Gila Cliff Dwellings

Travelblog für 28.05.2017

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Schon vor halb sieben bin ich auf und dann auch schnell fertig, denn die Dusche liefert nur kaltes Wasser, duschen ist also sehr kurz. Nur ein klein wenig später stellt sich dann heraus, dass ich mal wieder zu blöd war, diese Mischbatterie zu bedienen. Da gibt es in den Staaten so viele, teils wirklich recht unverständliche Varianten, dass mir so etwas immer wieder mal passiert. Egal, morgen dann länger duschen, ich bin ja draussen und allein.

Kurz nach sieben hole ich mir im Office einen Kaffee und fahre los. Es fängt ganz entspannt an, geht aber ordentlich aufwärts, schon nach sieben Meilen beim ersten Dorf, das ich mir am Rückweg anschauen möchte, überquere ich die kontinentale Wasserscheide. Dann geht es richtig in den Wald und es wird eine absolut prima Bergstrasse, kurvig, eng, sogar mit echten Spitzkehren. Es geht noch über ein bis zwei Passhöhen bis zur nächsten Kreuzung, wobei die zweite eine Strecke auf einem Bergrücken entlang ist. An dieser Kruezung kommt ein anderer Highway herein, der eigentliche Hauptanfahrtsweg zum Gila Cliff Dwellings National Monument. Damit wird die Strasse etwas besser ausgebaut, geht aber nochmal über eine Passhöhe bis sie nach Gila Hot Springs zum Monument führt. Am Anfang meiner Strecke stand eine Fahrzeit von zwei Stunden auf Schildern angekündigt, ich habe am Ende eineinhalb Stunden gebraucht, bei völlig freier Strecke - und für gut vierzig Meilen! Auf einer der Passhöhen waren auch Rehe am Rand der Strasse, die habe ich aber rechtzeitig gesehen und sie haben sich eigentlich nicht für mich interessiert, als ich langsam an ihnen vorbei gefahren bin.

Am Visitor Center ist es zwanzig vor neun und es hat schon auf, obwohl es erst um neun öffnen sollte. Ich sehe mir die Austellung an und versorge mich mit jeder Menge Infomaterial für die ganze Gegend. Fünf nach neun fahre ich zum Trailhead und fünf Minuten später höre ich mir eine ausführliche, aber sehr nette Belehrung einer Ehrenamtlichen an. Jedwedes Essen muss im Auto bleiben, um dort keine Holzschädlinge anzulocken. Sie sagt mir auch, dass vor mir erst eine Besucherin hoch ist und ich daher noch die Vögel zwitschern hören kann. Das ist später mit mehr Besuchern nicht mehr drin. Der Aufstieg zur Site ist leicht - wenn auch fälschlich als steil angekündigt - und vor allem sehr malerisch. Es geht durch den Boden einer engen Schlucht, die durch den Bach dort sehr grün ist. Oben treffe ich auf einen weiteren Ehrenamtlichen, mit dem ich mich einige Zeit über diesen Ort unterhalte. Er weist mich auf kleine Reste von Felsmalereien hin. Diese ersten zwei Gebäuderuinen kann man nicht betreten, danach aber sind drei verbunden und die darf und soll man betreten.

Gila Cliff Dwellings National Monument - Innenansicht
Gila Cliff Dwellings National Monument - Innenansicht

Dort treffe ich den nächsten Freiwilligen und unterhalte mich mit ihm, nachdem er die erste Besucherin verabschiedet hat. Bis dahin fotographiere ich ein wenig. Er sagt mir, als wir bei den dortigen kleinen Felsmalereien sind, dass im Tal praktisch neben der Strasse noch weitere sind, zusammen mit einem viel kleineren Höhlenbau. Ausserden meint er, der eine aufgestellte Lagerbehälter für Mais sei original, wenn nicht direkt von dieser Site, so doch von einer anderen lokalen Site. Und er weist wiederholt darauf hin, dass dies der einzige Ort in den Vereinigten Staaten sei, wo man in derartige Höhlenbauten unter Felsüberhängen auch tatsächlich hinein dürfte. Das tut er auch zu Recht, denn es ist schon beeindruckend, mittendrin zu stehen. Nach einiger Zeit kommen langsam weitere Pärchen an, die sich das hier ansehen und seine Aufmerksamkeit bekommen. Ich fotographiere noch ein bisschen und gehe noch einmal zum ersten Raum, um noch ein kleines Malereifragment zu betrachten. Natürlich ist auch noch ein kurzes Schwätzchen mit dem dortigen Ehrenamtlichen drin.

