El Malpais und El Morro National Monuments

Travelblog für 12.06.2017

Zum vorigen Tag


Morgens habe ich viel Zeit, denn ein Visitor Center für die heutigen Ziele ist genau auf der anderen Seite der Autobahn und es öffnet um acht. Ich checke um fünf nach acht aus und bin um zehn nach am Visitor Center. Die Dame dort ist auch noch nicht ganz ausgeschlafen, aber wir kriegen das schon hin. Ich bin danach mit Informationen und Material für den Tag versorgt - und gehe noch einmal zurück noch eine Frage stellen: Ob die Lava Bowl gestern der Ausbruchskrater war. Die Karte der Ausbrüche, die sie mir zeigt, macht klar, dass es nicht so ist. Es geht erst einmal zu der El Calderon Area. Die ist praktisch direkt an der Hauptstrasse und dort gibt es einen Rundweg von knapp sieben Kilometern. Gleich beim Parkplatz ist die Junction Cave, ein Lavatunnel, den ich mir für später aufhebe.

El Malpais National Monument - Junction Cave
El Malpais National Monument - Junction Cave

Bald kommt die Bat Cave, die zu betreten eine Caving Permit erfordert. Das will ich aber jetzt gar nicht. Es geht weiter zur Cinder Cone Caldera, ein Aschekegelkrater, der inzwischen weitgehend bewachsen ist.

El Malpais National Monument - El Calderon Area
El Malpais National Monument - El Calderon Area

Den kleinen Rundweg am Rand mache ich nicht, er sieht zwar nett, aber auch nicht besonders aufregend aus. Es geht in einem weiten Bogen zurück zum Parkplatz, da ich die Abkürzung auslasse. Eine halbe Meile geht es über einen Lavaflow. Hier ist der Weg auf dem meist felsigen Boden kaum zu sehen, aber kleine gelbe Fähnchen am Boden und gelegentlich ein rotes Bändchen an einem Kiefernast helfen. Das muss ich mir aber erst erschliessen. Am Ende steht für die Gegenrichtung ein Schild, dass dieser Teil "unimproved" ist und man den Fähnchen folgen soll. In meiner Richtung habe ich keinen solchen Hinweis wahrgenommen. Ein Stück weiter trifft mein Trail auf den Continental Divide Trail, den Weitwanderweg entlang der kontinentalen Wasserscheide. Die Richtung, die nicht Teil meines Rundwegs ist, sieht nach einem sehr unscheinbaren schmalen Pfad aus. Der Weitwanderweg scheint nicht gerade überlaufen zu sein. Nach einer Meile auf dem Continental Divide Trail bin ich wieder am Parkplatz und mache mich fertig für die Junction Cave. Die ist eine recht interessante Lava Tube, die mehrfach eingebrochen ist und der Rundweg geht über ein breite Brücke, die sie damit geformt hat. In einer Richtung ist sie jedoch nach zwanzig Metern durch ein unüberwindbares Gitter gesperrt und unter der Brücke ist es so zerklüftet, dass ich da allein auch nicht weiter will. Also weiter im Programm.

Mein Plan ist, jetzt durchzufahren bis zum El Morro National Monument und so mache ich es auch. Dort hole ich mir erst einmal eine Park Map im Visitor Center, rüste ich mich für die kleine Runde und frage dann den Ranger, wo der Inscription Loop losgeht. Das tut er direkt am Hinterausgang des Visitor Center und der Ranger gibt mir ein laminiertes Leihexemplar des Trail Guides mit. Das ist eine sehr hilfreiche Ausrüstung, denn die besondere Geschichte dieses Ortes verlangt diese Erklärungen: hier ist ein natürliches, immer gefülltes Wasserloch, was sich zu allen Zeiten herumgesprochen hat.

