Westwärts nach Santa Fé

Travelblog für 08.06.2017

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Es ist Viertel vor acht, als ich mit einem Coffee to go mein wunderbares Hotel verlasse und losziehe. Zuerst kommt ein Ausflug in den Clayton Lake State Park, Dinosaurierspuren ankucken. Der ist auch leicht zu finden, etwa zwölf Meilen ausserhalb, und sie haben meine Attraktion auch ausgeschildert. Aber zuerst entrichte ich an der Self-Pay-Station die Day-Use-Fee, genau genommen die dopplete, denn ich habe keine fünf Dollar mehr klein. Aber dann gehe ich in Schlappen und in der Morgensonne mal wieder ohne Mütze zur Fundstelle. Am Rand des Dammes sitzt, als ich daherkomme, ein Geier, der sich aber davon macht, während ich ihm näher komme. Die Spuren sind direkt neben dem Damm, mit dem der See aufgestaut wurde und wären ohne diesen nie gefunden worden: Der Damm wurde 1955 gebaut und 1982 wurde das bisher einzige Mal der Überlauf benötigt. Dabei wurden im ursprünglich aus dem Fels gesprengten Überlauf noch ein paar Zentimeter Gestein abgetragen, et voilà, da waren die Spuren freigelegt. Da sind eine ganze Menge Abdrücke von mindestens vier verschiedenen Arten, drei Pflanzenfressern und einem Raubsaurier. Darunter ist auch eine ziemlich einmalige Schleifspur eines Schwanzes und anderes Interessantes. Durch dieses eher kleine Areal führt ein Steg, so dass man auch nichts kaputtmacht.

Clayton Lake State Park - Dinosaurierspuren
Clayton Lake State Park - Dinosaurierspuren

Heute kann man viele Spuren besonders gut sehen, denn sie sind vom Regen der letzten Tage und der letzten Nacht noch mit Wasser gefüllt. Zusammen mit den Tafeln, die zur Erläuterung aufgestellt sind, ist das ein richtig cooles Ziel. Ich habe also meine Dinosaurierspuren doch noch bekommen. Es ist hier nur eben auch klein, so dass ich bald fertig bin. Nach einem ausgiebigen Besuch der Restrooms am Visitor Center verlasse ich diesen hübschen Ort wieder, dahin zurück, wo ich hergekommen bin.

Ich fahre noch einmal direkt am Hotel vorbei und da hat dieser kleine Ausflug genau eineinhalb Stunden gedauert. Jetzt kommt der langwierige Teil des Tages. Ich will heute noch nach Santa Fé und das liegt weit westwärts. Es geht erst einmal über sechzig Meilen auf dem Highway über die Prairie, meistens sehr gerade und generell über die immer gleichen sanft gewellten Hügel. Mal sind da Pferde auf diesem Grasland fast ohne Büsche und Bäume, mal Kühe. Einmal stehen zwei Antilopen in sicherem Abstand zur Strasse und schauen mir beim Vorbeifahren nach. Dann biege ich ab und mache einen kleinen Umweg, weil ich neugierig bin, ob der der als Kiowa National Grasslands ausgewiesene Teil anders ist. Das ist er aber eigentlich nicht.

Kiowa National Grasslands - Strasse durch die Prärie
Kiowa National Grasslands - Strasse durch die Prärie

