Go-Go-Trip

Travelblog für Sonntag, 24.04.2022

Zum vorigen Tag


Heute ist also Tag der Abreise aus Wernigerode. Ich bleibe bei meiner Routine, nach dem Aufstehen in aller Ruhe zu duschen, und dann vor halb acht zum Frühstück zu gehen. Dazwischen passt auch noch Packen, so dass mein Gepäck fast reisefertig ist. Nach dem Frühstück mache ich das Gepäck fertig und bringe den Koffer und die Schuhe ins Auto. Dann gehe ich zurück und frage bei Rezeption, wie das mit der Schlüsselkarte gehen soll, braucht man sie doch zum Zugang auf den etwas entfernten Parkplatz. Ich verschweige, dass eben das Tor offen stand. Am Parkplatz ist ein Briefkasten dafür, also checke ich gleich aus. Dann hole ich das restliche Gepäck vom Zimmer, mache dabei den dritten Check, auch nichts vergessen zu haben, und verstaue alles im Auto, wobei das Parkplatztor immer noch offen steht. Die Schlüsselkarte kommt erst in den Briefkasten, als ich mit schon laufendem Motor startbereit in der Ausfahrt stehe. Das Tor lasse ich offen in der Annahme, das hatte zu Beginn jemand absichtlich offen gelassen.

Goslar: Kaiserpfalz
Goslar: Kaiserpfalz

Nun heißt es "Go west" - nach Goslar, also "Go Goslar". Ich fahre den vertrauten Weg zur nächsten Autobahnauffahrt, auch wenn das ein kleiner Umweg ist. Als ich auffahre kommt von hinten ein Rettungswagen mit Blaulicht. Ich biege ab und fahre an den Rand der Auffahrt, doch er fährt geradeaus weiter. Die Autobahn ist völlig frei und bietet immer wieder einen traumhaften Blick auf den Brocken, fast so wie die Panoramaautobahn A8 entlang der Alpen. Goslar ist schnell erreicht und ich finde auf den gewünschten Parkplatz bei der Kaiserpfalz mit nur einer kurzen Wende in einem Kreisel, weil meine abbiegende Straße zwei Nummern kleiner geworden ist als die vierspurige, auf der ich reinkam. Es ist grad neun durch, also habe ich fast eine Stunde, bis die Kaiserpfalz öffnet. Viel Zeit, bei dem strahlenden Sonnenschein Fotos von außen zu machen. Das tue ich ausgiebig von allen Seiten und habe immer noch Zeit, den restlichen Aufenthalt in Goslar mit dem Reiseführer zu planen. Fünf vor zehn stehe ich mit einem alten Pärchen vor der Tür. Wir sind dann auch die ersten, die rein dürfen. Ich gehe zuerst auf die Toilette, dann in den ersten Stock in den Sommersaal.

Goslar: Panorama Sommersaal Kaiserpfalz
Goslar: Panorama Sommersaal Kaiserpfalz

Dieser war ursprünglich offen, die Bogenfenster sind heute jedoch verglast, was initial bei der Restaurierung Ende des 19. Jahrhunderts gemacht wurde. Früher wurde der Saal vom Kaiser nur im Sommer genutzt, eben weil er offen war. Bei der Restaurierung wurden auch eher schwülstige Wandgemälde ergänzt, dennoch ist der Saal beeindruckend. Wie muss er erst im 11. Jahrhundert gewirkt haben! Von dort kommt man auch in die Ulrichskapelle, die etwas originaler ist, mit einem Sarkophag in der Mitte. Leider ist deren Obergeschoß nicht zugänglich, das hätte mich interessiert. Danach gehe ich in den Wintersaal, der leider auch nicht sehr original ist, weil Gewölbe eingezogen wurden. Dort ist aber eine interessante Ausstellung über das mittelalterliche Reisekönigtum und die Steinmetzarbeiten aus Goslar. Immerhin soll die äußere Anmutung der Kaiserpfalz einigermaßen originalgetreu wiederhergestellt worden sein. Danach gehe ich in Richtung Marktkirche, am alten Spital vorbei, wobei ich dessen Hof freilich auch ansehe. Genauso die Fassaden mehrerer Patrizierhäuser. Am Eingang der Marktkirche ist ein Schild, das Besichtigungen gerade abweist. Ich hoffe, das ist nur wegen eines Gottesdienstes, immerhin ist Sonntag. Also gehe ich weiter in Richtung Neuwerk-Kirche, eine komplett romanische Kirche. Die Jakobi-Kirche lasse ich dabei links liegen, ist sie im Reiseführer doch nur wegen der sie umgebenden Läden vermerkt.