Gila Cliff Dwellings National Monument - Ausblick
Gila Cliff Dwellings National Monument - Ausblick

Dann steige nach ein paar weiteren Fotos wieder ab. Auch hier ist ein recht große Eidechse sehr entspannt, als ich vorbeikomme. Sobald ich sie sehe, bin ich vorsichtig, fotographiere sie, aber sie nimmt keine weitere Notiz von mir und bleibt einfach still sitzen. Unten gibt die Dame gerade Einweisungen im Akkord. Jetzt ist richtig was los und der Parkplatz ist voll. Ich sehe mir noch kurz das sehr kleine Trailhead Museum an und fahre dann die wenigen hundert Meter zum Lower Scorpion Campground.

Gila Cliff Dwellings National Monument - Petroglyphen
Gila Cliff Dwellings National Monument - Petroglyphen

Da ist der "Trail into the Past", ein kurzer Weg, der die Felsmalereien mit dem Parkplatz des Campingplatzes in der Mitte und dem kleinen Höhlenbau verbindet. Letzerer ist auch einfach offen, so dass man hinein gehen kann. Die Felsmalereien hier sind sehr viel umfangreicher als in den Dwellings selbst und man kann direkt ran. Nichts hält einen ab, sie zu berühren ausser dem Respekt, sie nicht zu zerstören. Das ist noch einmal ein verstecktes Highlight in diesem National Monument, das genau wegen dieser Nähe, die man bekommen kann, etws ganz Besonderes ist. Wenn man dann so früh dran ist wie ich und große Teile auch noch ganz allein geniessen kann, dann ist das ein absolut aussergewöhliches Erlebnis. Das ist auch daran zu erkennen, dass ich über zwei Stunden in diesem eigentlich recht kleinen Bereich zugebracht habe: die Wege zu erwandern hätte insgesamt kaum eine halbe Stunde gedauert. Aber ich habe noch ein paar Stopps am Rückweg nach Silver City in der Planung.

Gila Wilderness - Aussicht
Gila Wilderness - Aussicht

Zuerst geht es zurück zur ersten Passhöhe. Dort ist ein Aussichtspunkt, den ich ansteuere. Der ist recht schön, doch er wird von einer Gruppe älterer Biker belagert und es gibt keinen Weg auf den nahen Gipfel, der wohl früher mal zu einem Vulkan gehörte. Das bleibt ein eher kurzer Aufenthalt. Also weiter zur Kreuzung und ein paar Meilen den Highway 35 entlang zu den Vista Village Ruins oberhalb des Lake Roberts.

Lake Roberts - Vista Village Ruins
Lake Roberts - Vista Village Ruins

Die sind auch schnell besichtigt, denn es handelt sich um drei flache, runde Erdlöcher mit ein paar Steinen drin, die einst wohl einmal indianische Behausungen waren. Das ist ein gewisser Kontrast zum Erhaltungsgrad der Cliff Dwellings. Es ist aber gerade Mittag und sie haben sehr einladende, überdachte Picknickbänke auf diesem Bergrücken mit Blick auf den Lake Roberts. Also Brotzeit, Picknick, Lunch, was auch immer. Danach steige icn noch ein Stück zum See hinunter, aber das ausgeschilderte Verbot da drin auch nur zu waten, geschweige denn zu baden, und der Eindruck, dass das Ufer an dieser Stelle nicht so toll sei, lassen mich auf halbem Weg wieder umkehren.

