Capulin Volcano und Black Mesa

Travelblog für 07.06.2017

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Morgens um acht fahre ich los, die Schlüsselkarte muss in den Key Drop, wo schon andere sind. Das Office ist unbesetzt, doch sonst ist die Welt in Ordnung. Die Sonne scheint, blauer Himmel und der vierspurig ausgebaute Highway ist frei. Es geht in den leicht welligen Grasebenen zwischen Mesas entlang. Kurz vor halb neun bin ich in Capulin, wo es zum Park abzweigt und kurz nach halb bin ich im Park. Laut Internet ist ab halb neun das provisorische Visitor Center besetzt, das reguläre wird gerade renoviert. Capulin Volcano National Monument ist ein Vulkanaschekegel, wie ich ihn auch vor zwei Jahren im Lassen Nationalpark bestiegen habe. Der hier ist größer, älter und praktisch komplett bewachsen. Ausserdem kann man mit dem Auto bis auf den Kraterrand fahren. Ein netter Spass, der die Sache zugänglicher macht.

Capulin Volcano National Monument - Aussicht
Capulin Volcano National Monument - Aussicht

Vor zwei Jahren bin ich wegen des anstrengenden Untergrunds vom Kraterrand nicht mehr bis in die Caldera hinabgestiegen. Hier geht das und der Weg ist wie auch der um den Kraterrand komplett asphaltiert. Ich gehe zuerst den Rundweg, den Kraterrand entlang. Dabei muss ich immer noch etwa 100 Höhenmeter steigen, denn der Parkplatz ist wenigstens an der niedrigsten Stelle des Randes. Es ist aber jetzt noch so angenehm frisch, dass ich sogar vergesse, eine Mütze aufzusetzen. Das macht aber nichts, denn es sind nicht einmal eineinhalb Kilometer aussenrum. Und man wird für das Steigen entschädigt durch die atemberaubenden Ausblicke, auf die Prairie, die umliegenden Mesas und die fernen, immer noch schneebedeckten Berge, aus denen ich ja sozusagen komme.

Capulin Volcano National Monument - Panorama
Capulin Volcano National Monument - Panorama

Ich mache eine ganze Reihe von Panoramabildern mit meinem Handy. Nachdem ich einmal ganz herum bin, steige ich noch in die Caldera hinab. Der Weg ist nicht besonders steil, anders als ein paar Abschnitte am Rand entlang. Unten sind allerdings zwei Familien mit zusammen fünf Kindern. Aussichtslos, da unten mal allein zu sein. Zurück am Parkplatz mache ich noch ein paar Fotos und sehe mir dann den nächsten Routenabschnitt an. Es gäbe auch noch zwei Wanderwege unten im Park, so dass man auch einen ganzen Tag hier verbringen könnte, aber ich habe ja Pläne. Am Parkausgang mache in noch ein dokumentarisches Bild vom ganzen Aschekegel und ich bin nach eineinviertel Stunden wieder unterwegs.

Capulin Volcano National Monument - Aschekegel
Capulin Volcano National Monument - Aschekegel

