Portland

Travelblog für 14.07.2015

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Diesen Tag in der Grossstadt werde ich autofrei gestalten, ich lasse das Auto den ganzen Tag beim Motel stehen. Das ist eine angenehme Abwechslung, einmal nicht fahren zu müssen. Ein Tagesticket für die Tram kostet aktuell gerade einmal fünf Dollar und eine Haltestelle ist nur einen Block vom Motel entfernt. Genau aus diesem Grund habe ich bewusst nach einem Motel auf der Interstate Ave. gesucht.

Um Viertel nach neun ist die Tram recht leer im Vergleich zu europäischem Nahverkehr. Ich steige in der Downtown aus und gehe rein nach Chinatown. Dort ist es zu dieser frühen Stunde noch recht leer, fast ausgestorben, vor allem ein paar Obdachlose lungern (nach der Nacht noch?) herum.

Portland Chinatown Gate
Portland Chinatown Gate

Der dichte Trubel und das Gewusel, das ich von Chinatown in San Francisco kenne, fehlen hier völlig. Ich gehe am Gate zu Chinatown vorbei und dann durch Old Town an der 1st und 2nd Ave. zum Classical Chinese Garden, doch der macht erst in einer Viertelstunde um 10 Uhr auf. Nach fünf Minuten wird mir das Warten zu fade und ich gehe in Richtung des Willamette River, um Fotos einer der vielen Brücken in der Stadt zu machen. Dort sind auch auffällig viele Obdachlose an der Uferpromenade des Flusses. Die Wirtschaftskrise zeigt selbst im recht wohlhabenden Portland ihre Folgen. Nach genügend Fotos zweier Brücken mache ich mich auf den Weg zurück zum Chinese Garden.

Steel Bridge
Steel Bridge

Als ich wieder dort bin, ist geöffnet. Es ist eine sehr schöne Gartenanlage in genau einem Strassenblock, die sich wie eine grüne Oase der Ruhe darstellt. Es ist dort wirklich sehr schön, die Gartenanlage wird aufwendig gepflegt.

Classical Chinese Garden
Classical Chinese Garden

Es gibt auch ein Teehaus, das einen exzellenten Grüntee serviert, und sicher auch andere hervorragende Sorten, die ich heute nicht probieren kann. Im Teehaus komme ich ein wenig mit einem Amerikaner ins Gespräch, der in Portland lebt. Aber eigentlich stammt er aus Alaska, auch wenn er nicht im geringsten wie ein Ureinwohner von dort aussieht.

Classical Chinese Garden Tea House
Classical Chinese Garden Tea House

Von diesem Garten gehe ich später zu Fuss weiter durch die Downtown zum Pioneer Courthouse Square, einem netten, mit Ziegeln gepflasterten Platz, der erst in den Achtzigern angelegt wurde, sich aber zum zentralen Treffpunkt gemausert hat.

Pioneer Courthouse Square
Pioneer Courthouse Square

Dort bleibe ich aber nur kurz, gehe weiter zum Portland Art Museum, das an einer ruhigeren Strasse mit einem Park in der Mitte liegt: Southwest Park/9th Ave.

Portland Art Museum Sculptures
Portland Art Museum Sculptures

Dieses Museum ist zwar nicht riesig, hat aber eine sehr schöne, recht umfassende Sammlung, insbesondere die Moderne ist gut vertreten und sehr schön präsentiert. Es gilt als das älteste Museum im Nordwesten. Unter den Wechselausstellungen ist aktuell eine Zodiac-Installation von Ai Wei Wei. Da ich meinen Rucksack an der Garderobe abgegeben habe, fotografiere ich ein wenig mit dem Handy, da hier nur für einzelne Exponate ein Fotografierverbot gilt.

Portland Art Museum: Zodiac by Ai Wei Wei
Portland Art Museum: Zodiac by Ai Wei Wei

Nach dem ausgiebigen Museumsbesuch gehe ich zu Fuss weiter zu Powell‘s City of Books, dem angeblich grössten unabhängigen Buchladen der Welt. Dieses Statement wird verständlich, wenn man einmal dort ist: Er ist wirklich riesig, scheint einen halben Häuserblock mit mehreren Stockwerken einzunehmen. Ist man einmal drin, erscheint es trotz der Größe verwinkelt und trotz aller Schilder und der guten Orientierungshilfen etwas unübersichtlich. Die meist mehrere Meter hohen Regale sehen benutzt, aber immer sauber aus. Das Personal ist hilfsbereit, kompetent und zahlreich präsent: Ich finde „Mortality“ von Christopher Hitchens nicht und die Verkäuferin führt mich hin, ohne auch nur irgendetwas nachzusehen. Es muss nicht gesagt werden, dass das Angebot immens ist und sowohl neue als auch gebrauchte Bücher umfasst. Es gibt auch ca. fünf Regalmeter mit Titeln aller möglichen Arten auf Deutsch. Nachdem ich diesen wirklich aussergewöhnlichen Buchladen mehr als genug genossen habe und wieder auf der Strasse stehe, ist es mir noch deutlich zu früh, ins Motel zurückzukehren.

Also fahre ich mit der Tram in den Washington Park, einer sehr grossen Parkanlage westlich der Downtown. Die Tramstation liegt hier ca. 80 Meter unterirdisch und die Aufzüge enden vor dem Eingang des Zoos. Dementsprechend viele Familien sind hier unterwegs. Ich will dagegen zum Hoyt Arboretum, einer Art Freiluftmuseum für Bäume, und gehe dort ein wenig spazieren.

Hoyt Arboretum
Hoyt Arboretum

Das ist allerdings in diesem sehr hügeligen Gelände und in der Nachmittagshitze bei strahlendem Sonnenschein nicht ohne. Daher gehe ich nicht bis zum berühmten Japanischen Garten, auch wenn das ein sehr lohnendes Ziel sein muss. Es geht dann später mit der Tram über den Pioneer Courthouse Square, wo ich umsteigen muss, zurück zum Motel, wo ich kurz verschnaufe und dann wieder mit der Tram zum Brewpub der Widmer Brauerei zum Abendessen fahre. Das sind nur ein vier Stationen. Dort bekomme ich ein tolles Alt und ein ebenso gutes Dunkles, das schmeckt, als käme es aus Bayern. Die werden ergänzt von einem ziemlich leckeren Lammburger. Natürlich geht es auch nach diesem Pubbesuch wieder mit der Tram zurück ins Motel.


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