Kasha-Katuwa Tent Rocks

Travelblog für 10.06.2017

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Ich komme mal wieder so um Viertel vor acht los, mit Kaffee, sehr angenehm. Es geht zum Kasha-Katuwe Tent Rocks National Monument etwa dreissig Meilen entfernt. Nach dem Stück Interstate geht es auch kurz unten am Damm des Cochiti Lake entlang, wo sie den Rio Grande aufstauen. Beim Cochiti Pueblo, dem Kerndorf dieses Indianerreservats ist die Abzweigung und auch gleich die Entrance Station. Ein paar Meilen weiter ist der Parkplatz. Hier gibt es eigentlich nur eine Aktivität ausser Picknicken: einen Wanderweg, den sie sogar als zwei ausweisen: Den Cave Loop Rundweg, von dem der Slot Canyon Trail abzweigt, der eine Sackgasse ist. Von der Abzweigung ist aber der direkte Weg zum Parkplatz nur 0,4 Meilen und der längere Teil des Loops sind 0,7 Meilen. Ich gehe ohnehin gleich auf den Slot Canyon Trail und das stellt sich für mich als die Hauptattraktion heraus: Der Weg verläuft zunächst im Bett der Schlucht, die über eine lange Strecke so eng wie eine Klamm ist, die sich das Wasser in den weichen Tuff gefressen hat.

Kasha Katuwa Tent Rocks National Monument - Slot Canyon
Kasha Katuwa Tent Rocks National Monument - Slot Canyon

Das ist extrem aufregend, auch wenn der Boden heute knochentrocken ist. Hier im Schatten ist es auch angenehm frisch, das ändert sich, als der Canyon etwas breiter wird und eine Biegung macht, so dass die Sonne hereinscheint. Bald wird es ein wenig steiler, bisher war der Anstieg sehr moderat, und der Weg verlässt den Grund der Schlucht. Es geht hinauf auf die Felskante, bis auf einen kleinen Gipfel und weiter vor bis zur Spitze, an der in drei Richtungen der Abgrund gähnt. Zwei Seiten bilden die Schlucht, die ich heraufgestiegen bin. Und auch wenn mir immer wieder Leute begegnet sind und ich auch ein paar überholt habe, ist das Glück auf meiner Seite und ich habe diese Spitze einige Minuten für mich allein. Als nach ein paar Minuten ein junges Paar mit ihrer Tocher in einer Kraxe, die ich alle am Eingang der Schlucht überholt habe, ankommt, mache ich mich auf den Rückweg, ihnen dieses Erlebnis überlassen. Dort oben hat man einen Ausblick bis auf die Sandia Mountains bei Albuquerque, aber auch direkt vor Augen die namensgebenden Formationen des Parks: Erosionsgebilde, die kegelförmig wie Tipis aussehen, bei denen oft ein noch vohandener Deckstein die Erosion direkt unter sich verhindert hat. Solche gab es schon beim Aufstieg zu sehen und die Ansichten auf diese beim Abstieg gefallen mir fast noch besser.

Kasha Katuwa Tent Rocks National Monument - Slot Canyon Tent Rocks
Kasha Katuwa Tent Rocks National Monument - Slot Canyon Tent Rocks

Dabei begegne ich deutlich mehr und auch größeren Gruppen als beim Aufstieg, so dass ich wieder einmal froh bin, früh dran gewesen zu sein. Wie immer wundere ich mich über das Schuhwerk, mit dem die Leute auf solche Wege gehen. Hier sind eindeutig feste Schuhe und ein sicherer Tritt angesagt, dann ist der Weg einfach und die gut 150 Höhenmeter vom Ausgang der Schlucht bis oben am Gipfel sind gut zu bewältigen. Ich sehe aber auch wenig geeignete Fussbekleidung dafür. Nachdem ich selbst aus der Schlucht heraus bin, gehe ich freilich noch den mir bisher unbekannten Arm des Cave Loop. Der führt an einer kleinen Höhle vorbei, die vor langer Zeit auch einmal Indianern als Wohnstätte diente. Im Vergleich zu den vergangenen Tagen ist das aber wenig aufregend. Doch kurz bevor der Weg am Parkplatz endet, führt er noch durch eine Reihe von Tent Rocks am Talrand, die sowohl von Größe als auch ihrer Anordnung als ein kleines Tipi-Dorf durchgehen könnten. Ein sehr schöner Abschluss.

