Lava Beds National Monument

Travelblog für 01.07.2015

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Heute steht das Lava Beds National Monument auf dem Programm und ich beginne den Tag mit einmal Volltanken. Dabei eine erste Überaschung: Obwohl die Benzinprise spürbar niedriger sind als in Kalifornien, darf man sein Auto in Oregon nicht selber betanken, sondern muss das von einem Tankstellenmitarbeiter machen lassen. Das ist super: Man macht sich nicht die Hände schmutzig, die dann nach Benzin stinken, kann in Ruhe seine Scheiben putzen und muss nur kurz seine Kreditkarte für ein paar Sekunden hergeben. Es ist auch so organisiert, dass es funktioniert.

Dann geht es ein Stück der Strecke, die ich am Vortag hergekommen bin, wieder zurück. In Tulelake, wo ich dann abbiege und die bekannte Strecke verlasse, ist die Beschilderung ein wenig chaotisch und die ganze Anfahrt zum National Monuent ist länger als gewünscht, aber immer noch einfach. Ich merke beim nächsten Abbiegen, dass ich noch einen kürzeren Weg hätte nehmen können, aber das ist jetzt egal. Und ich scheuche noch zwei Adler auf, die sich etwas Roadkill haben schmecken lassen. Schade, aber der eine fliegt kurz neben dem Auto her. Am Entrance Gate werde ich zur White Nose Disease befragt, die nicht in die hiesigen Fledermauspopulationen eingeschleppt werden soll. Trotz meiner Herkunft aus Europa komme ich anstandslos durchs Screening und darf mit dem Approval rein. Ich fahre direkt zum Visitor Center, wo ich mir einen Plastikhelm kaufe und mich beraten lasse, welche Lavatunnel sich für einen Besuch anbieten. Die Beratung ist echt hilfreich und die Rangerin freut sich ihr Wissen weiter zu geben und jemandem zu helfen. Es gibt über zwanzig zugängliche Lavatunnel in den Lava Beds mit sehr unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Der einzige mit elektrischem Licht hat auch als einziger befestigte Wege, Geländer und Informationstafeln. Die anderen haben kein Licht, die einfacher zu gehenden sind bei Bedarf mit Stahltreppen ausgestattet und viele haben einen wenigstens teilweise etwas präparierten Wanderweg. In den schwierigen muss man sich längere Strecken auf allen Vieren bewegen oder durch enge Spalten zwängen. Oft ist ein Helm zu empfehlen und immer sollten zwei, besser drei Lichtquellen pro Person mitgenommen werden.

Lava Tunnel Selfie
Lava Tunnel Selfie

Ich fange also mit dem Cave Loop an, einer kurzen Einbahnstrasse, die in einer Schleife an der Mehrzahl der offenen Tunnel vorbeikommt und am Visitor Center beginnt. Mein erster Lavatunnel heute heisst Golden Dome und ist einer mit mittlerer Schwierigkeit.

Golden Dome Ceiling
Golden Dome Ceiling

Darin sind die durch Bakterien verursachten golden erscheinenden Tunneldecken, die man in diesen hin und wieder findet, besonders schön ausgeprägt. Der Tunnel selbst hat die Form einer Acht mit mehreren kurzen Sackgassen, die abzweigen. Darin kann man sich zwar nicht wirklich verlaufen, aber das ein oder andere Mal im Kreis gehen, denn Wegweiser gibt es keine. Das Gefühl, wenn man denkt, der Ausgang müsse doch langsam kommen, ist trotzdem ein wenig mulmig. Diese gibt einem also einen kleinen Thrill.

Lava Tunnel
Lava Tunnel

Die zweite Höhle ist Hopkins Chocolate, eine der engeren und schwierigeren. Ich drehe daher auch nach zehn Minuten darin wieder um, denn mir wird soviel tief gebückt oder auf allen Vieren gehen dann zu anstrengend. Ich habe an dem Tag noch einiges vor. Als nächstes nehme ich mir Sunshine vor, die ihren Namen daher hat, dass an mehreren Stellen die Decke eingestürzt ist, der Tunnel aber passierbar blieb, so dass an diesen Stellen das Tageslicht hineinscheint. Das hat mehrere Konsequenzen: Licht, Pflanzen und zudem macht es einen sehr schönen Gesamteindruck. Für mich eine sehr empfehlenswerte Höhle.

