Oregon Caves National Monument

Travelblog für 18.07.2015

Zum vorigen Tag


Ich starte am Morgen beizeiten gleich auf eine recht lange Fahrt, denn ich will direkt zum Oregon Caves National Monument. Es sind von Brookings immerhin rund 100 Meilen zu der Höhle. Das ist eine recht lange Anfahrt, die aber recht kurzweilig ist, denn nach einem weniger aufregenden Stück auf der US-101 führt dann die US-199 sehr malerisch und teils recht kurvig durch die Berge, zuerst durch Redwoods, dann durch ein Flusstal, das zwischenzeitlich zu einer sehr schönen Schlucht wird. Der Pass ist kaum noch nennenswert, da auch die Passhöhe durch einen Tunnel abgeschnitten wird. Die Zubringerstrasse zum National Monument ab Cave Junction - ein wirklich passender, aber wenig kreativer Ortsname - wird sehr bald zu einer richtig spassigen Bergstrasse. Der Zubringer ist fast 20 Meilen lang und zum größten Teil so frei, dass ich die Fahrt wunderbar geniessen kann. Lediglich für etwa drei Meilen habe ich einen Pickup vor mir, der einerseits hochkriecht und andererseits so lange keinen Turnout findet, an dem er sich traut, mich vorbeizulassen. An anderer Stelle macht selbst ein Mustang binnen Sekunden Platz.

Oregon Caves High Formation
Oregon Caves High Formation

Noch am Parkplatz findet das Screening für die White Nose Disease statt und man erhält einen Chip als Nachweis. Ohne Chip wird man nicht auf die Führung gelassen. Dank dieser Organisation kann ich aber zwei Gruppen passieren und schaffe es so noch auf die 10 Uhr Führung, von der ich nur ein paar einführende Worte der hübschen Rangerin verpasse. Die ganze Tour ist sehr nett gemacht und wird von der Rangerin mit viel Witz präsentiert, so dass sie viel Spass macht. Auch finde ich es ziemlich gut, sich durch die manchmal etwas niedrigen, manchmal ein wenig engen Durchgänge zu zwängen. Das ist nie besonders schwierig, aber spassig und auf jeden Fall immer noch viel komfortabler als die engsten Lavatunnel. Die Tropfsteinstrukturen sind überwiegend nicht so spektakulär oder riesig wie anderswo, aber es gibt schon einige recht interessante und auch grössere zu sehen.

Oregon Caves Flourescent Formation
Oregon Caves Flourescent Formation

Besonders interessant sind eine, die sich über zwanzig Meter Höhe erstreckt, kaskardierend aus kleineren, stets ähnlich aussehenden bestehend, und eine, die als einzige genügend floureszierende Stoffe eingebettet hat, so dass sie im Schwarzlicht blau leuchtet. Leider sind auch zahlreiche Stellen da, an denen frühere Besucher Tropfsteine abgebrochen haben oder sich auf dem Stein verewigt haben. Die Höhle wird schon sehr lange, seit über hundert Jahren, besucht, und nicht immer wurde so auf ihren Erhalt geachtet wie heutzutage. Eine etwas überraschende Inschrift stammt von einem Geologie-Professor aus Orgeon, der sich und alle Mitglieder seiner Exkursion verewigt hat. So etwas lässt sich auch nicht mehr entfernen, da sich inzwischen ein dünne Gesteinsschicht darüber gebildet hat.

Oregon Caves Signature
Oregon Caves Signature

Interessant ist auch die Stelle, an der eine auffällige Gesteinsschicht in der Höhlendecke an einem geraden Riss um zwanzig Zentimeter gegeneinander verschoben ist. Die Erklärung ist, dass der Riss genau die Verwerfungslinie bei einem Erdbeben war und sich dort genau die Verschiebung durch das Beben zeigt. Gegen Ende der Höhle ist noch ein jahrtausendealtes Bärenskelett an seinem Fundort ausgestellt, einem unwahrscheinlichen Ort für einen Bären, ist es doch so tief in der Höhle schon lange stockdunkel. Vermutlich ist er durch ein heute verschlossenes Loch von oben hineingefallen.