El Morro National Monument - Wasserloch
El Morro National Monument - Wasserloch

Und lange Zeit, bis es Anfang des 20 Jahrhunderts als Schutzgebiet ausgewiesen wurde, haben die Reisenden, die sich hier versorgt haben, ihren Besuch im weichen Sandstein der Felswände mit Inschriften dokumentiert. Das Wasserloch selbst ist schon interessant, da es von keiner Quelle gespeist wird, nur von Sickerwasser, Schmelzwasser und was bei Regen von den Felsen herunterrinnt. Dabei ist es ein ganz schön großer Teich von etwa zehn auf fünzehn Metern unter einem leichten Überhang der Felswände. Schon bei oberflächlichem Hinsehen sieht man drei klare Rinnen, wo das Wasser von oben kommen kann, die Spuren am Fels weisen auf mehr hin. Auf der dem Tal zugewandten Seite wächst sogar Schilf. Früher wurde das Wasser von einer Sandbank zurückgehalten, jetzt ist da ein kleiner gemauerter Steindamm. In den Felswänden haben sich viele der früheren Besucher verewigt, ein paar wenige indianische Petroglyphen, einige aus dem 19. Jahrhundert, beispielsweide mehrere vom ersten Siedlertreck, der hier vorbeikam, und von einem Erkundungstrupp für die Eisenbahnstrekce, die dann jedoch weiter nördlich bei Gallup gebaut wurde. Die meisten aber sind von den Spaniern, die dazwischen hier waren. So gibt es eine Inschrift vom ersten spanischen Gouverneur des Territoriums von 1605, es ist aber historisch belegt, dass er schon 1598 einmal hier war. Eine andere stammt von drei spanischen Soldaten, die hier zurückgelassen wurden, um über tausend Indianer zu überwachen. All diese Geschichten, die sich aus diesen Inschriften ergeben, machen das zu einem absolut faszinierenden Ort. Als ich den Guide zurückgegeben habe, hat sich ein Mann am Counter, der mit der Rangerin über ein anderes Thema sprach, daran erinnert, dass er seinen auch noch im Hosenbund stecken hat, und sich überschwenglich für diesen Anstoß, ihn zurückzugeben, bedankt. Ich war dagegen erfreut, dass es noch früh genug war, den bisher unsicheren Programmpunkt anzugehen.

El Morro National Monument - Inschriften
El Morro National Monument - Inschriften

Der letzte besonders interessante Bereich im El Maipais National Monument, den ich bisher noch nicht besucht hatte, ist die Big Tube Area. Dorthin muss man allerdings mal wieder so sieben Meilen unbefestigte Strasse fahren, weswegen ich es nur bei ausreichend viel Zeit machen möchte. Das ist jetzt aber noch locker drin. Die Abzweigung habe ich bereits am Weg zu El Morro gesehen, die ist also leicht gefunden. Danach wird es wieder einmal spannend, in welchem Zustand diese Strasse denn ist. Der ist aber gut, die Strasse ist zwar schmal, mit gelegentlich ein paar Steinen, die etwas herausstehen und ein paar wilden Kurven durch den Wald, aber eigentlich recht gut zu fahren, wenn man die Spur genau im Blick hat. Es ist sogar sehr romantisch hier durch den lichten Kiefernwald in der Höhe zu kurven. Nach der Abzweigung zum Parkplatz wird die Strasse etwas schmaler und schlechter, mit ein paar Schlaglöchern und Rinnen, aber nichts, was mich nach der gestrigen Erfahrung aus der Ruhe brächte. So bin ich fast schneller als erwartet am Parkplatz für die Big Tube Area. Der Wanderweg hier ist aber eine ganz andere Herausforderung. Teils ist zu erkennen, dass versucht wurde, den Weg über diesen sehr zerklüfteten Lava Flow etwas begehbarer zu machen, aber oft waren diese Versuche auch fruchtlos. Auf den blanken, zerklüfteten Lavafelsen ist oft auch gar kein Weg zu erkennen und man muss sich für die Richtung auf die aufgeschichteten Felshaufen, engl. "Cairns", verlassen. Oft ist es so, dass man den Weg zum nächsten Cairn in zehn, zwanzig Metern erahnen kann und dann dorthin muss, um den darauffolgenden zu sehen. Nach dem Durchqueren eines tieferliegenden Flows entscheide ich an der ersten Kreuzung zur nahen Big Skylight Cave zu gehen. Da bin ich nach nur fünfzig Metern, das ist einer der Ausgänge zu einem immens großen Lavatunnel, der hier auf eine lange Strecke eingebrochen ist. An der noch stehenden Lava Bridge darüber treffe ich ein Gruppe von drei Frauen, die zu dem zweiten Auto auf dem Parkplatz gehören. Sie sind den ganzen Loop gegangen, was ich gerade nicht vorhabe. Ich will über die Lava Bridge und den anderen Ausgang dieser riesigen Lava Tube sehen, die Giant Ice Cave.

