MacKenzie Pass & MacKenzie River

Travelblog für 06.07.2015

Zum vorigen Tag


Es wird Zeit, Bend nach vier Tagen zu verlassen und weiter zu ziehen. Spätestens zum heutigen Abend ist auch das Independence Day Weekend vorüber. Es sollte also keine Probleme bei der Zimmersuche geben. Ich checke aus und nehme mir noch ein kleines Frühstück mit auf die Fahrt.

Es geht ganz kurz auf die US-97 und schon am Ende von Bend auf die US-20 nach Westen in Richtung Sisters. Noch auf dem Weg dorthin halte ich an einem Aussichtspunkt an, der einen sehr hübschen Blick auf die Three Sisters bietet, drei nahe zusammenliegende Berggipfel der Cascade Range. Um die werde ich heute noch teilweise herum fahren. In Sisters, einem Urlaubsort, der wohl als Ausgangspunkt für viele Aktivitäten in den Cascades dienen kann, biege ich am Ortsende ab auf die OR-242, den MacKenzie Pass, der in das Tal des MacKenzie River führt. Diese Route führt nur am Anfang länger geradeaus, wird bald zu einer einigermassen kurvigen Bergstrasse. Noch ziemlich am Anfang mache ich leider meinen zweiten Roadkill: ein Streifenhörnchen, das zu spät vom Fahrbahnrand losgelaufen ist. Die laufen oft so spät los, dass es knapp erscheint, aber meistens ist klappt es ganz gut, dass sie über die Strasse kommen. Dieses hier hat sich völlig verkalkuliert und ist so spät dran, dass ich noch nicht einmal mehr reagieren hätte können. Schade.

Die Strasse steigt in die Berge hinauf und fast ganz oben läuft sie erst einmal an einem Lava Flow entlang und führt dann auf ihn hinauf. Mitten auf dem Lava Flow ist die Passhöhe und der Parkplatz des Dee Wright Observatory.

Dee Wright Observatory
Dee Wright Observatory

Das ist ein wirklich sehenswerter Stopp: Das Observatory ist ein Aussichtspunkt auf einem Hügel des Lavaflow, ein kleines rundes Gebäude mit offenen Fenstern, das selbst aus Lavagesteinsbrocken errichtet wurde. Die Fenster sind alle auf Gipfel der Umgebung ausgerichtet, wobei die Inschriften, die in die Fensterbänke gemeisselt sind, den jeweiligen Gipfel auch benennen. Auf der Dachterrasse ist ausserdem in der Mitte eine große, runde Bronzeplakette, die mit Pfeilen auf die Gipfel der Umgebung weist, beispielsweise auf die recht nahen Three Sisters. Das ist eine sehr schöne Art, wie man die Aussicht von der Passhöhe geniessen kann.

Dee Wright Observatory Vista
Dee Wright Observatory Vista

Daneben gibt es noch einen kleinen Lehrpfad. Dieser logischerweise asphaltierte Rundweg erläutert auf den Tafeln die verschiedenen Strukturen des Lava Flow, etwa eine Rinne, durch die Lava länger floss als daneben. Es wird auch auf einen alten Weg vom ersten Übergang des MacKenzie Passes hingewiesen, der ursprünglich von einem Siedlertreck gemacht wurde. Es ist ziemlich unvorstellbar, welcher Aufwand das mit deren Mitteln gewesen sein muss, auch solch einen einfachen Weg über den Lava Flow zu bauen, und wie schwierig es dann trotzdem gewesen sein, muss mit Planwagen über diesen holprigen Weg zu fahren!

MacKenzie Pass: Two Roads
MacKenzie Pass: Two Roads

Es geht weiter, den Pass auf der anderen Seite runter, wobei er hier der Bezeichnung Passstrasse alle Ehre macht. Schon wieder in tieferen Gefilden ist direkt an der Strasse der Parkplatz für den Trailhead des Wanderwegs zu den Proxy Falls. Das ist ein Rundweg von ca. 3km durch den Wald über einen recht zugewachsenen Lava Flow zu den beiden Wasserfällen. Diese Fälle sind beide sehr schön, die Lower Falls, die man zuerst erreicht, sind etwas besser zu beobachten und ein wenig beeindruckender. Ihnen kommt man jedoch schwieriger näher, da man einen recht steilen Hang hinuter muss zum unteren Ende.

Lower Proxy Falls
Lower Proxy Falls

Die Upper Proxy Falls erscheinen zunächst etwas weniger aufregend, ihnen kommt man aber viel leichter sehr viel näher, da man praktisch direkt an ihrer Seite den Hang hinauf steigen kann.

Upper Proxy Falls
Upper Proxy Falls

Ausserdem gibt es ein Detail, das einem zuerst nicht auffällt: Die Lower Falls fliessen gleich in einen Teich, der noch einen zweiten Bach als Zufluss hat. Der Teich liegt aber in einer Senke und hat keinen oberirdischen Abfluss. Das zufliessende Wasser scheint einfach zu verschwinden.

