California Coast: Mendocino

Travelblog für 21.07.2015

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Der Nebel zieht auch an diesem Morgen vom Meer herein. Diese Form des Sommerwetters kann man nur hinnehmen und warten, ob es aufklart. Davon abgesehen kann ich mir Zeit lassen, denn ich will zuerst zum Point Cabrillo Lighthouse und das ist nicht weit. Ich komme dort also etwa um 9 Uhr an in der Hoffnung, dass sie da langsam aufmachen, muss aber bereits am Parkplatz feststellen, dass erst ab elf geöffnet ist. Damit wird auch dieses Lighthouse nur von aussen besichtigt.

Point Cabrillo Lighthouse
Point Cabrillo Lighthouse

Ich gehe vom Parkplatz hinunter in Richtung Meer und das wird ein sehr netter, einsamer Spaziergang durch das Grasland, denn es ist etwa eine Viertelstunde zu laufen, bis man am Lighthouse ist. Hier gibt es schon das für Kalifornien typische Grasland an der Küste bevor erst ein Stück landeinwärts dichterer Baumbewuchs und Wald beginnen. Das ist anders als weiter nördlich, aber auch sehr schön. Mitten im Grasland steht am Weg ein Warnschild, das auf Zecken hinweist. Das ist die einzige solche Warnung, die ich auf der ganzen Reise sehe. Das Leuchtfeuer ist richtig im Nebel und, da es immer noch in Funktion ist, sorgen das pulsierende Licht und der Lichtstrahl für einen tollen visuellen Effekt. Das muss natürlich fotografisch gewürdigt werden, danach aber wende ich mich der hiesigen Küste zu. Auch hier sind Felsen und Brandung schön, aber die Sichtweite ist durch das Wetter begrenzt. Nach einiger Zeit gehe ich den Weg an der eher niedrigen Felskante entlang zurück in Richtung Parkplatz, wobei ich auch noch Gelegenheit habe, Vögel zu beobachten: Kormorane und einen Greifvogel, der mich von einem Pfahl aus misstrauisch mustert. Im Nachhinein kann ich später recherchieren, dass es ein Truthahngeier ist, wie sie auch im Oregon Coast Aquarium gezeigt werden.

Turkey Vulture
Turkey Vulture

Erst als ich auf dem Weg zurück zum Parkplatz durch das Grasland schon wieder auf Bäume zugehe, kommt mir ein Pärchen entgegen. Die Frau meint im Vorbeigehen, dass wir Frühaufsteher die Ruhe hier geniessen dürften. Genau. Point Cabrillo hat mir doch eine beeindruckende Nebelstimmung gezeigt, ich jedoch kann nicht sagen, das sei einmalig, denn so ein Nebel ist dort im Sommer viel zu häufig zu finden.

Mendocino Headlands State Park Panorama
Mendocino Headlands State Park Panorama

Ich fahre weiter und mein nächster Halt soll Mendocino sein, Namensgeber für den ganzen Küstenstreifen hier. Genauer will ich zum Mendocino Headlands State Park, einem von drei angeblich sehr schönen State Parks, die den Ort quasi umzingeln: Im Norden der Russian Gulch State Park, im Süden der Van Damme State Park und die Küste direkt am Ort sind die Headlands. Zu diesen muss ich durch den Ort, wobei ich sehe, dass es hier verständlicherweise sehr touristisch ist, aber doch auch noch recht authentisch erscheint. Die Headlands selbst sind nur das Stück Felsküste vor dem Ort und das Grasland von dort bis zum Ortsrand. Die Parks ausserhalb haben auch noch einige Waldflächen dazu, wie sich vom Highway aus erkennen lässt. Die Headlands selbst sind zwar nicht einzigartig, anders als an anderen Stellen hier kann man aber gut auf die höheren Felsen steigen, die weit genug aus der Brandung ragen. Da kann man auch einmal der Wasserlinie näher kommen, wenn man so zwei, drei Meter direkt darüber steht.

Mendocino Headlands State Park Bird Colony
Mendocino Headlands State Park Bird Colony

Daneben sind hier auch einige Meeresvögel, da es auch Felsen, richtige Inseln gibt, die nicht für die Menschen erreichbar sind. Deswegen turne ich auch eine ganze Zeit auf den Felsen herum, bevor ich weiterfahre.

