The High Road to Taos

Travelblog für 05.06.2017

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Ich hole mir heute morgen einen Kaffee und einen Orangensaft aufs Zimmer, denn ich habe ja Zeit. Ich nehme die "High Road to Taos", einen Scenic Byway der eben nicht dem Tal des Rio Grande folgt, sondern über die Berge führt. Doch mein erster Stopp ist noch am Fuss der Hügelkette in Chimayó beim El Santuario de Chimayó, einer Wallfahrtkirche. Die Bezeichnung "Lourdes of America" ist freilich ein wenig hoch gegriffen, denn ich bin sicher, in Lourdes ist es zwischen neun und zehn Uhr morgens nicht weitgehend ausgestorben.

El Santuario de Chimayó
El Santuario de Chimayó

Die Kapelle ist ein Adobebau und man darf rein, aber drinnen nicht fotographieren. Dabei hätte sich das wirklich gelohnt bei der Volkskunst auf und aus Holz dort. In einem Nebenraum der Kirche sind die Beweise und Dankeszeichen der Wundertätigkeit ausgestellt, so auch ein Regal voller Krücken. Dahinter in einem noch kleineren Nebenraum ist ein Loch im Boden mit der heiligen Erde. Man darf und soll kleine Mengen mitnehmen, ein Priester füllt regelmässig nach und weiht nach. Das Museum und der Gift Shop belegen auch, dass man hier voll auf Wallfahrer eingestellt ist. Ansonsten ist hier eine kleine Anlage darum gebaut, die überall die Dankeszeichen der Pilger zeigt, Kerzen und vor allem Kreuze an allen möglichen Stellen. Es gibt noch eine kleine Halle, in der weitere Dankeszeichen und Fotos Geheilter ausgelagert sind. Dieser kleine Pilgerpark geht bis zum Bach hinunter, etwa 50 Meiter weit. Es ist nicht verwunderlich, dass Wunderheilungen an so einem schönen und fruchtbaren Ort passieren. Der Bach ist mindestens drei Meter breit, bestimmt bis zu 20cm tief und fliesst schnell, was ihn hier zu einem regelrecht reissenden Gewässer macht. Dennoch ist die ganze Anlage eher klein und es dauert keine Stunde, bis ich wieder im Auto sitze. Ich fahre aber nur eine Meile bis zu der Kreuzung, die das Ortszentrum markiert. Dort ist Ortega Weaver und Gallery. Ersteres ist eine erfolgreiche und gute Weberei. Ich kaufe sogar zwei Andenken bzw. Mitbringsel. Die Gallery ist eigentlich ein hochwertiger Gift Shop, wo ich auch noch ein T-Shirt mit dem Sonnensymbol der Zia Indianer erstehe, das ja auch die Flagge von New Mexico ziert. Da das Lokalmuseum jetzt um Viertel nach Zehn immer noch geschlossen ist, fahre ich weiter zu meinem nächsten Ziel.

Den vom Reiseführer empfohlenen Gift Shop in Truchas, einem richtigen Bergdorf, finde ich nicht. Dewegen geht es weiter nach Las Trampas, wo eine alte Mission Church auf mich wartet. Die kann man auch nicht verfehlen und sie ist eine schöne Adobe-Kirche. Ich kann sie leider nur von aussen bewundern, denn ein schweres Schloss an der Tür macht klar, dass ich da nicht rein soll. Damit sind meine Programmpunkte am Weg schon um elf erschöpft und mir bleibt nichts weiter übrig, als nach Taos weiter zu fahren, wo ich auch Station machen will.

Las Trampas Mission Church
Las Trampas Mission Church

Ich fahre direkt hinein und sehe dabei schon, dass ich kein Problem haben werde, die Angebote zu finden, die ich so brauche. Ich halte auf das Zentrum zu und als ich mit Unterstützung der Handykarte sicher bin, mittendrin zu sein, fahre ich auf einen kostenpflichtigen Parkplatz. Die paar Dollar sind mir ein Schattenplatz in nur gut 100 Meter Entfernung von der zentralen Plaza wert. Ausserdem halte ich einen netten Plausch mit der schwergewichtigen Parkplatzwächterin, die mir auch noch eine kleine Karte und ein paar Tipps gibt. Dann umrunde ich die Plaza. Die Hälfte davon sind Gift Shops, aber immerhin sehe ich in einem, der sich speziell dem Cowboy-Thema widmet eine Decke, wie ich sie schon seit Beginn der Reise erfolglos suche. Das wird vorgemerkt.

Taos Plaza - Seitengasse
Taos Plaza - Seitengasse

Dann mache ich mich durch eine Seitenstrasse, die zu einer sehr lauschigen Shopping-Fussgängerzone ausgebaut wurde, in Richtung des Taos Art Museums auf. Dort finde ich heraus, dass es montags geschlossen ist. Morgen ist auch noch ein Tag. Dann halte ich mich eben an die beiden anderen Museen in der entgegengesetzen Richtung der Plaza. Auf dem Weg dorthin mache ich in einem Laden Halt, der Shirts mit originellen Motiven hat. Die sind so gut, dass ich eines kaufe und mit der jungen Verkäuferin über Deutschland quatsche, denn sie war schon dort. Leider nur im Norden, so dass sie München nicht kennt, was sie aber nachholen möchte. Das nächste Museum, das Blumenschein-Museum, ist das ehemalige Haus einer Künstlerfamilie diesen Namens. Es ist mit Einrichtung erhalten und zeigt darin auch Werke von Vater, Mutter, Tochter und deren Freunden. Eine nette Darstellung, wenn ihre Kunst auch sehr den lokalen Flair hat und keine Avantgarde war.

