Indianerland

Travelblog für 02.06.2017

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Es ist acht, als ich auschecke und losfahre. Heute mache ich noch den North Rim Drive am Canyon de Chelly. Ich beginne wieder mal von hinten und habe deswegen die beiden ersten Aussichtspunkte für mich allein. Beim zweiten fährt gerade ein Pickup weg, als ich ankomme. Beide bieten traumhafte Ausblicke über die Schlucht und jeweils eine Ruine.

Canyon de Chelly National Monument - Ruinen am North Rim
Canyon de Chelly National Monument - Ruinen am North Rim

Die erste heisst Massacre Cave, weil, so hat es uns gestern der Guide erzählt, die Spanier da auf der Jagd nach Gold ca. 115 Navajo gemeuchelt haben, von denen nur 10 Krieger waren. Daher heisst dieser Canyon-Arm auch Canyon del Muerte. Der andere Aussichtspunkt heisst Mummy Cave, weil dort Mumien gefunden wurden. Ich fahre zum dritten und letzten Halt, der hier möglich ist, dem Antelope House Overlook. Dieses heisst wegen eines Petroglyphs so. Dort bin ich nicht mehr allein, eine Gruppe sind unüberhörbar Franzosen, aber ansonsten gingen die beiden Paare auch als die hiesigen Baby Boomer durch, die meist den Großteil der Besucher stellen. Danach heisst es, nach einem kurzen Besuch der Restrooms am Vistor Center, Abschied nehmen.

Canyon de Chelly National Monument - Talschleife
Canyon de Chelly National Monument - Talschleife

Ich fahre in Richtung Four Corners, dem einzigen Punkt, an dem sich vier Bundesstaaten berühren. Der Weg dorthin ist erst einmal so, wie man sich Arizona vorstellt: rote oder gelbe Mesas über grünen Wüstenebenen. Das ist so ähnlich wie Monument Valley. Das ist zwar ein kleines Stückchen weg, so etwa 40 Meilen Luftlinie, gehört aber auch noch zur Navajo Nation. Als ich den Interstate 40 verlassen habe, bin ich da gleich im Navajo-Reservat gewesen und habe es seitdem nicht verlassen. Das wird erst später heute in Colorado kurz vor Cortez passieren. Four Corners ist auch drin, das Reservat erstreckt sich über alle vier Bundesstaaten. Daher ist das auch ein Navajo Tribal Park und kostet recht ordentlich Eintritt. Schliesslich ist es nur eine quadratische Betonanlage von hundert Metern Kantenlänge. Die Aussenkanten sind alles Andenkenstände der Navajo. Die Besucher stehen brav Schlange, bis sie für ein paar Sekunden zum Fotographiertwerden auf den Kreuzungspunkt dürfen. Das mache ich auch. Aber der Ort ist nach einer Viertelstunde mehr als erschöpft trotz der fünf Dollar Eintritt - pro Person.

Four Corners Navajo Tribal Park
Four Corners Navajo Tribal Park

Folglich komme ich wieder ziemlich zeitig in Cortez an, wo ich übernachten will. Tanken und vor allem die Zimmersuche gestalten sich einfach. Damit kann ich vor halb zwei los in den Mesa Verde Nationalpark. An der Abzweigung gehe ich auf den Rat meines Zimmernachbarn in der letzten Unterkunft direkt in das Visitor Center und buche ein Tourticket für den nächsten Morgen. Dann geht es hoch in den Park. Die wirklich nette Bergstrasse wird wie immer von schlechten Autofahrern verhagelt. Ich habe einen zum Bus umgebauten Sprinter aus Texas vor mir, dem ich meilenweit quasi auf der Stossstange parken muss, bis er mal Platz macht. Texaner gelten ja als eher eigensinnig. Irgendwann habe ich freie Fahrt und fahre hinter zum Mesa Loop Drive, einer kleinen Einbahnstrasse, die an zahlreichen interessanten Punkten vorbeiführt.