Point Arena Lighthouse Close-up
Point Arena Lighthouse Close-up

Mein nächstes Ziel ist das Point Arena Lighthouse. Hier werde ich endlich mal eines besichtigen. Das ist eine ganz witzige Idee, denn genau diesen Leuchtturm habe ich bereits Ende der Neunziger schon einmal besucht. Daran habe ich ein schöne Erinnerung an eine interessante und kurzweilige Führung mit einer attraktiven jungen Frau als Tour Guide. Die alte Fresnellinse ist heute im Museum zu bewundern, im ehemaligen Gebäude des Nebelhorns. Das aktuelle Licht ist nur so gross wie ein Putzeimer und auf der Führung erfahre ich, dass eine 37W-Lampe für dieselbe Leistung wie früher ausreicht und dass diese alle sechs Monate von der Küstenwache erneuert wird. Der Leuchtturm hat eine interessante Geschichte, da der frühere Backsteinbau 1906 beim Erdbeben von San Francisco irreparabel beschädigt wurde, und dass der Neubau der erste aus Stahlbeton war, was sich als Erfolgsmodell herausstellte. Zu seiner Einweihung 1908 wurde auch die Fresnellinse, die aus Europa kam, in Betrieb genommen und sollte dann fast 70 Jahre den Job machen, bis sie 1977 durch ein modernes Licht ersetzt wurde. Heute ist bereits dessen nächster Ersatz im Einsatz. Dieser heutige Turm ist etwa 40 Meter hoch und damit viel höher als die anderen Lighthouses, an denen ich vorbei gekommen bin. Auf der Führung erfahre ich auch noch, dass in einem Bach ein wenig nördlich, dem Alder Creek, der San-Andreas-Graben ins Meer läuft. Allerdings sei davon nichts zu erkennen, es sieht aus wie ein ganz normaler Bach. Da der Turm auch auf einem freien, relativ flachen Felskap steht, das allein ein Stück ins Meer hinausragt, ist es dort trotz des dunstigen Wetters sehr windig, richtig stürmisch. Das ist noch einmal einen Zacken schärfer oben auf dem Turm auf dessen Balustrade.

Point Arena Lighthouse from Stornetta Public Lands
Point Arena Lighthouse from Stornetta Public Lands

Nach der Führung und allen Fotos fahre ich deswegen ein paar hundert Meter zurück, um die direkt angrenzenden Stornetta Public Lands zu erkunden. Das ist ein Stück Küste, das zwar öffentlicher Besitz des Bundes ist, wo aber noch praktisch keine Nutzung erfolgt und daher auch fast keine Infrastruktur vorhanden ist. Der Parkplatz ist nur ein Streifen unbewachsenen Bodens neben der Strasse und dort sind ein Schild und eine Baustellentoilette. Hinter dem Zaun gibt es nur noch Trampelpfade, an denen hin und wieder eine Latte als Wegmarkierung in den Boden gehauen ist. Hier gibt es keine Geländer und Warnschilder oder so etwas. Die Felsküste ist hier vielleicht sogar etwas weniger spektakulär wie bei den Mendocino Headlands, das macht sie aber mit ihrer Ursprünglichkeit und der Ruhe locker wieder wett. Da hier auch der Wind deutlich schwächer ist als am Leuchtturm vorn, mache ich auch noch einen schönen Spaziergang, nachdem ich ein wenig auf den Felsen herumgeturnt bin. Das ist hier auch ziemlich sicher möglich, wenn man entsprechend vorsichtig ist.

