Guadalupe Mountains

Travelblog für 25.05.2017

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Um kurz nach sechs stehe ich auf und so schaffe ich es, um kurz vor sieben loszufahren, sogar mit einem Becher sehr amerikaischem Kaffee in meinem Cupholder. Es sollte ja so knapp eine Stunde dauern bis zum Guadalupe Mountains National Park. Diese Einschätzung stimmt recht gut, denn ich bin etwa um acht da - Mountain Time gemäß New Mexico, hier in Texas herrscht eigentlich Central Time und es ist schon neun. Das ist mir aber egal, denn ich will ja nur Wandern und dann wieder zurück nach Carlsbad. Die Einschätzung mit dem Spritverbrauch macht mir etwas mehr Sorgen. Die ganze Strecke fahre ich gegen den Wind - eher gegen den Sturm - an und ich gewinne auch an Höhe, so dass mein Tank, der beim Start fast halb voll ist, ganz schön leergesaugt wird. Das ist in dieser Gegend nicht so gut, denn nach der Abzweigung zu den Carlsbad Cavers gibt es für 130 Meilen keine Tankstelle. Am Parkplatz am McKittrick Canyon ist auch der Tank nur noch knapp ein Viertel voll Sprit. Damit komme ich am Rückweg sicher bis zur nächsten Tanke in White's City.

Guadalupe Mountains National Park Permian Reef Trail
Guadalupe Mountains National Park Permian Reef Trail

Ich wandere erst einmal los - ganz allein, denn sonst ist nur noch ein Auto auf dem Parkplatz und das ältere Paar wird nicht so schnell fertig. Ich will den Permian Reef Geology Trail gehen, etwa bis auf halbe Höhe und dann zurück, weil ich auch noch zum Hauptbereich bei Pine Springs möchte. Es weht wirklich ein gewaltiger Wind aus den Bergen, noch ist es nicht sehr heiss, nur knapp 20 Grad. Der Weg ist wirklich aussergewöhnlich schön, steigt den Berghang zu diesem Plateau über der Wüste an. Diese Kante war im Perm ein Riff am Rande eines Binnenmeeres, was es zu einem geologisch sehr interessanten Gebiet macht. Ich komme gut und schnell voran, weshalb ich mir vornehme, um der hoffentlich besseren Aussicht willen eine Spitzkehre weiter zu gehen, als urspünglich geplant: ein halber Kilometer und weniger als fünzig Höhenmeter mehr sind jetzt nicht das Problem bei über 350 Höhenmetern und gut sechs Kilometrern Strecke der ersten Planung. Das Problem lauert keine hundert Meter hinter dem zuerst geplanten Wendepunkt und ich erschrecke nicht schlecht: Da liegt eine Schlange auf dem Weg in der Sonne und sie ist riesig, knapp zwei Meter lang. Sie liegt regungslos da mit dem Schwanz zu mir und hält den Kopf in die Sonne - ich kann ihr Züngeln sehen. Sofort als ich sie wahrnehme, halte ich abrupt an und ziehe mich langsam zurück. Ich hab sie erst aus etwa drei Metern gesehen, das ist echt gute Tarnung. Aus etwa fünf Metern Entfernung mache ich ein Beweisfoto und beschliesse, dann halt doch schon hier umzukehren.

Guadalupe Mountains National Park - Bull Snake
Guadalupe Mountains National Park - Bull Snake

Am Rückweg mache ich dann bei jedem uneinsichtigen Gebüsch, das den Weg so verengt, dass ich durch muss, noch lautere Geräusche wie Zungenschnalzen, um Tiere schon vorher zu warnen. Nach zwanzig Minuten begegnet mir das Paar vom Parkplatz und ich warne sie vor, aber nachdem sie vermutlich mindestens eine dreiviertel Stunde nach mir dort sein werden, ist dann vermutlich auch die Schlange fort. Der weitere Abstieg ist dann auch ereignislos.

Guadalupe Mountains National Park Permian Reef Trail Ausblick
Guadalupe Mountains National Park Permian Reef Trail Ausblick

Ich gehe eine paar Meter den Extra-Geology-Loop hinter, doch angesichts meiner Erfahrung von eben ist mir der Pfad zu verwildert und ich gehe auf den Hauptweg zurück. Ich bewerte auch den Plan, in ein paar Tagen auf den Escudilla Mountain zu steigen neu. Da ist am Trailhead keine Ranger Station, sondern erst einmal zehn Meilen Forstweg bis zum nächsten Highway und dann ist es noch ein ganzes Stück bis zum nächsten Ort. Und da sind womöglich gar keine Wanderer ausser mir, ich bin da wohl auf viele Meilen ganz allein. Da will ich nicht von einer Klapperschlange überrascht werden. Ich werde diesen Tag wohl etwas umplanen.

