Mesa Verde und Aztec Ruins

Travelblog für 03.06.2017

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Ich beherzige den Rat, den ich beim Kauf des Tourtickets für das Long House bekommen habe und plane zwei Stunden Anfahrt ein, wohl wissend, dass es für mich zu großzügig bemessen sein dürfte. Also fahre ich um Viertel vor sieben los, nachdem ich meinen Zimmerschlüssel in den Key Drop geworfen habe. Das Office hat noch zu, daher bekomme ich auch keinen Kaffee. Es ist Samstag morgen noch nichts los auf den Strassen, der Pickup vor mir an der noch verlassenen Entrance Station hält dort an, vielleicht ein Ranger zum Dienstbeginn. Ich cruise bequem und völlig ungestört hoch zur Far View Lodge, wo die Stichstrasse zur Wetherill Mesa abgeht. Das einzige Hindernisfahrzeug bisher hat so bereitwillig Platz gemacht, dass ich verblüfft war. Nach der Abzweigung fange ich mir das nächste, aber auch das macht mir bald den Weg frei. Diese Strasse ist enger, was auch ihre Kurven beschreibt. Nach einiger Zeit fange ich mir einen gelben PT Cruiser ein, der bis zum Parkplatz vor mir bleibt. Der ist zwar nervig, aber für einen Amerikaner ganz akzeptabel unterwegs. Den Parkplatz erreiche ich nach einer Stunde, wodurch ich eine Stunde zur Verfügung habe. Leider ist der Trail zum Step House noch gesperrt bis 9:00 Uhr, weil noch kein Ranger da ist, um dort aufzupassen.

Mesa Verde National Park - Nordenskiöld Site #16
Mesa Verde National Park - Nordenskiöld Site #16

Dann sehe ich mir die Nordenskiöld Site #16 an. Gleich zu Beginn des Wegs schliesst sich mir ein rüstiger Rentner an und wir quatschen die ganze Zeit. Er heisst Lloyd und war mit der Army ab 1970 ein paar Jahre in der Nähe von Aschaffenburg stationiert. Er erzählt, wie sie damals in Deutschland schief angeschaut wurden, als sie mit zwei unter Dreijährigen herumgereist sind, und wie sie im Schwarzwald fünf Kuckucksuhren nach Hause verschicken haben lassen. Durch das Ableben der anderen Empfänger sammeln diese sich wieder bei ihm. Momentan campt er im Park mit seiner Frau, die aber nicht mehr so gut zu Fuss ist, weshalb er allein hergefahren ist. Er war der Fahrer des gelben PT Cruiser und für seine mindestens 70 Jahre ist er sehr ordentlich hier rauf gefahren. Er erzählt auch, dass er in Carlsbad wohnt und mit seiner 20jährigen Enkelin diesen Frühling auf den höchsten Gipfel in den Guadalupe Mountains steigen wollte, und es nur wegen des Wetters nicht geklappt hat. Mitten unter unseren Gesrpächen waren wir am Site, der einen schönen Ausblick auf hübsche Cliff Dwellings bietet. Etwa 20 vor neun sind wir zurück am Parkplatz, wo gerade die Ranger angekommen sind und den Kiosk besetzen. Nach ein paar Minuten öffnet einer von ihnen den Step House Trail und Lloyd verabschiedet sich, den zu gehen.

Mesa Verde National Park - Long House Tour
Mesa Verde National Park - Long House Tour

Ich muss noch etwas warten, bis es losgeht, aber der Ranger unserer ersten Tour des Tages zum Long House macht schon Small Talk mit den Anwesenden. Er packt sogar ein paar Worte Deutsch für mich aus. Um neun geht es dann nach den üblichen Ermahnungen los. Ranger Brown - Jeff Brown - spinnt eine Geschichte, die all die Erklärungen zusammenhält: Mit der Hilfe von Emily, der einzigen jüngeren Frau in der Gruppe und ihrem Freund Dan soll eine Hochzeit in der Cliff Dwelling anno 1265 organisiert werden. Zuerst geht es um das Essen, was die Mesa hergibt, dann um das Wasser zu trinken für die Gäste, wie der Bräutigam zeigen kann, dass er ihrer wert ist, genauso, wie sie zeigt, dass sie seiner wert ist.

