Rockin' the Desert

Travelblog für 27.05.2017

Zum vorigen Tag


In diesem wunderbaren Bett schlafe ich bis sieben, und nach Duschen und Packen schau ich mir das Continental Breakfast im geschlossenen Innenhof an - wo übrigens auch ein kleiner Pool ist. Aber mich macht nur etwas Melone und ein Kaffee an. Also bald auschecken und los. Viertel nach acht bin ich auf der Interstate 10 nach Westen. Praktischerweise war das Hotel direkt an der Auffahrt. Bald komme ich an eine Inspection Station der Border Control. So eine habe ich gestern schon am Highway gesehen, bin aber auf die Grenze zu gefahren. Daher konnte ich einfach daran vorbeifahren. Heute ist das anders. Ich werde automatisch fotographiert und jeder muss bei einem Officer anhalten. Als der mich sieht und erkennt, dass ich allein im Auto bin, winkt er mich einfach weiter.

Bald danach verlasse ich den Freeway, denn ich will den kürzesten Weg über die Landstrasse zu meinem ersten Ziel heute nehmen, auch wenn das wegen des niedrigeren Speed Limits nicht die schnellere Variante ist. Aber ich habe mal wieder einen Highway, der schnurgerade durch die Wüste geht, praktisch für mich allein. Gegen halb zehn bin ich am Visitor Center des Rockhound State Parks. Blöd, dass es erst um zehn aufmacht. Das denkt sich das Paar, das da mit mir ankam, auch. Aber da kommt ein Ranger um die Ecke gebogen und meint, er kann für uns aufsperren, dann müssten wir nicht warten. Zwei Minuten danach bin ich mit einer einfachen Karte des Parks ausgestattet und es kann losgehen.

Rockhound State Park Trail
Rockhound State Park Trail

Ich werde einfach alle beide Trails des Parks langwandern, denn sie schliessen parktischerweise aneinander an, sind zusammen kaum drei Kilometer, und über den Campingplatz komme ich wieder zum Visitor Center zurück. Zuerst erscheint dieser State Park sehr unspektakulär, aber es gibt eine ganz große Besonderheit: Sonst ist es in solchen Parks immer strengstens verboten, irgendetwas, auch nur einen Stein mitzunehmen, hier ist es erlaubt und erwünscht, Steine zu sammeln. Dabei gibt es hier angeblich besonders viele Halbedelsteine und Geoden. Ich verlasse auch ein paar Mal den Wanderweg, um Ausschau zu halten, finde aber nichts Besonderes. Ich nehme mir nur einen hübschen kleinen Stein als Souvenir mit. Mit der Zeit, wenn man sie in Ruhe betrachtet, findet man die karge Umgebung dieses Berghanges in der Wüste auch so ganz attraktiv. Die Ruhe habe ich, denn am Weg begegnet mir ein rüstiger Renter zweimal, sonst niemand. An der Ein- und Ausfahrt zum Campingplatz ist eine Art Pult aus Stein und in der schrägen Oberfäche sind typische Fundstücke für das Gebiet in den Beton eingelassen. Da zeigt sich, dass selbst mein kleiner Souvenirstein einen großen Einschluss aus Japsis hat. Dann geht es für mich weiter.

Rockhound State Park - Fundstücke erklärt
Rockhound State Park - Fundstücke erklärt

Mein nächster Stopp ist in Deming, wo der Highway nach Silver City vom Freeway abgeht. Dort gibt es aber auch das Deming Luna Mimbres Museum, dessen Beschreibung im Reiseführer mich neugierig gemacht hat. Und es ist alles wahr: Das ist ein Gemischtwarenladen von einem Museum, das Regionalgeschichte mit jeder Menge lokalen Artefakten, auch den unbedeutendsten zeigt: Da sind alte Feuerwehrautos und die Kutsche des Leichenbestatters, Memorabilia der lokalen Kriegsteilnehmer aus den Kriegen seit dem ersten Weltkrieg, das edle Familienporzellan, alte Möbel, Sättel, ganze Ladeneinrichtungen, skurrile Sammlungen von Whiskeyflaschenfiguren, auch ein Spock ist darunter, Knopflochhaken, Puppen und mehr. Es gibt Quilts, alte Fotos, alte Kameras und Büromaschinen, Radios, Schulurkunden und altes Equipment des lokalen Krankenhauses mit einem alten OP-Tisch und einer eisernen Lunge.

Deming Museum - Ausstellungsstücke
Deming Museum - Ausstellungsstücke

Doch es gibt auch zwei Sammlungen, die man nicht einfach als Stolz auf die Lokalgeschichte abtun kann: Zum einen ist da eine Sammlung von Geoden und anderen Kristallen, die zwar zusammengepresst wirkt, aber riesig und recht beeindruckend ist, trotz der platzoptimierten Präsentation. Und zum anderen ist dort eine sehr beeindruckende Sammlung indianischer Artefakte, vor allem lokaler Funde, zu sehen. Das sind überwiegend Töpferarbeiten und Pfeilspitzen, aber auch Schmuck, Körbe und mehr. Das besondere daran sind die lokalen Funde einer Indianderkultur, die ab etwa dem Jahr eintausend für hundertfünfzig Jahre hier ihre Blüte hatte. Deren Töpferarbeiten haben es damals anscheinend nicht über die Region hinaus geschafft und sind deswegen woanders auch nicht zu sehen. Dabei sind sie sehr schön und durch ihre Motive einzigartig. Als ich endlich nach knapp zwei Sunden fertig bin, suche in verzweifelt noch nach einem Stück im Gift Shop, mit dessen Kauf ich dieses wirklich tolle, witzige und ziemlich einmalige Museum unterstützen kann - der Eintritt war nämlich frei! An Ende kaufe ich auch ein kleines Mitbringsel und komme dabei mit der Lady an der Kasse ins Quatschen. Bald ist auch ihr Mann da, der das Front Desk macht und ich ratsche eine Viertelstunde lebhaft mit dem alten Ehepaar. Das macht uns allen sichtlich Spass. Als ich weiterfahre, ist es Viertel nach eins durch.