Mesa Verde National Park - Pit House
Mesa Verde National Park - Pit House

Das sind teils Ausgrabungen von indianischen Wohn- und Kultstätten auf der Mesa aus den früheren Phasen, teilweise Ausblicke auf die Bauten unter den Überhängen der Schluchtwände wie am Canyon de Chelly aus den späteren Phasen. Die Ausgrabungen auf der Ebene sind meist mit Gebäuden gegen das Wetter geschützt, da ihr eigentlicher Zustand wäre, dass sie zum grössten Teil unter der Oberfläche ruhten. Ich halte an praktisch jedem Aussichtspunkt und jeder Sehenswürdigkeit an, gegen Ende des Loops gibt es einen Ausblick, von dem man drei große und bedeutenden Bauten gleichzeitig sehen kann. Nur die beiden großen Parkplätze von Cliff Palace und Balcony House danach, die nur Ausgangspunkte für geführte Touren sind, lasse ich aus. Gegen Ende dieser Runde mit den großen Parkplätzen gibt es noch einen kleinen Trail zu einem Ausblick auf das Balcony House von etwa zwei Kilometern. Den gehe ich logischerweise und da ist es sofort erkennbar ruhiger als beim Rest. Danach fahre ich noch zum Museum. Von dort aus kann man noch selbst zum Spruce Tree House, einem weiteren Gebäude gehen. Nur heute nicht, dieser Zugang ist geschlossen. Dann sehe ich mir nur das Museum an. Das ist sehr gut gemacht und äusserst informativ, auch wenn es wohl mit Absicht die altmodische Anmutung bewahrt, denn es ist wohl schon seit den 30er/40er Jahren hier.

Mesa Verde National Park - Ruine
Mesa Verde National Park - Ruine

Am Rückweg verwerfe ich im Vorbeifahren den Plan, in der Far View Area auf 2450 Metern Höhe anzuhalten, da der Ausblick zwar weit ist, aber ich mir vom Park Point mehr verspreche. Allerdings merke ich mir die Far View Logde, denn es hat Charme, sich die Auffahrt zu ersparen und in dieser Höhe mit diesem Ausblick zu nächtigen. Ich halte dann auch wirklich am Park Point an und geniesse den Rundumblick auf 2613 Metern. Dieser ist beeindruckend, denn man sieht bis weit hinter den Shiprock in 75 Kilometern Entfernung im Süden und im Norden den Mt. Wilson mit weit über 4000 Metern, wo auch im jetzt Anfang Juni noch weit hinunter Schnee liegt. Das ist ziemlich beeindruckend, denn ohne den kräfigen Wind hätte es hier auf 2600 Meter mindestens 20 Grad Celsius. Die verschneiten Bergmassive hatte ich schon bei der Anfahrt auf Cortez gesehen, was mich im Frühsommer in der Wüste schon beeindruckt hat.

Mesa Verde National Park - Fernblick
Mesa Verde National Park - Fernblick

Ich fahre wieder hinunter nach Cortez und die Strasse hinunter kann ich ungestört cruisen, denn das einzige Hindernisfahrzeug erwische ich genau da, wo ich es auch überholen kann. Als ich meine, wieder einen Van einzuholen, sind wir schon unten an der Entrance Station. Zurück in Cortez kaufe ich mir etwas Bier und Snacks und fahre in die Pizzeria, die ich beim Reinfahren am Ortsanfang gesehen habe. Auf eine Pizza freu ich mich schon lang genug, dass ich sogar in der Downtown das Schild "Restaurant and Brewery" ignoriere. Es ist wie erwartet eine unabhängige Pizerria und es schmeckt prima. Dazu gibt es sogar ein halbwegs lokales Bier aus Durango. Dann geht es nach sieben wieder zurück ins Motel, wo ich herausfinde, warum es so günstig ist: Neben mir wohnt eine kleine Famile wohl längerfristig, deren Mann einen gewisses Bieraroma verströmt, vom Parkplatz weht mal kurz Benzinduft rein, die Betten sind eher hart, das Internet ist langsam und der Fernseher noch eine Röhre. Aber eigentlich ist alles in Ordnung angesichts dessen, dass ich morgen früh um sieben los will, um meine Tour zu erreichen. Ich will ja nur noch meine Mail machen und etwas am Travelblog schreiben - mit einem Killian's Red, wie ich es schon 1994 hatte...


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