Lassen National Park

Travelblog für 30.06.2015

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Am Morgen geht es ohne Frühstück gleich los in den Lassen National Park und ich fahre vorbei am Visitor Center und an Sulphur Works direkt zu dem Parkplatz, von dem der Wanderweg zu Bumpass Hell losgeht. Ich laufe los und eine halbe Stunde später bin ich im vulkanisch aktivsten Gebiet, das von der Hauptstrasse, die durch den Nationalpark geht, leicht erreichbar ist. Das ist auch eine relativ leichte Wanderung auf einem gut ausgebauten Wanderweg mit nicht besonders viel Höhenunterschied. Kurz vor Bumpass Hell ist ein kurzer Abstieg, der am Rückweg der einzige Abschnitt ist, der ein klein wenig anstrengender ist. Das erlaubt aber auch eine schöne Aussicht über das Gebiet:

Bumpass Hell Vista
Bumpass Hell Vista

Bumpass Hell ist zwar ein überschaubarer Bereich, zeigt aber vielfältige Ausprägungen der vulkanischen Aktivität: Auslässe, an denen Schwefeldampf aufsteigt, von ebendiesem Dampf blubbernde Wasser- und Schlammlöcher/-quellen, farbig bunte Abflüsse des schwefligen Wassers, einen türkisfarbenen Pool mit Schwefelwasser und vielfältige, teils sehr gelbe Schwefelablagerungen.

Bumpass Hell: Lake
Bumpass Hell: Lake

An vielen Stellen steigt der Schwefeldampf auf und die Ablagerungen zusammen mit Wasser und Mineralien sorgen für bunte Musterungen.

Bumpass Hell: Detail
Bumpass Hell: Detail

Nach dem Rückweg fahre ich gleich weiter zum nächsten aktiven Gebiet mit einem interessanten Namen: Cold Boiling Lake. Hier sind es kaum 20 Minuten leichter Wanderweg vom Parkplatz zum Ziel. Leider ist die Aktivität ein wenig enttäuschend, auch wenn das Umfeld eine sehr idyllisch hübsche Berglandschaft ist und der kleine See sehr malerisch liegt: Dort blubbern an ein paar wenigen nahe zusammen liegenden Stellen nur ein paar Blasen im See, die man vom Ufer aus wenigen Metern Entfernung betrachten kann.

Cold Boiling Lake
Cold Boiling Lake

Ich gehe auf einem weiteren Weg noch halb um den See bis 20 Höhenmeter darüber, um zu sehen, ob es weitere interessante Stellen gibt. Dort ist es zwar sehr malerisch, aber es gibt keine weiteren Zeichen von Aktivität. Ich gehe zurück zum Parkplatz und fahre weiter zum Manzanita Lake und dem nördlichen Park Exit, wo ich auch nur das eine erwarte: schöne Landschaft der Cascade Range. Hier werde ich nicht enttäuscht, denn vom nördlichen Ende bzw. dem Nordwestufer des Sees hat man einen wunderbaren Blick auf den Lassen Peak, um den ich schon den ganzen Tag aussenrum fahre.

Manzanita Lake Vista
Manzanita Lake Vista

Ich verlasse den Nationalpark vorübergehend, weil ich noch zum Butte Lake will. Das bedeutet, aussenrum zu fahren, erst nach Norden auf der CA-89/44 und dann nach Osten weiter auf der CA-44. Dabei geht es aus dem Tal auf eine Hochebene, wobei man einen tollen Blick auf den Mount Shasta hat. Und ein Vista Point ist angeschrieben. Den muss ich sehen und es lohnt sich:

Mount Shasta Vista
Mount Shasta Vista

Bei der richtigen Abzweigung heisst es dann, auf eine Schotterstrasse nach Süden anzubiegen. Diese Abzweigung ist völlig klar ausgeschildert mit dem Hinweis auf den Lassen National Park und den Butte Creek Campgound noch ausserhalb des Parks. Die fährt man dann ca. 9 Meilen am ersten Campground vorbei bis zum Ende am Butte Lake und dem dortigen Campground. Sie ist auch in relativ gutem Zustand und stellt überhaupt kein Problem dar. Ich war trotzdem froh, einen SUV mit Allradantrieb zu haben, auch wenn es das da wirklich nicht braucht. Damit bin ich aber ganz fix hinter gekommen. Man wirbelt aber auf jeden Fall mächtig Staub auf, wenn man so eine Strasse fährt und entsprechend sieht das Auto dann aus.

Fantastic Lava Beds
Fantastic Lava Beds

An den Butte Lake grenzen die Fanstastic Lava Beds. Ich wandere die zwei Meilen vom See durch den Wald zum Cinder Cone. Schon der Waldboden ist bei genauem Hinsehen eigentlich nur Vulkanasche und man läuft ein gutes Stück am Rand der Lava Beds entlang. Dieser Lava Flow sieht aus wie ein zwanzig Meter hoher und endlos langer schwarzer Geröllhaufen, muss aber unter der Oberfläche sehr bald massives Lavagestein sein. Der Cinder Cone Aschekegel ist von diesem noch einmal durch ein Stück Aschehügellandschaft getrennt, die Painted Dunes. Als der Aschekegel in Sicht kommt, wundere ich mich ein wenig, warum die Leute, die ich auf dem Aufstiegsweg sehe, kaum vorankommen. Andererseits ist er 150m hoch und bietet sonst kaum einen Anhalt für die Abschätzung von Größen oder Höhen.

