Chaco Culture

Travelblog für 04.06.2017

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Frisch mit Kaffee versorgt fahre ich um halb acht los zum Chaco Culture National Historic Park. Da keiner im Office war, habe ich ihnen die Schlüsselkarte einfach auf den Tresen gelegt. Die Salmon Ruins passiere ich einfach, sie haben ohnehin noch nicht geöffnet. Die Fahrt auf dem Highway zieht sich hin, denn es ist ganz schön weit draussen. An der Abzweigung steht, es sind noch einmal 21 Meilen, dabei würde ich mich jetzt schon über einen Restroom freuen. Das ist zunächst auch einfach eine schöne Nebenstrasse, auf der man die ganz nette Gegend geniessen kann und gut voran kommt. Aber es bewahrheitet sich, was in allen Beschreibungen steht: Über zehn Meilen der Anfahrt sind nicht asphaltiert. Zuerst ist es auch eine sehr ordentliche Gravel Road, auf der man 30 bis 40 Meilen fahren kann, aber ein Stück hinter der Hälfte kommt ein Schild "End of County Maintenance" und dann wird es übel: Schlaglöcher, Längs- und Querrillen, kein Rollsplit, der etwas ausgleichen könnte, da schüttelt es einen durch. Mit einer randvollen Blase macht das besonders wenig Spass. Die letzten zwei Meilen vor dem Park sind dann noch einmal schlimmer, erkennbar an rotem Sand und ganz üblen, kurzen Querrillen, die bei jeder Geschwindigkeit harte Vibrationen verursachen. Dann kommt man in den Park und hier sind wieder alle Strassen asphaltiert. Es sind aber noch drei Meilen bis zum Visitor Center. Da parke ich direkt bei den Restrooms und erleichtere mich erst einmal.

Im Visitor Center dann informiere ich mich, doch der Ranger hat wenig Hilfreiches zu bieten. Immerhin erklärt er mir, das man hier für alles, was etwas weiter von den Parkplätzen am Loop Drive weg ist, eine Backcountry Permit braucht. Das ist allerdings mehr ein Formular zur Registrieung, das man am Parkplatz selbst ausfüllen muss. Es hat aber zwei Duchschläge: Das weisse Original muss in den Kasten am Parkplatz, der grüne Durchschlag muss auf das Armaturenbrett vom Auto und den rosafarbenen muss man bei sich tragen.

Chaco Culture National Historic Park - Kin Kletso
Chaco Culture National Historic Park - Kin Kletso

Nach einem ersten Stopp bei einer Ruine bin ich am Parkplatz für den Pueblo Alto Trail und fülle brav meine Permit aus. Dann geht es los. An der Abzweigung, an der mein Weg auf die Mesa hoch geht, ist schon eine erste Ruine, die ich kurz begutachte. Dann geht es in einem Felsspalt hoch auf die Hochebene. Das ist schon mal ein cooler Aufstieg.

Chaco Culture National Historic Park - Chaco Canyon Auf- und Abstieg
Chaco Culture National Historic Park - Chaco Canyon Auf- und Abstieg

Es stellt sich heraus, dass große Teile dieses Wanderwegs auf Wegen verlaufen, die auch schon die Chaco People nahmen, um von Pueblo zu Pueblo zu kommen. Das ist so schon interessant, wenn man aber dann an manchen Stellen sieht, wie sie die Route einfacher begehbar gemacht haben, dann ist es beeindruckend. Zuerst ist richtig was los, aber als ich die Talkante verlasse, um zum Pueblo zu kommen, bin ich erst mal allein. Da ist wohl der Overlook ein Stück weiter an der Kante interessanter.

Chaco Culture National Historic Park - Chaco Canyon Ausblick
Chaco Culture National Historic Park - Chaco Canyon Ausblick

Als ich dann auf das Newer Alto Pueblo zukomme, sehe ich dort schon Leute. Zuerst denke ich, das sind zwei und vielleicht sind sie mal für ein Foto nicht zu sehen, aber dann entdecke ich immer mehr Besucher. Als ich dort bin, sind da über zehn Leute. Daher sehe ich mir das auch nur kurz an. Aber genau, als ich weiter gehen will, bricht auch eine Gruppe von fünf jungen Leuten, vier Jungs und ein Mädchen, auf zum (älteren) Pueblo Alto. Denen muss ich noch zwei Minuten Vorsprung lassen. An diesem Pueblo, von dem auch weniger übrig ist, scheine ich mich länger aufzuhalten als diese Gruppe, denn als ich weiter gehe, haben sie einen erklecklichen Abstand. Das ist einerseits verständlich, hier sind weniger und nur niedrige Mauerreste zu sehen, andererseits aber ist es eine viel größere Anlage mit ca. 200m auf 60m. Aber so sehe ich diese Gruppe immer schön vor mir zur Orientierung und langsam hole ich sie ein. Als wir nach einem goßen Bogen wieder an der Talkante sind, überhole ich sie, während sie einen Halt für den Ausblick machen. Das ist sehr passend, denn so kann ich vor ihnen ohne zu warten den Chacoan Staircase hinunter auf die Ebene zehn Meter tiefer, immer noch an der Kante der Mesa. Das ist wieder so eine, diesmal recht enge Felsspalte. Da ist es teils nicht richtig möglich, einen Fuss vor den anderen zu setzen, weshalb ich auch einmal lang gespreizt wie bei einem Ausfallschritt dastehe, nicht gerade die Wunschhaltung bei einem ein wenig steilen Abstieg. Ich komme so aber relativ schnell durch und habe dann immer noch einen schönen Abstand zu ihnen. Natürlich habe ich dabei weiterhin genug Zeit, die Ausblicke über den relativ flachen, breiten Canyon und die Pueblos darin zu geniessen, Fotos zu machen und auch Details zu würdigen.

