Offene Rechnungen

Travelblog für 28.09.2016

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Ich bin diesmal nach Foix gekommen, um offene Rechnungen zu begleichen. Das letzte Mal, als ich vor zwei Jahren hier war, haben die drei Aktivitäten, weswegen das hier eine Station sein sollte, alle nicht geklappt: Den Col de Port bin ich nicht gefahren, weil ich den falschen Pass genommen hatte und dann zu spät dran war. Das Chateau konnte ich nicht besichtigen, weil ich zu spät angekommen bin und es schon geschlossen hatte, als ich die Zeit dafür gehabt hätte. Und die Grottes des Niaux konnte ich nicht besichtigen, weil ich nicht genügend Zeit hatte, zu warten, bis ich einen Platz in einer Führung bekommen hätte. Das wird diesmal anders: Den Col de Port habe ich gestern genommen und mir danach einen Platz in einer (englischsprachigen!) Führung durch die Grotte de Niaux für heute gesichert. Und das Chateau de Foix steht heute als erstes auf meinem Programm!

Foix: Saint Volusien
Foix: Saint Volusien

Auch wenn ein Frühstück inbegriffen ist, ich begnüge mich mit einem Kaffee und etwas Saft. Dann beginnt das Tagesprogramm mit einem Spaziergang durch die Altstadt von Foix, um ein wenig zu fotografieren: die Kirche Saint Volusien, in der gerade ein Organist übt. Die Karyatiden im dritten Stock des Hauses gegenüber sind jetzt am Morgen in einem schlechten Licht: Sie liegen im Schatten eines Baumes, direkt darunter ist aber grelles Sonnenlicht. Die mittelalterliche Brücke wird beim weiteren Spaziergang auch noch abgelichtet, aber bald geht mir die Lust aus.

Chateau de Foix: Aufstieg
Chateau de Foix: Aufstieg

Das resultiert in zehn Minuten Warten vor dem Chateau, bevor es aufmacht. Ich bin damit der dritte Besucher des Tages und wähle den runden Turm, da die ersten beiden den eckigen Turm nahmen. Der ist danach dran und beide bieten ein schöne, weite Aussicht. Der älteste Turm ist leider nicht zugänglich.

Chateau de Foix: Turmblick
Chateau de Foix: Turmblick

Es folgt eine Umrundung des Chateau mit einer gemütlichen Pause, dann muss ich aber warten vor dem Salle des Gardes wegen einer Führung, die diesen letzten Ausstellungsteil blockiert, die Räume in den Türmen habe ich schon besichtigt. Als dann die Führung im Nebenraum ist, gehe ich rein und bis ich im Hauptraum durch bin, haben sie auch den Nebenraum verlassen. Ich drehe noch eine Runde um das Chateau, und eine weitere Runde unten in der Stadt mit Fotos der Karyatiden bei passenderem Licht. Um Viertel nach zwölf, eigentlich viel zu früh, fahre ich los zur Grotte de Niaux.

