Kein Fazit

Zum letzen Tag


Dieser abschließende Text des Travelblogs zum Roadtrip durch New Mexico 2017 wird kein Fazit, sondern sammelt nur einige zusätzliche Gedanken und Informationen, die zu dieser Reise gehören. Es ist also irgendwie doch eine Rückschau, aber vielleicht kein Fazit, das ein Urteil über die gesamte Reise abgeben will. Ich möchte nur noch einige Sätze zu ein paar Themen loswerden, also los geht‘s.

Reisen

Das Reisen auf einem Roadtrip ist im Kern wie eh und je. Die größte grundsätzliche Änderung - und das ist eine riesige Verbesserung - ist, dass man inzwischen in jedem Motel WLAN hat, meistens umsonst. So kann man sich, wenn man möchte, gezielt das Suchen vor Ort nach einer Unterkunft für die Folgenächte sparen, außer an Feiertagswochenenden wie Memorial Day, Independence Day oder so, wo man viel früher dran sein sollte mit einer Reservierung. Doch wenigstens in touristisch genutzten Gegenden geht es außerhalb der Feiertagswochenenden immer noch ohne weiteres, erst vor Ort zu suchen. Die Motels/Hotels selbst sind meistens in ihrer Qualität direkt am Preis erkennbar. In billigeren Etablissements ist die Wahrscheinlichkeit höher, irgendwelche Kompromisse eingehen zu müssen, diese Binsenweisheit konnte ich wieder einmal selbst überprüfen. Ähnliches gilt beim Einkaufen, auch wenn Walmart sich oft viel Mühe gibt, hübsche Märkte zu präsentieren, so haben sie ihr Klientel, das hin und wieder alle Vorurteile bestätigt. Abgesehen von einigen wenigen Supermärkten, die keinen Alkohol führten, kriegt man jedoch immer, was man braucht.

Ziele

Die Reise verlief immer fern vom Meer, was mir im Vorfeld ein wenig missfiel. Doch vor Ort störte das angesichts der vielen beeindruckenden Ziele nicht mehr. Im Gegenteil befand ich mich immer mindestens 1000 Höhenmeter über dem Meer, mit Ausnahme des Besuchs in den Carlsbad Caverns tief unter der Erde...

Ich habe in diesen vier Wochen sicher nicht alle Ziele in New Mexico besucht. In manchen Gegenden war ich vielleicht recht gründlich, aber zahllose andere habe ich ausgelassen. Einige davon gezielt, wie die Gegend um Roswell und alles in der Prairie vor den Bergen zwischen Roy und Artesia, die ich bei der Routenplanung bewusst nicht einbezogen habe, oder Cloudcroft, Artesia und Fort Union National Monument, wo ich bewusst nicht angehalten habe. Andere ignorierte Ziele waren Museen, oft mit lokalhistorischem Schwerpunkt, wo ich dachte, ich habe hier schon zwei der interessantesten in Deming und Cimarron auf dem Plan. Bei den Salmon Ruins in Salmon bin ich einfach lange vor der Öffnungszeit vorbeigefahren und da sie nur unter Gemeindeverwaltung stehen und ich von bedeutenden Ruinen kam und weiter zu solchen fuhr, schienen sie mir zu diesem Zeitpunkt nicht bedeutend genug, auf die Öffnung zu warten. Außerdem gab es noch die Parks und Naturschönheiten, die ich aus den verschiedensten Gründen links liegen gelassen habe. Da sind etwa die Hovenweep und Yucca House National Monuments, die gezielt nicht mit irgendwelcher Infrastruktur aufwarten und die ich daher auch nicht allein besuchen wollte. Ein paar waren noch nicht einmal in meinem Straßenatlas von 2001 verzeichnet und daher nicht auf meinem Radar. In Zukunft werde ich die Webseiten des National Park Service und zu State Parks bei der Planung einbeziehen. Shiprock und Angel Peak südlich von Bloomfield schienen nicht genug für einen eigenen Programmpunkt zu bieten, für den ich die Routen- oder Programmplanung ändern gewollt hätte. Ich kann da natürlich auch falsch liegen. Im Cimarron Canyon State Park habe ich mich beim Durchfahren eines Besseren belehren lassen und hätte einen außerplanmäßigen Stopp eingelegt, wenn es nicht heftig geregnet hätte.

Das war die einzige Gelegenheit, bei der mir das schlechte Wetter wirklich einen Strich durch die Rechnung gemacht und mich an einer Aktivität gehindert hat. Sonst habe ich es nicht einmal geschafft, bei Regen draußen zu sein. Lediglich in Eagar/Springerville bin ich wegen des Regens sonst nicht ausgestiegen, aber hier wäre es vielleicht gerade einmal ein Supermarktbesuch geworden. Die übrigen Regenschauer waren so kurz, dass ich noch nicht einmal eine Stelle gefunden hätte, um gefahrlos anzuhalten. Dennoch haben sie dafür gesorgt, dass die Wüstenebenen regelrecht ergrünt sind und ich einen umso schöneren Eindruck der Landschaften gewinnen konnte.

Fahren

Diesen Eindruck kann man sehr schön auch beim Fahren durch diese Landschaften gewinnen. Das Fahren kann damit völlig zu Recht als eigener Programmpunkt geführt werden, solange die Gegend schön genug ist - oder nur ungewohnt genug für europäische Augen. Ein wunderbares Beispiel war die Fahrt durch die Navajo Nation im Nordosten Arizonas, wo die roten und gelben Wände der Mesas und Täler im Kontrast zu den (nach den Regentagen) grünen Ebenen auch nach über einer Stunde Fahrt nicht an Faszination verloren haben.

