The Enchanted Circle - in the Rain

Travelblog für 06.06.2017

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Heute kann ich mir morgens Zeit lassen, denn die Sehenswürdigkeiten, die ich mir hier in Taos noch anschauen will, machen erst um zehn Uhr auf. Ich kann aber um acht nicht mehr im Bett bleiben. Das bedeutet aber, dass ich fix und fertig bin, lozulegen, und eine halbe Stunde nichts zu tun habe. Eine Minute nach zehn fahre ich auf den Parkplatz der Hacienda de los Martinez, dem Hof von frühen spanischen Siedlern hier. Das ist eine rechteckige Adobe-Anlage mit zwei Innenhöfen, die man besichtigen kann. Sie versuchen dort halbwegs originalgetreu oder wenigstens historisch diese Vergangenheit zu illustrieren. Die Anlage ist etwa 70 auf 20 Meter groß und besteht aus Räumen an allen Aussenseiten und einer Zeile Räume, welche die beiden Innenhöfe trennt.

Taos - Hacienda de los Martinez (Küche)
Taos - Hacienda de los Martinez (Küche)

Der Komplex ist schon recht beeindruckend, unter anderen mit Weberei, Zimmern für die Herren und die Bediensteten, Küche, einer Art Laden für den Handel und einem kleinen Versammlungssaal, dem einzigen Raum mit Holzboden, damit bei Fiestas getanzt werden konnte. Trotz allem bin ich nach einer dreiviertel Stunde gemütlich durch und mache mich auf den Weg zur nächsten Besichtigung.

Taos - Hacienda de los Martinez (Innenhof)
Taos - Hacienda de los Martinez (Innenhof)

Das Taos Art Museum ist im ehemaligen Wohnhaus eines Künstlers, der sich hier niedergelassen hat, untergebracht. Es widmet sich auch diesem Mann und seinem Umkreis. Und logischerweise ist es damit nicht sehr groß, auch wenn das Anwesen zweifellos sehr stattlich ist. Der Künstler hat es beständig erweitert und auch einige der Holzarbeiten wie Türen selbst gemacht. Das macht es zu einem sehr schönen Gesamterlebnis. Nebenan im Ateliergeäude, das wirklich großzügig ist, ist der Museumsshop untergebracht und es sind Bilder heutiger Künstler zum Verkauf ausgestellt. Das alles befindet sich in einem wirklich sehr romantischen Garten und liegt mitten in Taos nur ein paar Gehminuten von der Plaza entfernt. Allerdings ist auch diese Sehenswürdigkeit nicht allzu groß, so dass ich auch hier nach ausgiebiger Würdigung von allem nach einer dreiviertel Stunde durch bin. Dann geht es halt los auf die Strasse.

Taos Art Museum - Innenraum
Taos Art Museum - Innenraum

Ich muss den US-Highway 64 nach Osten nehmen, der direkt vor dem Museum vorbeiführt und bei der Plaza links abbiegt. Das bedeutet ich muss mich noch ein letztes Mal durch das kleine Stückchen Innenstadtstau von Taos stehen. Bald geht es hoch in die Berge, ein Seitental hinauf und der Wald wird immer alpiner. Sogar die Strasse wird auch alpin - für amerikanische Verhältnisse, also ein bisschen. Nach einer Passhöhe geht es recht schnell hinunter in das Hochtal, wo ich zuerst Angel Fire passiere. Das scheint ein klassischer Bergerholungsort zu sein, sie haben sogar einen Sessellift. Wenn ich mich nicht täusche, ist der wirklich lang bis auf einen der umliegenden Gipfel, bestimmt von den Österreichern gebaut. Ich fahre daran vorbei, denn gleich nach der Abzweigung kommt der Vietnam Veteran Memorial State Park. Die Kapelle dort wurde schon 1971, noch mitten im Vietnamkrieg, von einem Vater erreichtet, dessen Sohn gefallen war. Seit der Jahrtausendwende ist es ein State Park und um ein Auditorium und, glaube ich, das Visitor Center erweitert worden.