Goslar: Hauptschiff Neuwerk-Kirche
Goslar: Hauptschiff Neuwerk-Kirche

Die Neuwerk-Kirche ist dagegen mehr als beeindruckend. Ich fotografiere ausgiebig und sehe Schilder, die eine Gebühr für die Fotografiererlaubnis verlangen. Als ich beim Tisch des Türwächters, der vor allem Erbauungsliteratur zu verkaufen scheint, vorbeikomme, bezahle ich, aus Überzeugung sogar den doppelten Betrag.

Goslar: Marktkirche
Goslar: Marktkirche

Ich gehe zurück zu Rathaus und Marktkirche, wo auch ein paar beeindruckende Gildehäuser stehen. Dort beginnen anscheinend gerade Feierlichkeiten zum 1100-jährigen Stadtjubiläum. Immerhin hat die Marktkirche jetzt für Besichtigungen geöffnet, auch ganz ohne Gebühr für eine Fotografiererlaubnis. Das Spannendste an ihr ist die Fünfschiffigkeit, wobei die äußersten beiden Schiffe erst später ergänzt wurden. Auf seine Weise beeindruckend ist es trotzdem. Ich suche eine öffentliche Toilette, doch gleich zwei davon sind geschlossen. Sieht so aus, als wollten sie die Leute bei den Feierlichkeiten nicht pinkeln lassen. Ich orientiere mich langsam wieder zum Auto zurück. Dabei komme ich am Goslarer Museum vorbei. Das scheint sehr groß zu sein und ist auch entsprechend im Reiseführer empfohlen. Ich entscheide mich dagegen, habe ich heute doch noch weitere Pläne.

Goslar: Blick quer durch die Schiffe in der Marktkirche
Goslar: Blick quer durch die Schiffe in der Marktkirche

Um zehn nach zwölf fahre ich weiter. Jetzt ist das Motto "Go south", denn ich will nach Gotha: "Go Gotha". Zuerst nehme ich den Weg, den ich reingekommen bin und mache einen Bogen nach Bad Harzburg. Da ist die Autobahn schon längst zur B4 geworden, auf der ich nun einige Zeit bleibe. Kurz hinter dem Ort sind die Radaufälle direkt neben der Straße, von der aus sie auch gut zusehen sind. Ich habe keine Lust anzuhalten und setze sie auf die offene Punkte-Liste, neben dem Rathaus und dem Museum Goslar oder dem Bergbau am Rammelsberg. Beim Anstieg auf den Harz stören mich nicht die Sonntagsfahrer oder irgendetwas, sondern nur die ständig wechselnden Tempolimits, ist die Straße doch hervorragend ausgebaut. Ab Torfhaus wird sie zur normalen Landstraße und nach Braunlage ist sie recht leer und sogar schön, macht richtig Spaß. Ein fast leerer Wanderparkplatz gibt mir endlich Gelegenheit, die Blase zu entleeren. Erst in einem Dorf namens Netzkater, das heißt wirklich so, kommt die B81 rein und Sonntagsfahrer vermiesen mir den Spaß, den die Straße noch bieten könnte. Es geht weiter nach Nordhausen, wo ich in der Stadt über eine Umleitung geleitet werde. Als ich wieder auf der B4 rauskomme, fängt es etwas an zu regnen, es hatte schon seit Braunlage langsam zugezogen. Hier im Regen fahre ich einen Hang in großen Serpentinen hoch, der gelb von den blühenden Rapsfeldern ist, oben sind umgepflügte Felder roter Erde und grüne Wiesen, was wären das für Farben in der Sonne! Erst ein Stück hinter Sondershausen verlasse ich die B4 und fahre ab nach Eheleben, auch das heißt wirklich so, wo ich erneut die Bundesstraße wechsle, nach Bad Langensalza und weiter nach Gotha. Dort bin ich mal nicht perfekt vorbereitet, sondern verlasse mich auf die Ausschilderung. Ich werde nicht enttäuscht. Schloss Friedenstein ist ab der Stadtgrenze gut ausgeschildert. So komme ich direkt beim Herzoglichen Museum raus. Direkt daneben sind ein paar kostenlose Parkplätze und einer ist für mich frei. Das ist perfekt, denn es regnet schon wieder eine Zeit lang.