El Malpais National Monument - Giant Ice Cave
El Malpais National Monument - Giant Ice Cave

Beide Eingänge und der Lava Trench dazwischen sind so zwanzig Meter breit. Beim Rückweg zur Brücke sehe ich, wie eine der Damen in den Trench hinunter steigt. Die beiden andern bleiben oben. So ein Stunt kommt für mich allein hier so weit draussen nicht in Frage, aber ein bisschen Lust hätte ich schon darauf. Ich gehe noch ein kleines Stück bei der ersten Kreuzung in die andere Richtung, bin mir aber gar nicht sicher, ob ich die als Surface Tube verzeichnete Formation überhaupt erkenne. Danach geht es zurück zum Parkplatz, wo das zweite Auto immer noch steht. Die Damen haben wohl noch ihren Spass. Ich fahre diese Unpaved Road wieder zurück und dabei kommt sie mir sogar harmloser vor als beim Weg hinein. Es liegt wohl daran, dass es jetzt meistens leicht bergauf geht, womit ich besser zurechtkomme. Ein Blick auf die Handykarte sagt mir, dass diese Strasse, kurz bevor sie auf die Hauptstrasse stösst, kaum merklich auf fast 2500 Meter Höhe steigt. Dabei ist es meist eher die Erscheinung einer Hochebene und dieser höchste Bereich verläuft zwischen einem etwas unauffälligen Lava Flow und einem Berg, der bei genauem Hinsehen durchaus ein Vulkankegel sein kann. Kaum bin ich auf der Hautptstrasse, überquere ich mal wieder die Continental Divide, die Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik.

Es geht zurück nach Grants. Einen kleinen Programmunkt habe ich mir aufgehoben: Das Mining Museum, denn nördlich von hier wurde im letzten Jahrhundert Uran geschürft, was aber heute eingestellt ist. Ich habe ein gute Vorstellung davon, wo es sein muss, fahre dann aber erst einmal daran vorbei, weil mein Reiseführer sagte, es sei nicht ganz an der Hauptstrasse. Als ich schnell sicher bin, es verpasst zu haben, schlage ich die Adresse im Führer nach und finde es sofort. Ich bin einfach vorbeigefahren. Egal, erst einmal hinein. Nachdem der alte Mann, der Ehrenamtliche vom Dienst, seinen Plausch mit seinen Freunden beendet hat, kassiert er mich ab und startet den Film für mich. Also gut, diese zwölf Minuten habe ich sicher. Es ist ein herrlich altmodischer, betont sachlich neutraler Film, vermutlich aus den frühen 80er Jahren, über die Bergbautechnik, die beim Uranabbau eingesetzt wurde. Das reicht bis hin zur Erstverabeitung zum sog. Yellow Cake, was auch noch hier in der Gegend stattfand. Die folgende Verarbeitung erfolgte in anderen Landesteilen, weswegen der Film da aufhört. Beim Film haben sich dann drei Kinder dazugesetzt. Die fahren mit mir dann hinunter in den Keller. Dort ist sehr originalgetreu eine Uranmine des Untertagebaus nachgebaut. Alle dort unten benutzten Austellungsstücke sind Originale, gespendet von den Firmen, als der Abbau eingestellt wurde. Ich bin ein wenig schneller als die Kinder, warte am Ende aber vor dem Aufzug die wenigen Minuten, bis sie auch ganz herum sind. Ich habe den Eindruck, dass alle drei froh sind, da unten nicht ganz allein zu sein. Der Junge mit etwa sieben Jahren gibt im Aufzug wieder hinauf auch zu, dass es "scary" war, aber auch beim ältesten Mädchem mit etwa zwölf habe ich den Eindruck, dass sie ein bisschen erleichtert ist, auch wenn sie das nie zugeben würde. Als ich mit dem übrigen, kurzen Museumsteil fast durch bin, fragt mich der Ehrenamtliche, wie es mir gefallen hat. Ich kann ihm ehrlich antworten, dass ich begeistert bin, denn die Mine im Keller ist ganz toll gemacht. Es ist jetzt ein ganzes Stück nach drei und ich fahre erst einmal tanken.