Vietnam Veterans Memorial State Park - Kapelle
Vietnam Veterans Memorial State Park - Kapelle

Gleich beim Eingang steht ein Huey, einer der ikonischen Helikopter dieses Krieges. Die Kapelle besteht nur aus geschwungenen Linien und hat eine architektonisch beeindruckende Form. Dabei ist sie innen klein. Drin stehen wie im Museum des Visitor Center überall Papierhandtücher bereit, dies ist ein sehr emotionaler Ort. Dies wird mir besonders deutlich vor Augen geführt, als ich in der Kapelle einen Vietnam-Veteranen wie versteinert so ergriffen regungslos sitzen sehe. Es ist aber auch überall im unterirdisch gebauten Museum präsent, das neutral mit vielen echten Militaria-Schaustücken einen Blick auf diesen Krieg und diejenigen, die darin gekämpft haben, bietet. Bei einigen Darstellungen kommen auch mir mit meiner Distanz fast die Tränen. Es gibt viel zu wenige solcher Gedenkstätten und sie sind immer zu wenig besucht. Am Weg zum Parkplatz will ich noch den Huey fotographieren und ärgere mich, dass mir ein Pärchen zuvorkommt und den Blick blockiert. Besonders stört mich, dass die Frau in fröhlicher Stimmung mehrere Wiederholungen von ihrem Mann abverlangt, der deutlich stiller ist. Ausserdem muss ich so länger warten, bis ich zum Zuge komme.

Es geht weiter zum nächsten Etappenziel. Bei der Ausfahrt aus dem Parkplatz klatscht ein dicker Regentropfen auf meine Scheibe. Es hat bis jetzt gehalten, auch wenn hier im Hochtal dunkle Wolken aufgezogen sind, und es, als ich eingestiegen bin, ein wenig gerumpelt hat. Es ist nicht der letzte Tropfen. Noch vor Eagle Nest komme ich in einen kräftigen Schauer, der nach den wenigen Meilen, bis ich dort bin, fast vorüber ist. Kurz vorher hat ein Motorrad zu mir aufgeschlossen, das im kräftigen Schauer wieder zurückfiel, dann aber in Eagle Nest wieder hinter mir ist. Die Biker haben hier meist keine wetterfeste Kleidung an. Im Ort wird der Regen wieder stärker. Das ist ein ganz hübsches, kleines Strassendorf mit recht alpinem Charakter und scheint auch ganz gut vom Tourismus zu leben. Hier verlasse ich auch den Enchanted Circle, eine Strasse, die von Taos im Kreis durch die Berge über viele nette Orte zurück nach Taos führt. Ich fahre raus aus den Bergen. Der Highway 64 steigt hinab nach Cimarron und führt dabei durch den Cimarron Canyon State Park. Der macht einen ausserordentlich schönen Eindruck, aber ich halte nicht an, weniger, weil mein Sprit langsam zur Neige geht, sondern vor allem, weil es die ganze Zeit im Rückstau der Berge regnet, mal kräftig, mal kaum, aber erst in der Nähe von Cimarron scheint es aufzuhören. Der State Park ist schöner Bergwald in einem engen Tal und mit Felswänden, die teils aussehen, wie aus Felsnadeln zusammengesetzt. Es gibt sehr viele Campingplätze und scheint auch noch Weiteres zu geben. In Cimarron dann wird erst einmal getankt und anschliessend finde ich auch sofort die alte Mühle, in der ein interessantes Museum sein soll, das aber nicht immer geöffnet ist. An der Tür steht auch, warum: Es wird von Ehrenamtlichen betreut und kann nur öffnen, wenn auch welche dafür bereit stehen. In dieses altes Mühlengebäude mit wenig Grundfläche, so etwa 12 auf 15 Meter ist wieder einmal alles Mögliche aus der Stadthistorie reingequetscht worden.

Cimarron Old Mill Museum
Cimarron Old Mill Museum

Im Keller sind noch die Mühlgerätschaften neben Brandeisen und sehr alten Kühlschränken auf dem Erdboden ausgestellt. Es gibt wieder massenweise Fotos, Urkunden, Bücher, Karten und ähnliches, aber auch eine Kutsche, ein Brett mit Raubtierschädeln im Erdgeschoss, eine riesige Sammlung von Abzeichen in der ersten Etage zusammen mit einer kleinen Mineraliensammliung und unter dem Dach einige Modellhäuser aus Streichhölzern und alte Kleidung, darunter ein Hochzeitskleid von 1870. Irgendwann ist auch das alles und was sonst noch so in diesem Museum ausgestellt ausgiebig gewürdigt worden, eine kleine Spende statt Eintrittsgeld gemacht worden und ein kurzer Plausch mit dem alten Ehepaar, das die Freiwilligen des Tages stellt, versteht sich von selbst. Es geht weiter nach Ratón, meinem Tagesziel, noch gut vierzig Meilen, im Wesentlichen auf der US-64.

