Crater Lake National Park

Travelblog für 03.07.2015

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Mich hält nichts mehr in Klamath Falls, deswegen mache ich mich früh auf den Weg in Richtung Crater Lake National Park, zunächst auf der US-97 und dann zum Park auf der OR-62. Auf der um diese Zeit noch recht einsamen Strasse produziere ich auch meinen ersten Roadkill auf meiner Reise. Zwei Roadrunner sind auf der Strasse auf meiner Seite und werden von mir aufgeschreckt. Der eine ist schlau genug, zur Seite abzuhauen, der andere versucht aber, auf der Strasse vor mir davonzulaufen. Nur mit einem Chevy mit über 50 Meilen in der Stunde kann er nicht mithalten und ich erwische ihn leider voll, denn ein gefährliches Manöver ist für so einen Fall auch zu riskant. Im Rückspiegel sehe ich noch die Federn fliegen. Traurig.

Im Nationalpark ist die Entrance Station noch unbesetzt, das Visitor Center im Tal noch geschlossen und auch das kleine Informationszentrum am Kraterrand in der Rim Village hat noch zu. Dabei ist es doch schon neun durch. Ich fahre also den Rim Drive rund um den Kraterrand ohne Park Map einmal ganz ab.

Crater Lake
Crater Lake

Dabei halte ich immer wieder an den verschiedenen Aussichtspunkten an und geniesse die Aussicht auf den Crater Lake und schiesse ein paar Fotos, viele davon Panoramabilder.

Crater Lake Panorama
Crater Lake Panorama

Das bietet sich hier einfach an. Allerdings ist der Crater Lake damit ein sehr amerikanisches Reiseziel: Einen Aussichtspunkt mit dem Auto ansteuern, aussteigen, kucken und weiterfahren zum nächsten, weitere Aktivität unnötig. Das mache ich auch genau so, bis ich einmal fast ganz herum bin. Dann halte ich am Castle Crest Wildflower Garden an. Hier führt ein kurzer, einfacher Wanderweg vom Parkplatz direkt am Rim Drive zu der Lichtung mit diesem wirklich sehr schönen Feuchtgebiet voller Wildblumen.

Castle Crest Wildflower Garden
Castle Crest Wildflower Garden

Es ist da ausserordentlich idyllisch, nur liegt ein Problem darin, dass es ein Feuchtgebiet ist: Hier gibt es auch schon um halb elf vormittags, als ich dort bin, extrem viele Moskitos. Ich erwehre mich ihrer, so gut es geht, aber ich werde in nur einer Viertelstunde mindestens zwanzig Mal gestochen, wie sich später und in den nächsten Tagen herausstellt. Dabei waren nur meine Arme unbedeckt, aber das reicht ihnen. Folglich fällt der Besuch hier etwas kürzer aus, als ich erwartet hätte. Immerhin bin ich kurz danach wieder am Visitor Center, inzwischen haben sie geöffnet und ich bekomme meine Park Map. Die nutze ich, um zu sehen, was ich noch ansteuern kann und fahre dann ein Stückchen in Richtung des Parkeingangs zu Godfrey Glen, wo ein kleiner Wanderweg ist. Dort sind auch keine Moskitos, sondern eine Schlucht, die sich der Fluss in den weichen Grund gegraben hat. Die Erosion hat Strukturen geschaffen wie in anderen Badlands, wo der Sedimentboden leicht weggespült wird.

Godfrey Glen
Godfrey Glen

Hier ist es nett, weil der dichte Wald bis ganz an den Rand reicht, aber der Erosionsbereich ist nicht besonders groß und die Farben sind auch nicht so ungewöhnlich wie bei anderen solchen Gebieten. Danach halte ich noch bei der Annie Spring, einer der Quellen des Flusses, die aber eingefasst und nicht mehr natürlich ist.

