Der lange Ritt nach El Paso

Travelblog für 26.05.2017

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Am nächsten Morgen kann ich mir alle Zeit nehmen, die ich will, abgesehen von Autofahren ist mein Programm heute überschaubar. Ich will von Carlsbad über El Paso nach Las Cruces: den Tiefpunkt meiner Reise hier verlassen - aber nur den geographischen: Dies ist mit etwa tausend Höhenmetern über dem Meeresspiegel der tiefstgelegene Ort meiner Reise, selbst El Paso am Rio Grande liegt deutlich höher.

Ich schlafe also bis gegen sieben aus, steige zumindest nicht vorher aus dem Bett, hole mir nach der Dusche und dem Packen einen wenigstens heissen Kaffee und einen kleinen Blaubeermuffin vom Frühstücksbuffet und wundere mich dabei noch einmal darüber, dass ich den Indoor Pool die ganze Zeit keines Blickes gewürdigt habe. Dabei ist der vielleicht einer der Gründe, warum dieses Motel bei Baurbeitern so beliebt ist - neben dem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn über Nacht war immer der ganze Parkplatz voll mit den typischen amerikanischen Baustellenfahrzeugen, diesen Pickups mit Spezialaufbau. Die sind jetzt allerdings fast alle wieder weg.

Gegen acht fahre ich los, in der Erwartung, dass ich bis El Paso gegen den Sturm zwei Drittel meines Tanks leerfahre. Die Fahrt selbst ist bei zunächst bedecktem Himmel und teils ein bisschen malerischen Landschaften völlig ereignislos, aber auch über weite Strecken durch die texanische Wüste eher langweilig. Nach dem Guadalupe Mountains National Park geht es recht tief hinunter in die Ebene und dann sind es sehr lange Strecken immer geradeaus. Wenigstens geht es dank hoher Speed Limits relativ schnell - in Texas darf man teilweise 75 Meilen auf dem Highway fahren. Nach wenig mehr als zwei Stunden habe ich die Aussenbezirke von El Paso erreicht, dann zieht es sich aber, denn diese Stadt hat sich unwahrscheinlich ausgebreitet. Irgendwann komme ich auf den Interstate 10 und auf dem fahre ich mal auch nur etwa 300m an Mexiko vorbei, aber von einer neuen Mauer ist hier (noch?) nichts zu sehen. Nach so drei Stunden Fahrzeit erreiche ich endlich die Outlet Mall in El Paso. Mein Tank ist wider Erwarten noch zu zwei Dritteln voll. In der Mall shoppe ich dann erst einmal eineinhalb Stunden ein paar Klamotten. Ich bin darin allerdings inzwischen so versiert, dass mir dann am Ende auch fad dabei wird, weil ich dann schon alle meine Wünsche entweder bedient oder verworfen habe.

Also fahre ich vor eins weiter und finde sofort die Strasse, die mein Reiseführer als die malerische Route von El Paso nach Las Cruces angepriesen hat, den New Mexico State Highway 28. Das Urteil ist allerdings erst einmal schwer übertrieben. Zugegebenermassen führt er durch die Felder und Plantagen mit Pecannussbäumen, bewässert durch den Rio Grande, was wegen des vielen Grüns im Vergleich zur Wüste schon nett ist. Aber leider ist daran erst einmal nichts Malerisches. Erst auf den letzten zehn Meilen vor Las Cruces gibt es Netteres, wenn die Strasse durch alte Plantagen führt, schnurgerade unter alten Bäumen durch, dann ist das etwas ungewöhnlich. Das letzte Dorf vor Las Cruces, Mesilla, erscheint mir auch sehr malerisch, ich möchte aber in der Nachmittagssonne nicht aussteigen. Ich steige erst beim Las Cruces Railway Depot Museum aus. Sie haben den alten Bahnhof von Las Cruces, erbaut 1910, in ein kleines Museum zur lokalen Eisenbahngeschichte ausgebaut. Das ist eine nette Abwechslung, man darf aber keine Schienenfahrzeuge ausser Modelleisenbahnen erwarten, auch wenn es teils als "Railway Museum" gelistet wird. Da steht nur ein Caboose vor der Tür und als ich davor stehe, darf man nicht rein. Das Museum immerhin kostet keinen Eintritt.

Las Cruces Train Depot Museum - Modelleisenbahn
Las Cruces Train Depot Museum - Modelleisenbahn

Ich drehe noch eine Runde durch das Zentrum von Las Cruces, nur um festzustellen, dass ich da kein Abendessen bekommen werde. Dann checke ich im Hotel ein, einem recht komfortablen für diese eine Nacht. Ich bekomme ein Zimmer mit behindertengerechtem - also riesigem - Bad. Auch gut. Das Bett ist auch riesig und wirklich traumhaft gut. Aber erst schreibe ich wieder ein wenig am Travelblog, bevor es dann zum Abendessen geht. Die Mediterranean Cuisine beim Uni-Campus sieht mir bei genauem Hinsehen doch etwas zu studentisch aus, aber nicht weit finde ich einen Japaner und dessen Seafood Combo ist sehr lecker und kommt mit ein bisschen Sushi und jeder Menge Leckereien im Tempura-Mantel. Die Misosuppe und den Salat vorneweg nicht zu vergessen. Sehr charmant ist auch, dass man ungefragt und nur Stäbchen bekommt. Wie gewohnt funktioniert der Service, der Mexikaner in Carlsbad war eine echte Ausnahme. Am Rückweg greife ich mir noch ein Bier im Supermarkt als Betthupferl, ein Chicken Killer Barley Wine Ale der Santa Fé Brewing Company.


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