Chateau de Foix: Zinnen
Chateau de Foix: Zinnen

Eine halbe Stunde später bin ich dort und muss noch über eine halbe Stunde warten. Ich mache Brotzeit, sehe mir die Exposition an, und muss immer noch warten. Die Führung auf Englisch ist mit etwa zwanzig Personen gut besucht, jeder bekommt eine eigene Lampe. Es besteht im wesentlichen aus dem Hinterwandern zum Chambre Noir, mit gelegentlichen Sicherheitshinweisen und Sammeln der Gruppe vor oder hinter engen Passagen, so weit ein netter, aber wenig aufregender Höhlenspaziergang. Alle Tropfsteine sind lange tot, da sie in früheren Jahrhunderten abgeerntet wurden, die Höhle war stets bekannt. Auf dem Weg sehen wir uns an einer Stelle kurz ein paar prähistorische symbolische Markierungen an. Am Eingang der Kammer müssen alle Besucher ihre Lampen ausmachen und ablegen, da sie unnötige Wärmequellen sind, nur die LEDs der Führerin bleiben an. Gruppen dürfen dort auch nur maximal 25 Minuten bleiben wegen des Kohlendioxids, vermutlich, weil es mit der Feuchtigkeit des Atems zu Säure wird. Die Höhlenzeichnungen sind hier original vor Ort extrem beeindruckend, wobei auch recht interessant ist, dass vor allem Bisons dargestellt wurden, obwohl sie in dieser Gegend nie heimisch waren. In dieser Kammer ist teils eine Einbindung der Höhlenstrukturen in einzelne Zeichnungen zu sehen, was es laut der Führerin auch in anderen Höhlen mit Zeichnungen der Cro-Magnon-Menschen so geben soll. Für mich legt das nahe, dass sie diese vermutlich mythologischen Motive dort ohnehin gesehen haben und nur sozusagen herausgeholt haben, oder diese dann nicht allein stehen lassen wollten und ergänzt haben. Ich finde das plausibel, auch weil immer nur bestimmte, einzelne, ausgewählte Stellen mit Zeichnungen versehen wurden. Am Rückweg begegnen uns dann zwei Leute vom Personal und die unvermeidliche nächste Gruppe.

Grotte de Niaux, Besucherzentrum
Grotte de Niaux, Besucherzentrum

Nach der Führung fahre ich wieder los, es ist ja erst Viertel nach drei. Es geht zum Chateau de Montségur, einer früheren Katharerburg. Als ich dort angekommen bin, mache ich aber nur Fotos von unten, denn mir wird klar, heute habe ich keine Lust mehr auf die 170 Höhenmeter Aufstieg. Das kann dann vielleicht eine offene Rechnung für einen nächsten Besuch in dieser Gegend bleiben. Die gleiche Lage finde ich beim Chateau de Roquefixade vor. Ich fahre lieber diese malerische kleine einspurige Straße, eine richtige Panoramaroute, zurück nach Foix. Dieses Strässlein verbindet die kleinen Dörfer auf halber Höhe am Hang und kommt erst kurz vor Foix wieder ins Tal.

Chateau de Montségur
Chateau de Montségur

Damit ist mein Reiseprogramm im Prinizp vorbei: ins Hotel, duschen, umpacken für den Rückflug, online einchecken. Das lässt mich erst ein wenig verwundert, da die Mail mit dem elektronischen Boarding Pass im Spam landet und ich sie nicht sehe. Ich lasse sie mir ein zweites Mal schicken und dann entdecke ich beide im Spam-Ordner, wo ich sie beide gleich raushole. Gegen halb acht gehe ich essen, im einzigen interessanten Restaurant, das offen hat, auch wenn mir dort die Tische und Karten ein kleines bisschen zu abwischbar sind. Der Service ist aber sehr aufmerksam und das Essen ist lecker: zu Anfang warme Paprikaschoten mit Chèvre gefüllt, gebratene Forellenfiletstücke, angeblich aus der Ariège, auf gerösteten Walnüssen und als Dessert Profiteroles. Dann ist es leider erst einmal vorbei mit der Aufmerksamkeit und ich verzichte daher auf einen Digestif. Trotzdem ist das ein sehr leckeres Abschlusssmahl für die Reise.

Mit diesem Besuch in Foix habe ich die alten offene Rechnungen beglichen, besonders der Besuch der Grottes de Niaux war den großen Aufwand, den ich dafür getrieben habe, absolut wert. Mir ist nicht bekannt, wo man sonst bedeutende Höhlenmalereien im Original bewundern kann. Ich bin froh, gekommen zu sein. Mit den Chateaus habe ich zwar vielleicht neue offene Rechnungen aufgemacht, aber das wird sich zeigen. Foix habe ich jetzt allerdings inzwischen wirklich gut genug kennengelernt.


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