Carlsbad Caverns

Travelblog für 24.05.2017

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Heute habe ich es zwar nicht so eilig, aber ich sollte trotzdem bald los, damit mein neuer Plan hinhaut: Ich will heute gleich das ganze Programm bei den Carlsbad Caverns machen. Also fahre ich direkt dorthin, was doch eine rechte Strecke ist. Sie ist aber zunächst sehr schön. Es geht weit in Berge hoch nach Cloudcroft, einem Urlaubsort auf der Passhöhe auf so 2800 Metern Höhe. Die Strasse dahin ist sehr malerisch, aber es wird einem jeder Fahrspass unterbunden mit lächerlichen Speed Limits und den ständigen Hinweisen, dass es sich um einen "Safety Corridor" handelt und deswegen die Strafen verdoppelt sind. Immerhin komme ich durch - laut Reiseführer - den einzigen Highway Tunnel in New Mexico, aber der ist leider nichts Aussergewöhnliches: Vielleicht 300m lang und schnurgerade, so dass man immer beide Ausgänge sieht, da kennt man anderes. Direkt vor Cloudcroft gibt es eine alte hölzerne Eisenbahnbrücke, einen Blick kann ich aus dem Auto erhaschen, anhalten will ich dafür nicht. Der Kern von Cloudcroft sieht dann auch nicht so attraktiv aus, es scheint aber viele Outdoor-Möglichkeiten zu geben. Ich komme auch direkt an Amerikas südlichstem Skigebiet vorbei, aber wenn das, was ich sehe, alles ist, dann ist es sehr überschaubar. Und viel weiter hinauf gehen die Berge eigentlich gar nicht. Die Strasse nach Artesia geht dann ein Hochtal entlang, was die nächsten 45 Meilen sehr schön ist. Es wird immer weniger Bergwald sondern zunehmend zur Halbwüste. Dann sind die Berge zu Ende und es ist ziemlich Wüste, mit kaum Hügeln, und da ist gar nichts mehr, nur noch die Strasse und eine ihr locker folgende Stromleitung, die hin und wieder einen Mobilfunkmasten speist. Auf den vierzig Meilen bis Artesia ist die einzige Unterbrechung ein Nest names Hope, was zwar sehr verständlich ist, leider aber den Eindruck macht, als hätten sie hier in Wirklichkeit schon lange alle Hoffnung fahren lassen. Artesia sieht ganz nett und lebendig aus, bietet aber auch nichts, das mich über einen Halt nachdenken liesse. Glücklicherweise ist jetzt auch Carlsbad keine vierzig Meilen mehr weg und auf der Freeway-ähnlichen Strasse gibt es ein mit 70 recht hohes Speed Limit. Carlsbad dann sieht sehr einladend aus, wenn ich auch keinen rechten Kern sehen kann. Ich komme auch an meinem Hotel vorbei und fahre weiter bis zum Nationalpark, was bis zum Visitor Center und Höhleneingang noch einmal knapp 30 Meilen sind.

Carlsbad Caverns National Park - Natürlicher Höhleneingang
Carlsbad Caverns National Park - Natürlicher Höhleneingang

Schon als ich vom Highway in den Park hinein abfahre, begrüßt mich ein Schild, dass die Aufzüge nicht fahren. Das wird im Visitor Center noch einmal unmissverständlich klar gemacht: Man muss zu Fuss runter und wieder rauf. Es sind immerhin so um die 250 Höhenmeter. Das wird einige abschrecken, es stellt sich aber heraus, dass es auch noch so mancher versucht - auch einige, denen ich eine bessere Selbsteinschätzung gewünscht hätte. Der Abstieg zieht sich hin und gibt mir zunächst den Eindruck, die Tropfsteine seien nicht so spektkulär. Allerdings gibt es unten einen zwei Kilometer langen, weitgehend ebenen Rundweg, der einen des Besseren belehrt.

Carlsbad Caverns National Park Wahrzeichen
Carlsbad Caverns National Park Wahrzeichen

Ich lasse mir viel, viel Zeit für den Rundweg, es ist verwunderlich, wie sehr die meisten da durchhetzen. Ich bin auch überrascht, dass ich bei den dreizehn Grad in der Höhle keinen Wunsch empfinde, mein Hoodie anzuziehen, aber schon der Abstieg war ein wenig anstrengend, so dass mir warm blieb, unten war ich dann wohl akklimatisiert, und beim Aufstieg wird mir immer warm.

Carlsbad Caverns National Park Detail
Carlsbad Caverns National Park Detail

Die Zeit für den Aufstieg stoppe ich aus Neugier ab und ich brauche nur knapp vierzig Minuten wieder hinauf.

Carlsbad Caverns National Park - Helle Höhlendecke
Carlsbad Caverns National Park - Helle Höhlendecke

Da geht es dann auf halb drei nachmittags zu. Es ist nach dann halb drei, nachdem ich eine kleine Runde durch den Gift Shop gedreht habe. Da fahre ich dann zurück nach Carlsbad, checke im Motel ein und packe erst einmal aus.

Carlsbad Caverns National Park - Tropfsteinwand
Carlsbad Caverns National Park - Tropfsteinwand

Um fünf geht es wieder los, ein paar Getränke kaufen und zum Mexikaner was essen. Da werde ich zwar platziert, aber erstmal nicht bedient. Dann kommt doch mal ein Mädchen mit einer massiven Zahnspange und nimmt meine Bestellung auf. Zwei Minuten später fragt die nächste. Etwas später fragt die erste, ob alles passt. Da vermute ich noch nicht, dass sie mein Getränk vergessen hat. Als sie dann ein ganzes Stück später mein Essen bringt, mahne ich auch meine Lemonade an. Kurz darauf bin ich endlich voll versorgt. Das Essen macht aber die Servicekatastrophe wieder wett. Das dünne Schweinesteak mit roter Sauche ist der Bringer. Ich lasse mir die Rechnung und noch eine Lemonade bringen, schliesslich habe ich noch etwas vor heute abend.

Trotz alledem haut mein Timing noch gut hin und ich bin mehr als rechtzeitig zum Bat Flight wieder beim Höhleneingang. Der Ranger erklärt launig so einiges, vor allem aber warum jede Kamera, jedes Telefon und alles andere Elektronische jetzt strikt verboten sind. Es beeinflusst die Fledermäuse und verscheucht sie, weil immer irgendwas Töne oder Licht macht. 1999 durfte man noch fotographieren. Quasi in vorauseilendem Gehorsam habe ich meine Kamera sowieso im Hotel vergessen. Nur leider - das ist der Fluch, wenn man so früh im Jahr kommt - bleibt der Bat Flight, der massenhafte Ausflug hundertausender Fledermäuse zum Sonnenuntergang, heute aus. Wie auch schon an den vorigen Tagen, wie wir vom Ranger erfahren. Die beste Zeit ist wohl Anfang Oktober. Es kommen nur einzelne Fledermäuse heraus, mal ein Dutzend zusammen, aber mehr nicht. Um halb neun fahr ich zurück ins Motel, noch ein Bierchen trinken und etwas am Travelblog scheiben.


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