Wandertag

Travelblog für 27.07.2016

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Heute bin ich schon um Viertel nach acht auf dem Weg raus aus Oloron-Sainte Marie zum Wandern. Ich will zu einem kleinen Wanderparkplatz bei dem Weiler Passette hinter Etsaut oberhalb der Talsohle im Valée d‘Aspe. Da laufe ich dann kurz vor neun los. Es geht erst ordentlich aufwärts am Hang entlang und biegt dann bald in eine beeindruckende Schlucht ab. Da ist der Weg mindestens zwei Meter breit in den Fels gehauen und steigt weiter kräftig an. Dieser Weg namens Chemin de la Mâture ist Teil des GR10, dem Weitwanderweg durch die französischen Pyrenäen vom Mittelmeer bis zum Atlantik.

Chemin de la Mâture
Chemin de la Mâture

Obwohl es noch bedeckt ist und nur so fünfzehn Grad hat, rinnt mir der Schweiß wieder einmal in dicken Tropfen über Stirn und Gesicht. Ich sehne das Ende des Anstiegs durch die Schlucht herbei. Irgendwann werde ich erhört und es wird etwas sanfter und bald fast eben. Ich laufe dann sogar in einem regelrechten Tunnel durch einen Haselnusshain und dann geht es manchmal sogar leicht bergab durch sehr schönen Buchenwald am Hang. Mittlerweile ist auch die Sonne herausgekommen. Ich sehe da ein Muster, dass in den Pyrenäen der Morgen öfters eher bedeckt und wolkenverhangen ist und es dann besser wird. Der Weg führt nach einiger Zeit, in der das Umfeld erfreulich variiert, zu einer Abzweigung zur Pont des Trungas, die die erste Stelle markiert, an der man den Bach in der Talsohle erreicht. Mein Weg ging aber vor hundertfünfzig Metern ab den Hang durch den Buchenwald hinauf zur nächsten Gabelung. Der GR10 geht weiter das Tal hinauf, ich aber wende mich zurück zum Col d‘Arras, der oberhalb der Schlucht zurück geht und die Variante des GR10 für die Nicht-Schwindelfreien ist. Nach dieser Abzweigung geht es kaum mehr aufwärts, dafür wandelt sich der Buchenwald zuerst zu einer Bergheide und dann zu einer Art Alm, wo auch Kühe weiden. Etwa beim Col d‘Arras ist der höchste Punkt meiner Wanderung mit etwa 1300 Höhenmetern.

Ausblick vom Col d'Arras
Ausblick vom Col d'Arras

Von da an geht es auf einem recht steilen, alten Weg wieder hinab durch Buchenwald, der besonders im oberen Teil außerordentlich schön ist. Ich muss die ganze gewonnene Höhe wieder steil absteigen, wobei ich schon wieder ordentlich ins Schwitzen komme, trotz des schattigen Waldes. Nach langem Abstieg auf dem steinigen Weg komme ich zuerst auf einen Forstweg und dann gleich auf die Straße, an der ich geparkt habe. Diese muss ich dann noch eine kleine Weile entlang hinab gehen, bis ich in einer Spitzkehre wieder auf mein Auto treffe. Da war ich dann ziemlich genau drei Stunden unterwegs, ohne große Pausen, bin etwa 550 Höhenmeter auf- und wieder abgestiegen. Dabei startete ich schon ein Stück über dem Talboden, bin aber nie auch nur annähernd in in die Nähe eines Gipfels oder nur Grates gekommen...

