischem Bachlauf. Ein schwieriges Fotomotiv, aber ich versuche mich trotzdem. Nachdem ich auf der anderen Seite wieder raus bin aus dem Teufelsloch, zweigt auch gleich der Weg hinab zur Martinsklause ab. An dieser Stelle und etwas danach stauen sich die Wanderer und es ist punktuell viel los. Das ist kein Wunder, denn das Stück unmittelbar unterhalb der Abzweigung ist sehr steil, bevor es wieder moderater durch den Wald geht. Der Weg ist gut ausgeschildert und die Martinsklause ist ein kleiner Stausee, was von der alten Bedeutung von Klause als Stausee kommt. Hier gibt es sogar zwei Bänke und es ist etwa eins, also nehme ich die mitten auf dem Wehr als Rastplatz für meine Mittagsbrotzeit. Es ist gerade wunderbar sonnig und ich mache ausgiebig Rast, auch wenn immer wieder kurz der Wind auffrischt, wobei es dann wirklich auch frischer wird, trotz der strahlenden Sonne. Auch hier kommen regelmäßig andere Wanderer vorbei, was will man an einem sonnigen Sonntag im Gebiet eines der Top-Wanderziele im Bayerischen Wald auch erwarten. Frisch gestärkt geht es dann auf das letzte kleine Stück der Wanderung. Es ist nach einem sehr kurzen Anstieg hinauf über einen kreuzenden Forstweg dann ein schöner und wenig genutzter, leicht ansteigender Waldweg durch den Buchenwald zu einem weiteren Wanderparkplatz direkt an der Hauptstraße. Als er eine Spitzkehre hinauf auf den Parkplatz macht, gehe ich einen kurzen, unmarkierten Weg auf die Nebenstraße Herbergsweg, gehe da zehn Meter in die falsche Richtung und verifiziere, dass die richtige Richtung leicht aufwärts zur Hauptstraße ist. Dort geht auch ein kleiner Wanderweg parallel an der Straße hinab und an einem Atelier bzw. Skulpturengarten vorbei, in dem der Bildhauer Bronzetierstatuen auf Felsbrocken montiert hat. Als der Wanderweg nach kurzem wieder an der Straße endet, geht noch ein Trampelpfad über die Wiese direkt zu meinem Parkplatz. Auch diese erweiterte Lusenbesteigung ist eine Halbtagswanderung gewesen, denn nachdem ich in Ruhe abgerüstet habe, fahre ich schon um Viertel vor zwei wieder los.

Lusen: Sommerweg
Lusen: Sommerweg

Es geht jetzt heim, zuerst wieder zurück durch Waldhäuser nach Spiegelau, dort eine andere Route wieder auf die B85 in Richtung Passau bis ich auf die B533 abbiegen kann. Um diese Abfahrt bin ich froh, denn vor mir fährt ein Schnarcher, der teils nur sechzig auf einer perfekt ausgebauten Bundesstraße fährt, die aber auch wegen des Verkehrs keine Überholmöglichkeit bietet. Von da an geht es recht entspannt heraus aus dem Bayerischen Wald nach Hengersberg, wo ich noch tanke, bevor ich auf die Autobahn Richtung Deggendorf fahre. Dort wird das Fortkommen etwas blockiert von ein paar Frauen in einem Mercedes, die mit Warnblinker nur sechzig auf der rechten Spur fahren. Als ich da vorbei bin, geht es auch schon bald über die Donau und bei Deggendorf auf die A92 nach München. Die ist wiedermal entspannt, es wird jedoch im Lauf ein wenig voller und hektischer, bis ich auf der A9 bald daheim bin. Etwa um vier bin ich dann ohne weiteren Stress daheim und lade aus. Ich habe praktisch fertig ausgepackt, als ich kurz vor sechs noch einmal losfahre und mir bei Five Guys noch einen Burger zum Abendessen hole. Da werde ich noch ein bisschen ausgebremst, weil die Schranke bei Englschalking unten ist. Eigentlich hätte ich die Lücke zwischen rein- und rauswärts fahrenden S-Bahnen erwischt, aber sie haben die Schranke dazwischen nicht geöffnet. Ich vertreibe mir die Wartezeit damit, einzelne Pommes aus der Tüte zu fischen und als ich endlich drüber darf, bin ich auch bald daheim und kann den Burger als Abschluss des Urlaubs genießen.


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  1. Nach Ende der Reise sehe ich in einer anderen Kartendarstellung, dass ich nur den unteren Fall besucht habe. Etwas weiter oben sind anscheinend noch zwei weitere. Das ist ein guter Grund, wiederzukommen.