Redwood National Park

Travelblog für 19.07.2015

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In Crescent City starte ich mal wieder früh, um direkt in den Redwood National Park zu fahren. Mein erstes Ziel ist aber nicht tief im Wald, sondern es geht an die Küste zum Fern Canyon. Einen kleinen Umweg mache ich aber doch, weil ich den Newton B. Drury Scenic Parkway durch den dichten Wald nehme und nicht den schnelleren Bogen komplett über die US-101 fahre. Der Parkway ist aber auch wirklich zu empfehlen, denn man kommt dem Wald so bereits im Auto viel näher, was morgens wie eine Strasse durch einen Märchenwald wirkt. Die Abzweigung von der US-101 in Richtung Fern Canyon geht gleich über die Elk Meadow, wo sich oft Hirschwild sichten lässt. Ich sehe da jetzt am Morgen auch gleich ein ganzes Rudel im Gras sitzen, mindestens ein Dutzend Köpfe ragen eng zusammen aus dem Gras heraus. Ich betrachte das kurz und fahre weiter Richtung Fern Canyon. Der ist am Ende einer langen und heftigen Schotterstrasse, die gleich hinter der Wiese beginnt: Sie geht erst lange durch den Wald über den Berg, schmal, steil und in engen Kurven, bis sie am Strand herauskommt. Auf dem Weg dorthin ist sie teils ganz gut, ist aber auch manchmal an den steilsten Stellen in schlechtem Zustand mit vielen Schlaglöchern. Ich bin finde es hier ziemlich gut, dass ich einen SUV habe. Zu dieser frühen Stunde ist hier ausser mir noch kein Verkehr, aber die Entrance Station ist schon besetzt. Die liegt freilich erst nach dem Wald als die Strasse runter an den Strand kommt. Auf der Strecke am Strand entlang ist die Schotterstrasse etwas besser, doch hier kommt dann eine richtige Bachdurchquerung in einer Furt und wieder bin ich froh um ein hohes Auto.

Fern Canyon
Fern Canyon

Der Fern Canyon ist nur wenige Minuten Fussmarsch vom Parkplatz am Ende der Strasse entfernt. An dessen Ausgang geht man zuerst ein Stück das Tal eines Baches hoch, im Kiesbett des Wasserlaufs. An den Stellen, wo man die Seite wechseln soll, sind zusammengenagelte Planken ausgelegt, so dass man gut durch kommt. Diese federn manchmal oder sie liegen nicht ganz auf, so dass man Gefahr läuft, sich trotzdem die Füsse nass zu machen. Zweimal wäre mir das haarscharf passiert, dann bin ich vorsichtiger. Der Canyon fängt nach hundert Metern an und ist absolut einmalig: Zwanzig Meter hohe, senkrechte Felswände sind komplett mit Farnen bewachsen, die richtig lange Blätter haben. Dazu geht man im Kiesbett den Bachlauf hinauf und muss immer wieder über umgestürzte Bäume steigen, die teilweise die ganze Schlucht versperren.

Fern Canyon Wall
Fern Canyon Wall

Nach ein paar hundert Metern ist dann Schluss und ein Weg führt aus dem Tal in den Wald hinauf, wo er auf einen Wanderweg trifft, der vom Prairie Creek Visitor Center zum Strand hinunter geht. Dort begegnet mir der erste andere Mensch hier. Ich schaue kurz, ob man von diesem Weg vermutlich schöne Einblicke in den Canyon hat, glaube das aber nicht und gehe wieder hinunter, um auch zurück durch den Canyon zu gehen. Der Wanderer von eben begegnet mir wieder, weil er nicht glaubt, dass man bei einigen umgestürzten Bäumen durchkommt. Ich weiss es besser, aber er nimmt den Wanderweg. Als ich am Rückweg gerade aus dem Canyon wieder rauskomme, begegnet er mir nochmal und wir unterhalten uns ein wenig. Diesmal geht er in den Canyon und ich gehe zurück zum Parkplatz. Dort treffen gerade weitere Besucher ein. Ich gehe noch kurz an den Strand, aber der ist hier zwar schön und breit, hat allerdings nichts Aussergewöhnliches zu bieten. Am Rückweg zum Auto begegnet mir der Wanderer noch ein weiteres Mal, was uns beide sehr belustigt. Diesmal kann ich ihm erfolgreich den kürzesten Weg an den Strand weisen. Mein Fazit ist klar: Der Fern Canyon ist ein absolutes Erlebnis. Man muss sich die heftige Anfahrt zutrauen, wofür ein geeignetes Fahrzeug empfehlenswert ist. Es ist aber nicht zwingend, wie die Amerikaner zeigen, die nun so langsam die Strasse herunterkommen, als ich bereits zurückfahre. Da kommen weniger Pickups und SUVs als ganz normale Autos und Minivans über den Berg als mein Gegenverkehr. Der Fern Canyon sollte auch mit einer längeren Wanderung vom Visitor Center aus erreichbar sein, das etwas sieben Kilometer Luftlinie entfernt liegt.

Big Tree Wayside
Big Tree Wayside

Auf der Elk Meadow am Ende der Schotterstrasse ist jetzt auch das Rudel vom Morgen weg. Ich fahre wieder ein wenig zurück, mache eine Stippvisite am Big Tree Wayside, dann beim Prairie Creek Visitor Center in der Nähe und hole mir die obligatorische Park Map. Mir der entscheide ich, dass ich den Berg hinauf zum Lady Bird Johnson Grove fahre, um dort endlich auch viele Redwoods aus der Nähe und nicht nur vom Auto aus zu sehen. Die Strasse führt steil die vierhundert Höhenmeter hinauf und ich erinnere mich plötzlich an einen recht wilden, unvorsichtigen Ritt diese Strasse hinunter in den Neunzigern. Der Parkplatz ist wieder einmal fast voll und ich bekomme gerade noch einen Platz.