Gotha: Herzogliches Museum
Gotha: Herzogliches Museum

Folglich gehe ich direkt hinein in das Museum, das allein von seinem Bau beeindruckend ist. Ich lege eine Maske an wie erbeten, dann nehme ich sie ab, nur um sie bald wieder aufzusetzen. So eine freiwillige Regelung mit Bitten ist Murks, da war es in der Kaiserpfalz zwar etwas lästiger mit 3G-Regel, also Kontrolle des Impfnachweises und Maskenpflicht, aber es war wenigstens klar. Zuerst gehe ich schnell durch eine Ausstellung zu Dinosauriern, dann schon etwas gemächlicher durch eine über Rückerwerbungen von Werken, die dem Museum abhanden gekommen waren. Dann besichtige ich die Toilette im Keller, bevor ich im ersten Stock den zweiten Teil dieser Ausstellung ansehe. Ab da kann man die restliche Sammlung ansehen. Diese sind eine Menge Keramik und Porzellan, auch andere fernöstliche Sammlerstücke und Fächer aus aller Welt. Da bleiben nur noch zwei Räume für Gemälde übrig, ein bisschen schade. Diese sind aber gut in Szene gesetzt und neben einem Caspar David Friedrich ist da eine ganze Reihe, teils außergewöhnlicher, Bilder von Lucas Cranach, dem Älteren. Zudem ist da der Goslarer Tafelaltar ergänzt mit einer animierten Darstellung aller Öffnungsstufen. Das ist hilfreich, darf man ihn doch nicht selber öffnen. Mag die Sammlung auch viel größer sein, durch die Vielseitigkeit und wirklich gute Präsentation ist es ein bisschen wenig, das man sieht. Folglich bin ich um kurz nach halb vier wieder draußen. Weil es immer noch leicht regnet, mache ich nur ganz kurz ein paar wenige Außenaufnahmen und fahre dann weiter. Dann war ich halt nur eine Stunde in Gotha.

Gotha: Eingangshalle und Treppenhaus Herzogliches Museum
Gotha: Eingangshalle und Treppenhaus Herzogliches Museum

Ich finde problemlos zurück auf die Bundesstraße, aber im Regen geht es nicht so recht voran. Und es hört nicht auf zu regnen. In Ohrdruf, auch das der echte Name, ist die Straße nach Oberhof gesperrt und ich muss erneut eine Umleitung nehmen. Die ist aber gut geführt und kommt auch auf einer potentiell sehr schönen Straße raus, doch nun regnet es richtig. Und Verkehr ist auch. Es geht den Thüringer Wald hoch, durch den Wald und im Nebel. Geregnet hat es auch. Trotzdem bin ich schnell in Oberhof, wo ich auch direkt mein Hotel finde. Ich fahre jedoch vorbei, ein Runde durch den Ort, schon einmal nach Restaurants schauen. Ich sehe nicht viel, nichts, das sich im Regen lohnen würde. Also zum Hotel, wo die Abstellmöglichkeiten zum Checkin von einem besonders idiotisch geparkten Golf blockiert werden. Als ich dann nach etwas Rangieren gegenüber stehe, fährt der weg und ich kann hin, in einer Weise, dass auch noch andere den Platz nutzen könnten. Checkin geht in Lichtgeschwindigkeit und ich parke gleich danach auf dem Hotelparkplatz. Es sind nur zehn Meter zur Tür, aber es schüttet gerade, da beeile ich mich besonders und wäre drinnen auf einem kleinen Stück glatten Steinbodens fast ausgerutscht. Das Zimmer im zweiten Stock ist angenehm geräumig und ich breite mich erst einmal aus. Bald danach gehe ich runter, mich etwas orientieren im Haus, finde den Saunabereich und das Restaurant, wo mich ein Koch aufklärt, dass ich, anders als in dem Infoblatt erwähnt, heute keine Reservierung brauche. Es gibt aber nur eine eingeschränkte Karte. Mal sehen, ob ich damit zurechtkomme. Um genau fünf fang ich auf dem Zimmer zurück an, am Travelblog zu schreiben. Dabei hole ich mir dreimal einen Tee am Gang, denn da ist eine kostenlose Teebar mit Heißwasserzapfhahn, erst Kräuter-, dann Früchte-, dann Pfefferminztee. Es ist gerade halb sieben durch, als ich mit dem Travelblog durch bin und mich auf den Weg mache, die eingeschränkte Karte im Hotelrestaurant zu prüfen.

Ein Tisch ist kein Problem. Das Vier-Gänge-Menü ist ist mir zu umfangreich, also esse ich à la carte. Ein Entenschenkel mit Klößen und Blaukraut ist lecker, sehr zart und kein bisschen trocken, wie es bei Ente sonst zu leicht passiert. Das Spezialbier dazu wäre in Amerika ein Amber, auch lecker, und danach gibt es den Kräuterbitter des Hauses. Der ist genauso nett. Ich lasse die Rechnung mit Trinkgeld auf das Zimmer schreiben. Um Viertel vor acht bin ich wieder am Zimmer und versuche, die Programmliste des Fernsehers zu verstehen. Nach der Tagesschau schreibe ich das Travelblog fertig, dann reicht es nur noch für eine amerikanische Krimiserie im Fernsehen.


Zum nächsten Tag

Zur Übersicht