Probewandern am Kyffhäuser

Travelblog für Dienstag, 19.04.2022

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Meine Frühstücksschicht beginnt um halb acht. Es gibt vier davon, immer ab halb für eine Dreiviertelstunde und man musste beim Checkin eine aussuchen. Meine ist die zweite und ich schaff das locker: Ich bin eine Stunde früher aufgestanden und das hat für eine entspannte Dusche und zum Packen gereicht. Es sind nur auch alle anderen pünktlich und daher ist erst einmal viel los. Nach gut zehn Minuten hat sich das gelegt, es wäre also besser gewesen, etwas später dran zu sein, schließlich brauch ich kaum mehr als zwanzig Minuten für mein Frühstück. Auch danach lasse ich mir Zeit, bringe mein Gepäck mit zwei Gängen in das Auto in der Tiefgarage, schau meine Streckenplanung noch einmal gut durch und checke aus.

Kurz nach neun fahre ich aus der Tiefgarage raus und es bleibt einfach: Immer geradeaus bis auf die Umgehungsstraße ausserhalb. Die endet auf meiner Autobahn, wo ich schon eine Viertelstunde nach Start bin. Lange bleibe ich da nicht, schon nach etwa 25 Kilometern geht es wieder runter auf die landschaftlich schönere Strecke zum Kyffhäuser. Lediglich in Bad Frankenhausen verpasse ich zwei Abzweigungen aus Nachlässigkeit. Immerhin erinnere ich mich daran, ein Deo zu kaufen, weil das alte nicht funktioniert. Das klappt zwischen den beiden verpassten Abzweigungen. Als ich die zweite endlich richtig gefahren bin, bin ich auch schon draußen und es geht auf den Kyffhäuser hoch. Das bietet sehr viel Fahrspaß, bleibt die Straße doch frei und ist wie gemacht für die Freude am Fahren. Das passt zum strahlenden Sonnenschein des Tages. Ich nehme den hinteren Parkplatz an Kyffhäuserburg und -denkmal.

Kyffhäuserdenkmal
Kyffhäuserdenkmal

Dann geht es zu Fuß weiter, erst zur Unterburg, nach deren Würdigung über den Steinbruch mit den wenigen Resten der Mittelburg auf die Oberburg. Deren östliche Hälfte wurde von 1890 bis 1896 zum ziemlich monumentalen Kyffhäuserdenkmal für Wilhelm I. umgestaltet. Am Fuß (sic!) sitzt Barbarossa, auf den wohl der (größte) Ausbau der alten Kyffhäuserburg zurückgeht. Ich gebe mir alles, steige bis ganz hinauf auf das Denkmal und die Reste des alten Bergfrieds und lasse auch das sehr kleine Museum nicht aus. Dann reicht es und ich gehe zum Parkplatz und fahre nur so einen Kilometer zurück zu einem riesigen Wanderparkplatz.

Dort will ich einen kleinen Spaziergang machen, teste nebenbei eine Pflanzenerkennungsapp aus und bald verhau ich mich wieder mal. Schon wieder die Karte zu nachlässig gelesen. Aber das merke ich nach hundert Metern und gehe zurück auf den richtigen Weg. Auf diesem gehe ich auch nach einem halben Kilometer ein Stück zurück, aber nicht weil der Weg falsch war, sondern weil in dem engen Tal das GPS so ungenau war und mich nach einer Gabelung auf einem falschen Weg gezeigt hat, obwohl ich richtig war. Die nächste Abzweigung ist ein wirklich nur kleiner, unauffälliger Pfad, aber den erwische ich sofort richtig. Er ist aber sehr steil, weil er den Bergrücken von beidseits sehr steilen Hängen rauf geht. Das ist kein Spaziergang, so wird eine kleine Wanderung daraus. Danach geht es oben am Bergrücken recht entspannt über die Bärenköpfe und den Brockenblick zum Roten See. Nach einer kurzen Prüfung, wieder so hundert Meter einen anderen Weg entlang, entscheide ich mich für den direkten Weg zurück zum Parkplatz. Nach knapp vier Kilometern Strecke und etwa einer Stunde Marsch bin ich zurück am Auto und ziemlich genau um eins geht es weiter.

Wandern am Kyffhäuser
Wandern am Kyffhäuser

Die Abfahrt vom Kyffhäuser ist noch krasser, aber genauso frei. Wie viele Bundesstraßenabschnitte gibt es noch, auf denen man meist im zweiten Gang unterwegs ist und dabei sehr sportlich sein kann? Auf der anderen Seite des weiten Tales finde ich auch die richtige Straße auf den Harz hinauf auf Anhieb. Diese scheint aber auch eine Hauptverbindungsstraße zu sein, denn es ist in beiden Richtungen viel los. Dabei ist sie eng, kurvig und steil, aber wenigstens hat sie einen guten Belag, aber nicht einmal einen Mittelstreifen. Ich bleibe hinter einem Linienbus und einem sehr zurückhaltenden Motorradfahrer. Irgendwann biegt der Bus ab und der Biker fährt später auch raus. Ich finde die geplante Route auch einwandfrei, aber irgendwann ist eine Sperre ausgeschildert. Ich hoffe zwar, eine späte Umfahrung zu finden, weil ich in den benannten Ort gar nicht will, scheitere aber in dem Dorf mit der Sperre. Ich muss zurück und mir eine andere Route nach Güntersberge finden. Das klappt auch perfekt, allerdings ist die Straße besonders schlecht, was einen Linienbus vor mir aber wenig interessiert.