Annie Spring
Annie Spring

Den Versuch, am Campingplatz noch einmal an einem Stück Erosionsbereich entlang zu laufen, gebe ich schnell auf, denn es ist kein Weg auszumachen und einfach durch den Campingplatz, der sich gerade füllt, möchte ich nicht gehen. Ich fahre lieber noch einmal hoch auf den Kraterrand und steuere Aussichtspunkte an, die ich vorher ausgelassen habe. Damit ist dann der Crater Lake National Park endgültig besichtigt. Bei der Abzweigung zum nördlichen Parkausgang nehme ich genau diese aus dem Park hinaus und bis zur OR-138 nach Osten, auf der ich zur US-97 komme. Meine Strecke geht meilenweit immer nur geradeaus durch die Wälder von Orgon bis die US-97 erreicht ist, die genauso durch die schier endlosen Wälder geht, aber wenigstens hin und wieder eine Kurve hat. Dem Highway folge ich nach Norden Richtung Bend. Dorthin ist es ein ganzes Stück und der Highway hat recht viel Verkehr. Wenn man es genau bedenkt, ist das aber nicht wirklich überraschend, denn es ist die wichtigste Fernstrasse auf der Ostseite der Cascade Range. Ein paar Meilen vor Bend halte ich kurz am Visitor Center des Newberry Volcanic National Monuments, weil ich auch davon eine Park Map haben will. Leider gibt es gar keine, sondern nur eine Parkzeitung, die aber auch alle Informationen und Karten enthält. Ich fahre das letzte Stück bis Bend, und weil ich zeitig genug dran bin, nehme ich ich den Business Loop der US-97 zum Buchladen einer großen Kette. Da stocke ich in aller Ruhe meine Reiselektüre ein wenig auf, und als ich damit fertig bin, suche ich das Hotel, das ich für das lange Independence Day Wochenende hier schon längere Zeit im voraus gebucht habe. Das klappt auch ganz gut und ich checke schnell ein, wobei ich mitbekomme, dass es praktischerweise ein wenig Frühstück in der Lobby gibt. Das Zimmer ist sehr schön und ordentlich, recht geräumig und natürlich zur Hofseite. Flussblick und Balkon hätten sicher extra gekostet. Nur ein Kühlschrank fehlt, aber das lässt ich wettmachen dadurch, dass die Eismaschine nur die Treppe runter ist. Der Eiskübel tut es auch. Ich fahre sogar noch zur Niederlassung der Autovermietung, denn heute hat der Mietwagen irgendwann gemeldet, dass er einen Ölwechsel möchte. Dort bekomme ich gesagt, die neuen Modelle melden das extrem früh und ich könne mindestens noch zweitausend Meilen bedenkenlos fahren. Ich beschliesse, das also komplett zu ignorieren und an einem der nächsten Tage stelle ich auch die Meldung ganz ab. Lieber fahre ich noch zum Einkaufen und hole mir ein paar Snacks, fülle meine Brotzeitvorräte auf und bringe etwas Bier und ein paar Softdrinks mit für den Eiskübel. Als ich im Hotel bin, wird es auch wirklich Zeit, mich um das Dinner zu kümmern. Ich lasse das Auto stehen und prüfe nach, ob es wirklich funktioniert, in einer Viertelstunde in die Downtown zu gehen. Ich nehme sogar den Weg am Fluss entlang. Ein kurzes Stück davon ist aber nicht ganz so attraktiv, weil man abseits vom Fluss hinter einem Elektrizitätswerk vorbei muss, aber die Distanz stimmt. Ich flaniere in Ruhe durch die Downtown und schaue die Läden und Restaurants an, finde auch ein paar Kandidaten für einen Besuch. Insgesamt ist die Downtown recht hübsch und angenehm belebt. Dort kann ich auch noch weitere Abende hingehen. Am Ende gehe ich in eine Bar, etwas Sportsbar wegen der vier nebeneinander montierten Fernseher über der Theke, aber vor allem, weil sie mehr als ein Dutzend Craft Biere aus dem Fass ausschenken. Ich bestelle ein Bier und einen Burger - beides ist sehr gut. Als Nachtisch gibt es noch ein zweites, anderes Bier und danach laufe ich wieder zurück ins Hotel, diesmal die Strasse entlang. Auch dieser Weg ist nicht weit und sogar gut zu gehen, weil es Bürgersteige gibt. Im Hotel wird dann noch ein Bier aus dem Eiskübel aufgemacht...


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