Lady Bird Johnson Grove: shady
Lady Bird Johnson Grove: shady

Der Rundweg durch diesen grossen Hain ist sehr schön und gut ausgebaut, aber er ist auch sehr belebt. An der Abzweigung des Wanderwegs zum Visitor Center hinunter warnt das Schild, dass es ein Abstieg von 400m ist. Es soll wohl verhindert werden, dass Unbedarfte vorschnell diese Route nehmen. Dieser Grove wirklich schön, aber die Waldeinsamkeit vom Vortag hat er leider nicht zu bieten.

Lady Bird Johnson Grove: sunny
Lady Bird Johnson Grove: sunny

Daher fahre ich nach dem Rundweg den Berg auch direkt wieder hinunter und weiter zur Stony Lagoon, doch noch einmal ans Meer im Nationalpark. Dort mache ich am Parkplatz erst einmal Brotzeit und gönne mir dann einen langen Strandspaziergang auf dem Stück Strand, das die Lagune vom Meer trennt. Als ich schon weit gelaufen bin sehe ich vor mir einen grossen Schwarm Vögel am Strand, darunter viele Pelikane. Ich beschliesse, diese nicht aufzuscheuchen, und drehe in bestimmt 300m Abstand um.

Stony Lagoon: Flock of Birds
Stony Lagoon: Flock of Birds

Während ich am Pazifikstrand der Stony Lagoon entlang zurück laufe, kommt mir der Gedanke, wie hilflos die Tsunami Evacuation Route-Schilder eigentlich sind: an so einem abgelegenen Strand erreicht mich keine Warnung. Ausserdem dürfte ich auf dem Sandboden kaum etwas von einem Erdbeben spüren, falls es überhaupt nah genug dafür ist. Wenn dann sichtbare Zeichen des Tsunami auftreten, sich etwa das Wasser zurückzieht, dann erreiche ich wahrscheinlich weder mein Auto noch einen ausreichend hohen Hügel rechtzeitig: auf dem Sand kommt man nur langsam voran, da reicht wohl ein Kilometer Entfernung auf dem Strandstreifen, der die Lagune von der See trennt, und ich bin verloren. Dort ist die Lagune auch zu breit, um sie schnell mal zu durchschwimmen. Die meisten Orte in den letzten Tagen waren entweder so, dass man fast sicher verloren gewesen wäre oder so, dass selbstevident war, wie man die nötige Höhe gewinnt. Orte, an denen die Schilder vermutlich eine lebensrettende Hilfe gewesen wären, fallen mir da nur sehr wenige ein.

Da allerdings kein Tsunami eingetroffen ist, fahre ich unbekümmert weiter, zunächst zum Patrick's Point State Park. Hier bleibt mir die Gebühr für die Tagesnutzung nicht erspart, es ist ja ein staatlicher Park und eben keine Bundeseinrichtung. Ich fahre zum Parkplatz am Ende der Strasse beim Wedding Rock. Bei diesem muss ich natürlich bis vor auf den äussersten Aussichtspunkt und genauso gehe ich zum nahen Patrick's Point und weiter zum Rocky Point.

Wedding Rock
Wedding Rock

Nach diesem wilden Küstenabschnit geht es endgültig nach Eureka. Dort angekommen erkunde ich den Ort und sehe mir ein wenig die Old Town an. Dort ist am Sonntagnachmittag wenig los, auch wenn sie ganz hübsch hergerichtet ist.

Eureka Old Town
Eureka Old Town

Ich gehe ein paar Kleinigkeiten einkaufen und, weil ich im ersten Supermarkt kein Bier finde, das mir zusagt, versuche ich es noch in einem Bio-Supermarkt. Da klappt das dann gut. Anschliessend suche ich ein Motel und ich finde ein billiges, das ein wenig schräg ist, aber OK scheint. Zuerst funktioniert der Kühlschrank nicht, den tauscht der Besitzer zusammen mit seinem neunjährigen Sohn und meiner Hilfe aus. Der neue springt nach einer Wartezeit auch an, so das ich meine Getränke kühlen kann. Auch sonst sieht der Laden aus, als würde der Besitzer üben, wie Motel geht. Es ist irgendwie alles da, aber nicht so ganz stimmig. Bestes Beispiel dafür ist das Badezimmer, das deutlich größer ist als das eigentliche Zimmer, dabei aber fast völlig leer ist. Der Spiegel hängt neben dem sehr kleinen Waschbecken und die Seife liegt auf der Fensterbank. Aber abgesehen von diesen Schrulligkeiten ist das Motel im Kern in Ordnung. Zum Abendessen gehe ich, nachdem ich mich zweimal im Vorbeifahren umentschieden habe, in ein sehr hübsches uramerikanisches Diner bzw. Steakhouse. Passend nehme ich Steak & Shrimp, was wieder einmal rundum ausgezeichnet ist. Heute fahre ich allerdings zum Sonnenuntergang nirgendwo hin, da mir hier nichts Passendes bewusst ist und ich auch an keinem geeigneten Strand in der Nähe vorbei gekommen bin.


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