Petrified Forest

Travelblog für 31.05.2017

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Um Viertel vor acht fahre ich los. Heute ohne Kaffee, denn das Office sah recht ausgestorben aus und ich habe meine Schlüsselkarte in den Key Drop Schlitz geworfen. Es geht weiter auf dem US-180 bis zur Abzweigung in den Petrified Forest National Park hinein. Die Entrance Station ist gleich nach der Abzweigung und das Rainbow Forest Visitor Center ist eine gute Meile weiter.

Petrified Forest National Park - Versteinertes Holz
Petrified Forest National Park - Versteinertes Holz

Dort frage ich erst einmal nach Informationen zu Trails, bekomme dafür einen Trip Planner und sehe mir in Ruhe die kleine Ausstellung mit Fossilien (oder Replikas) und vielen Informationen an. Dann gehe ich auf den kleinen Trail direkt hinter dem Haus, nehme mir einen Trail Guide gegen eine kleine Spende mit und gehe die Stationen ab. Natürlich halte ich viel öfter an, denn hier liegen endlos viele versteinerte Hölzer rum, von ganzen Stücken eines Stamms bis zu kleinen Bruchstücken in der Größe eines kleinen Kieselsteins. Annähernd jeder Stein hier ist versteinertes Holz. Das ist schwer beeindruckend. Die Infotafeln konzentrieren sich meist darauf, erklären am Beispiel aber auch die Badlands und etwas zur Geschichte des Parks. Auf diesem Trail ist schon Verkehr, der ist ein Amerikaner-gerechtes Häppchen.

Petrified Forest National Park - Agate House
Petrified Forest National Park - Agate House

Ich beschliesse daher auch den anderen Weg zu gehen, der am Visitor Center losgeht, nur so etwa 200 Meter die Strasse runter: Er führt zu einem Bereich mit versteinertem Holz, der "Long Logs" heisst, und weiter zum Agate House, alles zusammen gut vier Kilometer. Damit ist es hier viel ruhiger, ich treffe in der ganzen Zeit nur drei Pärchen. Zuerst gehe ich bis zum Agate House, das ist die Ruine eines kleinen Hofes einer alten Indianerkultur. Ihr Baumaterial war, was hier so rumliegt: versteinertes Holz. Damit ist es etwas ziemlich Cooles. Es wurde ursprünglich als etwas Einzigartiges angesehen, aber inzwischen sind viele weitere Stellen im Park bekannt, wo es so etwas gab. Nachdem ich das ausgiebig bewundert habe, gehe ich zurück zu den Long Logs und nehme den dortigen Loop. Dort wird auch besonders gut illustriert wie dieses Areal entstand: Der umgebende Boden ist viel weniger erosionsbeständig als die kristallinen Strukturen des versteinerten Holzes, weswegen dieses durch die Erosion freigelegt wurde. In diesem Bereich sind eine ganze Menge langer Stämme, die noch teilweise im Boden sind, zu sehen. Dadurch sind sie zwar wegen ihrer Größe gebrochen, blieben aber an Ort und Stelle und konnten keinen Hang runterrollen. Letzeres gibt es hier aber auch. Als ich fast wieder auf dem Zubringerweg bin, läuft noch eine türkisfarbene Eidechse über den Weg und sie ist so ruhig, dass ich sie danach noch gut fotographieren kann. Dann gehe ich den Zubringer zurück. Der ist erkennbar früher mal eine Strasse gewesen, den Mittelstreifen hat er noch, auch wenn er jetzt nur noch zwei Meter breit ist.

Petrified Forest National Park - Eidechse
Petrified Forest National Park - Eidechse

Dann geht es mit dem Auto weiter und ich halte an jedem Stopp an, der im Trip Planner ausgewiesen ist. Wo es einen Trail gibt, da gehe ich ihn auch. Die Dichte an versteinertem Holz ist aber am Rainbow Forest am Anfang am dichtesten. Auf dem Trail am Crystal Forest ist es aber auch sehr beeindruckend, besonders die Zusammenhänge zwischen der Farbe der Versteinerungen und der Farbe der sie umgebenden Gesteinsschicht wird hier schön deutlich.

Petrified Forest National Park - Crystal Forest
Petrified Forest National Park - Crystal Forest

Es gibt geschichtliche Hinweise, wie beim Aussichtspunkt über den Jasper Forest, dass dieser der erste touristisch genutzte Bereich war, Kuriositäten wie die Agate Bridge, wo ein versteinerter Baumstamm sich über einen Wasserablauf spannt, allerdings schon seit hundert Jahren durch eine Betonstrebe unterstützt, und dann wechselt der Schwerpunkt langsam zu den Badlands. Das ist schon bei der Blue Mesa so, wo es eine Ringstrasse mit Aussichtspunkten gibt, sehr amerikanisch, und einen kleinen Trail, der tatsächlich hinunter in die Badlands steigt.

Petrified Forest National Park - Blue Mesa Badlands
Petrified Forest National Park - Blue Mesa Badlands

Hier unten gibt es auch noch einiges an versteinertem Holz, doch die Tafeln widmen sich vor allem der Geologie der Badlands. Das ist aber nicht minder interessant und bei dem Farbenreichtum der Schichtung ist es auch sehr schön. Das kommt besonders nett bei einem kleinen Stopp namens The Tipees heraus. Den Aussichtspunkt am Newspaper Rock finde ich persönlich fast enttäuschend, denn die nächsten Petroglyphen sind über zwanzig Meter entfernt, viele sind viel weiter weg. Da hat man am Pueco Publo eine viel besseren Blick auf viele dortige Petroglyphen. Besonders interessant finde ich eine Marke für die Sommersonnwende. Daneben gibt es hier auch noch wie der Name schon sagt Pueblo Ruinen.