Grants - Mining Museum
Grants - Mining Museum

Für mich geht es jetzt nach Albuquerque, wo ich mir ein Motel nahe der Old Town für die letzten Tage reserviert habe. Auf der Fahrt denke ich darüber nach, dass das jetzt der letzte Ortswechsel ist, das bedeutet, wenn ich im Motel eingecheckt habe, ist der eigentliche Road Trip vorbei. Ich könnte schon noch ein bisschen weitermachen, denn im Moment bin ich voll im Road Trip Modus. Andererseits habe ich in den letzten Wochen so viel erlebt, dass es auch gut ist, ein Ende zu finden. Und noch habe ich ein paar Tage in Albuquerque als Ausklang vor mir.

Diese letzte Etappe verläuft völlig ereignislos, nur eine Baustelle verzögert die letzten Blocks in der Stadt, bis ich am Motel bin. Das ist trotz der Baustelle zugänglich und der Check-In verläuft sehr freundlich, auch wenn der Hund es wohl noch nicht gewohnt ist, im Nebenzimmer eingesperrt zu sein, und die ganze Zeit bellt. Ich lade das Auto weitgehend aus und brauche eine halbe Stunde, um runterzukommen. Um Viertel nach sechs muss ich mich ein wenig motivieren, loszuziehen, um die Old Town zu erkunden und ein Restaurant zu finden. Das geht von diesem Motel sehr angenehm zu Fuss. Die Old Town wirkt am frühen Montagabend ein wenig ausgestorben und die Hälfte der zahllosen Gift Shops hat zu. Bei den Restaurants scheinen es noch mehr zu sein, so dass die Auswahl nicht gross ist, doch ich finde einen vertrauenerweckenden Mexikaner. Es gibt Pork Chops auf mexikanisch und ein Amber Ale dazu. Und drei Glas Wasser, ich habe heute offensichtlich zu wenig getrunken. Das ist alles sehr ordentlich und der Kellner ist die ganze Zeit äusserst aufmerksam und bemüht, was sich in seinem Trinkgeld niederschlägt. Das Engagement soll belohnt werden. Ich sehe mir noch die Öffnungszeiten des Rattlesnake Museums ein paar Häuser weiter für morgen an. Dann durchstöbere ich noch einen riesigen Gift Shop. Ich finde jedoch überhaupt nichts, was ich mir kaufen würde. Interessanterweise haben sie die identische Decke, wie ich sie mir in Taos gekauft habe. Und auch hier gibt es ein zweites Design, das auch mit dem in Taos identisch ist. Also auch ein Massenprodukt, aber egal, diese Decke ist genau das, was ich wollte. Dann geht es bequem schlendernd zu Fuss zurück ins Motel. Da kaufe ich mir im Office noch zwei Dosen mit aromatisiertem Sprudelwasser, denn die Vending Machine ist kaputt und ein Schild verweist auf das Office. Da sehe ich auch den Hund, der aber sofort ins Nebenzimmer verbracht wird, bevor ich zur Tür rein bin. Dann geht's auf's Zimmer zum Schreiben.


Zum nächsten Tag

Zur Übersicht