Zu meinem nächsten Ziel sind es gut 75 Meilen auf Nebenstrassen. Mein sechzehn Jahre alter Strassenatlas sagt, ein Teil davon ist nicht asphaltiert und sowas ändert sich hier nicht so schnell. Ich bin ein wenig angespannt, was mich erwartet. Doch zunächst geht es wunderschön auf einer recht neuen Strasse durch grüne Hügel. Bald kreuzt eine Herde Kühe die Strasse, ist aber hinüber, bis ich komme. In Folsom muss ich abbiegen und der nächste Ort auf dieser Strasse wird schon in Oklahoma sein. Ein langsamer Teerlaster kann mich nicht aufhalten, er lässt mich sogar nett vorbei. Dann lässt der Verkehr etwas nach. Bald erreiche ich die nächste Kreuzung, wo es nach Colorado geht. Danach ist die Strasse meist gut, doch hin und wieder gibt es kapitale Schlaglöcher. Mangels Verkehr ist es kein Problem, diesen auf die Gegenspur auszuweichen, doch mein Spurhalteassistent nervt so sehr, dass er mir sogar irgendwann dringend eine Pause empfiehlt, denn ich müsse ja völlig übermüdet sein. Netter Versuch, ich war selten so auf die Strasse konzentriert. Gut zwanzig Meilen hinter dem letzten Dorf ist aber eine Party auf der Strasse. Dort wurde wohl letzte Nacht ein Reh überfahren und mindestens ein Dutzend Raubvögel hält hier ihr Festmahl. So wie ich das im Vorbeifahren sehe, sind hier Adler und Geier gemeinsam am Schmausen. Ein paar davon scheuche ich auf, aber lang nicht alle. Nur ein paar hundert Meter danach, kurz vor einer Ranch, ist die asphaltierte Strasse zu Ende. Die Gravel Road lässt sich gut mit knapp vierzig Meilen fahren, doch die Baustellenwarnung macht mich stutzig. Ist das der hergerichtete Teil? Zwei Meilen später werde ich es herausfinden. Da erneuern sie gerade eine Brücke, haben aber zum Glück eine Behelfsbrücke bereitgestellt. Danach wird die Strasse etwas schmaler, aber nur wenig schlechter. Sie hat ein paar Schlaglöcher mehr, doch auch hier kann man gut herummanövrieren. Doch logischerweise zieht sich so eine Unpaved Road hin, weil man halt doch deutlich langsamer unterwegs ist. Nach einiger Zeit bin ich an der Abzweigung einer anderen solchen Strasse nach Süden, nach Clayton, meinem Tagesziel, und danach wird die Strasse noch ein bisschen enger und ein Stückchen schlechter. Das ist immer noch kein Problem, doch geht es noch ein bisschen langsamer voran. Und hier bin ich wirklich froh, einen SUV mit mehr Bodenfreiheit zu haben. Es ginge alles locker auch mit einem normalen Auto, doch der Abstand ist beruhigend. Zwischenrein gibt es zweimal sogar kurze, asphaltierte Stücke, doch die sind nur bei einer Brücke und durch eine Feuchtwiese, wo eine unbefestigte Strasse weggespült worden wäre - oder vielleicht auch schon mal worden ist. Nachdem ich schon eine Zeitlang anhand der akkurat auch hier aufgestellten Meilentafeln denke, es müsste langsam wieder reguläre Strasse kommen, habe ich diese auch erreicht. Denn die letzten Meilen in New Mexico sind wieder normale Strecke und ich halte - wieder frohen Mutes - auf Kenton in Oklahoma zu. Und dabei habe ich wohl mein zweites Roadkillopfer zu zählen. Wieder ein kleiner Vogel, hellbraun und etwa Amsel-groß, der wilde Kurven fliegt und mich dabei nicht rechtzeitig kommen sieht. Er ist wohl einem Insekt hinterhergejagt. Es gibt wieder einen kleinen dumpfen Schlag auf meiner Windschutzscheibe, der keine Spuren hinterlässt. Aber ich meine auch ein leichtes Knacksen gehört zu haben, was für einen Vogel nicht Gutes verheisst. Ein klein wenig traurig fahre ich dennoch weitgehend unverdrossen zu und bin auch bald in Oklahoma, passiere kurz darauf Kenton und finde dahinter die Abzweigung zum Trailhead. Nach ein paar Meilen ist der erreicht, aber ich will noch die Dinosaurierspuren in unmittelbarer Nähe ansehen. Ich fahre sogar den richtigen Feldweg hinein, scheuche dabei eine panisch fliehende Antilope auf und an dessen Ende ist nichts ausser einer kleinen Wendeschleife. Ohne genauere Hinweise bin ich hier verloren - oder falsch. Die spätere Recherche mit den Satellitenaufnahmen von Google Maps ziegt mir, dass ich richtig war. Die Spuren sind wohl etwa dreissig Meter von der Wendeschleife weg, aber ohne die genaue Information der Satellitenbilder kaum zu finden. Auf diesen meine ich sie sogar zu sehen. So nah und doch so fern.