Sunshine Cave
Sunshine Cave

Danach gehe ich in den Tunnel namens Sentinel, einen, der zwei Ausgänge hat, so dass man nicht am Ende umdrehen und zurückgehen muss. Ich gehe von oberen Ausgang zum unteren und dann trotzdem in der Höhle zurück, weil es mir so gut gefallen hat.

Sentinel Cave
Sentinel Cave

Dabei wäre es an der Oberfläche kürzer. Sentinel ist der bisher weiteste Lavatunnel durch dessen Höhle drei verschiedene Lavaströme flossen, teils sind die drei Ebenen deutlich zu erkennen, manchmal kann man aber auch nur eine davon ausmachen. Nach dieser "Expedition" halte ich noch einmal am Visitor Center an, um mit Mushpot auch die einzige elektrifizierte Höhle anzusehen. Die ist zwar etwas kurz, aber eben beleuchtet, leicht zugänglich, gut aufbereitet und man muss viel weniger auf seinen Kopf aufpassen. Ich war bis dahin schon zweimal dankbar für den Helm, der mir Beulen erspart hat.

Valentine Cave
Valentine Cave

Danach fahre ich ein Stückchen Richtung Südosten zu dem Tunnel namens Valentine. Das ist ein sehr schöner Lavatunnel, recht geräumig mit relativ glatten Wänden, einfach zu begehen. Auch wenn er ein paar Schleifen hat, kann man sich kaum vertun, wenn man nur aufmerksam ist. Dieser Tunnel entstand bei einem anderen Ausbruch des hieisgen Schildvulkans. Ich fahre wieder zurück, am Visitor Center vorbei zur Skull Cave. Das ist eine aussergewöhnliche Höhle mit einem recht weiten Eingang, in dem viel Geröll liegt. In ihr steigt man aber recht deutlich in die Tiefe auf eine dritte Ebene, die so tief ist, dass sie auch im Sommer einen Eisboden hat. Den darf man allerdings nicht betreten, was durch ein massives Stahlgittertor auch unmissverständlich und unüberwindbar klar gemacht wird.

Skull Cave
Skull Cave

Anscheinend durfte man das früher, doch das hat dem Eis wohl viel zu sehr zugesetzt. Spätestens hier unten wird auch völlig klar, warum einem stets empfohlen wird, mit einem Pullover in die Höhlen zu gehen. Beim Eisboden ist es wirklich ziemlich frisch, noch kühler als in den anderen Höhlen, die auch eine echte Erfrischung im Vergleich zu Oberfläche darstellen. Da ist es allerdings auch grad über 30 Grad Celsius heiss. Am Eisboden sind es sicher unter 10 Grad. Danach geb ich mir als letzte Höhle noch die Merrill Cave in der Nähe. Nach all den vorherigen Lavatunneln scheint mit dieser unspektakulär und kurz, das wird ihm aber nicht wirklich gerecht. So gibt es dort an manchen Stellen schöne rötliche Höhlenwände, die ich so deutlich in den anderen nicht wahrgenommen habe.

Merrill Cave
Merrill Cave

Damit habe ich wirklich genügend Lavatunnel erkundet und will jetzt andere interessante Besonderheiten sehen. Der nächste Halt liegt beim Black Crater. Das ist ein kleiner Vulkankrater von so zwanzig, dreissig Metern Durchmesser und vielleicht nur fünf Metern Höhen, aber eben ein Lavaustritt bei einem früheren Ausbruch, wohl eher ein Nebenschlot. Er ist nur ca. fünf Minuten zu Fuss von einem Parkplatz direkt an der Hauptstrasse durch das National Monument entfernt und liegt in seinem eigenen, kleinen Lava Flow.

Black Crater
Black Crater

Das ist insgesamt vielleicht etwas klein und unscheinbar, zunächst unspektakulär, aber dafür kann man dort die ganze Sache nach Herzenslust aus der Nähe begutachten. Man kann auf dem Krater rumlaufen, reinsteigen und wirklich jeden Winkel erkunden, der einem interessant erscheint. Trotzdem bleibt es da eben überschaubar und ist ungefährlich, so lange man aufpasst. Die notwendige Vorsicht und robustes Schuhwerk sind natürlich selbstverständlich. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich genug Spass und irgendwann ist da auch jeder Forscherdrang gestillt. Hier kuckt aber auch wieder mal der Mount Shasta über den Hügel.