Kasha-Katuwe Tent Rocks National Monument - Tent Rocks
Kasha-Katuwe Tent Rocks National Monument - Tent Rocks

Beim Ausfahren aus dem Park wird auch klar, warum auf der Auswärtsspur reifenaufschlitzende Stopper sind: Da steht eine ganze Schlange von Autos an, die rein will. Die Broschüre sagt, wenn die Parkmöglichkeiten erschöpft sind, kommt keiner rein, bis wieder jemand hinausfährt. Und wieder einmal fängt der frühe Vogel den Wurm.

Für mich steht jetzt Autowandern auf dem Programm. Mein nächster Programmpunkt ist zwar nur gut 15 Meilen Luftlinie entfernt, aber mangels direkter Strassenverbindung muss ich einen großen Bogen von über 75 Meilen fahren. Ich möchte zum Jemez Soda Dam. 15 Meilen vorher ist das Walatowa Visitor Center bei Jemez Springs, wo ich mir ein paar Informationen hole und dann zum Soda Dam fahre. Dort haben heisse Quellen mineralische Ablagerungen hinterlassen, die einen natürlichen Damm quer durch das Tal aufgebaut haben. Dieser hat früher den Jemez River aufgestaut, so dass er darüber fliessen konnte. Mittlerweile ist er aber durchgebrochen und hat sich einen Durchfluss mit einem kleinen Wasserfall geschaffen. Es ist logisch, dass so etwas nur ein Fotostopp von zehn Minuten ist, den Durchbruch in Bild nehmen, mal auf dem Damm rumklettern und entlang laufen, das war's. Und ich bin wahrlich nicht der einzige hier.

Jemez Soda Dam
Jemez Soda Dam

Ich fahre die Strasse weiter den Fluss hinauf und es wird immer alpiner mit dichten Pinienwäldern. Die meisten Parkplätze hier sind voll mit Wochenendausflüglern. An der Stelle, wo die Strasse am Talende auf die Hochebene gestiegen ist, biege ich in Richtung Los Alamos ab und es geht bald weiter hoch und dann hinein in die Valles Caldera National Preserve. Das ist eine riesige Vulkan Caldera oben im Gebirge. Der Vulkan schläft nur. Ich halte ein paar Mal an, um Fotos zu schiessen. Bei meinem letzten Stopp steht da eine junge Rangerin mit einem Fernrohr. Sie zeigt mir da hindurch eine große Herde Elks, also Hirsche, mit frischen Jungen. Die sind ziemlich weit weg, aber das Fernrohr tut gute Arbeit. Sie beantwortet mir auch einige Fragen und so erfahre ich, dass der erste Ring an Bergen nicht der Rand der Caldera ist, sondern die Kegel von verschiedenen Ausbrüchen sind. Die Caldera ist also eigentlich noch viel größer. Interessanterweise ist der größte dieser Berge keinem Ausbruch zuzuschreiben, sondern bloss der Anhebung durch den unterirdischen Druck des Vulkans. Sie sagt mir auch, dass die riesigen Brandschäden in der Umgebung, die man hier oben überall sehen kann, auf zwei große Waldbrände 2011 und 2013 zurückgehen. Daher muss man jetzt auch beim Wandern aufpassen, denn ein starker Wind kann die Baumleichen inzwischen umwerfen, da sie immer weniger fest im Boden verankert sind. Mit diesen netten und interessanten Erläuterungen ist auch dieses recht neue Mitglied im Nationalparksystem zu einem lohnenswerten Programmpunkt geworden.

Valles Caldera National Preserve - Caldera
Valles Caldera National Preserve - Caldera