Also doch zum Trailhead, sind ja nur ein paar hundert Meter. Da rüste ich mich für die Wanderung zum Black Mesa Summit, trage mich in die Liste ein und gehe so etwa zwanzig vor zwölf los, in der größten Mittagshitze, wie passend. Die halbe Strecke zum Summit, dem höchsten Punkt in Oklahoma, ist der Anmarsch am Fuss der Mesa zum Einstieg in den Aufstieg. Dabei störe ich eine ziemlich große, grüne Eidechse, die sehr flott auf ihren Hinterbeinen das Weite sucht. Ich würde schätzen, so aufrecht war sie fünfzehn Zentimeter hoch. Nach einer Dreiviertelstunde bin ich am Aufstieg angekommen. Der ist nicht sehr lang oder hoch, meist auch nicht gerade steil, aber in der sengenden Sonne ist es doch etwas anstrengend. Es geht in diesem kurzen Abschnitt doch 150 Höhenmeter hinauf.

Black Mesa - Aufstieg
Black Mesa - Aufstieg

Oben auf der Mesa ist es wieder recht eben und geht nur ganz leicht hinauf. Dort flieht auch noch eine ganz andere Eidechse vor mir. Sie ist graubraun gescheckt, gedrungen, wirkt fast fett und hat nur einen sehr kurzen Schwanz. Ich denke, die war insgesamt etwa zwanzig Zentimeter lang. Hier oben kommt mir dann einen guten Kilometer vor dem Ziel wieder ein typisches Baby-Boomer-Ehepaar entgegen. Sonst habe ich bis jetzt niemanden gesehen. Schliesslich erreiche ich den Zielpunkt, der durch eine Granitstele markiert ist, die ich schon aus einem Kilometer Entfernung erspäht hatte. Dort mache ich ein kurze Brotzeit, halte mich aber nicht lange auf, denn auch hier gibt es wie auf dem ganzen Weg keinen Schatten. Die vereinzelten, eher kugelförmigen Wacholderbüsche spenden gerade einmal sich selbst Schatten. Die Stele weist neben der Information, dass dies der höchste Punkt Oklahomas ist, wer sie gespendet und wer sie hergestellt hat, noch mehr aus: Dort steht für jede Himmelsrichtung, wie weit es in den nächsten Bundesstaat ist. Kansas im Osten gewinnt, dann kommt im Süden Texas mit 31 Meilen, im Norden Colorado mit 5 Meilen und im Westen New Mexico mit 1229 Fuss, das sind 375 Meter. Ich gehe trotzdem nicht zu Fuss nach New Mexico, da bin ich noch den Rest meiner Reise. Ausserdem ist der einzige vertrauenerweckende Weg der, den ich hergekommen bin.

Black Mesa - Obelisk
Black Mesa - Obelisk

Ich hätte auf der Mesa drei Kreuzungen oder Abzweigungen passieren sollen, habe aber nichts gesehen. Das prüfe ich am Rückweg mit der genauen GPS-Karte, die ich am Handy dabei habe. An allen drei Stellen ist genau nichts, was auch nur im Geringsten an einen Weg erinnert. Da es auch hier Klapperschlangen geben kann, werde ich nicht ohne Not allein weglos unterwegs sein. Die Aussicht auf Varianten auf der Mesa ist also zerplatzt. Macht nichts, denn die Strecke ist auch so schon lang genug. Besonders der vormalige Anmarsch am Fuss zieht sich auf dem Rückweg. Ganz kurz vor dem Parkplatz hole ich das Baby-Boomer-Paar wieder ein. Sie rasten noch einmal dreihundert Meter vor dem Ziel. Die Hitze belastet sie wohl deutlich und es sind immerhin insgesamt 14 Kilometer. Während ich aber meine Rückkehr in der Liste dokumentiere, sind sie auch schon da. Der ähnlich alte Fahrer eines weiteren Pick-ups, des dritten Autos auf dem Parkplatz, fragt mich, wie er nach New Mexico kommt, das liegt wohl am Kennzeichen meines Mietwagens. Ich erkläre ihm die Varianten mit und ohne Dirt Road, zeige sie ihm sogar auf meiner Handy-Karte und er ist dann sehr zuversichtlich, das hinzubekommen. Angst vor Unpaved Roads hat er mit seinem Pick-up ganz offensichtlich keine. Er fragt, ob ich Antilopen gesehen habe, eben nur die auf dem Feldweg, und ich erzähle ihm von der vergeblichen Suche nach den Dinosaurierspuren. Er meint, er habe sie auch nicht finden können.