Upper Proxy Falls Pool: Panorama
Upper Proxy Falls Pool: Panorama

Nachdem ich dieses sehr schöne Ambiente ausgiebig genossen habe, gehe ich den Rest des Weges zurück zum Auto und fahre weiter den Pass hinunter, der bei Belknap Hot Springs im Flusstal des MacKenzie River ankommt. Belknap Hot Springs ist ein Resort, das die dortigen heissen Quellen nutzt. Ich sehe jetzt auch, dass man dort raften kann, laut der Werbetafeln sogar täglich. Das wusste ich vorher nicht, sonst hätte ich mir das überlegt. Ich fahre von hier die OR-126 flussaufwärts nach Norden. Nach einigen Meilen, ich habe aus Ungeduld schon angehalten und die Karten sowie eine Schautafel deswegen studiert, erreiche ich den Parkplatz der Sahalie Falls. Der Parkplatz ist ziemlich klein und voll, ich muss zwei Runden drehen, bis ich den Chevy abstellen kann. Ganz in der Nähe, gut zu Fuss erreichbar, sind auch die Koosah Falls. Beides sind Wasserfälle, bei denen der MacKenzieRiver über eine Stufe im Fels in die Tiefe fällt. Da es ein recht ansehnlicher Bergfluss ist, ist das auch ziemlich eindrucksvoll.

Sahalie Falls
Sahalie Falls

Die Sahalie Falls sind gleich beim Parkplatz. Zwischen den Fällen ist der Fluss auch meist ein recht beeindruckendes Wildwasser.

MacKenzie River: Wild Water
MacKenzie River: Wild Water

Nur ca. 10 Minuten zu Fuss flussabwärts sind dann wie erwartet die Koosah Falls.

Koosah Falls
Koosah Falls

Es gibt Wanderwege auf beiden Seiten des Flusses, doch die Übergänge sind etwas weiter weg von den Fällen als die schematische Karte auf den Tafeln am Parkplatz nahelegt. Auf der vom Parkplatz gesehen anderen Flussseite ist der MacKenzie River Trail, ein Wanderweg, der dem Fluss mehr als 25 Meilen folgt. Auf dem sind allerdings auch Mountainbiker unterwegs. Ich gehe diese Runde, was dann ein hübsche, kleine Wanderung wird. Dabei sehe ich beide Fälle mehrfach von jeder Seite in vielen sehr schönen Perspektiven. Vom MacKenzie River Trail aus sind um diese Tageszeit sogar in der Gischt kleine Regenbogen auszumachen.

Sahalie Falls: Rainbow
Sahalie Falls: Rainbow

Als ich nach dem zweiten Flussübergang die Sahalie Falls zum dritten Mal sehe, bin ich auch gleich wieder zurück am Auto. Ich fahre weiter nach Norden am Clear Lake vorbei zur US-20, die ich kurze Zeit, für ca. 5 Meilen, nach Osten in Richtung Sisters nehme, um auf die OR-22 nach Salem zu kommen. Dabei geht es die ganze Zeit durch die dicht bewaldete Westflanke der Cascades, eine Strecke, die man durchaus geniessen kann. Als ich am Speichersee Detroit Lake vorbeikomme, ist der gerade praktisch leer. Das sehe ich mir genauer an. Die Amerikaner stellen sich da offensichtlich darauf ein und es ist anscheinend auch geplant, ihn regelmäßig so weit zu leeren: Wege, um Boote zu Wasser zu lassen, sind bis unter diesen extrem niedrigen Wasserstand asphaltiert, sie parken dort unten und haben da Zelte aufgestellt. Auf der verbleibenden kleinen Wasserfläche sind auch weiterhin Boote unterwegs. Ein wenig bizarr mutet an, dass die Baumstümpfe der für den Wasserspeicher gefällten Bäume jetzt wieder im Trockenen auf dem kahlen, ausgetrockneten Seeboden stehen.

Detroit Lake
Detroit Lake

Als ich dann weiterfahre, sehe ich auch direkt unterhalb der Staumauer einen kleinen zweiten Speichersee, vermutlich zur Elektrizitätsgewinnung, und der ist voll. Ich fahre durch bis Salem und beginne auf dieser Einfallstrasse mit der Suche nach einem Zimmer. Auf der OR-22 sind keine Motels unter den Businesses, dafür komme ich an einem Adult Store vorbei. Den ignoriere ich und suche parallel zur I-5. Hier sind dann auch Motels zu finden. Das erste Motel verweist mich an ein zweites Hotel in der Nähe, weil sie im ersten keine Zimmer mit Klimaanlage frei haben. Ich sehe mir das Zimmer im zweiten an und nehme es. Es ist recht ordentlich, nur ein kleines bisschen abgewohnt, einigermassen günstig, Kühlschrank und Air Condition funktionieren - schliesslich ist das Zimmer direkt am Interstate und auf der Abendsonnenseite. Ich dusche erst einmal in Ruhe, fahre dann zu einem netten mexikanischen Restaurant und bekomme da ein sehr leckeres Burrito. Noch ein kurzer Stopp am Supermarkt für ein Bier, denn ich freue mich heute nach der Fahrerei der letzten Tage darauf, ein wenig zu lesen.


Zum nächsten Tag

Zur Übersicht