Chaco Culture National Historic Park - Chetro Ketl
Chaco Culture National Historic Park - Chetro Ketl

Denn abgesehen von der recht gnadenlosen Sonne ist das auch eine ganz besonders schöne Wanderung von fast zehn Kilometern. Zurück am Parkplatz sehe ich mir das Pueblo del Arroyo an, das direkt dort ist.

Chaco Culture National Historic Park - Pueblo del Arroyo
Chaco Culture National Historic Park - Pueblo del Arroyo

Da ich jetzt gerade zu faul bin, das Stückchen zu den zwei bedeutendsten Ruinen zurück zu laufen, fasse ich einen anderen Plan: Ich werde ein zweite Runde auf dem Loop Drive drehen, diesmal die touristische. Also zurück zum Visitor Center, dort eine Ruine besichtigen, doch den Aufstieg zu dem Petroglyphen dort mache ich mit den bequemen Schuhen nicht. Dann die beiden größten Sites: Chetro Ketl und Pueblo Bonita, die auch noch durch einen Petroglyph Trail verbunden sind. Diese Felsenbilder hier hauen mich aber inzwischen nicht mehr vom Hocker. Dann noch eine kleine Runde durch die Casa Riconada Community, eher kleinen dörflichen Strukturen der Chaco Culture und ein Stopp bei einem weiteren Chacoan Stairway, den man sowieso nur vom Parkplatz aus bewundern darf.

Chaco Culture National Historic Park - Chetro Ketl Aussenmauer
Chaco Culture National Historic Park - Chetro Ketl Aussenmauer

Ein letzter Servicehalt beim Visitor Center, Restroom, ein wenig Müll entsorgen, die Route ansehen und in die Schlappen wechseln, dann geht es zurück auf den Highway: Raus aus dem Park, zuerst die furchtbare, dann die schlimme Dirt Road, dann das lange Stück Gravel Road, bis man wieder auf normalen Strassen unterwegs ist. Diese gut zehn Meilen ziehen sich auch dann, wenn die Blase nicht voll ist. Auf dem ausgebauten Highway geht es dann über vierzig Meilen bis ich auf einen kleineren Highway abbiege. Auch auf der vierspurigen Hauptstrasse ist die Landschaft teils extrem schön mit hellen, aber farbenfrohen Badlands, aber der kleine Highway hält ein paar besonders tolle Abschnitte parat: Oben in den Bergen geht es durch dichte Wälder aus Ponderosa Pines und hinunter kommt man in ein Tal, in dem die Felswände in einem dunklen satten Rot strahlen und die Farbe der Erde kaum weniger kräftg ist. Danach wird es wieder langweilig mit kurzen Highlights, etwa am aufgestauten Abiquiu Lake und dem Canyon unter dem Damm. Der Rest der Strecke bis zu meinem Tagesziel Espanola ist wieder langweilige Hauptstrasse, sogar so langweilig, dass ich zum ersten Mal den Tempomaten auf Verfolgung stelle: Mein Vordermann hält sich recht genau an das 60 Meilen Speed Limit und ich stelle den Tempomaten auf 65 Meilen ein. Den Rest macht das Abstandsradar. Erst kurz vor Espanola ändert sich das Speed Limit und ich nehme den Autopilot raus.

Espanola scheint zuerst einmal kaum Infrastruktur bereit zu halten, was angesichts der Größe nicht sein kann. Als letztes probiere ich die Strasse nach Taos aus und da ist dann fast alles. Nur fast, denn es gibt nur zwei normale Motels, dafür einige aufgegebene. Mir scheint das Casino-Hotel mitten im Ort schuld zu sein, das erkennbar gut besucht ist, wenn man sich den Parkplatz ansieht. Dann nehme ich eben das bessere der beiden Motels. Da ist wenigstens das Internet mit im Preis, auch wenn das so herum immer noch deutlich teurer ist. Abendessen gibt es dann in einem klassischen unabhängigen Burgerladen, an dem ich schon dreimal vorbeigefahren bin. Der ist sowas von klassisch: Man bestellt an der Theke, bezahlt und bekommt eine Nummer. Wenn die aufgerufen wird, darf man seine Bestellung an der Theke abholen und entweder mitnehmen oder an den etwas schmucklosen Tischen verspeisen. Ich bleibe drin, es ist kaum was los. Der Burger - mit Bacon, grünen Chilies und Guacamole - und die Fritten sind sehr gut. Beim Rausgehen nehme ich auch die Spielautomaten wahr, die so einen Laden komplett machen, uralte Geräte: Galaga, Ms. PacMan und Mortal Kombat II.

Ich bin froh, als ich dann um sieben im Motel bin, nach der ganzen Zeit draussen in der Sonne, Schatten gab es da praktisch gar nicht. Die Aktivitäten und dann noch drei Stunden Autofahren haben mich müde gemacht, aber ein bisschen Schreiben geht noch.


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