Columbia River Gorge

Travelblog für 07.07.2015

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In Salem kann ich mir morgens viel Zeit lassen bei meinen Plänen für den Tag. Ich checke daher relativ spät aus und fahre in die Downtown zum Oregon State Capitol, schliesslich ist Salem die Hauptstadt dieses Bundesstaates. Das Capitol ist recht ungewöhnlich im Vergleich zu anderen Staaten, wohl auch, weil es erst 1938 errichtet wurde nachdem bereits zwei vorherige abbrannten.

Salem: Oregon State Capitol
Salem: Oregon State Capitol

Ich umrunde es einmal in seinen grosszügigen Grünanlagen, schiesse ein paar Fotos, aber ich habe keine Lust auf mehr Sightseeing. Folglich mache ich mich bald wieder auf den Weg zum Auto, das zwei Blocks weiter abgestellt ist und verlasse Salem.

Ich fahre aus der Downtown auf die I-5 nach Norden bis Woodburn. Dort ist direkt am Interstate eine sehr grosse Outlet-Mall. Kurz nach 10, als die Läden gerade geöffnet haben, komme ich an. So früh ist noch wenig los, so dass ich viel Ruhe habe beim Erkunden des Angebotes in den vielen Markenläden. Angesichts der dortigen Preise lohnt es sich im Vergleich zu Deutschland immer noch deutlich, in einer solchen Outlet-Mall einzukaufen.

Nach ausgiebiger Besichtigung der Mall nehme ich wieder die I-5 nach Norden in Richtung Portland, biege dann ab über die I-280 auf die I-84 nach Osten, den Columbia River hinauf. Die verlasse ich wieder bei Troutdale und durch die schmucke kleine Downtown geht es auf den historic highway US-30.

Die Strasse ist schon ab der Downtown recht malerisch und nicht erst später, wie sie von Reiseführern empfohlen wird. Sie führt erst einen Nebenfluss entlang und hinten hinauf auf den Bergrücken über dem Columbia River, um ihn dann wieder in engen Kurven auf der Flussseite hinabzusteigen. Dort wird sie auch recht eng für einen Highway. Bald erreicht sie das Vista House, das einen Stopp unbedingt wert ist, auch wenn es sehr gut besucht ist. Es bietet vor allem einen fantastischen Ausblick auf den Columbia River und in die Columbia River Gorge, sein vergleichsweise enges Flusstal flussaufwärts vom Vista House.

Vista House Panorama
Vista House Panorama

Zudem bekommt man dort eine kleine Übersichtskarte mit den weiteren Sehenswürdigkeiten am historic highway 30. Dabei handelt es sich vor allem um Wasserfälle. Mein erster Halt danach sind die Latourell Falls. Die sind wie so oft sehr nah am Parkplatz, der direkt an der Strasse ist, nur einen kleinen, aber steilen Aufstieg weit weg, und sie sind schon sehr schön und ziemlich hoch.

Latourell Falls
Latourell Falls

Ich möchte danach weiter zu den Bridal Veil Falls, doch ich interpretiere das Schild am Parkplatz falsch, da in der Übersichtskarte zwei Stellen Bridal Veil im Namen haben. Deswegen rausche ich sehenden Auges daran vorbei. Der nächste Halt sind damit die Wah-kee-na Falls. Dort werden die Aussichtsplattformen neu hergerichtet, sie sind kaum zu sehen durch das grüne Dickicht, und daher lande ich statt auf einem Zugang auf dem Zubringer-Wanderweg zu den Multnomah Falls, den bekanntesten Wasserfällen in diesem Abschnitt. Ich laufe den knappen Kilometer dahin und dort ist es dann mehr als nur belebt. Es ist richtig voll, aber das Umfeld ist darauf eingestellt mit breiten Wegen und grossen Aussichtsplattformen.

Multnomah Falls
Multnomah Falls

Lediglich auf der Brücke zwischen den unteren und den oberen Fällen geht es eng zu. Kein Wunder, denn dort steht man praktisch genau über den unteren Fällen mit einen wunderbaren Blick auf die oberen. Von der Brücke geht der Aufstieg weiter zur Felskante, über die das Wasser der Upper Multnomah Falls fliesst. Der Weg ist bis zum höchsten Punkt asphaltiert, die „switchback“ genannten kleinen Spitzkehren sind durchnummeriert, und es gibt Tafeln für jede halbe Meile Strecke, die man gemacht hat. Die wichtigste Information wird aber wie so oft in den USA völlig verschwiegen: Vom Parkplatz bis zum höchsten Punkt sind gut 250 Höhenmeter zu überwinden. Immerhin sind die oberen Fälle über 160m hoch und die unteren haben auch noch über 20m. Diesen wirklich recht steilen Weg quälen sich hier viele Amerikaner hoch, vielleicht auch, weil es keine Warnung dazu gibt. Ich komme dabei auch gewaltig ins Schwitzen, auch wenn der Weg fast komplett im Schatten ist, denn es ist heiss. Auch oberhalb der Fälle ich noch einiges los, man sieht aber verständlicherweise nicht mehr so viel von den Fällen, lediglich die Höhe ist beeindruckend. Allerdings hat man einen schönen Ausblick auf den Columbia River.

