John Day Fossil Beds National Monument

Travelblog für 04.07.2015

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Es geht früh los, denn ich will dem Unabhängigkeitstag entfliehen und weit rausfahren nach Osten, um mir das John Day Fossil Beds National Mounument anzusehen. Das hat drei recht weit auseinanderliegende Teile, alle im weniger besuchten, halbtrockenen Gebiet nordöstlich von Bend. Ich hole mir auch nur schnell einen Kaffee an dem kleinen Frühstücksbuffet im Office und bin dann gleich auf der US-97 nach Norden. Aber schon am Rand von Redmond (das in Oregon, nicht das in Washington State, wo Microsoft sitzt) geht es rechts ab auf der OR-126 Richtung Osten nach Prineville. Da treffe ich auf die US-26 und fahre sie nach Osten. In diesem Ort ist erkennbar alles vorbereitet für eine Parade zum Unabhängigkeitstag, Fahnen überall und schon morgens um kurz nach 8 Uhr Leute, die die Strassensperre vorbereiten. Ich komme noch unbehelligt durch und fahre weiter, ab hier ist die Landschaft, durch die der Highway führt, sehr malerisch. Zuerst geht es über eine bewaldete Bergkette. Es kommt mir vor, als fahre ich durch Bonanza-Land, ein Gefühl, das mir fast den ganzen Tag erhalten bleiben soll. Es dauert noch deutlich über eine Stunde, bis ich im ersten Teil des John Day Fossil Beds National Monuments ankomme, dem Painted Hills Unit. Der Name legt schon nahe, was es hier gibt: unbewachsene, rundliche Hügel, Badlands also, die farblich recht beeindruckend sind: hier vor allem rot und gelb gestreift.

Painted Hills
Painted Hills

Das ist wirklich eindrucksvoll und sehr schön anzusehen. Gerade mit dem blauen Himmel und den leichten Wolken ist es recht hübsch. Ich sehe mir den wichtigsten Aussichtpunkt an und laufe zwei kurze Rundwege: Painted Cove Trail und Leaf Hill Trail. Auf dem erstem kommt man auf Stegen diesen farbigen Hängen sehr nahe, so dass man sich diesen kahlen, farbigen Boden im Detail ansehen kann. Man bekommt an einer höheren Stelle auch eine schöne Aussicht über das Tal und kann für eine noch bessere Übersicht zusätzlich auf einen kleinen Hügel steigen. Das lohnt sich zwar, aber dabei merke ich besonders, wie heiss es in der strahlenden Sonne schon am Vormittag ist.

Painted Hills Close-up
Painted Hills Close-up

Der zweite, der Leaf Hill Tail ein Stück weiter erklärt auf mehreren Tafeln, dass der Hügel, den er umrundet, der reichste Fundwort für Pflanzenfossilien ist. Ein Schaukasten zeigt zudem ein paar wenige davon. Leider ist der Hügel selbst im Vergleich zu den eigentlichen Painted Hills ein wenig unscheinbar: äußerlich ist es nur ein bewachsener Hügel wie die meisten hier im Umfeld. Ich entscheide mich, diesen halbwüstenartigen Bereich des National Monuments zu verlassen und weiter zum nächsten Bereich zu fahren, dem Sheep Rock Unit. Das ist der Hauptbereich mit dem Visitor Center und hat auch die größte Ausdehnung der drei Bereiche. Die Fahrt auf der US-26 dauert etwa eine Stunde und es geht nicht mehr durch bewaldetes Bergland wie vorher, sondern durch Halbwüste, trockene Berge und teils genutzte, bewässerte Täler: weiterhin Bonanza. Fast am Ziel biege ich auf die OR-19 nach Norden ab und dann bin ich schnell da. Am Sheep Rock Unit ist auch gleich das Visitor Center, das ich direkt besuche. Bei den netten Rangerinnen bekomme ich sogar mehrere verschiedene Park Maps, ausserdem ist im Visitor Center ein kleines paläontologisches Museum. Wenn auch dessen Fläche nicht besonders groß ist, so stellen sie dort sehr viele Fossilien aus. Die Präsentation und Aufbereitung sind sehr gut: Das sollte man nicht missen, wenn man schon wegen der Fossilien hierher kommt. Die hiesigen Fossilien sind vor allem Säugetier- und Pflanzenfossilien und maximal 44 Millionen Jahre alt. Das ist sehr interessant und vielleicht ein ungewöhnlicher Schwerpunkt: man sollte besser nicht wegen Dinos hierher kommen.

