Bandelier National Monument

Travelblog für 09.06.2017

Zum vorigen Tag


Viertel vor acht breche ich auf, versorgt mit einem Kaffee. Ich habe heute morgen schon eine Geburtstags-Email verschickt. Jetzt muss ich mich erst einmal durch die Rush Hour in Santa Fé wühlen. Es wird aber schnell besser, als ich nicht mehr auf die Innenstadt zusteuere und nach Norden raus ist es dann eine Autobahn. Ich fahre in Richtung Los Alamos in die Berge hoch, biege aber voher ab in Richtung des Bandelier National Monuments. Das ist nach einem bedeutenden Archälogen, die hier viel bewirkt hat, benannt. Bald stehen da Schilder, die mir sagen, das National Monument ist nur per Shuttlebus zugänglich. Da werde ich wohl etwas umplanen müssen. Ich halte brav beim Shuttleparkplatz an und frage im dortigen Visitor Center, was es damit auf sich hat. Und mir wird gleich gesagt, dass sie mich reinlassen, wenn ich vor neun Uhr im Park bin. Es ist 8:37 Uhr und es sind elf Meilen. Für mich ein Kinderspiel. Allerdings hat sie es dem Fahrer des Camaro Cabrio auch gesagt und der tut sich nicht so leicht wie ich. Ich klebe ihm an den Fersen. Um 8:47 Uhr biegen wir in den Park ab und um fünf vor neun bin ich am Parkplatz des Visitor Centers im Park. Das macht erst um neun auf, aber ich stelle mich brav in die Schlange und zeige meinen Jahrespass vor. Ich bin drin und kann den Besuch ganz nach meinem Gusto gestalten.

Bandelier National Monument - Aussicht über dem Frijoles Canyon
Bandelier National Monument - Aussicht über dem Frijoles Canyon

Ich gehe zuerst auf eine richtige kleine Wanderung, da es noch ein bisschen kühler ist. Das bedeutet zwar, dass später bei der Besichtigungstour auf dem Main Loop mehr los sein wird, aber ein wenig kühlere Temperaturen beim Aufstieg sind mir wichtiger. Das Visitor Center und die archälogischen Stätten sind im Frijoles Canyon am oder nahe des Talgrunds. Ich will aber auch zu einer unausgegrabenen Stätte an der oberen südlichen Talkante und ein kleine Runde drehen. Es ist jetzt schon heiss genug beim Aufstieg über 150 Höhenmeter auf dem sonnenbeschienenen Hang. Die Stätte oben ist unausgegraben und daher sieht man gar nichts. Ich gehe noch etwa zwei Kilometer an der Kante entlang bis zu einem anderen Abstieg und an dessen Ende in der Talsohle mache ich noch eine Kehrtwende zum Alcove House. Das ist ein Fundort etwa fünzig Meter höher, den man über mehrere Leitern recht spektakulär erklimmen kann.

Bandelier National Monument - Alcove House Aufstieg
Bandelier National Monument - Alcove House Aufstieg

Drei lange Leitern und eine kurze sowie einige steile Stufen in engen Rinnen des vulkanischen Tuffs machen einen wirklich in mehrfacher Hinsicht atemberaubenden Aufstieg aus. Oben gibt es einen Überhang mit einer teilweise restaurierten Kiva, zwei Alkoven im Tuff und einem herrlichen Ausblick. Nachem ich wieder abgestiegen bin, gehe ich zurück zum Auto. Da mache ich eine Brotzeit, wechsle die Schuhe, lasse meinen Rucksack zurück und begebe mich dann auf den Main Loop.

Am Beginn der Hauptattraktionen ist zuerst einmal kaum etwas los, nach der großen Kiva bei den Puebloruinen im Tal überhole ich eine Familie. Doch als es zu dem Cliff Dwellings an den Fuss der Wände hinauf geht, hole ich eine Kindergruppe ein. Anscheinend ein Ferienprogramm für Indianerkinder und ich habe die letzte, jüngste Gruppe eingeholt. Da ist Schlangestehen angesagt, um in die kleinen Räume im Tuffgestein zu kommen.