Ich fahre sogar noch einmal an zwei mir doof hinterherglotzenden Antilopen vorbei. In Roy biege ich wieder in Richtung Westen ab, weil mir sonst der Umweg zu groß wird. Ausserdem will ich durch den Canyon des Canadian River fahren. Nur zuerst verpasse ich die Abzweigung, denn Roy ist anders als die meisten Orte hier mehr als ein paar Häuser an einer Kreuzung. Es ist ein echter Ort mit Strassen und Geschäften, die Hälfte davon leider ehemalige. Vor lauter Staunen über diese Überraschung fahre ich über die zentrale Kreuzung. Ich merke das sofort, wende nach 20 Metern und nehme jetzt die Strasse, die ich auch wollte. Bald kommt auch der Canyon und der Schilderwald lässt keinen Zweifel daran, dass es in Kurven hinunter geht. Das ist sowohl ein respektabler Fluss als auch ein solcher Canyon, der zudem sehr schön ist. Der Fluss hat hier in der Gegend zusammen mit seinen Zuflüssen ein weitverzweigtes System an Tälern und Canyons geschaffen. Ich fahre aber nur durch das Haupttal mit dem relativ großen Fluss. Danach ist wieder Prairie, doch inzwischen bin ich hoch genug, dass hier auch mal Wacholderbüsche und Kiefern wachsen. Und bald bin ich am Interstate 25. Ich checke im Atlas, wie weit es darauf bis zu meinem nächsten Stopp ist, und fahre auf. Zeimlich genau achtzig Meilen müsste der Sprit noch gut reichen. Bei Las Vegas (das in New Mexico) komme ich in einen kräftigen Schauer, der aber wieder mal nach zwei Minuten vorbei ist und eine Minute später scheint wieder die Sonne. Die letzten zwanzig Meilen werde ich mit dem Sprit skeptisch und schalte dem Tempomat aus, um sparsamer zu sein. Ich bin ganz froh, als ich meine Ausfahrt erreiche, doch dann wird klar, es sind noch sechs Meilen bis zur nächsten Tankstelle. Da ist an sich kein Problem, aber es beunruhigt einen schon, wenn die Tanknadel genau auf dem Strich mit dem "E" steht. Ich fahre also direkt zur Tankstelle und erst einmal am Pecos National Historical Park vorbei nach Pecos.

Pecos National Historical Park - Puebloruinen
Pecos National Historical Park - Puebloruinen

Dann ist der Park dran. Zuerst geht es ins Vistor Center. Da gibt es eine Park Map für diesen Park und etwas Vergleichbares für den Santa Fé Trail. Das ist eine alte Handelsstrasse, die ich seit vorgestern immer wieder antreffe und teils entlang fahre. Es war im frühen 19. Jahrhundert die erste und lange Zeit die einzige Handelsstrasse, welche die britisch geprägten USA am Missouri mit Santa Fé im spanischen Mexico verband, das damals noch ganz Texas, New Mexico und sogar Kalifornien umfasste. Daran wird auch im Museum des Visitor Centers mehrfach angeknüpft. Das Museum zeigt auch eine sehr schön dargestellte Timeline und einige Artefakte, denn hier haben wir wieder einmal Indianerruinen. Dieses Pueblo erlebte seine Blütezeit aber erst, nachdem die Siedlungen von Mesa Verde verlassen wurden. Die Indianer mussten sich hier mit den Spaniern und später den Amerikanern auseinandersetzen. Das Tal spielte ein wichtige Rolle im mexikanisch-amerikanischen Krieg, nachdem diese Gebiete amerikanisch wurden, und auch im amerikanischen Bürgerkrieg, als hier der Versuch der Konföderierten, Zugriff auf den Westen zu nehmen, scheiterte. Die Spanier bauten bereits vorher im 17. Jahrhundert eine Mission, die bei einem großen Indianeraufstand zerstört wurde. 1717 wurde auf der Ruine eine zweite Missionskirche gebaut, die heute auch wieder eine Ruine ist. Nach dem Vistior Center führt ein kleiner Trail duch die beiden Puebloruinen und endet an der Missionsruine.

Pecos National Historical Park - Kiva (wiederhergestellt)
Pecos National Historical Park - Kiva (wiederhergestellt)

Bereits am Anfang ist eine Kiva restauriert, was jedesmal ein Erlebnis ist, da reinzusteigen. Die Ruine der zweiten Missionskirche wird gerade restauriert, vermutlich, um sie wieder etwas zu erhalten. Es ist nach zwei, als ich den Park verlasse und auf Santa Fé zusteuere, was nur noch etwa dreissig Meilen entfernt ist.