Museum: Fossil
Museum: Fossil

Der Sheep Rock Unit ist im Tal des John Day River, der sich hier bis zu 900m tief in die Landschaft gegraben hat. Es hat schon was vom Grand Canyon, und auch wenn es viel kleiner ist, ist es immer noch riesig. Hier ist der Talboden auch bequem über den Highway zu erreichen. Mit den Informationen, die ich jetzt habe, entscheide ich, das Blue Basin und danach evtl. Foree anzusehen, bevor ich weiterfahren will zum Clarno Unit, dem dritten Bereich. Also mache ich mich auf zum Blue Basin. Ich bin ungeduldig und daher hätte ich den Parkplatz, der fast direkt neben dem Highway ist, früher erwartet. Schon direkt am Parkplatz kann ich aus der Nähe begutachten, was von der Strasse aus schon unübersehbar war: Der Berg war wohl vor nicht allzu langer Zeit Opfer eines Waldbrandes und ist immer noch schwarz verkohlt und kahl bis auf die verbrannten Bäume und Büsche, die noch schwarz da stehen. Der Brand ist erkennbar teilweise bis genau zum Parkplatz und dem Trail gekommen, hat sie dann aber nicht übersprungen.

Blue Basin: Forest Fire
Blue Basin: Forest Fire

Es gibt hier zwei Trails: einen Rundweg, der auf einen Aussichtpunkt etwas über dem Basin geht und einen, der direkt hinein führt. Ich muss natürlich direkt hinein ins Geschehen. Das ist eine gute Entscheidung: Am Weg sind drei große Tierfossilien unter Wetterschutz (sicherlich auch ein Menschenschutz!) ausgestellt.

Blue Basin: Fossil
Blue Basin: Fossil

Das Blue Basin selbst ist wieder eine Badlands-Landschaft, hier aber mit dem größten Teil der Sedimentschichten in türkis: eine blasse, aber deutlich erkennbare blau-grünliche, natürliche Farbe des Bodens. Das ist mal eine spektakuläre Wüste!

Blue Basin
Blue Basin

Trotz alledem habe ich den Weg eigentlich für mich allein, erst am Ende des Weges im Talkessel ist noch ein Pärchen. Die sind aber so fair und verlassen diesen nach ein paar Minuten, so dass ich ihn für den Rest der Zeit ganz für mich habe.

Blue Basin Close-up
Blue Basin Close-up

Nach ausgiebiger fotografischer Würdigung dieser Attraktion mache ich mich auf den Rückweg zum Parkplatz. Dabei bin ich ganz froh, dass es jetzt leicht bergab geht, denn trotz Wolkenschleier herrscht eine recht starke Mittagshitze und Schatten gäbe es hier wenig. Ich fahre weiter und beschliesse im Vorbeifahren, Foree auszulassen, da es aus der Ferne wie das Blue Basin erscheint, nur etwas weniger beeindruckend, und ich doch ein wenig auf die Zeit achten muss. Ich fahre erst einmal auf der OR-19 weiter nach Norden, ab Kimberly geht es wieder nach Westen, immer im Tal am John Day River entlang. Die zunächst Grand-Canyon-artige Anmutung des Tals und der fruchtbarere, teils landwirtschaftlich genutzte Talgrund lassen das Bonanza-Feeling erst recht aufblühen. Weit nach Spray bei Service Creek verlasse ich das Tal, bleibe weiter auf der OR-19 und das Umfeld wird wieder zu bewaldeten Bergen. In Fossil biege ich auf die OR-218 ab, die gleich zu einer richtigen Passstrasse wird, die sehr viel Spass macht. Die Landschaft ändert sich noch einmal, diesmal zu Bergen mit der Charakteristik einer Halbwüste. Dabei soll es dann für den Rest des Tages bleiben, was dem Feeling keinen Abbruch tut.