Taos - Blumenschein Museum (Innenraum)
Taos - Blumenschein Museum (Innenraum)

Fast direkt daneben liegt das Harwood Museum of Art. An der Tür steht jedoch, dass sie montags und dienstags geschlossen haben, sie werden mich damit nicht zu ihren Besuchern zählen können. Ich gehe folglich zurück zur Plaza, schaue mich kurz in einem Outdoor-Shop um und gehe dann meine Decke im Cowboyladen kaufen. Auch da rede ich mit dem Verkäufer und er schenkt mir dazu eine Einkaufstasche mit dem Zia-Symbol auf der New Mexico-Flagge.

Ich will jetzt etwas Abwechslung. Deswegen gehe ich zum Parkplatz und lasse mir von der freundlichen Wächterin ein Wiedereinfahrtsticket geben, wobei ich erst einmal nett reklamieren muss, denn sie hat das falsche Auto auf dem Ticket notiert. Dann fahre ich raus zur Rio Grande Gorge Bridge. Dort gibt es eine Rest Area, von der man die Brücke und die Schlucht, in welcher der Rio Grande hier fliesst, schön sehen und fotographieren kann.

Taos - Rio Grange Gorge Bridge
Taos - Rio Grange Gorge Bridge

Als ich von dort wieder zurückfahre, erwische ich mit meiner Windschutzscheibe eine kleinen, etwa schwalbengroßen Vogel leicht. Er schien im Liebesspiel einen Artgenossen zu verfolgen und daher seine Umgebung nicht so zu beachten wie sonst. Es ist zwar nur ein leichter Schlag, aber angesichts dessen, dass so kleine Vögel recht fragil gebaut sind, glaube ich, dass ich hier mein erstes Roadkillopfer dieser Reise zu beklagen habe. Das Taos Pueblo im Norden lasse ich diesmal aus, denn ich habe es als weniger beeindruckend als das Acoma Pueblo in Erinnerung, das ich noch auf meinem Programm habe. Statt dessen fahre ich eine Umgehungsroute um Taos herum nach Ranchos de Taos, dass im Süden direkt anschliesst. Hier gibt es eine weitere nennenswerte Adobekirche: San Franciso de Asis. Die finde ich auch ganz leicht, nachdem ich einmal daran vorbei gefahren bin, doch die Kräne auf der Portalseite verheissen nichts Gutes. Als ich herumkomme, wird einerseits klar, dass ich auch in diese Kirche nicht hineinkomme, aber dafür etwas ganz anderes Interessantes beobachten kann: Solche Adobebauten müssen einmal im Jahr mit einer neuen Lehmschicht versehen werden, um dauerhaft zu stehen. Und genau das machen sie hier gerade bei dieser Kirche. Das ist zwar kein abendfüllendes Unterhaltungsprogramm, aber für einige Minuten doch recht illustrativ.

Taos - San Francisco de Asis
Taos - San Francisco de Asis

Ich beschliesse, jetzt ist es Zeit, mich um die Unterkunft zu kümmern, will mich aber vorher noch versorgen. Das braucht heute zwei Supermärkte, denn der erste hat kein Bier. Ich fahre dann zu dem Motel, das ich mir beim Reinfahren schon ausgesucht hatte. Sie haben auch noch ein Zimmer für mich, leider im Obergeschoss. Es ist etwas abgewohnter, als es aus der Ferne aussah, aber es geht trotzdem noch, schliesslich ist es für diese Stadt auch recht günstig. Es ist gegen vier, als ich mich im Zimmer einrichte und endlich etwas zur Ruhe kommen kann. Aber bald fange ich an, einen Plan für den nächsten Tag zu machen, denn vielmehr als mein Tagesziel ist noch nicht festgelegt. Und schliesslich gibt es hier in Taos noch Programmpunkte nachzuholen. Bis ich damit fertig bin, meine Einkäufe gewürdigt habe und das Travelblog auf den aktuellen Stand gebracht habe, ist es bald schon wieder Zeit zum Abendessen auszurücken.

Ich gehe zu dem Barbecue, das ich mir schon lange ausgesucht habe. Das ist offensichtlich ein etwas besserer Laden, aber das Santa Fé Nut Brown on Draft zu dem Nacho Steak sind es mir wert. Letzteres ist ein "kleines" New York Cut Steak mit einer kleinen Enchilada, Bohnen, Reis und etwas Salat. Kleines Steak heisst hier 8 Unzen, also etwa 225g. Danach bin ich echt vollgefressen und schaffe es im zurück im Motel nur noch, mir ein paar Episoden "How I met your Mother" anzuschauen.


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