Pecos National Historical Park - Ruinen der Missionkirchen
Pecos National Historical Park - Ruinen der Missionkirchen

Ich will zuerst einmal mittenrein zur Plaza und da nehme ich sogar die Ausfahrt, die an meinem Hotel vorbeiführen sollte. Ich sehe es jedoch nirgends an der Strecke. Egal, die Plaza ruft. Dafür fahre ich mitten rein, sogar bis auf die Plaza und dann in einem kleinen Kreis auf einen kostenpflichtigen Parkplatz, ein Dollar pro Stunde tut mir nicht weh. Ich gehe die paar Meter zu Fuss rein, schaue mir die Läden an, die meisten allerdings reizen mich gar nicht mehr.

Santa Fé Cathedral Basilica of St. Francis - Hauptschiff
Santa Fé Cathedral Basilica of St. Francis - Hauptschiff

Ich schau mir die Basilika ein wenig an, das ist dann doch einigermassen interessant, wie hier europäische Gestaltung mit lokaler verknüpft wird. Ich umrunde die Plaza und entdecke dabei zwei interessante Museen, doch heute habe ich nicht mehr den Nerv dafür. Auch passiere ich das Plaza Café, in dem ich vor fünfundzwanzig Jahren einmal gespeist habe. Insgesamt sind mir hier aber im Vergleich zur den letzten Tagen zu viele Touristen, dagegen war selbst Taos beschaulich.

Santa Fé Plaza
Santa Fé Plaza

Das wird mir schnell zu viel und ich gehe zum Auto. Es war wirklich eher eine Stippvisite, denn bei der Ausfahrt vom Parkplatz muss ich nur einen Dollar zahlen. Dann suche ich jetzt mein Hotel und das gestaltet sich schwieriger als ich dachte. Die Karteninformationen aus dem Portal und die Adresse passen nicht gut zusammen, so kreise ich durch Seitenstrassen und fahre auf der richtigen Strasse wieder bis jenseits der Autobahn. Aber als ich das tue, sehe ich ein wenig versteckt das Schild von meinem Hotel, nur keine Einfahrt. Nach der Wende versuche ich zuerst erfolglos die Seitenstrasse davor, dann die danach und finde heraus, dass es halb über einen Supermarktparkplatz zu meinem Hotel geht. Wenigstens ist damit die Versorgung gesichert. Das Apartmentzimmer für das Wochenende, ich bleibe hier drei Nächte, ist super. Es hat einen riesigen Kühlschrank, ist schön gross und befindet sich im selben Gebäude wie die Rezeption. Vermutlich rockt deswegen das Internet. Und im Gebäude ist auch eine Guest Laundry für meinen Waschtag. Nebenan ist mein Supermarkt. Die Hauptstrasse ist auch schon die richtige zum Bandelier National Monument morgen. Passt alles perfekt.

Kaum habe ich eine längere Mail geschrieben, ist es Zeit zum Essen. Ich fahre zwei andere Hauptstrassen ab und finde eine brauchbare Auswahl. Am Ende entscheide ich mich für Dion's, wobei mir der Name bekannt vorkommt. Es zeigt sich, dass es eine regionale Pizzakette mit Schwerpunkt in Albuquerque ist. Ich kann es nur in Las Cruces gesehen haben angesichts der Liste der Filialen auf der Karte. Die Pizza ist wirklich prima und relativ günstig. Ich überlege schon, ob ein weiterer Besuch gerechtfertigt ist. Am Rückweg kaufe ich noch Getränke im Supermarkt am Hotel ein. Besonders das Angebot "Build your own Sixpack" passt heute wie die Faust aufs Auge, wenn ich schon mal drei Tage hier bin. Also nehme ich sechs verschiedene Craftbiere mit. Am Zimmer wird bald ein Bier aufgemacht und angefangen zu schreiben.


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