Albuquerque: Petroglyph National Monument

Travelblog für 14.06.2017

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Um zehn nach acht fahre ich los zum Petroglyph National Monument am westlichen Stadtrand von Albuquerque. Eigentlich wollte ich um zehn vor acht losfahren, doch mein Tablet versuchte ein Windows-Update, das dann zurückgerollt werden musste - keine Updates mehr bevor ich wieder daheim bin! Ich fahre zuerst zum Visitor Center, wo ich eine Park Map und drei Trail Guides bekomme. Die Empfehlung für die Reihenfolge entspricht genau meinem Plan. Meine Frage auf den Hinweis zum vulkanischen Bereich, was da besonders sei, bleibt aber unbeantwortet von der Rangerin, einer sehr attraktiven Rangerella. Auch die Park Map und der Trail Guide dafür schweigen sich zu dieser Frage deutlich aus. Da fahre ich nicht hin.

Petroglyph National Monument - Riconada Canyon Petroglyphen
Petroglyph National Monument - Riconada Canyon Petroglyphen

Damit geht es zuerst zum Riconada Canyon. Da geht es etwa zwei Kilometer das eher weite Tal mit Hängen aus Vulkanbasaltblöcken hinter und auf der zweiten Hälfte gibt es immer wieder Petroglyphen zu sehen, teils sehr schöne. Der Weg ist überwiegend sandig, es war nicht die beste Idee, die offenen Sandalen anzuziehen. Der Return Trail würde in der Mitte des Tals verlaufen, also gehe ich lieber denselben Weg zurück und sehe noch etwas länger - und mehr - Petroglyphen. Die Fahrt zum zweiten Abschnitt nervt ein wenig, denn jedesmal, wenn ich schlau fahren will, schickt mich eine Baustelle durch Wohngebiete, wenigstens durch recht gute. Ich komme erst gut durch, als ich eine andere Route wähle. Der Piedras Marcadas Canyon ist so ähnlich wie der vorige, aber weniger breit und weniger tief, dafür unmittelbar am Rande eines Wohngebietes. Anfangs laufe ich an der Rückseite der Grundstücke entlang. Doch die Petroglyphen sind wirklich gut und anders als beim vorigen wird man nicht durch einen Zaun von ihnen fern gehalten. Nachdem ich den Loop auf der felsigen Seite durch bin, gehe ich noch die Sackgasse zum Ende des Trails. Während vorher noch jede Menge Leute da waren, bin ich hier auf einmal allein. Um so schöner ist es, ungestört die dortigen Petroglyphen, darunter eine besonders schöne Figur und zwei Felsen voller Handformen, zu geniessen.

Petroglyph National Monument - Piedras Marcadas Canyon Petroglyphen
Petroglyph National Monument - Piedras Marcadas Canyon Petroglyphen

Am Rückweg kommen mir dann doch noch einige Menschen entgegen. Hier gehe ich nicht den Loop zurück, sondern den direkten Return Trail, denn inzwischen ist es schon ganz schön heiss. Weiter geht's zum Boca Negra Canyon, dem am besten erschlossenen Abschnitt mit den kürzesten Wegen. Das ist auch die einzige gebührenpflichtige Sektion, aber das stört mich mit meinem Jahrespass nicht. Auf dem Mesa Top Trail direkt am Parkplatz geht gerade eine große Familiengruppe los, daher mache ich mich auf den Weg zu den anderen beiden Trails, die vom Klohäuschen zweihundert Meter weiter abgehen: Der Macaw Trail ist nur eine sehr kleine Schleife, die nie weiter als dreissig Meter Luftlinie vom Häuschen weg führt. Dafür sind dort zwei ganz besonders schöne Petroglyphen: der namensgebende Macaw (ein Papagei) und ein Yuccablatt. Der Canyon Base Trail ist ein wenig länger, aber auch in wenigen Minuten abgeschlossen. Es nervt langsam ein wenig, dass auf den kleinen Informationstafeln immer wieder dieselben Texte stehen. Anscheinend erwarten sie nicht, dass irgendwer auch nur zwei Trails geht. Und als ich zurück beim Mesatop Trail bin, ist der wieder frei. Der ist auch keine sportliche Herausforderung, wird aber wie die beiden vorigen etwas anspruchsvoller dadurch, dass ich auf Schlappen gewechselt habe. Und er steigt wirklich die zwanzig Höhenmeter den ganzen Hang hinauf. Dafür bekommt man nicht nur schöne Petroglyphen sondern auch noch eine gute Aussicht über das Tal und die Stadt.