Mount Shasta
Mount Shasta

Ich fahre zu einem Aussichtspunkt ein wenig über dem grossen benachbarten Lava Flow namens Devil's Homestead Flow, um ein paar Fotos zu schiessen.

Devil's Homestead Lava Flow
Devil's Homestead Lava Flow

Weiter geht's zu Captain Jack's Stronghold, das ist hinter der Entrance Station, aber noch mitten im Park, nur ausserhalb der sog. Fee Area. Dabei handelt es sich nach der Beschreibung um ein natürliches Fort aus den vulkanischen Felsen. Es sind tatsächlich Felsreihen und Talkessel, die sich im Kampf sicher gut halten liessen. Die Indianer, die sich hier verschanzt hatten, weil sie den Deal für ein Reservat nicht akzeptieren wollten, konnten dort fünf Monate gegen die amerikanischen Soldaten aushalten. Wenn man sich die Landschaft genau anschaut, ist das kein Wunder. Es gibt zwei Wanderwege, die dort am Rand dieses Bereiches entlangführen und ich gehe den einen davon, angesichts der brennenden Sonne den kürzeren.

Captain Jack's Stronghold
Captain Jack's Stronghold

Es ist mit dieser Geschichte recht interessant, aber sicher nicht so spektakulär wie die vorigen Attraktionen des Tages. Und die Sonne brennt dort im Juli wirklich gnadenlos: Es ist zeimlich heiss. An dieser Strasse raus aus dem National Monument sind noch zwei Wildlife Viewpoints, die einen Blick auf den Tulelake bieten, den letzten Rest des Sumpfes, der früher den größten Teil des Tals ausgemacht haben muss. Beim westlichen Aussichtspunkt gibt es einige Vögel zu sehen, auch wenn die meist zu weit weg sind, um sie gut zu fotografieren. Beim zweiten gibt es zur dieser Tageszeit kaum was zu sehen und nichts zu fotografieren. Schade.

Tulelake
Tulelake

Also weiter zur Petroglyph Section des National Monuments, die getrennt von Hauptbereich etwas abseits ist. Es sind aber nur zwei, drei Meilen Strecke dazwischen, der Schluss davon ist eine kurze Schotterstrecke dorthin. Am dortigen Parkplatz gehe ich nach rechts wie von der Rangerin im Visitor Center empfohlen. Es geht an einem Zaun entlang, der einen zwingt, einen respektvollen (Mindest-) Abstand von der Felswand zu halten. Es stellt sich schnell als eine hilfreiche Empfehlung von der Rangerin heraus. Bald sind viele, oft eng zusammenliegende, in den Fels geschlagene Zeichen zu sehen. Diese sollen, als der Sumpf noch das Tal überwiegend ausfüllte und das Wasser höher stand, von den Indianern von Booten aus gemacht worden sein. Je weiter ich gehe, desto besser wird es erst mal.

Petroglyph Section
Petroglyph Section

Ein wirklich lohnenswerter kurzer Stopp, wenn auch völlig anders als der Schwerpunkt des Tagesprogramms. Danach dann die Rückfahrt nach Klamath Falls, es geht nur noch über den Hügel erst mal auf Schotter, dann ist wieder eine asphaltierte Strasse erreicht.

Wieder zurück sehe ich mir erst mal meinen Sonnenbrand an, den ich mir auf einem kleinen Streifen im Genick geholt habe. Dann gehe ich mir dafür eine Salbe und eine neue Mütze mit Genickschutz kaufen. Der wird mir die nächsten Tage noch erhalten bleiben. Abendessen gibt es bei der einzigen Fastfood- oder Restaurantkette, die ich (wissentlich) auf der ganzen Reise besucht habe: eine, die sich auf Pizza spezialisiert hat und als Belag auch geräucherte Austern anbietet. Genau das wird probiert: eine interessante Variante, aber genau genommen wird das weder den Austern gerecht, noch ist es ein besonders gut geeigneter Pizzabelag. Aber die Kette ist ansonsten wegen der hohen Qualität der Pizza zu empfehlen, auch wenn es sie nach meiner Wahrnehmung überhaupt nur in Oregon gibt.


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