Oregon Caves Earthquake Fault
Oregon Caves Earthquake Fault

Vom Höhlenausgang, wo die Tour endet, nehme ich den etwas längeren Weg über einen Aussichtspunkt oberhalb des Ausgangs zurück zum Visitor Center, wo sie begann. Nach kurzer Begutachtung des Visitor Centers und des Gift Shops gehe ich zum Parkplatz und fahre den Weg zurück, den ich gekommen bin.

Als ich in dieser Richtung die Grenze nach Kalifornien überquere, ist mitten im Wald wie bereits am Morgen auf der US-101 ein Halt bei der Inspektion fällig, wo sichergestellt wird, dass ich keine landwirtschaftlichen Güter in relevantem Umfang nach Kalifornien einführe. Das ist auch hier wieder mit einem kurzen „Hallo“ erledigt. Noch vor der Schlucht, die ich auf der Hinfahrt so beeindruckend schön fand, halte ich in Gasquet an einem weiteren Visitor Center, dem der Smith River National Recreation Area. Es hat leider geschlossen, aber eine Reihe von Kästen mit Infomaterial zum Mitnehmen sind aussen vorhanden. Immerhin finde ich heraus, dass der Botanical Trail, an dessen Trailhead ich vor ein paar Meilen vorbei gekommen bin, sich wieder der Darlingtonia widmet. Dafür werde ich heute nicht zurückfahren. In der Nähe der Schlucht gibt es Wanderwege, aber die Informationen legen mir keinen besonders nahe. Ich fahre weiter, und als ich durch die Schlucht fahre, halte ich nur für Fotos an. Vielmehr will ich in den Redwoods, die noch kommen, ein bisschen laufen.

Smith River
Smith River

Ich halte daher im Jebediah Smith Redwoods State Park an der Abzweigung der Walker Road an, wo ein Parkplatz an einem kleinen Rundweg ist. Auch wenn der kleine Parkplatz gut belegt ist, kommen mir auf diesem Trail nur wenige Menschen entgegen.

Jebediah Smith Redwoods State Park
Jebediah Smith Redwoods State Park

Ich gehe danach noch einen zweiten Rundweg etwas weiter die Strasse unten, dieser abgelegene, etwas längere Wanderweg ist trotz des Samstagnachmittags praktisch völlig einsam. Ich komme mir ein wenig vor wie ein Alien - der ich ja auch als Ausländer genau genommen bin - weil ich die wenigen hundert Meter von meinem Parkplatz zum Trailhead an der Schotterstrasse, die mehr ein Waldweg ist, laufe und nicht das Auto dafür nehme. Die ganze Zeit ist es dabei angenehm kühl im Wald, auch wenn ich bei den Steigungen ins Schwitzen komme. So frisch ist es auch wieder nicht. Dieser erste Kontakt mit grossen Redwoods auf dieser Reise könnte kaum schöner sein in dieser angenehmen, weitgehend naturbelassenen Waldeinsamkeit. Hier kommt man den vielen, wirklich riesigen Bäumen ungestört in ihrem ursprünglichen Umfeld nahe, egal, ob es sich um aufrecht stehende oder gefallene Exemplare handelt.

Jebediah Smith Redwoods State Park Detail
Jebediah Smith Redwoods State Park Detail

Nach diesem ausgiebigen Waldspaziergang fahre ich das letzte Stück nach Crescent City, damit ich am Samstagnachmittag beizeiten sicher ein Motelzimmer bekomme. Das klappt auch erfreulich gut und ich finde ein nettes Zimmer in zentraler Lage. Hier beginnt mitten in der Stadt ein Scenic Drive, den ich dann natürlich noch komplett abfahren kann. Er geht an der Küste entlang mit mehreren Zugängen zum Wasser und endet etwas ausserhalb am grossen Parkplatz eines Zugangs zu einem weiteren Strand, schön, dass ich dafür genügend Zeit habe.

Das Dinner geniesse ich in einem Fischrestaurant in Hafennähe, passend gibt es Shrimp sautéed mit Zwiebeln und Pilzen. Und da sie hier sogar kleinere Portionen anbieten, schaffe ich es zum ersten Mal, mir auch ein Dessert zu gönnen: Mixed Berry Pie.

Crescent City Sunset
Crescent City Sunset

Zum Sonnenuntergang geht es wieder an den Strand, den zu dieser Gelegenheit besten auf dem Scenic Drive. Da erweist es sich als gut, dass ich diesen schon vorher ganz abfahren konnte.


Zum nächsten Tag

Zur Übersicht