Es geht weiter und bald führt die Strasse steil hinab auf die Hochebene, auf der Los Alamos liegt. Das ist kein Wunder, denn Los Alamos liegt nur auf gut 2200 Metern während die Strasse am Rande der Caldera über 400 Höhenmeter darüber verlief. Ich biege "unten" also ab nach Los Alamos und sofort stehen dauernd Wegweiser zu verschiedenen, nummerierten Laboreinheiten. Bald komme ich an eine Station für einen Security Check. Der Polizist wünscht mir nur eine gute Fahrt, nachdem er meinen deutschen Personalausweis gesehen hat, aber nicht ohne die Ermahnung keine Fotos zu machen. Da bin ich wohl auf einer öffentlichen Strasse in den Kernbereich der Forschungseinrichtung geraten. Nach ein paar hundert Metern passiere ich die entsprechende Station in der Gegenrichtung, es ist also nicht die ganze Hochebene Sicherheitsbereich. Mein eigentliches Ziel hier, das Bradbury Science Museum finde ich erst nach ein bisschen Kreiseln und als ich die Adresse im Reiseführer nachgeschlagen habe. Auch dann veranlasst mich eine Strassensperre wegen einer Veranstaltung noch - allerdings unnötig, wie sich herausstellt - einen Bogen zu fahren. Als ich endlich am Parkplatz bin, geht es auf zwei zu. Das Museum stellt gut aufbereitet, aber mit zuviel und zu gedrängtem Text die Arbeit vor, die hier gemacht wurde. Großen Raum nehmen logischerwerise die Atomwaffen, ihre ursprüngliche Entwicklung und deren erster Einsatz ein, aber auch die damit verbundene Geschichte des Computings, die Atomwaffenkontrolle, die Weltraumfoschung, die Nanotechnologie und die Umweltforschung werden ausgiebig präsentiert. Wirklich kritische Aussagen zu Nuklearwaffen findet man nur verschämt in einer kleinen Ecke mit abweichenden Meinungen, die auch als redaktionell nicht in der Verantwortung des Museums gekennzeichnet sind. Ich sehe mir aber trotzdem hier einmal den 16minütigen Film an über die Geschichte des Ortes, als er geheim war. Er ist weitgehend neutral gehalten, aber auch hier gibt es keine kritische Stimme ausser dem berühmten oppenheimerschen Sanskrit-Zitat "Now I am become Death, the destroyer of worlds". Die Atombombe wird als das einzige Mittel, den zweiten Weltkrieg zu beenden präsentiert, das ja auch erfolgreich war - kein weiterer Kommentar.

Es geht auf halb vier zu, als ich nach dem Film wieder hinunter in Richtung Santa Fé fahre. Einen Halt habe ich noch vor: Ich will in den Sidoni Sculpture Garden in Tesuque, einem Dorf und Indianerreservat direkt nördlich von Santa Fé. Auch wenn hier fast alles mit dichten Büschen bewaldet ist, finde ich den Garten völlig problemlos dank der guten Karten auf meinem Handy. Es ist eine Wiese von über hundert auf vielleicht sechzig Metern Größe vor einer Galerie, auf der mindestens dreissig, teils beachtlich große Skulpturen stehen. Schon bei der ersten zeigt sich, dann man die alle käuflich erwerben könnte, kein wunderbei einer Galerie. Da aber deren Größe und mein Platz daheim nicht zusammenpassen und ausserdem meist fünfstellige Dollarbeträge abgerufen weren, kommt das für mich bestimmt nicht in Frage.

Tesuque - Sidoni Sculpture Garden
Tesuque - Sidoni Sculpture Garden

Auch wenn ich gemächlich über diese Wiese schlendere, ist der Besuch nicht von besonders lange Dauer. Ich fahre zurück ins Hotel, wo ich gegen halb fünf eintreffe. Da ich aber sehe, dass mein Zimmer gerade gemacht wird, lege ich noch einen entspannten Besuch im Supermarkt ein. Mein Zimmer ist fertig, als ich wiederkomme.

Ich will erst einmal ein bisschen runterkommen, doch kurz nach sechs ist mir klar: Ich will heute nicht essen gehen. Ich fahre los, tanke das Auto für morgen voll, und gehe zu Dion's und ordere eine Pizza to go. Auf die muss ich logischerweise trotzdem zwanzig Minuten warten, aber dann geht es zurück. Viertel vor sieben wieder am Zimmer esse ich sie zu einem Pecan Beer aus dem Kühlschrank. Das schmeckt deutlich nach Pecannuss, was gut zur Pizza passt, aber danach ein bisschen zu stark akzentuiert ist. Ich lege ein Cinnamon Horchta Ale nach, das ebenfalls klar nach Zimt schmeckt, eine interessante Kombination und nicht zu übertrieben. Als das zu Ende ist, habe ich auch den Blogtext für den Tag verfasst. Dann gibt's noch ein IPA zum Nachspülen.


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