Anflug auf Auvillar

Travelblog für 18.09.2016

In München macht der Dauerregen genau dann Pause, als ich morgens zur S-Bahn gehe: es nieselt kaum, bis ich in der Bahn bin. Leider muss ich stehen, denn sie ist ganz schön voll und praktisch alle wollen wirklich auch zum Flughafen. Das stehe ich aber locker durch, eher ist nervig, dass die dann auch den Bahnsteig am Flughafen blockieren und es schwer fällt durchzukommen, auch wenn man weiss, wohin man will. Bis zur Gepäckaufgabe geht es dann doch gut, die ist fast ohne Wartezeit ohne eine Schlange am Automaten fix wie immer. Bei der Security ist dann mehr los, aber auch das geht rasch vorbei. Am Gate dann ein kurzer Schock: Ich habe meinen Boarding Pass verloren, den ich nach der Security noch hatte. Dabei war ich nur kurz auf der Toilette und musste beim Kaffee feststellen, dass der jetzt auch bei Lufthansa zwei Euro kostet. Ich bin alle Wege noch mal abgegangen, aber es ist nichts zu sehen. Aber mit einem netten Gespräch am nächsten besetzten Schalter beim Gate konnte das auch wieder gelöst werden: Sie haben mir einen neuen ausgedruckt, nicht ohne die süffisante Bemerkung, dass so etwas bei Ryan Air zwanzig Euro kostet. Der Bus muss dann auch noch bis nach der offiziellen Abflugzeit warten, bis er zum Einsteigen fahren kann, weil sich eine Familie verspätet hat. Im Flugzeug kommt aber aus dem Cockpit die Ansage, dass wir trotzdem pünktlich um eins ankommen werden. Der Flug ist völlig ereignislos, nur das Sandwich ist ziemlich gewöhnlich und lieblos, da war Lufthansa früher besser.

In Toulouse ist dann auch alles sehr relaxt, trotz ein paar Minuten in der Schlange bei der Ausweiskontrolle der Franzosen, die haben immer noch Ausnahmezustand. Der Koffer ist dann schnell auf dem Band und am Europcar-Schalter im Terminal bekomme ich gesagt, ich solle doch gleich an den Schalter im Parkhaus gehen. Dort schaltet die Dame nach zwei Sätzen auf Englisch, was mir bei der Gelegenheit ganz recht ist. Es ist ein Peugeot 208 Diesel und mein Handy verbindet sich auch gleich: für Musik ist gesorgt. Die Fahrt ist zuerst ein wenig ungewohnt, besonders die Orientierung ist nicht völlig einfach, weil ich ja Autobahnen vermeiden will. Mit meinen Ausdrucken von Google Maps und dem Navi klappt es aber ohne größere Probleme und ich bin eindeutig auf dem richtigen Weg.

Pente d'Eau
Pente d'Eau Bootshebevorrichtung

Mein Zwischenziel ist Montech, dort gibt es ein Hebewerk für Boote auf dem Canal du Midi. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass die französische Bezeichnung dessen „Pente d‘eau“ ist, dann hätte mir auch das eine oder andere Schild geholfen. Aber auch so finde ich es dank meiner genauen Vorstellung, wo es sein sollte, und dem Navi, allerdings mit ein bißchen rumkurven in Montech. Leider ist es seit Jahren außer Betrieb und nichts macht dort den Eindruck, dass sich daran je wieder was ändert. Das ist eigentlich ein witziges Stück Technik, das den Booten hilft, eine Schleusenstafette abzukürzen, aber es verfällt gerade. Nach einer ausgiebigen Begutachtung dieses musealen Technikwerkes und einer der vielen Schleusen am Canal de deux Mers fahre ich weiter, wohl wissend, dass ich so sehr zeitig in Auvillar ankommen werde. Aber da mir auf dem Weg keine weitere Sehenswürdigkeit bekannt ist und außerdem zum Sonntag mir auch die Möglichkeit, ein wenig im Supermarkt einzukaufen, versagt ist, bleibt mir nichts anderes übrig. Wenigstens regnet es hier nicht und die Straßen sind frei. Ich fahre also ganz gemütlich nach Auvillar und hier außerhalb von Toulouse ist es auch mit dem richtigen Weg ganz einfach.

Nachdem ich in Auvillar einmal durch den Ort gefahren bin und danach wieder umgedreht habe, parke ich direkt vor der Gendarmerie und wundere mich, wo mein Hotel ist, das ich genau dort vermutet hätte. Ein Blick auf den Plan zeigt mir, dass ich auf der falschen Straßenseite gesucht habe, und dann ist es auch nicht mehr zu übersehen. Das alte Gebäude grenzt direkt an den Uhrturm, der sein Namensgeber ist.

L'Horloge
L'Horloge - Uhrturm und Stadttor in Auvillar

Ich gehe also auf Fotosafari in dem Dorf, das die Anmutung eines toskanischen Dorfes hat, leider aber auch recht klein ist. Schon auf der Fahrt konnte ich den Eindruck einiger Parallelen zu Mittelitalien nicht ignorieren. Kaum eine Minute hinter dem Tor im Uhrturm ist auch schon das größte Highlight: Ein dreieckiger Hauptplatz mit einer kleinen runden Markthalle in der Mitte und Arkaden an den drei Seiten. Da es diesen Ort wohl schon seit der Römerzeit gibt, kann ich mir vorstellen, dass die dreieckeige Form des Platzes hier wie in Regensburg auf eine damalige Weggabelung zurückgeht.

Marktplatz Auvillar
Dreieckiger Marktplatz mit runder Markhalle in Auvillar

Ich walze die Fototour in Auvillar mit allen Mitteln aus, schaue mir eine Galerie an und die originelle Kirche, bei der vermutlich auch mehrfach das Geld ausgegangen ist. Aber nach eineinhalb Stunden finde ich nichts mehr und checke im Hotel ein, hole mein Gepäck, organisiere es um und bringe ein paar Sachen zurück ins Auto. Dann bereite ich mich auf den nächsten Tag vor, ich weiß noch nicht so genau, was ich eigentlich machen will. Um halb sieben gehe ich noch einmal fotografieren, weil die Sonne vorspitzt, aber bis ich bei irgendwelchen Motiven bin, ist es auch schon wieder vorbei mit den Sonnenstrahlen. Also zurück und gegen acht gehe ich im Restaurant des Hotels Abendessen - oder auch nicht. Da sitzt erst einmal das ganze Personal beim Essen, weshalb ich noch eine Runde durch den Ort drehe: die alte Ortsmitte ist mir inzwischen recht vertraut, aber immerhin ist sie im Licht des Sonnenuntergangs nicht schlechter. Der Sonnenuntergang ist nur auch nicht so beeindruckend, da alle interessanten Aussichten in die andere Richtung gehen, nur ein romantischer Blick auf das nahe Atomkraftwerk ist drin. Aber bald bekomme ich auch etwas zu essen - und was für nette Sachen: regionale Wurstwaren als Vorspeise, eine Art Auflauf mit weissen Bohnen, Ente und Wurst als Hauptgang und rote Grütze in besonders gut: ohne irgendwas, das verlängert oder geliert... Und ein Armangnac hinterher schließt das Mahl und den Abend ab.


Zum nächsten Tag

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