Petrified Forest National Park - Petroglyphen
Petrified Forest National Park - Petroglyphen

Die verbleibenden Stopps sind alles Aussichtspunkte über die Painted Desert, einen großen Badlands-Bereich in zahlreichen Rot-Schattierungen am Nordende des Parks. Da halte ich nicht mehr an allen an, um Fotos zu machen, doch am Chinde Point gibt es Picknickbänke und ich mache erst einmal Brotzeit. Danach mache ich dort freilich noch Fotos und am Rückweg zum Auto spricht mich ein sonnengebräunter Sportler an, der auch schon bestimmt vierzig ist. Er will wissen, wo er das versteinerte Holz sehen kann. Ich erkläre es ihm und frage ihn dann, wie der Aufbau seines Pickups heisst. Ich habe schon vorher ein Pärchen mit so einem gesehen - wie eigentlich schon tausendmal - und verstanden, dass das vielleicht die ultimative Road Trip Ausrüstung sein könnte. Er erklärt und zeigt es mir ausführlich. Es ist ein Canopy Top und er hat sich alles optimal zum Campen ausgebaut, mit einer geplosterten Liegefläche, darunter Fächer, der Pickup mit einem zweiten Tank für 800 Meilen Reichweite. Er erzählt mir noch, dass er ursprünglich Grieche ist, jetzt beim Joshua Tree National Park lebt und Rock Climber ist, der vor allen die Sierra Nevada liebt. Ich bewundere seinen Pickup und erkläre, das wäre, was ich mir für einen Road Trip wünsche, aber so etwas gibt es nicht zu mieten. Dann fahre ich weiter. Noch ein weiterer Stopp für letzte Fotos der Badlands und dann bin ich schon am Painted Desert Visitor Center am Parkausgang. Das ist allerdings sehr klein, was den Informationsbereich angeht, weshalb ich nach einem Besuch der Restrooms meinen Besuch im Park beende. Es ist jetzt nach zwei, ich habe also fünfeinhalb Stunden hier zugebracht und fast jeden Stopp und jeden Trail mitgemacht, bis auf einen kurzen am Schluss, ein kleines Stück an der Kante über den Badlands der Painted Desert entlang.

Petrified Forest National Park - Painted Desert
Petrified Forest National Park - Painted Desert

Ich muss erst einmal den Interstate 40 nach Osten, von hier wären es so zweihundert Meilen bis Albuquerque. Ich sehe, dass ich schon wieder auf schlechtes Wetter zufahre, biege aber glücklicherweise schon nach etwa zwanzig Meilen nach Norden ab auf den US-Highway 191. Der verlief schon von Alpine bis St. John's zusammen mit dem 180er, bog dann aber nach Norden ab.

Das ist eine recht lange Fahrt durch eine ziemlich grüne Wüste. Bis Ganado geht es erst einmal durch Wacholder-bewachsene Hügel mit genügend grünen Grasbüscheln für so eine blühende Anmutung. Danach sind es weite, recht ebene Flächen mit grünem Grasbewuchs, begrenzt durch Hänge, die rote oder gelbe Badlands sind. Beides sehr schön und Letzteres wirklich malerisch, das Grün vermutlich den Regenfällen der letzten Tage geschuldet. Ich komme auf dieser Strecke auch in einen richtigen Regenschauer, es geht schnell los, für eine Minute ist es fast ein Wolkenbruch, dann zwei weitere Minuten ordentlicher Regen und dann lässt es schnell nach. Nach wenigen Minuten ist es ganz vorbei und, als ich in Chinle bin, scheint schon wieder die Sonne. Das Hotel ist leicht zu finden, es ist schliesslich schon im Bereich des Canyon de Chelly National Monument. Ich muss allerdings erst einmal ganz rum kreiseln bis ich das Office finde. Es ist ganz vorne, wo sonst? Check-In ist eine Sache von Minuten und dann kann ich einen Schalter weiter im Historic Trading Post, der heute ein Gift Shop ist, auch gleich eine Tour des Canyons buchen, ein halber Tag für knapp 75 Dollar. Andernfalls darf man den Canyon nur von oben bewundern. Bei der Buchung werde ich auch darauf hingewiesen, dass hier wieder eine andere Zeit herrscht: es bereits fünf, nicht erst vier ist wie den Rest des Tages. Die (Sommer-) Zeit in Arizona war schon vor 25 Jahren verwirrend und sie ist es heute noch. Mein Zimmer ist regelrecht luxoriös, aber das ist nicht nur die letzte im voraus gebuchte Unterkunft, sondern auch die teuerste.

Auf dem Zimmer will ich die Fotos auf das Tablet sichern, doch das klappt nicht. Ich vermute, es ist ein Problem mit der Speicherkarte im Tablet und die wird vom System auf einen sicheren Stand zurückgesetzt. Noch sind keine Bilder verloren, aber ich sichere die, die es bei einem Ausfall wären, in den internen Speicher. Dann sehe ich, dass auch die Daten des Travelblog zurückgesetzt wurden. Auch das wird gesichert, aber ich habe die Texte der letzten zwei Tage verloren. Von nun an werden während dieser Reise keine Bilder mehr auf das Tablet gesichert. Vielleicht kaufe ich mir dafür bald noch externen Speicher.

Ich gehe in das Restaurant im Best Western Hotel essen, das aber auch recht normal ist. Sie bieten aber ein Sandwich mit in dünne Scheiben geschnittenem Beef und grünen Chilies auf Navajo Frybread an. Das muss natürlich probiert werden und es ist sehr lecker. Ich hole mir im einzigen Supermarkt noch etwas Lemonade und dann geht es auf das Zimmer, die verlorenen Texte mit etwas Bier zum Trost neu schreiben.


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