Mesa Verde National Park - Long House
Mesa Verde National Park - Long House

Mit dieser Story werden die Stopps auf dem Weg hinunter, unter den Überhang, und die einzelnen Stopps in der Ruine verknüpft. So erzählt der Ranger nicht nur ausserordentlich viel, was wir heute über die Anasazi wissen, es steht auch wunderbar im Kontext. Das Long House selbst ist sehr beeindruckend und mit über 150m Länge herausragend im Park. Die Seeping Spring Quelle hinten im Überhang scheint sehr wenig Wasser herzugeben für die zig Bewohner, die es einmal gegeben haben muss. Wir bekommen beispielsweise erklärt, dass das Wasser nicht geniessbar ist, wenn kein Moss an so einer Quelle wächst, weil es dann zu alkalisch ist, aber auch, dass der Sandstein ein hervorragender Filter ist. Sie haben einmal ein radioaktives Isotop direkt über einer solchen Quelle ausgebracht und nach sieben Jahren hatten sie immer noch kein messbares Ergebnis im Wasser.

Mesa Verde National Park - Long House Detailansicht
Mesa Verde National Park - Long House Detailansicht

Ich frage nach dem Mörtel und erfahre, dass die Erde auf der Mesa recht lehmhaltig ist und sich von daher generell eignet. Als wir einmal herum sind, drückt Ranger Brown ein bisschen auf's Tempo, denn er erwartet wohl die nächste Tourgruppe. Er entlässt uns beim Weg zum Wiederaufstieg, so dass den jeder nach seinen Möglichkeiten machen kann. Und während meine Gruppe einzeln wieder hoch steigt, kommt ein zweiter Ranger mit der nächsten Gruppe herunter.

![Mesa Verde National Park - Long House vom Aussichtspunkt](files/](files/fotodateiname.jpg?classes=caption ".jpg?classes=caption "Mesa Verde National Park - Long House vom Aussichtspunkt")

Wieder oben mache ich mich auf den Weg zum Aussichtspunkt auf das Long House und nehme dabei die ersten zwei Sites der Badger House Community auf der Oberfläche der Mesa mit. Das sind wieder Ausgrabungen, die durch Überbauten geschützt sind. Vor dem Overlook holt mich das indische Pärchen der Tour ein, die mir ein wenig aufgefallen sind, weil sie sich wenigstens zu Anfang ein bisschen vorgedrängelt haben. Er spricht mich an, weil er mitbekommen hat, dass ich Deutscher bin. Er fragt mich aus zu Deutschland, Österreich und der Schweiz, zum Skifahren und Wandern da, aber als wir beim Overlook bin, widme ich mich erst einmal dem Ausblick. Das dauert ihm offensichtlich zu lange, denn als ich mich umdrehe, sind sie weg. Ist mir egal, ich widme mich noch den beiden übrigen Sites der Badger House Community und gehe zur Abwechslung den nicht-asphaltierten Weg zurück zum Parkplatz.

Mesa Verde National Park - Badger House Community Ausgrabungsstätte
Mesa Verde National Park - Badger House Community Ausgrabungsstätte