Bandelier National Monument - Raum im Tuffgestein
Bandelier National Monument - Raum im Tuffgestein

Es dauert ein bisschen, bis die kleinsten die Leitern bei den einzelnen Räumen wieder runter sind und erst einmal ist noch eine weitere Famiie vor mir. Es bessert sich jedoch nach dem dritten Raum, denn da macht die große Gruppe eine Pause im Schatten und ich kann an Familie und Gruppe vorbeiziehen. Dann gibt es aber keine solchen Räume mehr, sondern Ruinen an den Felswänden und Petroglyphen. Danach geht der Loop schon wieder zum Parkplatz. Das passt mir aber sehr gut, denn so geht mein ambitionierter Tagesplan auf.

Bandelier National Monument - Long House
Bandelier National Monument - Long House

Ich verlasse das National Monument und oben ist tatsächlich eine Schranke geschlossen, die aber für Ausfahrende wie mich automatisch aufgeht. Ich fahre zurück nach Santa Fé, wieder direkt in die Mitte, und suche mir einen Platz in einem Parkhaus. Ich will zuerst in das Museum of Contemporary Native Arts.

Santa Fé - Museum of Contemporary Native Arts
Santa Fé - Museum of Contemporary Native Arts

Ich war mir nicht ganz sicher, was mich erwartet, und bin daher etwas skeptisch. Doch da ist ein großer Teil wirklich guter und hochwertiger Arbeiten dabei. Es sind relativ viele Druckverfahren darunter, was wohl auf ein Projekt des Museums zurückzuführen ist. Auch dieses Museum ist nicht übertrieben groß und nach der obligatorischen Dreiviertelstunde bin ich wieder draussen.

Santa Fé - Museum of Contemporary Native Arts: Joe Feddersen
Santa Fé - Museum of Contemporary Native Arts: Joe Feddersen

Mit einer Extrarunde um die Plaza gehe ich in das Santa Fé Art Museum. Das hat eine sehr schön aufbereitete Sammlung, die sich auf New Mexico fokussiert. Ausserdem ist gerade eine Sonderaustelleung aus dem British Museum da, die sich Zeichnungen widmet. Diese liefert fast alles, was Rang und Namen hat in der Kunstgeschichte, ist aber völlig unverständlich kuratiert. Die Zeichnungen folgen keinerlei erkennbarem System, sie sind wild durcheinandergewürfelt, nach Zeit, Technik, Genre, Motivik etc. Ich kann keinen roten Faden erkennen. Klar ist, dass es überwiegend Studien sind, das war immer der Hauptzweck von Zeichnungen, aber auch hier sind die anderen scheinbar beliebig reingestreut. Diese Austellung hinterlässt mich etwas konfus, weswegen ich sie auch nicht allzu intensiv würdige. Und schon wieder stehe ich nach einer Dreiviertelstunde auf der Strasse.

Santa Fé Art Museum - Innenhof
Santa Fé Art Museum - Innenhof

Dann ist jetzt halt Waschtag: Auto aus dem Parkhaus holen, ins Hotel, dort an der Rezeption genügend Münzen wechseln und die Guest Laundry benutzen. Es ist vier, als die Maschine läuft, doch diese hier braucht länger als im Waschsalon. Erst nach einer Dreiviertelstunde kann ich Wäsche in den Trockner werfen, aber ich kann die Zeit ja im Zimmer im Internet surfen. Während ich warte, kommt das Zimmermädchen für heute in mein Zimmer und ich lasse sie das Bad und mein Bett machen sowie den Fliesenboden vor der Küchenzeile wischen. Das muss reichen und morgen werde ich zu dieser Zeit nicht da sein. Der Trockner braucht dann noch länger und es geht auf halb sieben zu, bis er fertig ist. Nachdem ich Wäsche zusammengefaltet und in den Koffer gepackt habe, ist es nach sieben und Zeit, essen zu gehen. Ich will mir keine Gedanken machen und fahre zu dem Denny's, den ich gestern gesehen habe. Das war schon so oft mein Plan B, dann ist es heute mal Plan A. Es gibt ein Bourbon Chicken Skillet, eine kleine Gusspfanne mit Bratkartoffeln, auf denen Broccoli, ein paar Pilze, Zwiebeln und Paprika liegen und obendrauf zwei kleine Hähnchenfilets mit einer Honig-Bourbon-Barbecue Sosse drüber. Lecker und nicht übertrieben viel. Gefällt mir gut. Um acht bin ich wieder im Hotel und kann endlich ein Bier, ein Cutthroat Porter von Odell in Colorado auf das ferne Geburtstagskind trinken, dessen Ehrentag für ihn schon vorüber ist. Und ich kann schreiben.


Zum nächsten Tag

Zur Übersicht