Es geht wieder zurück auf die Strasse nach Silver City. Bis zur Kreuzung muss ich mich erst einmal in die Reihe amerikanischer Ausflügler einfügen und mir schlafen fast die Füße ein. Dann aber habe ich freie Fahrt und kann die Bergstrasse nach Lust und Laune hochfahren. Nach so drei Meilen lasse ich einen Subaru vorbei, denn ich kann ihn nicht abhängen, weil mein SUV bergauf nicht schnell aus den engen Kurven rauskommt. Da ist dieser flache Flitzer besser ausgerüstet. Aber auch als er vorbei ist, bleibt er noch geraume Zeit in Sichtweite... Ich fahre einfach gemütlich weiter - gemütlich für einen Europäer, denn für Amerikaner wäre es eher wild, wie ich die Strecke nehme. Und nach einiger Zeit bin ich am Signal Peak Trailhead. Den muss ich aber auch genau mit der GPS-Navigation lokalisieren, sonst wäre der nur an drei Autos, die da parken, zu erkennen gewesen. Ich möchte mir den Weg ein kleines Stück ansehen, da ich ihn bei der Recherche nach möglichen Wanderungen gefunden habe. Dabei ist mir heute der Sinn irgendwie gar nicht nach Wandern, auch wenn ich die Zeit hätte. Es wäre aber auch nicht gerade schlau, in der Mittagshitze loszugehen, es sind immerhin gut 500 Höhenmeter bis zum Gipfel auf über 2700 Meter. Ich schau also nur ein paar hundert Meter hinein, um zu sehen, dass der Weg zumindest hier am Anfang ausserordentlich schön ist. Wieder ein Stopp, der kürzer ist als erwartet. Also weiter.

Pinos Altos Opera House
Pinos Altos Opera House

Noch habe ich einen klaren Plan, der da heisst Pinos Altos anzusehen, das mein Reiseführer als interessantes Dorf anpreist. Als ich dort bin, bin ich ein wenig überrascht, denn tatsächlich besteht der interessante Teil aus einem sonst alleinstehenden kleinen Ensemble von drei bis fünf Gebäuden, je nach persönlicher Einschätzung, von denen nur eines zugänglich und offen ist: ein von aussen sehr kleines lokalhistorisches Museum, das aber mehr den Eindruck einer reinen Trödelsammlung macht. Das will ich mir nach dem schönen Erlebnis in Deming nicht antun. Dann halt ein paar Runden in Silver City: Die Fair ansehen, nochmal durch Downtown, ein wenig Getränke und Snacks shoppen und dabei die Augen nach einer Location für das Abendessen aufhalten. Das Volksfest ist so typisch für ein amerkanisches, wie es nur sein kann. Hier ist aber nachmittags schon die Hölle los zu hiesiger Live-Stimmungsmusik, soll heissen souligem Bluesrock. Aber allein macht mir so etwas keinen Spass, also bleibt es bei einer ausgiebigen Ehrenrunde. Meine erneute Besichtigung des Historic District gleich daneben ergibt, dass es hier doch einige Cafés gbit, die aber evtl. abends geschlossen sind. Immerhin ist dieser Bereich doch schön groß und relativ interessant. Nach all diesen Runden bin ich mit meinen Einkäufen kurz nach drei im Motel und kann mich etwas ausruhen, denn auch den Laden für's Abendessen habe ich mir schon ausgesucht: einen Japaner, schon wieder. Zeit, die Planung für meinen Waschtag morgen zu machen.

Kurz vor sechs fahre ich zu dem Japaner und eine dreiviertel Stunde später bin ich auch schon zurück: Das war sehr lecker und sicher eines der gehobeneren Restaurants der Stadt, wenigstens preislich. Aber es ist Sonntag am Memorial Day Weekend, da kann man sich schon mal was gönnen. Aber zum zweiten Mal beim Japaner und immer kein Sushi, sondern anderes bestellt: diesmal Steak und Shrimp mit Gemüse und gebratenem Reis. Zurück im Motel wird dann noch am Travelblog weiter geschrieben.


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