Bordeaux im Schnelldurchgang

Travelblog für 19.09.2016

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Hôtel de Ville, La Réole
Altes Hôtel de Ville, La Réole

Um Viertel nach neun komme ich in Auvillar los, nachdem sie sich im Hotel kurz gewundert haben, dass ich kein Frühstück will. Das macht da wohl kaum einer so. Ich bin mit meiner Vorbereitung, einem sehr simplen Roadbook und dem Navi nicht mehr aufzuhalten. So komme ich ganz fix nach Agen und beschließe, nicht dort, sondern erst in Marmande Wasser zu kaufen. Eine ordentliche Straßenkarte wäre auch nicht schlecht für die Planung und Orientierung - Navibildschirme sind da irgendwie nicht zufriedenstellend. Dann meldet sich allerdings bald meine Blase und ich kann es kaum erwarten, nach Marmande zu kommen. Denn die kleinen Parkplätze an der gut befahrenen Landstraße sind überhaupt nicht abgeschieden für ein kleines Geschäft. In Marmande bin ich schon praktisch durch und habe den großen Supermarkt, den ich gerne angesteuert hätte, nicht gesehen. Also drehe ich am Ortsausgang um und nehme einen normalen Supermarkt. Da kriege ich Wasser, aber keine Karte. Immerhin geben sie mir auf Nachfragen den Schlüssel zu ihrer Toilette, so dass ich mich erleichtern kann. Bei der Weiterfahrt sehe ich den ursprünglich gewünschten Supermarkt direkt hinter dem Kreisverkehr, bei dem ich gewendet habe. C‘est la vie. Ich steuere mein erstes Ziel heute an: Le Réole, ein mittelalterliches Örtchen. Da gibt es eine Kirche wie überall und eine alte Benediktinerabtei im Anschluss, dazu ein sehr altes Hôtel de Ville, das unten ein kleine offene Säulenhalle ist. Insgesamt ein nettes Ensemble.

Reste der Benediktinerabtei, Saint Macaire
Reste der Benediktinerabtei, Saint Macaire

Weiter geht‘s nach Saint-Macaire, ebenfalls Mittelalter und in Kern sehr malerisch. Direkt zusammen stehen die Kirche aus dem 11. Jahrhundert und ein kleiner Rest der früheren Abtei. Dann geht‘s auch schon die Stadtmauer runter zur Garonne. Das Portal der Kirche ist eingerüstet, aber durch einen Seiteneingang auf der Garonne-Seite kommt man rein und innen wird deutlich, dass sie schon früh gebaut wurde mit den wenigen, kleinen und meist romanischen Fenstern. Ich fahre weiter nach Cadillac. Und laut Reiseführer ist dieses Dörfchen wirklich indirekt über einen Landadeligen der Namensgeber für die Automarke. Wieder Mittelalter, die Kirche ist zu, aber dafür gibt es ein jüngeres Chateau, auch zu. Also wird kurz das Hotel de Ville noch fotografiert, das den Marktplatz überbaut und auf nach Bordeaux.

Hôtel de Ville, Cadillac
Hôtel de Ville mit überbautem Marktplatz, Cadillac

Meine Vorbereitung für heute ist gut. Ich komme genau wie geplant rein nach Bordeaux und schaffe es auf die Pont de Pierre. Dann bin ich in der Innenstadt und im Stau. Aber auch weiter klappt es sonst perfekt, nur ist vor dem Hotel überhaupt keine Haltemöglichkeit. Nach einem verzweifelten und großen Kreis fahre ich in ein nahes Parkhaus und gehe einchecken. Da erfahre ich, dass das Parkhaus mit dem Hotelsonderpreis genau gegenüber liegt. Also wieder los und umparken. Dort finde ich im gefühlten siebten Untergeschoss einen Platz. Es ist aber erst die zweite Ebene und es sind noch fünf drunter. Das müsste dann unter dem Meeresspiegel sein...

Kathedrale von Bordeaux
Kathedrale von Bordeaux, Innenansicht

Als das Gepäck im Zimmer ist, geht es los und ich mache Bordeaux im Schnelldurchgang: Musée des Beaux Arts, Kathedrale, ich besteige sogar deren freistehenden Turm, der laut Reiseführer am Montag geschlossen sein sollte.

Place de la Bourse, Bordeaux
Place de la Bourse, Bordeaux, Panorama

Place de Parlement, Place de la Bourse und die Garonne mit Blick auf die Pont de Pierre, über die ich reinkam, ich komme mir vor wie ein Japaner.

Opernhaus, Bordeaux
Opernhaus, Bordeaux

Das Opernhaus Grand Théâtre und der Place des Quinconces, Europas größter Platz mit dem Monument des Girondins und ich denke mir, langsam ist es genug und steuere auf mein Hotel zu, disponiere aber noch einmal um und finde einen riesigen Buchladen, in dem ich auch die gewünschte Straßenkarte bekomme.

Monument de Girondis, Bordeaux, Detail
Monument de Girondis, Bordeaux, Detail

Dann muss ich ins Hotel und erstmal duschen. Gegen sieben gehe ich dann los, ich habe ein bestimmtes Lokal im Auge: ein Burgerladen, der behauptet, sich dem Thema mit französischer Rafinesse zu widmen. Und sie haben Recht, der Burger auf einem Mais-Bun ist der beste, den ich je hatte, dazu gibt ein Triple Malt Craft Beer, aber aus England, leider nicht regional. Die Île flottante danach ist nur ganz ordentlich, aber ein schöner Abschluss. Dann bin ich auch platt von dem Tag und gehe zurück ins Hotel. Der kleine Umweg über den Buchladen fruchtet nicht, ich bekomme nicht zwei weitere Karten, weil er schon längst zu hat. Diese Karten sind aber nicht wichtig, nicht für den Moment und eigentlich auch nicht für die ganze Reise.


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