Ein paar Minuten später bin ich auch so weit und es geht zehn nach drei los, jetzt auf mein Tagesziel Clayton zu. Das sind alles befestigte Strassen und es geht gut voran, auch wenn ich es gar nicht eilig habe. Vekehr gibt es auf diesen Nebenstrassen keinen. Auf der Hochebene kreuzt ein Rudel Antilopen die Strasse und sie haben es sichtlich eilig, als sie mich kommen sehen. Bald danach huscht ein Präriehund über die Strasse und beeilt sich ebenfalls. Anders als der kurz darauf, der am Strassenrand aufrecht steht und in die Ferne schaut. Er scheint mich nicht wahrzunehmen und bleibt stehen, während ich einen Bogen um ihn mache. Im Rückspiegel ist nichts mehr zu sehen, er hat es wohl doch mit der Angst zu tun bekommen.

Der Rest der Fahrt ist ereignislos und Clayton ist ein kleines Städtchen an einer Kreuzung von Highways mit einer Eisenbahnlinie. Leider hat es auch schon bessere Tage gesehen. Direkt an der Kreuzung ist das Hotel, das ich reserviert habe. Ich fahre aber alle Richtungen erst einmal ab und kaufe mir dann im unabhängigen lokalen Supermarkt Kirschen. Dann checke ich ein und bin erfreut, dass es genau meinen Erwartungen entspricht: Ein ganz klassisches Hotel wie früher, ein Bau mit Zimmern in den beiden Obergeschossen, einem Restaurant und einer Lobby unten. Es hat eine Terrasse über dem Bürgersteig und eine an der Seite des Hauses, wo auch der Parkplatz ist. Alles ist ein bisschen altmodisch, aber perfekt in Schuss. Sogar einen Aufzug fast direkt am Seiteneingang zum Parkplatz gibt es.

Clayton - Hotel Eklund
Clayton - Hotel Eklund

Ich gehe gleich noch ein bisschen Fotos so einer etwas in die Jahre gekommenen Stadt und ihrem Hotel machen. Dann geht es auf das Zimmer erst einmal duschen und frisch geduscht geht es an das Travelblog. Um sieben ist es Zeit zu essen, denn die Küche hat nur bis acht auf. Beim Hinuntergehen treffe ich in der Lobby den Landlord, der fragt, wie es mir gefällt. Nach meiner fast überschwänglich positiven Antwort frage ich ihn noch nach dem Clayton Lake State Park, denn dort soll es auch Dinosaurierspurren geben. Seine Antwort gefällt mir, ich füge morgen früh wohl noch einen Programmpunkt ein.

Das Restaurant ist sehr gut besucht, ich bekomme den letzten Tisch. Noch besser daran ist, dass es wirklich eine richtige Saloon-Anmutung hat. Ich sitze wohl am Katzentisch, denn der Service ist etwas langsam. Dafür gibt es ein recht nettes Alien Wheat und einen sehr guten Mushroom Burger. So macht man mich glücklich. Das Bier hat zwar für einen Bayern nicht so viel von einem Weizen, eher eine erkennbare Weizennote in einer Mischung aus Lager und Pils, schmeckt aber wirklich gut. Wegen der leichten Zähigkeit im Service bin ich erst kurz nach acht wieder am Zimmer und jetzt wirklich ausgelutscht.


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