Seattle

Travelblog für 10.07.2015

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Am Morgen habe ich viel Zeit, denn es ist mein Plan, so nach Seattle rein zu fahren, dass ich erst nach 9 Uhr dort bin, um die schlimmste Rush-hour zu vermeiden. Trotzdem stehe kurz im Stau, genau da, wo die I-90 in der I-5 endet. Das dauert aber nicht lange, zwar ist auf der I-5 zunächst noch Stau, danach durch die Downtown ist es nur noch recht voll, läuft aber einigermassen flüssig. Ich habe mich auf diese Anfahrt gut vorbereitet und erwische die richtige Abfahrt von der I-5 problemlos, auch wenn es eine Linksausfahrt ist. Aus demselben Grund finde ich ebenso recht leicht exakt das gewünschte Parkhaus, wo ich dann das Auto zurücklasse.

Space Needle
Space Needle

Zu Fuss gehe ich vom Parkhaus nur ein paar Minuten zur Space Needle. An der Kasse bekomme ich netterweise das Early Bird Special für Frühaufsteher, obwohl es um 9:35 Uhr eigentlich fünf Minuten zu spät dafür ist. Das spart mir ein paar Dollar. Die Schlange vor den Aufzügen ist nicht sehr lang, sie bewegt sich recht schnell und bald bin ich oben. Es ist zwar bewölkt und damit ist wie meistens der Mount Rainier nicht zu sehen, aber die Wolkendecke ist hoch genug, dass ich einen guten Ausblick über Seattle und den Puget Sound habe. Mehrfach umrunde ich die Aussichtsplattformen draussen und drinnen.

Space Needle Vista
Space Needle Vista

Als ich genug davon habe fahre ich wieder runter und nehme die Monorail in die Downtown. Die Station ist fast direkt neben der Space Needle und die Fahrt endet mitten im Zentrum. Der Zug hält im dritten Stock direkt an einem Hochhaus, in dem ein Einkaufzentrum ist. Dort ist auch der Bahnsteig integriert und man kommt nicht nur auf die Strasse, sondern auch direkt in das Einkaufszentrum. Ich gehe die Treppe hinunter direkt auf die Strasse, weil ich keine Lust habe, auf den Aufzug zu warten. Ich gehe um die Ecke und genau in Richtung Meer. Das sollte mich auch unmittelbar zu meinem einzigen richtigen Ziel im Zentrum führen: dem Pike Place Market.

Ich komme auch genau dahin und bin beeindruckt: Dieser dauerhafte Markt in festen, mehrstöckigen, an den Hang gebauten Markthallen bietet ungemein viel. Das ist eine Besonderheit und damit für einen Besucher ein Muss in Seattle, lautet meine Feststellung.

Pike Place Market
Pike Place Market

Auf der gegenüberliegenden Strassenseite ist unter all den vielfältigen Feinkostläden sogar ein bayerischer! Der hat selbst für mich als Münchener eine überraschend vielseitige Auswahl für das andere Ende der Welt am Pazifik. Neben diesen verschiedensten Feinkostangeboten gibt es vor allem frischen Fisch, Obst und Gemüse, Blumen, sowie jede Menge Kunsthandwerk und Souvenirs. Sogar eine Brauerei ist offen, nur ein bisschen eingezäunt, mittendrin. Ich kaufe mir ein in Leder gebundenes, handgefertigtes Notizbuch, auch wenn ich noch keine Verwendung dafür habe.

Pike Place Market Brewery
Pike Place Market Brewery

Nach gründlicher Besichtigung des Markets und seines ganzen Umfelds gehe ich wieder zur Monorail-Station und nehme diese zurück zum Seattle Center. Ich gehe dort noch ein bisschen spazieren, mache noch ein paar Fotos, dann gehe ich bald nach dem Mittag wieder zum Auto. Es ist Freitag, ich habe noch ein gutes Stück zu fahren, mit einer schwer einzuschätzenden Fährüberfahrt, und ich will rechtzeitig in Port Angeles sein, um ein gutes Zimmer für das Wochenende zu finden. Ich fahre also den Weg, den ich gekommen bin, auf die I-5. Dort geht es nach Norden in Richtung der Fährverbindung, die ich nehmen möchte. Es gibt hier einige über den Puget Sound. Ich bin ein wenig ungeduldig, aber wie erwartet ist die Fähre schon auf dem Interstate gut ausgeschildert: die WA-104 ist der Zubringer. Zunächst sieht es nach einer kurzen Wartezeit aus, das wird aber schnell enttäuscht: Es wird dann etwa eine Stunde zu warten. Mit der Fähre von Edmonds geht es nach Kingston auf der Olympic Peninsula. Das ist im Prinzip sehr gut organisiert, aber am Freitagnachmittag wollen eben etwas mehr Leute hinüber als die Kapazität ist. Ich fürchte nur, zur Rush-hour ist es nicht besser.

Ferry leaving
Ferry leaving

Die Überfahrt ist eine schöne Abwechslung. Ich finde es hervorragend, aussteigen zu können und mir auf dem Oberdeck den Wind um die Nase wehen zu lassen. Der ist hier eine ziemlich steife Brise und es ist auch etwas frisch am Meer, zumal es auch bedeckt ist. Aber an Bug und achtern gibt es windgeschützte Ecken und ich kann auch in das geschlossene Zwischendeck für Passagiere gehen. Es ist für mich schwer verständlich, dass die meisten Einheimischen in ihren Autos auf dem Fahrzeugdeck sitzen bleiben. Selbst wenn man das regelmässig macht, ist es für mich netter, sich die Beine ein wenig zu vertreten, auch wenn man das Ablegemanöver nicht mehr beobachten will wie ich. Ich komme glücklicherweise schnell von der Fähre herunter, aber dennoch ist erst einmal Kolonnenfahren angesagt. Nach Verlassen der Fähre geht es die WA-104 weiter zur US-101 nach Port Angeles, eine etwas unspektakuläre Strecke.

In Port Angeles finde ich schnell ein Motel, das mir gefällt, für das ganze Wochenende, also zwei Nächte. Daher schaffe ich es gerade noch in das Visitor Center des Olympic National Park am Ortsrand. Ich nehme eine Park Map und ein paar Beschreibungen z.B. von Hiking Trails mit, bevor sie schliessen. Später gehe ich vom Motel aus zu Fuss in die Downtown und erkunde diese ein wenig. Sie ist leider wenig belebt für den frühen Freitag abend, folglich kehre ich schnell in ein sehr nettes Seafood-Restaurant ein, das ich gleich zu Beginn entdeckt habe. Dort gönne ich mir als Vorspeise ein halbes Dutzend Austern.


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