Stornetta Public Lands: Island
Stornetta Public Lands: Island

Es ist immer noch trüb, als ich dort wieder losfahre, aber auf dem weiteren Weg nach Süden reisst es dann bald auf, denn es kommen dort keine Wolken mehr von Meer herein. Deswegen halte ich auch am Gualala Point Regional Park an, wobei ich logischerweise die Tagesnutzungsgebühr bezahlen muss. Auch wenn es hier immer noch recht windig ist, mache ich erst einmal eine kleine Brotzeit. Das Kap interessiert mich hier weniger, vielmehr gibt es einen sehr schönen Strand, der eine Lagune vom Meer trennt. Trotz dem, dass ein Fluss in die Lagune mündet, gibt es hier doch keine Lücke im Strand. Das Wasser scheint durch den Strand ins Meer zu fliessen. Vom Visitor Center sind es erst einmal gut zehn Minuten an den Strand, aber das hält mich nicht ab, hier noch einen ausgiebigen Strandspaziergang zu unternehmen. Das ist in dieser wirklich schönen Umgebung auch eine gute Idee. Der Strand ist von eher grauer Farbe und recht steil zum Meer hin. Das sorgt für eine sehr beeindruckende Brandung und ist wohl recht gefährlich, jedenfalls mahnen entsprechende Warnschilder sehr eindringlich, dem Wasser fern zu bleiben. Anscheinend können hier einzelne Wellen selbst Spaziergängern gefährlich werden. Auf jeden Fall ist dieser Abstecher an den sonnigen Strand heute eine herrliche Abwechslung nach dem nebligen Wetter.

Gualala Point Regional Park
Gualala Point Regional Park

Auf dem weiteren Weg nach Süden fahre ich am Salt Point State Park, der angeblich auch recht schön ist, einfach vorbei, die Sonne kann ich ja auch noch vor Bodega Bay ausnutzen. Hier ist der CA-1 auch schon wieder eine recht gewundene Küstenstrasse und führt wunderschön durch die Wälder. Ein paar Meilen nach dem Salt Point State Park, südlich von Fort Ross, fängt die Strasse langsam an, zu steigen und geht dann bis auf 200m über dem Meer auf der beeindruckenden Steilküste, bis sie kurz vor Jenner in Serpentinen wieder hinunter kommt. Das ist dort wirklich eine heftige Küstenstrasse mit vielen engen Kurven. Man hat da aber von der Strasse aus auch wirklich tolle Aussichten. Als ich nach Jenner wieder ganz raus an die Küste komme, fängt der Nebel schon wieder an hereinzuziehen und schnell ist es wieder komplett grau. Dann gibt es eben keinen Strandspaziergang mehr und ich konnte beim Gualala Point zum letzten Mal barfuss im Sand und im Pazifik laufen. Damit mache ich vor Bodega Bay nur noch einen kurzen Fotostopp, es ist auch hier im Grau noch recht windig, und fahre gleich weiter.

Bodega Bay Beach
Bodega Bay Beach

Die CA-1 geht nach Bodega Bay ein wenig landeinwärts und dort zweigt die CA-12 nach Santa Rosa ab. Das zeigt mir, dass ich langsam zurück komme, denn ein anderes Stück dieses Highways bin ich am ersten Tag auf dem Weg nach Napa gefahren. Ich nehme sie trotzdem, denn ich will in Santa Rosa übernachten. Von dort ist die Fahrt hinein nach San Francisco schneller und kalkulierbarer als von der Küste aus. So kann ich meinen Plan für morgen in San Francisco sicherer durchziehen. Sobald ich vom Meer weg bin, kommt auch ganz schnell wieder die Sonne heraus und, nachdem ich über die Hügel bin, herrscht auch dichter Verkehr, die nachmittägliche Rush-hour hat begonnen. Da muss ich mich mich erst darauf einstellen, in Sebastopol blockiere ich daher auch kurz eine Kreuzung ein Stückchen. Eigentlich komme ich gut durch bis Santa Rosa, dort sind aber an der CA-12 keine Motels. Ich fahre daher im Berufsverkehr die US-101 bis zum Ortsende und dort dann die Parallelstrasse wieder einwärts. Das war genau der richtige Riecher, denn nach nach einem Stück kommen ein paar Motels, von denen mir eins gefällt. Das hat auch ein prima Zimmer für mich und ich fange an, das Auto komplett auszuräumen. Ich muss meine Sachen neu organisieren, alles was ich behalten will, muss in den Koffer oder in den Rucksack, schliesslich gebe ich morgen das Auto ab. Die wenigen Dinge, die dort nicht reinkommen, kann ich gleich hier wegwerfen. Momentan habe ich noch eine Menge Zeug lose im Kofferraum herumliegen. Das ziehe ich aber erst später durch, denn erst einmal gehe ich zu Abend essen. Ein paar Blocks weiter die Strasse runter ist ein Restaurant, das sich auf Truthahn spezialisiert hat. Das ist mal wieder ein typisch amerikanischer Laden, aber sie haben ein leckeres Dinner für mich. So gestärkt kann ich mich auch noch um mein Gepäck kümmern.


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