Petroglyph National Monument - Boca Negra Canyon: Ausblick von der Mesa
Petroglyph National Monument - Boca Negra Canyon: Ausblick von der Mesa

Beim Aufstieg steht ein Schildchen, das einen darüber informiert, dass man jetzt genau eine Meile über Meereshöhe ist. Der Rio Grande fliesst aber nur wenig unter einem dahin. Beim dank der Schlappen sehr gemächlichen Abstieg hole ich sogar langsam die Gruppe ein, wegen der ich zuerst die anderen beiden Trails gemacht habe. Kurz vor dem Parkplatz überhole ich sie.

Dann geht es zurück ins Motel. Doch auf dem Weg kaufe ich mir ein kaltes Getränk im Supermarkt, das ist aber schon fast leer, als ich vom Supermarktparkplatz fahre.

Albuquerque Aquarium
Albuquerque Aquarium

Im Zimmer habe ich noch mehr kalte Getränke und gegen halb zwei gehe ich zu Fuss hinüber ins Aquarium. Das ist sehr nett aufbereitet, aber etwas klein. Und natürlich sind jetzt zur Ferienzeit viele Familien mit Kindern hier. Immerhin haben sie ein paar sehr große Tiere im Haifischbecken, darunter einen wirklich beeindruckend großen Rochen. Praktischerweise gilt das Ticket auch für den direkt angrenzenden botanischen Garten. Der ist recht groß und auch sehr schön gestaltet. Da er auch eher unaufdringlich ist, schlendere ich einfach mal hindurch und nehme auch praktisch alles mit.

Albuquerque Botanical Garden - Japanischer Garten
Albuquerque Botanical Garden - Japanischer Garten

Neben den erwartbaren Abteilungen gibt es auch ungewöhliches: eine Farm wie im frühen 20. Jahrhundert, eine naturbelassene Sektion Bosque, das ist der Wald entlang des Rio Grande, und das Bugarium. Letzteres ist ein Insektenzoo, natürlich vor allem mit den spektakuläreren Arten der Gegend und weltweit, auch schön präsentiert und aufregend für die Kleinen. Das hat sogar richtige Schleusentüren an Ein- und Ausgang, wo die zweite erst aufgeht, wenn die erste geschlossen ist.

Albuquerque Botanical Garden - Bugarium
Albuquerque Botanical Garden - Bugarium

Vorbei an einem Absschnitt mit Spur G wie "Garten" Modelleisenbahnen geht es langsam wieder auf den Ausgang zu und ich gehe zurück zum Motelzimmer, wo ich kurz nach halb vier auch bin. Es ist auch Zeit, das Travelblog zu schreiben, denn ich habe heute noch etwas vor.

Albuquerque Botanical Garden - Libelle im Aussenbereich
Albuquerque Botanical Garden - Libelle im Aussenbereich