Auf dem sehe ich in einem Abstand von 30 bis 100m wilde Pferde grasen. Ich bin nicht traurig, dass der Weg ihnen nicht näher kommt, denn es sind etwa acht Tiere und mit denen will ich mich nicht anlegen. Wieder zurück nehme ich noch den Step House Trail und sehe mir diese Cliff Dwelling an. Das ist im Moment die einzige, die man selbst erlaufen kann, da ja das Spruce Tree House gesperrt ist. Bei der Einfahrt unten habe ich heute gelesen, das liegt aktuell an Steinschlag. Insgesamt ist es wohl richtig, dass die Gila Cliff Dwellings die einzigen sind, die man richtig ohne einen Begleit-Ranger betreten darf. Am Rückweg plausche ich noch kurz mit einem alten Mann aus Kentucky, der dabei neidlos zugibt, dass er mit seiner Frau den Westen liebt, aber ihn erst seit zwanzig Jahren bereist und sich damit meinen fünfunfzwanzig Jahren neidlos geschlagen gibt. Zurück am Parkplatz fahre ich los, nachdem ich das aufgeheizte Auto ausgelüftet habe. Die Fahrt zum Highway hinunter dauert trotz einiger weniger Hindernisfahrzeuge nur knapp 40 Minuten, dann bin ich auf dem Weg nach Durango.

Durango allerdings interssiert mich nur, weil ich da nach Aztec abbiege. In Aztec wiederum wundere ich mich, dass ich lange keinen Hinweis auf das Aztec Ruins National Monument sehe. Aus meiner Richtung muss man tatsächlich weit durch und über den Fluss, wobei es praktisch von der Brücke direkt rechts ab geht. Dann kann man es gar nicht mehr verfehlen, denn es ist fast noch im Ort. Dort gibt es das übliche informative Museum, wo sich inzwischen für mich einiges wiederholt. Aber man bekommt leihweise auch ein laminiertes Heftchen mit den ausführlichen Erläuterungen auf dem Weg hindurch. Da es wirklich vor allem ein Gebäudekomplex ist, ist es auch nicht sehr viel und die Lektüre des Heftchens ist eine tolle Hilfe. Die Great Kiva ist zwar eine Rekonstruktion von 1934 auf der Originalruine, aber gerade dadurch sehr interessant. Es ist so schon beindruckender, wie so etwas damals ausgesehen haben könnte. Hinten drin sitzt ein alter Indianer und erzählt den Touristen aus seiner Welt, aber dank deren Kommentare bin ich nach Sekunden wieder draussen.

Aztec Ruins National Monument - Great Kiva (wiederhergestellt) Innenansichtonument
Aztec Ruins National Monument - Great Kiva (wiederhergestellt) Innenansicht

Die übrigen Ruinen werden nur konserviert und sind damit auf eine andere Weise interessant. Es ist auf jeden Fall beeindruckend, was für ein großer Komplex das war, Die Great Kiva ist auf drei Seiten umschlossen von einem Gebäude mit je mindestens drei Reihen Räumen auf jeder Seite, wobei diese U-Form aussen ca. 50 auf 100m misst. Dieser Ort ist nicht umsonst Weltkulturerbe. Allerdings ist auch fast nicht mehr als das zugänglich, so dass ich trotzem nach einer Stunde fertig bin.

Aztec Ruins National Monument - Panorama Aussenansicht
Aztec Ruins National Monument - Panorama Aussenansicht

Um Viertel vor vier fahre ich weiter und auf dem Weg passiere ich einen schon massiv abgesicherten Unfall. Da scheint einer einfach die Böschung hinab abgebogen zu sein. In Farmington, wo ich mir ein Motel suche, heisst das einmal durch den Ort kreisen und meine erste Wahl passt. Dann geht es noch Getränke und etwas Obst holen sowie Tanken, denn morgen steht nach der Besichtigung eine lange Strecke auf der Liste. Im Motel mache ich online noch zwei Reservierungen, ein Hotel in Clayton und eine Bleibe für das Wochenende in Santa Fé. Den Rest werde ich erst einmal mit abends Suchen angehen.

Abendessen gibt es bei einem Japaner, den ich bei der Runde durch den Ort gefunden habe. Der Mann am Motel-Frontdesk konnte mir zu dem Restaurant keine Auskunft geben und meinte, er würde chinesisch bevorzugen. Es gab aber neben einer prima Misosuppe ein Mongolian Triple mit Beef, Chicken und Shrimp, dazu braunen Reis. Und es hat super geschmeckt. So gestärkt freue ich mich darauf, am Travelblog weiterzuschreiben.


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