Napa: eine weite Anreise

Travelblog für 28.06.2015

Die Flugverbindung mit Abflug von München nach Heathrow um 7:15 Uhr am Sonntagmorgen bedeutet Aufstehen um 5 Uhr morgens und kurz nach halb sechs los zur S-Bahn. Da bin ich aber nicht ganz allein, denn ein Nachtschwärmer ist noch da, der wohl die Nacht durchgemacht hat, so angeschlagen, wie er aussieht. Der Bahnsteig ist lang genug für uns zwei und ich komme pünktlich und unbehelligt zum Münchener Flughafen. Sonntagmorgens sind Gepäckaufgabe und Sicherheitskontrollen völlig entspannt, sie wollen bloss kurz meinen metallenen Füller begutachten. Ich hole mir gleich bei der Lufthansa einen Kaffee und gehe zur Passkontrolle, wo es überhaupt keine Schlange hat. Das Warten auf Einsteigen und Abflug gehen schnell vorbei und der Flug nach Heathrow ist auch angenehm kurz und ereignislos. Beim Umsteigen auf den internationalen Flug einer amerikanischen Linie dort in Heathrow muss ich erneut durch die Sicherheitskontrollen und die sind martialisch: überempfindliche Metalldetektoren, daher muss ich in den Nacktscanner, auch wenn ich sauber bin. Danach erneutes Melden am Schalter der Airline und bereits eine Befragung in der Schlange vorm Schalter, ein zweite dann am Schalter, wo ich auch noch einen neuen Boarding Pass bekomme. Es ist aber alles so professionell, dass ich immer noch über eine Stunde bis zum Boarding habe, als ich nach all diesen Prozeduren endlich am Gate ankomme. Auf der anderen Seite des Fensters steht die 747 nach San Francisco schon bereit. Das Einsteigen selbst ist kompliziert organisiert, so das alle irgendwie Priviligierten nacheinander vor den Economy-Passgieren in das Flugzeug dürfen. So ticken sie halt in Amerika: Alle sind gleich, aber Reiche und Privilegierte sind gleicher.

Der Transatlantikflug vergeht im Gefühl schnell, die Karte zeigt: er geht über Schottland, passiert Island knapp südlich und kreuzt das südliche Ende von Grönland, geht knapp nördlich der Hudson Bay und später südlich von Medicine Hat vorbei, wo er dann über die USA kommt und diagonal in einer geraden Linie nördlich von Boise nach San Francisco geht. Am Ziel geht es mit einem Bogen über das Golden Gate kurz auf den Pazifik hinaus, um von Süden anzufliegen. Taxi nach der Landung kommt mir auch kurz vor für einen amerikanischen Flughafen und auch das Aussteigen klappt gut, aber dann kommt Immigration. Die Schlange erscheint unendlich lang, das Durchkommen klappt aber recht gut, weil sie fast immer in Bewegung ist. Als ich dran bin, ist der Officer professionell, freundlich und schnell: perfekt. Baggage claim und rausfinden, wie ich an meinen Mietwagen komme, steht an. Ziemlich fix ist mir klar: Ich muss mit der Hochbahn am Flughafen zum zentralen Mietwagen-Terminal fahren, das woanders liegt. Das sind aber auch nur ein paar Minuten und, als ich meine Mietwagenfirma dort gefunden habe, darf ich wieder einmal Schlange stehen. Die ist zwar nur kurz, kommt einem aber ewig vor, weil es nur selten vorangeht. Das ist schon ein wenig verwunderlich, denn ich bin am Schalter sehr schnell fertig, als ich endlich einmal dran bin. Ich akzeptiere sogar ein günstiges Upgrade als Zusatzangebot, damit ich einen besser ausgestatteten SUV bekomme als reserviert. Der hat mehr Komfort, ein eingebautes Navi, Bluetooth, Schiebedach und Allradantrieb. Ich übernehme das Auto, kontrolliere es, packe mein Gepäck rein und los geht es.

Ich finde gleich die richtige Route auf die I-380 und dann die CA-1 nach Norden. Das wird aber nach ein paar Minuten zu Stadtverkehr in San Francisco, als der Freeway zu Ende ist, eine erste Herausforderung direkt nach 15 Stunden Flug. Meist sind es aber drei vergleichweise enge Spuren durch Häuserreihen mit Querverkehr und Ampeln und allem. Da muss ich durch. Aber ich muss ja nur der CA-1 folgen und komme auf die Golden Gate Bridge. Stadtauswärts kostet die auch keinen Brückenzoll, darum muss ich mich erst für die Rückfahrt kümmern. Und nach der Brücke ist Stress im Stadtverkehr vorbei.

Den Aussichtsparkplatz für die Golden Gate Bridge auf der US-101 Richtung Norden gleich nach der Brücke lasse ich aus, weil ich weiter kommen will und der auch am Sonntagnachmittag sehr voll erscheint. Genauso geht es einfach vorbei an Sausalito. Die Abzweigung Richtung Sonoma ist dank Navi und selbst gemachter Wegbeschreibung unproblematisch zu finden, dort auf der CA-37 gibt es aber bald eine Umleitung über die CA-116, anscheinend wegen eines Rennsonntags auf dem Sonoma Raceway. Solange der Heimkehrerverkehr vom Rennen mir entgegen kommt, ist alles ganz entspannt und ich kann die kleine Strasse durch die Hügel geniessen. Aber später läuft dann auf der CA-121 dieser zusätzliche Verkehr in meine Richtung und ausserdem gibt es doch eine Umleitung des Freeway wegen einer Baustelle, weswegen der Highway völlig verstopft ist und ich im Stau stehe. Ein sinnvoller Versuch, anders zu fahren, ist erst nach über einer Stunde mit der Old Sonoma Road möglich. Diese erste Alternative zu dem Highway nehme ich auch und schon geht es viel besser. Ich fahre in Napa direkt zum gebuchten Motel und checke dort ein. Es ist ein sehr ordentliches, adrettes Motel mit guter Internetverbindung. Da ich ja eineinhalb Stunden durch den Stau verloren habe und es langsam Abend wird, geht es gleich weiter zur Outlet Mall zu einer ersten Inspektion der Einkaufsmöglichkeiten. Dann fahre ich direkt Richtung Downtown für's Abendessen. Napa hat eine hübsche aber nicht aussergewöhnlich spektakuläre Downtown. Sie erscheint mir aber an diesem Sonntagabend angenehm belebt. Ich gehe jenseits der Downtown über dem Napa River bei Gott's Roadside Grill einen Burger essen. Der ist sehr lecker und ich bekomme die erste Lemonade seit Jahren, herrlich. Danach geht es zurück ins Motel und das Gepäck wird auf Roadtrip-Nutzung im Auto umgestellt. Das ist genug für heute und ich schalte den Fernseher ein.


Zum nächsten Tag

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