Es ist kurz nach sechs, als ich mich aufmache zum Abendessen. Bei dem Grill in der Nähe jedoch, den ich mir in den letzten Tagen eigentlich auserkoren hatte, stehe ich vor verschlossenen Türen. Er hat seit vier geschlossen, ist folglich ein Laden für Breakfast und Lunch. Ich habe aber auch einen Plan B, wenn auch einen etwas unspezifischen: Ich fahre die Central Avenue nach Westen bis ich etwas finde, das mir gefällt. Zwischen Old Town und Downtown ist auf der alten Route 66 aber am wenigsten geboten und ich fürchte schon, dass ich erst jenseits der I-25 etwas finde, was bedeutet, ich muss danach ein Stück zurück fahren. Doch ich habe Glück und zwischen Downtown und der Autobahn sehe ich einen Diner, bei dem ich sofort weiss, da will ich rein. Der Parkplatz ist so voll, dass ich mich frage, ob ich einen Platz bekomme, aber das ist kein Problem. Ich sitze in einer kleinen runden Booth direkt an der Bar und es wird klar, dass die Leute hier auch gern wegen einer alkoholischen Erfrischung vorbeikommen. Bei der Lektüre der Karte wird mir klar, ich muss einen Burger bestellen, denn es wird mein letzter auf der Reise sein. Morgen will ich Pizza essen gehen. Es wird ein Burger, medium gebraten, mit Green Chile und extra Mushrooms und er ist ein Gedicht. Mein Instinkt für gute Essensgelegenheiten hat sich mal wieder gelohnt. Ich bin ein wenig ungeduldig mit dem Service, auch wenn der keineswegs langsam ist. Ich will nur auch rechtzeitig weiter zu meinem eigentlichen Programmpunkt.

Albuquerque - Sandia Peak Tramway
Albuquerque - Sandia Peak Tramway

Es geht mit der Sandia Peak Tramway auf über 3100m, hinauf auf Sandia Crest, 1500 Höhenmeter über der Stadt. Die Seilbahn war bestimmt 1966, als sie eröffnet wurde, die längste der Welt mit etwa vier Kilometern. Ich würde nicht unterschreiben, dass sie das heute auch noch ist, wie manche Werbung behauptet. Sie ist hervorragend in Schuss für über 50 Jahre Betrieb, aber die 15 Minuten Fahrzeit ziehen sich. Da geben die Österreicher in ihren Skigebieten mehr Gas. Sie fahren hier sogar langsamer über die Stützen, was bei zwei Stützen viermal gebremstes Vorankommen bedeutet, je zweimal für die berg- und die talfahrende Gondel. Beide Stützen sind nämlich in der unteren Hälfte, mehr als die halbe Strecke wird frei schwebend zwischen der zweiten Stütze und der Bergstation zurückgelegt. Bei der Bergfahrt erzählt der Operator auch allerhand Kleinigkeiten zur Bahn und der Umgebung. Oben wird schnell klar, dass sich um diese Zeit hier nichts ausser dem Observation Deck machen lässt. Nach ein paar Minuten im T-Shirt ziehe ich den leichten Pullover an, denn bei leichtem Wind sind die etwa 17 Grad im Schatten ein wenig frisch. Ich sichere mir nach einer Runde auf der wenig erfolgreichen Suche nach Fotomotiven einen Spitzenplatz mit Blick auf die Stadt und den anstehenden Sonnenuntergang. Der ist ja der Zweck meines Besuchs. Rechtzeitig habe ich genau die beste, weil unmöglich zu störende Ecke des Obervation Decks erobert und gehe da nicht mehr weg, bis die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist. Heute scheine ich besonderes Glück zu haben, da die Sonne fast genau hinter der Abbruchkante einer Mesa untergeht. Das ist wirklich sehr schön.

Albuquerque - Sandia Peak: Sonnenuntergang
Albuquerque - Sandia Peak: Sonnenuntergang

Da wir aber auch in dieser Richtung wolkenlosen Himmel haben, können die Fotos nicht die größtmögliche Dramatik entwickeln. Folglich ergreife ich die Gelegenheit, als eine Talfahrt ausgerufen wird, kurz nachdem die Sonne verschwunden ist. Der Horizont ist dann doch zu gleichförmig, um mit weiterem Farbenspiel aussergewöhnliche Fotos zu erlauben. Nach der Talfahrt, bei der ein anderer Operator nur vor dem minimalen Schaukeln bei der Fahrt über die Stützen warnt, geht es zurück ins Motel, denn damit war das wirklich genug Programm für heute.


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