Ab Güntersberge bin ich wieder auf der geplanten Route in das Bodetal. Dort angekommen in Treseburg fahre ich einen knappen Kilometer absichtlich in die falsche Richtung, suche einen bestimmten Parkplatz, um den Wilhelmsblick zu besuchen. Dieser Parkplatz ist kaum mehr als eine Ausweiche, aber völlig frei. Etwa zwanzig Meter weiter ist auf der anderen Straßenseite ein niedriger in den Fels gehauener Fußgängertunnel auf die andere Seite. Dahinter führt eine Treppe auf den Wilhelmsblick, von dem man auf beiden Seiten in verschiedene Schleifen des Bodetals blicken kann. Ich gehe noch zu den Ausblicken von Dobblers Höhe und vom Albert-Schomburg-Platz. Zurück nehme ich den unteren Pfad am Steilhang entlang, der schon wieder kein Spaziergang ist, sondern ein kleines bisschen herausfordernd. Gut, dass ich heute die Wanderhalbschuhe anhabe.

Bodetal: Tunnel zum Wilhelmsblick
Bodetal: Tunnel zum Wilhelmsblick

Die restliche Fahrtroute ist weiter sehr schön und abwechslungsreich, zuerst durch das Bodetal, dann über den Berg mit direktem Blick auf den Brocken und dann vor Elbingerrode noch an zwei Besucherhöhlen vorbei. Bis Wernigerode ist es ganz entspannt und ich bin etwa zwanzig nach drei da. Dann ist dort jedoch alles verstopft. Und mein Versuch, durch die Randgebiete der Altstadt zum Hotel zu fahren, scheitert komplett. Da sind Baustellen und die Einbahnstraßendaten in der Karte scheinen nicht immer zu stimmen. An einer Stelle meine ich sogar, nicht mehr hinaus zu finden, bis mir klar wird, dass eine Einbahnstraße erst genau ab dem Schild beginnt und die andere Richtung doch zulässig ist. Dann reihe ich mich noch einmal in die Schlange ein und fahre um die Altstadt herum. Dann parke ich am Rand der Altstadt möglichst nah am Hotel, das ich zu Fuß sofort finde. Da stehen sie bis auf die Straße, weil in den kleinen Rezeptionsbereich nur eine zusammengehörige Gruppe von Gästen darf. Ich gehe erst etwas die Straße entlang, bei der wegen der nahen Baustelle die Richtung der Einbahnstraße geändert wurde! Dann warte ich an der Rezeption und irgendwann bin ich dran, kann einchecken und muss dabei die Kurtaxe in bar direkt bezahlen. Ich lasse mir die Anfahrt noch mal erklären, aber das ist jetzt die, die ich mir mit der geänderten Einbahnstraße zusammengereimt habe. Der Parkplatz ist zudem fast zweihundert Meter vom Hotel weg, aber jetzt klappt alles, auch wenn ich aussteigen muss, um das Tor zu öffnen. Ich mache trotzdem zwei Trips für mein Gepäck, es gibt auch keinen Aufzug, und sortiere mich dann am Zimmer etwas. Als ich losgehe, um ein paar Fotos von Wernigerode in der Sonne zu schießen, ist es über dem ganzen Chaos schon kurz nach fünf.

Wernigerode: Rathaus
Wernigerode: Rathaus

Ich laufe etwas rum, orientiere mich in der Altstadt und mache ein paar Fotos. Dabei schau ich mich nach Gelegenheiten zum Abendessen um. Ein deutlicher Anteil an Restaurants hat zu, während praktisch alle Cafés Tische draußen haben. Ich hoffe, die Restaurants öffnen noch um sechs oder haben nur Ruhetag, aber das ein oder andere scheint für immer zugemacht zu haben.

Wernigerode: Gasse
Wernigerode: Gasse

Ab etwa sechs schau ich auch die Speisekarten an, aber einige bleiben wirklich wegen Ruhetag geschlossen und bald frage ich nach Platz zum Essen. Ich werde überall mangels Reservierung abgewiesen, nur in einem gibt es gar keine Bedienung trotz eines Schildes "Sie werden platziert"! Nach über fünf Minuten gehe ich wieder. Am Ende esse ich einen Dürüm in einer Dönerbude zu einem Radler aus der Flasche. Danach hole ich noch etwas Obst, ein paar Snacks und das neue Deo aus dem Auto und gehe aufs Zimmer. Nach etwas Sortieren fange ich an, das Travelblog für den Tag zu schreiben. Als ich fertig bin, schau ich mir nur noch Starsky & Hutch im Fernsehen fertig an, es recht mir für den Tag. Wernigerode ist heute recht abweisend gewesen, ich hoffe das bessert sich noch, es ist nicht der erste Urlaubsort, der sich zuerst etwas sträubt...

Wernigerode: Schloss
Wernigerode: Schloss

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