Daneben gibt es auch ein paar eher technische Beobachtungen zum Fahren. Vermutlich liegt der Roadkill Count bei der Reise bei drei oder vier, alles kleine Vögel, denen auch eine leichte Kollision mit der Fahrzeugfront nicht gut bekommt. Damit sind wenigstens keine größeren Tiere auf der Liste wie bei früheren Roadtrips. Die Fahrerei ist meistens im Westen sehr entspannt mit zwei Ausnahmen: Wenn der Freeway drei oder mehr Spuren in einer Richtung hat, ist die Chance groß, dass der Verkehr unangenehm dicht wird und Irre bei schon vollen Spuren reinschneiden, weil sie glauben, so ein paar Sekunden gewinnen zu können. So etwas gibt es aber nur in Ballungsräumen, die im Westen nicht so dicht gesät sind. Diesmal gab es das nur in Albuquerque. Die andere Variante, Anspannung beim Fahren zu erfahren, ist es, auf schlechten "unpaved roads" zu fahren, was sich bei dem ein oder anderen Ziel nicht vermeiden lässt. Da war ich um die SUV-Bauform schon manchmal recht froh und hätte auch ein noch geländegängigeres Fahrzeug nicht abgelehnt. In diesem Zusammenhang habe ich auch verstanden, dass für Reisen im Westen das beste Fahrzeug ein Pick-up mit einer eineinhalb-Sitzreihen-Kabine ist, geländegängig mit Allradantrieb und einem sogenannten Canopy-Top auf der Ladefläche, das nur so hoch wie die Kabine ist, mit Camping Ausbau darunter, soll heißen mit Stauraum unter einer gepolsterten Liegefläche. Ein perfekt geeignetes Fahrzeug wäre ein entsprechend ausgebauter Toyota Tacoma.

Bier, andere Getränke und das Essen

Es ist jetzt anscheinend überall im Westen so, dass man nicht mehr gezwungen ist, schlechtes Bier zu trinken. Ich habe eigentlich praktisch immer ein paar akzeptable Biere in den Supermärkten gefunden, manchmal Craft Beers, oft auch eher solche, die bei Ausstoß und Vertrieb darüber hinaus gewachsen sind. Im Allgemeinen ist die Auswahl nicht so groß wie in Oregon, was ja wirklich ein Bier-Eldorado geworden ist, aber man muss normalerweise nicht leer ausgehen. Und es ist wirklich gut - sofern man halt eine Sorte findet/erwischt, die einem schmeckt. Das fällt mir mit meinem breit gefächerten Geschmack nicht schwer. Schön war auch das Angebot „Build your own six-pack“ in vielen Albertson‘s Märkten, wo man zu einem Festpreis sechs beliebige Craft Biere aus einem Kühlregal nehmen darf. Ich kann nicht sagen, dass ich nie davon Gebrauch gemacht hätte.

Kaffee ist eher noch eine zwiespältige Sache. Es sind zwar Starbuck‘s sehr verbreitet, aber da wird meiner Ansicht nach nur gesüßte Milch mit leichtem Kaffeearoma verkauft. Und sonst bekommt man oft, vor allem auch in den ländlicheren Gebieten, klassischen amerikanischen Kaffee, warmes, braunes, weitgehend geschmackloses Wasser. Immerhin gibt es diesen Filterkaffee manchmal auch in einer akzeptablen Stärke. Es ist nicht mehr wie noch in den Neunzigern, aber Kaffees für europäische Kaffeeliebhaber findet man vor allem in größeren Städten und Universitätsstädten. Wenigstens bekommt man leicht was Warmes...

Bei den anderen Erfrischungsgetränken gibt es freilich eine unüberschaubare Auswahl. Mein überall erhältlicher Favorit ist Lemonade, von der es auch zahlreiche Varianten in den Supermärkten gibt, gekühlt oft beim Orangensaft. Daneben habe diesmal auch eine Neuigkeit entdeckt: Es gibt nun die verschiedensten Sorten an Kombucha-Limonaden, was ein große Entdeckung ist, da diese kaum gesüßt sind und eher säuerlich schmecken. Anders als daheim gibt es eben sehr unterschiedliche Sorten, die sich auch wirklich unterscheiden. Allerdings sind diese Kombucha-Limonaden ziemlich teuer und man findet sie normalerweise bei den Smoothies in der Obst- und Gemüseabteilung.

Und abgesehen davon, dass ich erneut nie schlecht gegessen habe, wie ich es inzwischen auf Amerika-Roadtrips gewohnt bin, habe ich einen Snack nach langer Abstinenz zu schätzen gelernt: Beef Jerky. Ich habe von Anfang an die teuren Angebote gekauft und gesehen, dass es dann sehr lecker und nützlich, weil haltbar, ist. Anscheinend haben sich alle früheren Versuche mit billigen Varianten begnügt oder meine Vorlieben haben sich geändert. Wie beim Essengehen kann man halt nur gewinnen, wenn man sich auf das Angebot einlässt, meiner Meinung nach ein Hauptgrund, warum das Essen in USA in Europa verschrien ist. Am Befremdlichsten ist für mich, dass auch ordentliche Restaurants keine Brände als Digestif servieren, weil es ihre Schanklizenz nicht hergibt. Man bekommt beim Essen schon Schreckliches, wenn man es darauf anlegt, kann dem mit etwas Erfahrung aber auch leicht ausweichen...

Der Anfang von etwas Neuem

Mit dem Ende dieses Textes ist die Reise endgültig vorbei und ihre Nachbereitung auch. Es bleiben höchstens noch ein paar Fotos nachzubearbeiten. Doch ich habe schon wieder so viele Ideen zu weiteren Zielen im Westen der USA, dass dieser bestimmt nicht mein letzter Roadtrip dort war. Die Konzepte entstehen schon. Dann werde ich auch wieder ein Travelblog schreiben.


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