Als ich dann bei Pine Springs am Visitor Canter bin, mir meine Park Map hole, erzähle ich dem Ranger von meiner Begegnung. Anhand der Ausstellung zu Flora und Fauna des Parks habe ich die Theorie aufgestellt, dass es eine Bull Snake war - das ausgestopfte Exemplar war jedenfalls unter all diesen Schlangen und Bildern von ihnen am ähnlichsten. Der Ranger sagt mir, die können so groß werden, sind aber harmlos. Sie treten allerdings aggressiv auf, wenn man sie reizt. Er meinte, diese könne man mit einem langen Stock verscheuchen, wenn man nicht aussenrum gehen kann.

Guadalupe Mountains National Park Devil's Hall
Guadalupe Mountains National Park Devil's Hall

Ich laufe hier noch den Devil's Hall Trail. Das ist ein Wanderweg die Schlucht hinter. Es sind einfach gut drei Kilometer und so 150 Höhenmeter und fast die Hälte geht es im trockenen Flussbett entlang. Da liegen aber auch größere Felsbrocken rum, weswegen das schon ein wenig anstrengend sein kann. Gegen Ende ist sogar ein klein wenig Kraxeln angesagt, um eine Engstelle mit Stufe hinauf zu kommen. Am Ende des Weges wartet ein recht aussergewöhnlicher Schluchtabschnitt, der eben "Devil's Hall" heisst: es sind so hundert Meter Schlucht mit fast ebenem Boden, etwa fünf Meter breit, schnurgerade mit senkrechten, fünfundzwanzig Meter hohen Wänden. In den Wänden sieht man auch die fast waagrechte Schichtung des Gesteins besonders schön. Das sieht wirklich ein wenig so aus, als wäre es mit Absicht in den Fels gehauen worden, so regelmäßig erscheint es. Nach einer Brotzeit gehe ich wieder zurück, wobei ich langsam ein wenig unangenehm meine Ferse spüre, an der ich seit März herumlaboriere. Ich hatte schon beim Wiederaufstieg aus den Höhlen gestern und beim Weg dieses Tal hinauf hin und wieder was gespürt, aber jetzt ist es ein wenig lästig. Die optionale kleine Wanderung zur Smith's Spring werde ich also sicher nicht machen, das ist auch besser für meinen Zeitplan. Wieder zurück am Parkplatz wechsle ich in die Schlappen, das fühlt sich besser an, und ich fahre zurück nach Carlsbad.

Jetzt habe ich den Sturm im Rücken und es geht eher bergab, also ist mein Spritverbrauch phänomenal niedrig. Ich muss nicht einmal in White's City tanken, sondern fahre direkt zum Living Desert Zoo and Botanical Gardens State Park am Nordrand von Carlsbad. Dieser widmet sich der regionalen Flora und Fauna deutlich ausführlicher, als es die kleinen Austellungen und Infotafeln in Nationalparks tun können. Das ist superinteressant und sehr informativ, sowas wie Disney's "Die Wüste lebt" in echt, wenn auch nicht ganz so launig. Es versteht sich von selbst, dass in den Aussengehegen in der Nachmittagshitze nicht alle Tiere zu sehen sind. Es gibt aber viel zu sehen, nicht nur die Infotafeln zu den Wüstenpflanzen: Einen mexikanischen Wolf, Prairiehunde, Büffel, Hirsche, einen Puma und einen Luchs, ein paar Klapperschlangen und mehr. Die Raubvögel, die sie haben, sind riesig, und es sind einige! Das ist wirklich ein interessanter Zoo, in dem man auch mal die Tiere hier aus der Gegend sehen kann, denen man in der Wildnis nicht gegenüberstehen will... Daneben gibt es eben die zahreichen Informationen zur regionalen Pflanzenwelt und ein Gewächshaus mit Succulenten aus aller Welt.

Living Desert State Park Zoo and Botanical Gardens - Präriehund
Living Desert State Park Zoo and Botanical Gardens - Präriehund

Danach geht es endlich zum Tanken, etwas Wasser und Bier kaufen, dann ins Motel. Dort habe ich noch die Zeit, ein paar Mails zu schreiben und nach sieben fahre ich dann zum Essen: ein Open-Pit Barbeque. Das macht einen super Eindruck auf mich und der Service funktioniert zackig, sehr viel besser als gestern. Das ist aber auch gut so, denn die Klimaanlage macht es da drin so kalt, dass ich im T-Shirt etwas friere. Aber das Essen ist hervorragend, auch wenn mir die kleine Portion völlig reicht. Es ist gut, dass ich keine normale Portion bestellt habe! Wegen der Kälte bin ich trotzdem froh, wieder rauszukommen in den immer noch recht warmen Abend. Denn dann kann ich mir mein gut gekültes Bier in meinem nicht so übertrieben gekühlten Zimmer gönnen.


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