Jetzt fängt der zweite Teil an: das Autowandern - ich will nach Foix, und das ist ganz schön weit. Ich fahre wieder zurück nach Oloron-Sainte Marie und weiter, mache einen Umweg von dreißig Kilometern, damit ich nicht durch Pau fahren muss, sondern vorher auf die Autobahn komme und bin dann eine gute Stunde auf der Autobahn unterwegs. Dann sind es immer noch dreißig Kilometer bis Saint Girons, wo ich die Hauptstraße verlassen will. Ich erinnere mich genau an den Kreisverkehr, wo die Route über den Col de Port abzweigt. Den habe ich vor zwei Jahren ausgelassen, weil ich vorher versehentlich auf einen anderen Pass abgezweigt bin, der mich einfach nur zwanzig Kilometer zurückwarf, und danach war die Zeit knapp. Ich erkenne ihn auch wieder, aber ich fahre trotzdem drüber, da ich meinte, der Col de Port müsse explizit ausgeschildert sein, es ist aber nur die Straßennummer D618 angeschrieben. Mit einer Extra-Runde und einem Halt zur Überprüfung der Korrektheit nehme ich diese dann aber doch. Die Entscheidung ist nicht nur sachlich, sondern auch inhaltlich richtig. Der Verkehr ist minimal im Vergleich zur Hauptstraße und diese Route führt zuerst lange durch ein malerisches, sehr enges Flusstal und macht dabei jede Kurve mit. Hinter Massat geht es wirklich auf den Col de Port, er steigt in zahllosen engen Kurven um ca. 600 Meter auf 1250 Höhenmeter bei der Passhöhe. Dabei ist die Straße selbst sehr eng, was nicht stört, da es kaum Gegenverkehr gibt. Während der Aufstieg eher im Wald verläuft, ist nach der Passhöhe öfter ein tolles Bergpanorama der Pyrenäen der Ariège zu sehen. Der Abstieg geht gefühlt noch schneller als der Aufstieg und fast unten kommt man noch an der Grotte de Bedeilhac vorbei. Ich lasse sie aber wortwörtlich links liegen, denn ich will zur Grotte de Niaux. Also muss ich bis runter ins Tal der Ariège, das nächste Seitental ein wenig rein und dann steil am Hang hoch auf einer einspurigen Straße. Ich sehe schon das Besucherzentrum, da kommt mir ein ausgewachsener Reisebus entgegen. Damit der runter kann, muss ich mich fünfzig Meter rückwärts den Berg runterrollen lassen, bis ich mich an einer Stelle mit dem Auto soweit an die Wand schmiegen kann, dass der Bus gut vorbeikommt. Der Fahrer bedankt sich dann auch brav. Als ich endlich am Besucherzentrum bin, werden meine Bemühungen belohnt: Ich kann einen Platz in einer englischen Führung am nächsten Tag reservieren. Die Fahrerei von über vier Stunden ohne Pause hat sich also gelohnt.

Foix, Blick auf das Chateau de Foix
Foix, Blick auf das Chateau de Foix

Danach will ich erstmal nur noch mein letztes Hotelzimmer dieser Reise in Beschlag nehmen. Auf nach Foix, da kenne ich mich ja schon aus! Das klappt auch wunderbar, selbst der Verkehr am Zentrum vorbei ist viel weniger als in meiner Erinnerung. Ich meine auch, genau richtig mitten durch zu fahren, um die Unterkunft zu finden, sehe sie aber nicht und bin dann wieder draußen. Also wird baldmöglichst umgekehrt und doch ein kostenpflichtiger Parkplatz am Rand vom Zentrum genommen. Ich gehe diese Route zu Fuß ab und mit der Handynavigation sowie der Hausnummer aus der Bestätigungsemail finde ich es. Es ist kein Hotel, sondern eine kleine Privatpension mit nur einem winzigen Schild. Ich gehe sogar eine kleine Extra-Runde, um mich zu versichern, dass es nichts anderes sein kann und klingle dann. Die Betreiberin öffnet mir auf dem Handy telefonierend und nachdem sie ihr Gespräch beendet hat, versichert sie mir, dass ich richtig bin und bietet mir erst einmal einen Kaffee an. Bei dem besprechen wir die verschiedensten Details und sie erklärt mir, wo ich halten kann, um mein Gepäck auszuladen, und wo ich kostenfrei parken kann. Dann zeigt sie mir mein Zimmer, will sagen, meine Suite: Es gibt einen kleinen Salon, eine kleine Diele, ein Badezimmer und ein Schlafzimmer. Frühstück ist auch inklusive, aber einen Wermutstropfen gibt es doch: Die Toilette ist am Gang, aber auf der Etage ist nur noch ein einziges anderes Zimmer. Das sollte sich verschmerzen lassen. Also wird dann nach Plan das Gepäck aus dem Auto ins Zimmer gebracht, kostenfrei geparkt, wobei ich beim Abbiegen auf dem Weg dorthin fast eine Fußgängerin übersehen habe - zu viele Sachen gleichzeitig auf dem Radar. Wieder auf dem Zimmer ist das erste endlich eine Dusche, es gibt aber keinen Duschvorhang im Badezimmer. Die Badewanne ist aber so geschickt geformt und ins Eck gebaut, dass man bequem im Sitzen duschen kann, ohne eine Sauerei zu machen - gar nicht blöd. Danach fange ich an, Ordnung in mein Gepäck zu bringen, schließlich geht es übermorgen heim.

Aber noch steht das Abendessen aus und irgendwann wird es Zeit dafür. Nur leider haben zuerst fast alle Restaurants geschlossen, an denen ich vorbeikomme, als ich durch die Altstadt streife. Das wird zwar nach einiger Zeit besser, aber mich überzeugt gerade kein einziges Etablissement. Ich gehe dann in das Pub-Café am Marktplatz und bestelle mir ein Pint Leffe. Mal ein Bier, schöne Abwechslung. Nach dem Essen gibt es noch einen Armangnac zur Verdauung, zusammen merke ich das ganz schön deutlich. Zum Essen gab es übrigens Tagliatelle Roquefort als einzigen Gang, Barfood quasi, keine Offenbarung, aber es macht wenigstens satt nach diesem Wandertag.


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