Cimarron Old Mill Museum - Erdgeschoss
Cimarron Old Mill Museum - Erdgeschoss

Ich bin praktisch raus aus den Bergen und der Blick weitet sich, denn ich bin am Rande der Prairie, es gibt in mehreren Richtungen noch Berge, doch ein große Weite bestimmt die Landschaft. Daher sehe ich auch, dass es mit den Schauern noch nicht vorbei ist. Fast rundum sehe ich Wolken, aus denen es giesst, mal näher, mal ferner. Besonders skeptisch bin ich bei einer sehr dunklen Wolke, die fast genau in meiner Richtung liegt, aus der ich es schon aus der Ferne blitzen sehe. Nach einer leichten Biegung der sonst sehr, sehr geraden Strasse fahre ich direkt darauf zu und es sind weiterhin Blitze zu sehen. Anscheinend zieht das Gewitter vor mir her, denn ich sollte es eigentlich schneller erreichen, was mir angesichts der dunklen Wand, aus der es blitzt, ganz recht ist. Ich gebe zu, dass mir das schon einen gewissen Respekt einflößt. Es scheint sich auch langsam ausgetobt zu haben, je näher ich komme, und nach einem weiteren kleinen Knick in der Strasse halte ich nicht mehr auf das Zentrum zu, sondern ich scheine es bloss noch zu streifen. Und tatsächlich erwische ich nur einen Schauer, bevor der Highway auf den Interstate 25 nach Norden führt. Jetzt sind es bloss noch drei Meilen bis Ratón auf der Autobahn, aber davon ist alles Baustelle.

Die erste Ausfahrt ist schon einmal vielversprechend, es gibt Motels und Restaurants, allerdings so manche davon sind out of business. In der historischen Ortsmitte gibt es wie immer nichts dergleichen, aber ein Kino und das örtliche Museum, das aber laut Reiseführer ähnlich wie in Cimarron ist, vermulich weniger originell. Ich kann das nicht überprüfen, denn es ist fast vier, das Ende ihrer Öffnungszeit, und beim intensiven Kreiseln durch den Ort kann ich keinen ordentlichen Supermarkt finden. Hier ist überhaupt so einiges dem Verfall anheim gegeben. Ich fahre zu dem Motel, das ich mir ausgesucht habe, nachdem ich keine Einkaufsmöglichkeit finde, und diese Unterkunft ist wenigstens gemäß meiner Erwartungen, sehr ordentlich und recht günstig. Praktischerweise gibt es direkt daneben ein Restaurant, das auch einladend aussieht. Beim Check-in frage ich die Frau, die mir auch das Zimmer gezeigt hat - nicht ohne den Hinweis, sie wisse, dass es sauber ist, denn sie habe es selbst geputzt - nach einem Supermarkt. Sie verweist mich auf einen Discount-Supermarkt, den ich vorher verworfen hatte. Sie haben dort große Banner hängen, dass sie jetzt auch Bier verkaufen, die auch vom Bud Light Emblem geschmückt werden. Drinnen finde ich dann aber auch ein besseres Bier, meine tägliche Lemonade, diesmal Blueberry, und mal wieder ein paar Chips in Portionspackungen. Zurück im Motel richte ich mich ein und bis ich dazu komme, am Travelblog zu schreiben, ist es nach halb sechs. Das dauert fast bis sieben und es ist nun wirklich Zeit, Essen zu gehen.

Das Restaurant nebenan ist ein Mexikaner und gefällt mir gut. Ich bekomme eine bequeme Booth und bestelle mir ein Modelo, denn es gibt keine Draftbiere. Zu Essen will ich Chimichanga, eine schwere Entscheidung, denn auch die Alternative Mushroom Burger liebe ich. Das Essen ist hervorragend und, auch wenn die Portion zunächst nicht so riesig erscheint, bin ich danach ordentlich satt. Schade, denn ich hätte mir auch einen mexikanischen Flan als Dessert vorstellen können, wäre davon aber überfressen. Dann trinke ich halt aus, bezahle und gehe über den Parkplatz zurück in mein Motel. Wie alle meine Besuche heute hat das eine dreiviertel Stunde gedauert. Wenigstens stand ich heute nirgendwo vor verschlossenen Türen.


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