Humboldt Redwoods State Park: Avenue of the Giants

Travelblog für 20.07.2015

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Diesen Morgen hat es erst einmal zugezogen. Wie so oft im Sommer in Nordkalifornien ziehen Wolken und Nebel vom Pazifik an der Küste herein. Das ist eine ganz normale Wetterlage um diese Jahrszeit und ich kann nur abwarten, wie es sich entwickelt. Ich muss erst einmal Tanken und hier in Kalifornien muss ich das auch wieder selbst machen. Dann geht es los zum Humboldt Redwoods State Park, durch den die Avenue of the Giants führt, mein letzter Besuch bei Redwoods. Auf dem Weg dorthin habe ich kaum Grund anzuhalten, denn solange ich an der Küste bin, bleibt mir das neblige Wetter erhalten. Als der Highway jedoch zu den Redwoods ins Landesinnere abbiegt, ist der Himmel binnen kürzester Zeit klar und es ist sonnig. Bereits an der ersten Hügelkette kommen die tiefhängenden Wolken nicht vorbei.

An der Ausfahrt auf die Avenue of the Giants, der CA-254, ist diese klar angeschrieben. Dieser Highway ist eine Alternativroute zur US-101, die wiederum in diesem Tal autobahnartig ausgebaut ist. Die Alternative geht zwar durch dasselbe Tal, sie erlaubt es aber, an allen interessanten Stellen anzuhalten und so die Attraktionen des Humboldt Redwoods State Parks zu geniessen. Dafür gibt es sogar ein eigenes Flugblatt, dass die Halte als Stopps einer Autotour auflistet. Und dieses Flugblatt kann man in einem Kasten an einem Parkplatz gleich hinter der Ausfahrt direkt mitnehmen. Demnach mache ich die Tour von hinten, weil ich vom Norden komme. Mein eigener Plan weicht aber wenigstens zum Teil davon ab, schliesslich habe ich mir vorausschauend die Park Map bereits im Redwood National Park eingesteckt. Mein erster Halt ist jedoch auch der letzte der Autotour: Der Drury-Chaney Grove mit dem längsten Rundweg entlang der Autotour: 2,4 Meilen, also etwa vier Kilometer. Damit sich hier niemand übernimmt, steht direkt am Trailhead ein grosses Schild mit der Länge, der durchschnittlichen Steigung und der Beschaffenheit des Weges. Es hat mehr die Anmutung eines Strassenschildes als die eines Wegweisers. Die exakt ausgewiesene Steigung bedeutet bei genauer Überlegung, dass es auf dem Weg eigentlich keine Steigung gibt, so eine Interpretation würde aber vermutlich zu weit gehen. Für diesen Trail bin ich wieder einmal zu früh für den Durchschnittsamerikaner dran und so kann ich ihn fast komplett in Ruhe allein geniessen. Hier ist es bei schönem Morgenlicht noch angenehm kühl.

Humboldt Redwoods State Park: Fallen Redwood Panorama
Humboldt Redwoods State Park: Fallen Redwood Panorama

Die bereits umgestürzten Redwoods sind hier besonders dicht bewachsen, oft mit Klee, teils auch mit Farnen. Ich weiss schon von den vorigen Redwoodhainen, dass die Bäume selbst das brauchen, da es den Samen eine Möglichkeit zu spriessen gibt, wo das sonst auf dem dichten Bewuchs des Waldbodens schwierig wäre. Somit gibt mir dieser Grove wieder einmal den Eindruck, in einem Märchenwald zu sein. Es zahlt sich aus, früh in den Redwoods zu sein. Erst als ich wieder fast am Auto bin, kommen mir zwei Pärchen entgegen, aber das schmälert das Erlebnis dieses Morgenspaziergangs nicht im geringsten.

Humboldt Redwoods State Park: Detail
Humboldt Redwoods State Park: Detail

Ich halte auch am nächsten, dem vorletzten Stopp der Autotour, dem Chandler Grove. Hier gibt es nur einen kleinen Rundweg am Hang, und die Attraktion, der Triple Tree ist im Vergleich zu anderen Bäumen und Gruppen nicht so aussergewöhnlich. Es ist jedoch sehr interessant, wie anders das Unterholz hier ist, bloss weil man sich ein kleines Stück am Hang befindet und nicht mehr in einem Talgrund wie vorher. Ich fotografiere auch ein besonders schönes Beispiel dafür, dass ein Waldbrand den grossen Redwoods nichts anhaben kann. Ihre Borke ist so dick, dass sie den Baum schützt und nur aussen verkohlt, während das Unterholz abbrennt. Wegen der geringen Steigung von zwanzig Metern ist es hier im Chandler Grove auch nicht sehr belebt, aber es ist schon mehr los als vorher.

Humboldt Redwoods State Park: Bark
Humboldt Redwoods State Park: Bark

Das wird am Founder‘s Grove noch deutlich mehr, immerhin ist das die Hauptattraktion im Park. Hier ist der Founder‘s Tree, so benannt zu Ehren der Gründer der Stiftung, die den Park ermöglicht hat. Der Baum ist ein besonders hohes Exemplar mit über 105m, und er ist natürlich nur wenige Meter von einem grossen Parkplatz entfernt.

Humboldt Redwoods State Park: Founder's Tree
Humboldt Redwoods State Park: Founder's Tree

Dort schliesst sich ein kleiner Rundweg von etwa einer Meile an, der schon sehr viel ruhiger ist. Dabei ist dieser Grove wirklich besonders schön, da man hier vielen umgestürzten Redwoods sehr nahe kommt, was sehr spektakulär wirkt, da sie oft recht eng beisammen liegen. Auch hier erscheint mir das Unterholz wieder anders als zuvor, es gibt weniger Gräser und Farne am Boden als im Drury-Chaney Grove. Insgesamt ist es hier meiner Erinnerung aus den Neunzigern von einem Grove an der Mattole Road, die ich heuer nicht fahre, am ähnlichsten. Damals lag der Wald allerdings in der Abendsonne, da wir seinerzeit im Park gecampt haben.