Ich habe schliesslich noch einen weiteren Programmpunkt geplant: den City of Rocks State Park. Da komme ich um kurz vor zwei an und hole mir auch erst einmal ein kleine Karte im Visitor Center. Ganz schnell ist der Beschluss gefasst, dass ich den Hydra Trail einmal ganz aussen rum gehe, es sind ohnehin nur fünf Kilometer. Als ich ihn gehe, wird klar, dass der den namensgebenden Kernbereich immer in gebührendem Abstand und stets mit schönem Blick darauf, dabei manchmal im Zickzack, umrundet. Das ist sicher den Mountain Bikern geschuldet, denn der Trail ist explizit als Hike and Bike Trail ausgewiesen. Es ist aber niemand ausser mir so verrückt, den in der Nachmittagshitze zu gehen oder zu fahren.

City of Rocks State Park - Überblick
City of Rocks State Park - Überblick

Nach gut einer Stunde bin ich am Ende im hiesigen botanischen Garten, so einen gab es auch im Rockhound State Park. Sie erklären hier gern ihre Flora. Der hiesige ist besonders klein und schlicht, das macht ihn aber auch besonders charmant und putzig. Nach ein paar Minuten bin ich durch und gehe endlich in den Kernbereich mit den Felsen. Es sind Findlinge und Felsnadeln mit kleinen Schluchten dazwischen, die sehr malerisch sind und manchmal wirklich den Eindruck von Gassen erwecken. Sie sind vulkanischen Ursprungs und härteres Gestein als die Umgebung, weshalb sie der Erosion etwas besser widerstanden haben und jetzt so eine Art Felslabyrinth bilden, ein sehr malerisches obendrein. Es macht unglaublich Spass, dazwischen rumzulaufen, auch wenn man manchmal auf einen besetzen Campingsite trifft. Das Setting ist natürlich gleich für sehr, sehr romantische Campingmöglichkeiten ausgenutzt worden. Da der Platz aber nicht allzu sehr belegt ist, stört es mich gerade wenig. Es ist fast halb fünf, als ich endlich weiter fahre nach Silver City, meiner Station für das Memorial Day Weekend. Da komme ich kurz nach fünf an.

City of Rocks State Park - Innenbereich
City of Rocks State Park - Innenbereich

Zuerst einmal muss ich wieder tanken, aber das hielt ja sowieso länger als erwartet. Dann stelle ich fest, dass in der Downtown Strassen für ein Fest gesperrt sind, aber ich finde schon einen Supermarkt, wo ich ein bisschen Bier kaufen kann. Dann checke ich im Motel ein, wo ich noch erfahre, dass heute ein Radrennen hinter zu den Gila Cliff Dwellings war. Ich werde also morgen wieder freie Fahrt haben. Als ich meinen Kram am Zimmer habe, merke ich, dass ich nicht mehr die Power habe, noch auf die Fair zu gehen. Ich fahre also um Viertel nach sechs in den Historic Downtown District, ein bisschen neben diesem Trubel und sehe, was ich da so bekommen kann. Da gibt es Läden und ein Kino, und als ich langsam etwas enttäuscht bin, ist auf der anderern Strassenseite ein Brewpub. Abendessen ist gerettet. Ich bin sehr erfreut, als sich zeigt, dass sie selber brauen und distillieren, kann aber als Autofahrer nur eins trinken und leider nicht die Karte rauf und runter. Mein Burger braucht zwar echt lange, aber das hatte der Kellner wegen Stau in der Küche schon angekündigt und er gibt mir alle paar Minuten ein Heads-up. Als das Essen kommt, kündigt mir der Kellner auch noch einen 25%igen Nachlass wegen der Wartezeit an. Dabei ist dieser Burger wie aus dem Himmel. Absolut perfekt mit grünen Chilis, Bacon und Käse auf einem guten, frischen, leicht knusprigen Bun, vom Allerfeinsten. Da hätte ich auch den vollen Preis trotz der Wartezeit nicht bereut! Auf meinen Hinweis, dass ich fahren müsse, kriege ich noch die Antwort, dass sie ihr Bier auch verkaufen, z.B. in Gallonen-Sammelflaschen oder Six Packs. Ich denke, ich muss am Montag noch einmal kommen und gehe. Mein Handy, das ich im Auto vergessen hatte, ist noch dort - das hatte mich im Brewpub ein wenig beunruhigt. Es ist schon ein wenig nach acht, als ich zurück im Motel bin und anfange, am Travelblog zu schreiben.


Zum nächsten Tag

Zur Übersicht