Canyon de Chelly

Travelblog für 01.06.2017

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Heute morgen habe ich genug Zeit, nach dem Datendesaster gestern mein Travelblog auf den neuesten Stand zu bringen. Trotzdem stehe ich frisch geduscht zehn Minuten vor der Zeit am Treffpunkt für die Canyon-Tour. Nach und nach trudeln auch andere Teilnehmer ein, fast alles alte Ehepaare und kurz nach neun fahren wir los in zwei fast antiken Fahrzeugen: alte, robuste, sechsrädrige Pinzgauer aus Österreich, eine Mischung aus Kleinbus und geländegängigem Lastwagen, oben offen. Die Teilnehmer sitzen quer zur Fahrtrichtung auf geplosterten Bänken auf der Pritsche. Ich gehe mit dem Guide die eine notwendige Unterschrift für die ganze Gruppe in unserem Fahrzeug für die Permit leisten. Dann geht es in die Schlucht. Da sind wir sofort auf dem Sand im Flussbett und fahren immer wieder durch den Wasserlauf.

Canyon de Chelly National Monument - Flussbett
Canyon de Chelly National Monument - Flussbett

Der ist wohl sonst nicht so ausgeprägt, aber unser Guide zeigt da keine Angst und wir fahren auch mal längere Stücke stromaufwärts im Wasser. Ein paarmal hält er an, zuerst um die Verhaltensregeln zu erläutern, danach um uns Erläuterungen zu Petroglyphen oder Ruinen zu geben. Es gibt hier Petroglyphen von den Anasazi, den Navajo und den Hopi, teils sehr nah beieinander, fast direkt nebeneinander.

Canyon de Chelly National Monument - Petroglyphen
Canyon de Chelly National Monument - Petroglyphen

Bald denke ich, dass der Guide voller Gottvertrauen in sein Fahrzeug ist, denn es springt oft sehr, sehr lange nicht an. Zwischenrein erzählt er uns bei den Halts auch, dass er inzwischen vierundsiebzig ist, im Canyon geboren wurde und viel weiter oben da drin, als wir kommen werden, ein Stück Land besitzt.

Canyon de Chelly National Monument - Ruinen
Canyon de Chelly National Monument - Ruinen

Nachdem er uns eine kleine Ruine etwa auf halber Strecke erklärt hat und die kleine Navajo-Farm, die dort zufällig auch ist, sogar mit Obstbäumen, springt der Pinzgauer endgültig nicht mehr an. Alle Versuche per Anlasser scheitern, der andere Pinzgauer der zweiten Gruppe schleppt unseren sogar an, als er vorbei kommt, und fährt weiter. Dann säuft unserer wieder ab. Ihn einen kleinen Hügel runsterschieben bringt nichts. Wir sind dazu verdammt, auf die Rückkehr der anderen Gruppe zu warten, denn in dieser Biegung der Schlucht ist totale Funkstille, kein Handy und kein Funkgerät tut einen Pieps. Es scheint ein echter Motorschaden zu sein.

Canyon de Chelly National Monument - Zwangspause
Canyon de Chelly National Monument - Zwangspause

Ich unterhalte mich mit einem altem Mann aus Denver recht lange über die Flüchtlingssituation bei uns und bedrohte Infrastrukturen überall. Bei ersterem hört er interessiert zu, bei letzterem haben wir nicht ganz diesselbe Meinung. Mit seiner Frau rede ich ein wenig über meinen Job und über Sprachen. Nach einer Stunde kehrt die andere Gruppe zurück. Diesmal scheitern auch alle Versuche, unser Fahrzeug erneut anzuschleppen. Der funktionierende Pinzgauer nimmt nun so viele von uns mit wie möglich. Ein Vierergruppe mit dem Paar, mit dem ich mich unterhalten habe, beschliesst geschlossen zu warten, wodurch der letzte freie Platz für mich übrig ist. Ich bekomme deswegen sogar den Beifahrersitz, wo normalerweise keiner mitfahren darf. Der ist komfortabler und weil man die Unebenheiten kommen sehen kann, das sogar doppelt. Die Aussicht ist auch besser. Wir fahren mit der großen Mannschaft noch zum letzten Stopp der Tour, aber vorher ruft der Guide Hilfe für die Gestrandeten, sobald er Empfang hat. Beim White House, so heisst diese Anasazi-Ruine, beschliesse ich wegen der Ruine, die ich ja jetzt kenne, auf den Trail hier runter zu verzichten. Dann, als der Guide zeigt, wo der Trail herkommt, beschliesse ich, ihn wegen der Route unbedingt zu gehen. Die übrige Rückfahrt ist recht unspektakulär, auch wenn dieser Guide zwar mehr auf den Komfort seiner Gäste achtet, aber ebenso so manches Stück im Wasserlauf fährt. Vielleicht habe ich den Komforteindruck auch nur wegen meines privilegierten Platzes.