Bonanza Country
Bonanza Country

Direkt an dieser Strasse liegt dann der Clarno Unit des John Day Fossil Beds Monuments. Meine Empfehlung ist: wenn man schon in dieser recht abgelegenen Gegend vorbeikommt, dann sollte man unbedingt hier anhalten. Vom Parkplatz gibt es einen kurzen Weg als Zubringer, der auf Tafeln zusätzlich die Zeitdimensionen illustriert, die hier im Spiel sind: der Geologic Time Trail. Dann gibt es einen Stichweg den Hang hinauf zum unteren Rand der Felswand, den Arch Trail. Der Aufstieg ist ein wenig anstrengend, gerade in der Nachmittagshitze in der Sonne, die von leichten Schleiern nur wenig abgemildert wird. Auf Schatten darf man hier nicht spekulieren. Es sind aber auch nur ein paar hundert Meter Strecke und ca. 50 Höhenmeter bis zum Ende. Von da aus kann man den kleinen Felsbogen dort etwas besser aus der Nähe sehen und ausserdem zwei Baumstammfossilien direkt in der Felswand ca. zehn Meter über den eigenen Köpfen berachten.

Clarno: Arch Trail
Clarno: Arch Trail

Derartige Felsbögen gibt es an anderen Orten in deutlich beeindruckenderen Ausprägungen, aber die Fossilien sind sehr interessant. Jeder sollte selbst entscheiden, ob ihm das die kleine Anstrengung wert ist. Es gibt aber auch noch einen kleinen Rundweg am Hang, den Trail of Fossils, der diesen nicht einmal halb hinauf geht und den man nicht auslassen sollte: Hier sind in den Felsbrocken am Hang Pflanzenfossilien an der Oberfläche. Es gibt genügend Hinweistafeln, so dass man sicher eine ganze Reihe davon erkennt. Das ist eine wirklich tolle Sache: Fossilien im Freien da zu sehen, wo sie gefunden werden.

Clarno: Fossil
Clarno: Fossil

Nachdem ich diesen eingentlich ziemlich kleinen Abschnitt des National Monuments wirklich lange genossen habe, mache ich mich auf den Rückweg nach Bend. Ich folge der Strasse über die malerischen Berge nach Antelope, wo ich Richtung Madras auf die OR-293 abbiege. Die kommt einige Meilen vor Madras wieder auf der US-97, die auch durch Bend führt. Ich fahre also wieder in Richtung Süden. In Madras muss ich auch tanken, dafür wird es inzwischen wirklich Zeit. Ich kaufe noch ein paar Kleinigkeiten und Bier für den Abend ein und fahre weiter nach Redmond. Kurz vorher geht der Highway über den Crooked River Canyon. Praktisch aus dem Nichts wird die Ebene durchschnitten von einem Canyon, der an dieser Stelle hundert Meter breit und hundert Meter tief ist. Unten fliesst der Fluss und man sieht an eingen Stellen Quellen aus dem Fels treten. Und fast nebeneinander überqueren ihn drei Brücken: der alte Highway, heute nur noch für Fussgänger und Fahrräder offen (!), der neue vierspurige, autobahnartige Highway und eine Eisenbahnlinie. Und dazu gibt es einen großen Parkplatz für die Aussicht, den ich auch ansteuere:

Crooked River
Crooked River

Als ich den Rand des Canyon wieder verlassen will, sehe ich, dass da ein paar Adler kreisen. Denen sehe ich natürlich auch ein bisschen zu.

In Redmond selbst stosse ich auf das Bild zum heutigen Unabhängigkeitstag: vor einer Bar drei Pickup-Trucks mit Fahnen.

Independence Day
Independence Day

Das bestärkt mich darin, den Feierlichkeiten lieber aus dem Weg zu gehen. Noch in Redmond besorge ich mir eine Pizza zum Mitnehmen und fahre die letzten paar Meilen nach Bend direkt ins Hotel. Ich verbringe den Abend lieber auf dem Zimmer mit Pizza und Bier, gehe nur ein bisschen raus, um am Fluss im Sonnenuntergang ein paar Bilder zu machen.


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