Olympic National Park (II)

Travelblog für 12.07.2015

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Wieder fahre ich früh los, denn es sind wieder über 100 Meilen von Port Angeles bis in den Hoh Rainforest: auf der US-101 gut 90 Meilen und ca. 18 Meilen Stichstrasse bis zu deren Ende. Die Größe des Olympic National Parks ist nicht zu unterschätzen, folglich auch nicht die Zeiten, die man von einer Attraktion zur nächsten braucht.

Hoh Rainforest Trees
Hoh Rainforest Trees

Im Hoh Rainforest gehe ich nacheinander beide Rundwege, zuerst den kürzeren ein wenig oberhalb des Talgrunds. Der etwas längere anschliessend ist näher am Fluss und am Vormittag noch ziemlich einsam, nur ganz am Ende kommt mir ein Pärchen entgegen. Die Trails illustrieren verschiedene Ausprägungen des Regenwaldes in Abhängigkeit wie weit sie vom Fluss weg sind bzw. wie weit sie darüber sind. Der Regenwald variiert dabei erkennbar, wenn man auf die Unterschiede hingewiesen wird, ist aber immer sehr beeindruckend.

Hoh Rainforest Creek
Hoh Rainforest Creek

Derartig dichten Bewuchs auch der Bäume selbst mit Flechten und Moosen sieht man sonst nicht, insbesondere da es sich bei den Bäumen nicht um Exoten handelt, sondern um bekannte Laub- und Nadelbäume wie Erlen, Ahorn und Kiefern.

Am Visitor Center, das ein einstöckiges Gebäude ist, ist an einem der Dachbalken ein Schild angebracht. Darauf wird die Höhe der durchschnittlichen jährlichen Niederschläge illustriert: 137,69 inch, fast genau 3,50m. So visualsiert wird einem richtg klar wie viel das ist!

Der Big Spruce Tree an der Strasse nicht weit vom Strassenende ist leider im Dezember 2014 von einem Sturm abgebrochen worden. Bis dahin galt er als einer der größten Nadelbäume seiner Art. Davon kann man sich weiterhin selbst überzeugen, denn der Stamm liegt noch an der Stelle im Wald, an der er umgefallen ist, natürlich unmittelbar neben dem Parkplatz.

Big Spruce Tree
Big Spruce Tree

Nach dem Regenwald geht die Fahrt zum Ruby Beach, einem sehr malerischen Strand mit Felsküste, wobei wie hier normal der Nadelwald bis an die äusserste Kante der Felsen reicht. Das Wetter wird auf dem Weg dorthin wegen der Lage wieder wie in Cape Flattery am Vortag. In der Zwischenzeit an den anderen Orten etwas abseits der Westküste war es zwar bewölkt, aber durchweg trocken, mal abgesehen von ein paar kleineren Schauern auf der Fahrt, bereits in Meeresnähe. Am Ruby Beach hat es recht deutlichen Nieselregen bei einigem Wind. Das ist kein Problem auf dem Weg durch den Wald zum Strand hinunter und auch nicht, solange ich am Hinweg den Wind im Rücken habe.

Ruby Beach
Ruby Beach

Aber am Rückweg von diesem kleinen Strandspaziergang kommt der Wind von vorn und damit kommt gefühlt der Nieselregen waagrecht von vorn mit Schwung. Meine Hose ist am Ende völlig durchnässt davon, die Goretex-Regenjacke hält aber dicht. Eine Regenhose ist hier wirklich zu empfehlen. Die Heizung im Auto muss es dann richten. Dabei ist der Strand und sein Hinterland wirklich ungewöhlich schön, man muss nur damit rechnen, das bei so einem Wetter zu geniessen.

Bis zum nächsten Stopp ist die Hose auch wieder ganz in Ordnung, sie ist nur noch ein wenig feucht. Diese Fahrt geht zum Quinault Big Cedar Tree am Lake Quinault und sie dauert ja auch bald eine Stunde. Nach zehn Minuten Marsch durch den Regenwald muss ich feststellen, dieser Baum ist leider auch schon tot, obwohl er noch steht.

Quinault Big Cedar Tree
Quinault Big Cedar Tree

Das bisschen Grün oben scheint mir von Pflanzen zu sein, die auf dem Baum wachsen. Es ist ein wenig schade, ich habe seit dem Morgen zweimal weitere Schilder zu anderen Big Cedar Trees gesehen. Die wären vielleicht noch im Saft gestanden. Aber auch diese Zeder ist so wie sie ist recht beeindruckend: durch ihre Größe, weil sie immer noch steht, aber auch weil man in den Stamm hinein kann. Ich mache unter anderem ein Panoramafoto innen. Am Weg zurück zum Parkplatz geniesse ich den Regenwald des Olympic National Park zum letzten Mal, auch wenn es gerade wieder nicht regnet.

Quinault Big Cedar Tree Inside Panorama
Quinault Big Cedar Tree Inside Panorama

Nach dem bedeckten Wetter möchte ich wieder nach Oregon, in der Hoffnung auf mehr Sonne. Deswegen fahre ich die US-101 durch und lasse die möglichen Stopps an der Küste von Washington aus. Die Strecke ist hier, womöglich weil ich meist im Hinterland fahre, teilweise auch ein wenig fad. Erst ab South Bend wird sie wieder sehr malerisch. Auch das Wetter wird immer sonniger. Schon ab Chinook sieht man die beeindruckende Brücke über die Mündung des Columbia River und in Astoria über dem wirklich sehr, sehr breiten Fluss bin ich wieder zurück in Oregon.

Es ist späterer Nachmittag und ich möchte mir in Astoria ein Zimmer suchen, aber beim ersten Motel stehe ich hinter einem anderen Gast in der Schlange und bekomme einen Preis mit, der mir viel zu hoch ist. Ich gehe unverrichteter Dinge wieder raus, bin regelrecht empört darüber und fahre erst einmal weiter, um mir noch ein schönes Erlebnis zu gönnen: Ich fahre ca. 25 Meilen auf der US-101 nach Süden bis zum Hug Point Beach.

Hug Point Beach
Hug Point Beach

Das ist ein ausserordentlich schöner Strand mit Felsen im Sand und auf der Landseite, wo auch direkt oben der Kiefernwald beginnt. Zum Sonntag gegen Abend ist er auch einigermassen belebt, denn das wissen auch andere, wie schön es hier ist. Der Strand ist aber groß genug, dass sich die Leute verlaufen und ich mache im vorabendlichen Sonnenschein einen langen Strandspaziergang, sozusagen der erste „richtige“ auf dieser Reise.

Hug Point Beach Cave
Hug Point Beach Cave

Sicherlich wird es aber nicht der letzte sein! Das macht auf jeden Fall die Enttäuschung in Astoria und die viele Fahrerei des Tages wieder wett. Nach dem Spaziergang mache ich mich auf den Rückweg, suche aber schon in Seaside ein Motel. Beim ersten Halt werde ich weiter geschickt, lande dann aber nicht in dem beschriebenen Etablissement, sondern in dem daneben, das mir ein sehr schönes Zimmer bereithält. Das Dinner gibt es dann in einem Steakrestaurant direkt am Highway und alles ist wieder gut, der Regen am Ruby Beach und die Empörung in Astoria sind vergessen.


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