Wir sind fast pünktlich zurück, so dass ich im Zimmer nur den Autoschlüssel hole und mich um halb zwei auf den South Rim Drive machen kann. Zuerst hole ich mir noch eine Park Map im Visitor Center. Ich will ihn vom hinteren Ende her machen, also bis zum Spider Rock Overlook fahren und dann die Stopps auf dem Weg zurück machen. Der Spider Rock ist eine alleinstehende Felsnadel und der Name rührt laut unseres ersten Guides daher, dass bei Entdeckung dort extrem viele Spinnen gelebt haben sollen. Ich arbeite mich Aussichtspunkt für Aussichtspunkt zurück. Das sind viele wirklich atemberaubende Ausblicke auf diesen traumhaften Canyon - roter Sandstein und jetzt nach den Regentagen besonders grüner Talgrund.

Canyon de Chelly National Monument - Aussicht
Canyon de Chelly National Monument - Aussicht

Beim White House Overlook startet der Trail, die einzige Möglichkeit und Stelle, den Canyon ohne Navajo-Guide und spezielle Permit zu betreten. Sie haben hier einen breiten, einfachen Weg in den Fels gehauen, der sehr bequem zu gehen ist. Es ist immer noch ein Felsenpfad, aber selbst die Steigung ist sehr moderat. Oben und unten haben sie je einen Tunnel in den Fels gesprengt, um den Besuchern schwierigere Passagen zu ersparen. Aber dennoch ist der Weg wegen der Umgebung und den Aussichten ein absolutes Highlight. Wer sich diese 200 Höhenmeter bei moderater Steigung hinab und wieder hinauf in der Wüstensonne zutraut, sollte das tun. Unten warten auch die Anasazi-Ruinen des White House, die sehr beeindruckend sind. Ich kenne sie jedoch schon. Allein hat man hier auch keinen Tour-Guide im Nacken, der auf seinen Zeitplan schielt.

Canyon de Chelly National Monument - White House Ruinen
Canyon de Chelly National Monument - White House Ruinen

Netterweise ist unten eine improvisierte Shoppingzeile der Navajo für Souvenirs. Sie kommen mit ihren Pickups und bieten auf Campingtischen vor allem Schmuck feil. Da bin ich der Falsche. Ich steige wieder rauf und das geht recht locker wegen der wirklich moderaten Steigung. Ich klappere noch alle übrigen Overlooks des South Rim Drive ab und komme kurz nach fünf zurück in die Lodge. Eine gute Gelegenheit, am Travelblog für heute zu schreiben, denn ich werde eher spät in die Hotel-Cafeteria zum Essen gehen.

Kurz nach sieben gehe ich essen. Vorher hat es mal richtig geregnet, aber jetzt scheint schon wieder die Sonne und alles ist trocken. Die Cafeteria ist sowieso fensterlos, da merke ich nur beim kurzen Weg über den Parkplatz etwas. Ich kaufe mir ein Posole, wieder mit Navajo Frybread. Das ist ein Eintopf aus Schweinefleisch, Kichererbsen und Chilies, leider ohne Salz. Zum Glück steht eins am Tisch. Und ist es erst einmal ordentlich nachgesalzen, dann schmeckt es auch richtig super. Das Frybread bekommt sowieso meine Empfehlung, egal ob pur wie hier oder als Sandwich wie gestern. Da eine Cafeteria effizient organisiert ist, bin ich nach einer halben Stunde fertig. Nach dem Regen ist es fast kühl, aber ich freue mich auf mein illegales Bier. Ich habe erst heute herausgefunden, dass Alkohol im Navajoland und im National Monument verboten sind. Ich lebe hier schon wieder mal meine verbrecherische Ader aus. Nun, ich werde die Beweisstücke noch diesen Abend vernichten.


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