Humboldt Redwoods State Park: Fallen Trees
Humboldt Redwoods State Park: Fallen Trees

Die nächsten Stopps der Autotour lasse ich aus, dafür gehe ich einen kleinen Wanderweg, der keine Nummer hat und auch nichts mit grossen Redwoods am Hut hat. Dieser hier geht über den Sandy Beach in der South Fork des Eel River, der durch das Tal fliesst, und liegt in der Nähe des Hidden Springs Campgounds. Wie die Namensgebung nahe legt, führt er zu und über einen kleinen Sandstrand im Fluss. Das ist ein hübscher, kurzer Spaziergang zur Abwechslung mal ohne besonders grosse oder viele Redwoods.

Wieder auf der Avenue of the Giants sehe ich mir noch die beiden südlichsten Groves an. Stopp Nummer zwei, mein vorletzter, ist am Belling Grove. Der liegt sehr amerikanisch direkt an der Strasse, so dass es nicht einmal einen kleinen Weg gibt. Hier kann man auch durch die Böschung an das Flussufer, auch wenn das hier nichts Besonderes zu bieten hat.

Mein letzter Halt in den Redwoods ist der erste und südlichste der Autotour: der F.K. Lane Grove. Dieser ist auch ein sehr schöner Hain mit recht dichtem Unterholz und ähnelt dem ersten Grove des Tages. Zudem führt hier der Damm einer früheren Trasse der US-101 hindurch, den sich der Wald nun zurückholt. Dennoch bietet er für mich nichts wirklich neues mehr, nachdem ich inzwischen soviel Gelegenheit hatte, Redwood-Wälder zu besuchen. Ich geniesse den dortigen kurzen Rundweg von einer Viertelstunde trotzdem als meinen letzten Spaziergang in den Redwoods. Danach mache ich hier noch eine kurze, späte Brotzeit, denn der Mittag ist schon lange vorbei.

Die Avenue of the Giants ist dann auch bald zu Ende und es geht weiter nach Süden auf der US-101, bis die CA-1 bei Legget abzweigt. Dieser Highway ist von nun an die Küstenstrasse bis weit südlich von San Francisco. Die US-101 bleibt im Hinterland. Doch zuerst geht die CA-1 in sehr, sehr vielen engen Kurven hoch über das Küstengebirge. Sie macht dem Titel Bergstrasse hier alle Ehre bis sie endlich unten am Meer herauskommt. Doch auch dort ist sie über weite Strecken eine veritable Küstenstrasse. Als ich nach wirklich heftiger Kurverei wieder ans Meer komme, sind dort die Wolken immer noch da. Manchmal denke ich zwar, der Nebeldunst ist dünner als am Morgen, aber vielleicht ist das auch nur Wunschdenken. Jedenfalls halte ich nur selten und kurz an, fahre lieber durch bis zu meinem Tagesziel Fort Bragg.

Foggy Coast North of Fort Bragg
Foggy Coast North of Fort Bragg

Ich habe damit auf jeden Fall noch genug Zeit, mir die Mendocino Coast Botanical Gardens anzusehen und fahre deswegen erst einmal durch Fort Bragg. Ich sehe die Parkplatzeinfahrt und fahre trotzdem daran vorbei, weil ich nicht glauben kann, dass der botanische Garten noch so deutlich innerhalb des Ortes ist. Ich drehe ein wenig dahinter um, um mich zu vergewissern, und sie sind tatsächlich an dieser Stelle.

Mendocino Coast Botanical Gardens Exhibit
Mendocino Coast Botanical Gardens Exhibit

Diese botanischen Gärten sind auch eindeutig einen Besuch wert. Gleich nach dem Eingang sind sehr gepflegte, umsichtig gestaltete Anlagen, die eine immense Pflanzenpracht zeigen. Je weiter man geht und je näher man damit dem Meer kommt, desto stärker beschränkt sich die Gestaltung darauf, die regionalen Vegetationsbereiche nachzubilden und darzustellen.

Mendocino Coast Botanical Gardens Coast
Mendocino Coast Botanical Gardens Coast

Das letzte Stück bis zum Pazifik ist dann die naturbelassene Küstenvegetation mit Kiefern, Zedern und Grasland. Dabei sehen die Kiefern teilweise ganz schön vom Meerwind zerzaust aus.

Mendocino Coast Botanical Gardens Pine Trees
Mendocino Coast Botanical Gardens Pine Trees

Ich koste alle Teile ausgiebig aus und fotografiere viel. Bei diesen Motiven stört es kaum, dass die Sonne vom Dunst verdeckt bleibt.

Mendocino Coast Botanical Gardens Detail
Mendocino Coast Botanical Gardens Detail

Fort Bragg ist der grösste Ort in der Region, daher ist alles da, was man sich so wünscht. Ein kurzer Besuch im Supermarkt ist ebenso erfolgreich wie die angenehm kurze Suche nach einem schönen Motelzimmer. Das entspricht ganz meinen Wünschen und liegt nur ein paar Blocks vom Zentrum entfernt, an dessen Rand sich die lokale Brauerei und ihr Brewpub befinden. Dieser Pub wird dann auch zum Dinner besucht, wobei ich es sehr geniesse, zu Fuss dorthin gehen zu können. Wegen der Wolken ist heute ohnehin nicht daran zu denken, einen Sonnenuntergang zu fotografieren.


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