Multnomah Falls Vista
Multnomah Falls Vista

Ich bin wegen der vielen Menschen bald schon am Abstieg. Der Trubel ist wirklich groß, besonders unten zwischen den Aussichtsplattformen und dem Parkplatz. Auf dem Zubringerweg zurück zu den Wah-kee-na Falls ist es schon deutlich ruhiger. Ich fahre weiter zur Oneonta Gorge. Auf Parkplatzsuche fahre ich erst einmal daran vorbei und passiere sogar die Horsetail Falls, bevor ich gut wenden kann. Diese sind unmittelbar neben der Strasse und ich sehe sie gut im Vorbeifahren. Recht nah an der Oneonta Gorge finde ich einen Parkplatz direkt an der Strasse in meiner Fahrtrichtung und vor allem im Schatten. Ich gehe also an den Anfang der Schlucht, weiss aber nicht so genau, was mich erwartet. Man kommt von der Strassenbrücke leicht in die Schlucht hinein und sie ist schon am Anfang sehr schön, wird dann aber bald etwas wilder und noch beeindruckender. Dort sind dann aber auch grosse Findlinge und Bäume wild durcheinander, über die man klettern muss. Hier sind sehr viele Leute unterwegs.

Oneonta Gorge
Oneonta Gorge

Ich bin neugierig und steige über ein paar Bäume auf den ersten grossen Findling. Von da sehe ich, dass es mit so vielen Leuten weitergehen würde. Es sind Familien mit Kindern, Jugendliche und auch ältere Leute. Die Mehrzahl klettert mit Sneakers oder gar Flip-Flops über nasse Felsen und Baumstämme und alles ist verstopft mit Leuten, die erkennbar keine Erfahrung mit sowas haben. Da ist mir nicht nur das Warten an jedem Felsen und Baumstamm zu viel, sondern ich kann dieser naiven Herangehensweise, die sich unwissend unötigen Gefahren aussetzt, nicht so lange zusehen. Ich drehe daher um, auch wenn ich weiss, dass am Ende der Schlucht Wasserfälle warten, die sicherlich sehr schön sind.

Oneonta Gorge: Overcrowded
Oneonta Gorge: Overcrowded

Diese Attraktion hätte ich heute nicht ausführlicher geniessen können. Immerhin weiss ich, dass ich hier frühmorgens kommen muss, falls ich wieder einmal in dieser Gegend bin. Etwas ernüchtert fahre ich zurück, da ich mir jetzt die vorhin verpassten Bridal Veil Falls ansehen möchte. Diesmal halte ich auch richtig auf dem eigentlich recht großen Parkplatz an. Der richtige Wanderweg ist auch schnell gefunden, ich werde nur nach ein paar Minuten stutzig, denn es geht abwärts, nicht aufwärts. Ich vertraue auf die Beschilderung und darauf, dass ich sie richtig gelesen habe, und gehe weiter. Es geht immer weiter hinab, danach über den Bach im Tal und ein kleines Stück talaufwärts sind dann auch die Bridal Veil Falls.

Bridal Veil Falls
Bridal Veil Falls

Ein Stück den Hang hinauf auf der den Fällen gegenüberliegenden Seite gibt es eine Aussichtsplattform, die einen tollen Überblick bietet. Man kann aber auch unten am Pool, in dem die unteren Fälle enden, auf dieser Seite bis ans Wasser. Selbst hinter einem großen Findling hat man noch eine interessante Perspektive. Den oberen Fällen kann man nicht näher kommen. Insgesamt sind es sehr hübsche, zweistufige Wasserfälle praktisch im Talgrund. Hier sind zwar auch andere Leute, aber im Vergleich ist es hier zu dieser Nachmittagszeit sehr ruhig. Beim Aufstieg wieder zurück zum Parkplatz wird mir wieder ordentlich warm, es ist zwar schattig, aber am Nachmittag kühlt es noch lange nicht ab. Im Auto werde ich schon wieder eine schöne Kühle hinbekommen, notfalls mit der Klimaanlage.

Es geht bei der nächstmöglichen Auffahrt auf die I-84 Richtung Westen. Das ist zwar nicht so schön wie der historic highway, geht aber viel schneller und es läuft auch wunderbar, bis ich in die Nähe der I-280 komme. Eine Meile vorher stehe ich im Stau und im Lauf der Zeit wird klar, dass der auch auf die I-280 reicht. Immerhin sehe ich auf der I-84 den Mount Hood im Rückspiegel. Aber auf der I-280 zeigt sich, der Stau kommt vom hohen Verkehrsaufkommen und schnell geht es besser. Schon auf der Brücke über den Columbia River läuft der Verkehr wieder recht flüssig, ist aber immer noch recht dicht. Mit dem Columbia River überquere ich auch die Grenze zwischen den Staaten Oregon und Washington. Erst als ich ein bisschen auf der I-5 Richtung Norden unterwegs bin, wird es ruhiger. Ich fahre bis Longview/Kelso und will mir da ein Motel suchen. Dort finde ich aber nur die hochpreisigeren und daher fahre ich fast zehn Meilen zurück nach Kalama, wo ich eines vom Interstate aus gesehen habe, das mir gefallen könnte. Das Motel passt auch richtig gut, nur die Klimaanlage ist viel zu laut und alt. Ich nehme es trotzdem, auch weil direkt nebenan ein Restaurant ist, das sehr nett aussieht: eine sehr klassisch amerikanische Kombination aus Motel und gutem Diner daneben. Das Restaurant wird auch schon bald nach einer Dusche ausprobiert und meine Einschätzung bewahrheitet sich: Das Chicken Teriyaki schmeckt sehr gut. Beim Rausgehen sehe ich, dass die Leuchtreklame sehr beeindruckend ist und zur Blauen Stunde ist da eine kleine Fotosession fällig.

Restaurant
Restaurant

Leider schlafe ich dann diese Nacht wenig und unruhig, da ich wegen der nicht benutzbaren Klimaanlage bei offenem Fenster schlafe, der direkt angrenzende Interstate aber die ganze Nacht hindurch einigen Verkehrslärm produziert.


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