Cinder Cone
Cinder Cone

Als ich dort bin und selbst beginne aufzusteigen, erkenne ich auch, warum der Eindruck entstanden ist, dass die anderen Wanderer nicht vorankommen. Der Untergrund auf dem Weg ist sehr weich: Asche und kleiner, lockerer vulkanischer Schotter, es gibt ständig nach und man sinkt zurück. Die umnittelbare Umgebung präsentiert sich in dunkelgrau bis schwarz in brennender Sonne, denn was sollte hier schon Schatten spenden? Nebenbei ist man auch auf etwa zweitausend Metern Höhe. Ich denke schon, bevor ich nur auch ein Viertel des Aufstiegs geschafft habe, darüber nach, ob ich nicht umdrehe, weil es so anstrengend ist. Ich denke immer noch darüber nach, als ich schon mehr als drei Viertel geschafft habe. Aber dann bin ich oben und die Anstrengung hat sich gelohnt.

Cinder Cone Vista
Cinder Cone Vista

Sowohl der Aschekegel selber als auch die Aussicht sind bombastisch: Neben dem Kegel die Asche-Badlands der Painted Dunes und dann die Fantastic Lava Beds, dazu die Berge, besonders der Lassen Peak im Südwesten. Und natürlich kommt die Befriedigung noch dazu, es durchgezogen zu haben. Ich bleibe aber angesichts des Aufstiegs oben am Rand und steige nicht in den Krater des Aschekegels hinab, sodern gehe nur oben einmal herum. Ich müsste ja nur wieder auf den Kraterrand steigen und ich weiss ja jetzt, wie anstrengend das ist. Es reicht mir also, den Krater aus sicherer Höhe zu betrachten.

Cinder Cone Crater
Cinder Cone Crater

Als ich mich wieder auf den Rückweg mache und absteige, geht der Abstieg superschnell in ein paar Minuten. Ich bin aber froh um meine Bergstiefel und verstehe, warum mir beim Aufsteig jemand mit Sneakers entgegenkam, der ganz langsam und vorsichtig in kleinen Schritten abgestiegen ist: Bei meinen Bergstiefeln kann kein scharfkantiger Vulkanschotter an den Fersen rein kommen. Bei einem Sneaker ist das anders, so tief wie man bei großen Schritten in diesem Untergrund einsinkt. Und diese Steinchen möchte man nicht im Schuh haben! Die zwei Meilen zurück zum Parkplatz ziehen sich dann auch ein wenig in die Länge, besonders weil mir jetzt der Asche-Waldboden auch sehr weich und anstrengend vorkommt und ich die Hitze spüre. Auf dem Aschekegel wehte noch ein frische Brise, die im Wald weg ist.

Butte Lake
Butte Lake

Das ist dann aber nicht wirklich schlimm und bald beende ich meinen Besuch im Lassen National Park, fahre wieder über die Schotterstrasse und den Highway zurück bis Old Station, wo ich dann auf der CA-89 nach Norden weiterfahre. Nach 20 Meilen geht es rechts auf die CA-299 nach Nordwesten und bei Canby links auf die CA-139 nach Norden bis Klamath Falls in Oregon. Die ganze Strecke ist bis auf das allerletzte Stück nach Newell landschaftlich sehr schön, auf manchen Teilen geht es lange geradeaus, aber es sind auch einige kurzweiligere Abschnitte dabei. Noch in Kalifornien passiere ich mit ein paar Meilen Abstand mein Ziel für den nächsten Tag: das Lava Beds National Monument.

In Klamath Falls steuere ich Downtown an und halte nach dem lokalen Brewpub Ausschau, es ist aber irgendwie nicht zu finden. Dabei hatte ich von früher her sogar eine Vorstellung, wo es sein sollte. Später zeigt sich, es ist umgezogen, und ausgerechnet an dieser Stelle kam ich nicht vorbei. Die Downtown ist zudem deutlich weniger belebt und attraktiv als ich sie aus den Neunzigern in Erinnerung habe. Die Businesses sind fast alle an der OR-39. Damit gebe ich meinen Plan auf, ein zentrumnahes Motel zu nehmen. Ich suche mir ein günstiges Motel an der Ausfallstrasse, die ich reingekommen bin. Das ist das einzige Mal, dass ich ein Motel einer Kette auswähle, und die wollen prompt auch Geld für den Internetzugang. Dann gibt es eben die nächsten zwei Tage kein Internet. Ich hole mir noch ein Bier für später und gehe dann zum Dinner in ein nettes und sehr leckeres Barbecue-Restaurant, erkennbar ein Familienbetrieb.


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