San Francisco (I)

Travelblog für 22.07.2015

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Heute ist es relativ wichtig, die Eckpunkte des Zeitplans einzuhalten: Einerseits will ich nicht im Berufsverkehr im Stau stehen, andererseits muss ich natürlich den Mietwagen rechtzeitig am Flughafen abgeben, um nicht draufzahlen zu müssen. Dazwischen will ich aber das Auto noch nutzen, um ein paar Punkte in San Francisco anzufahren. Das klappt erst einmal auch ganz wunderbar. In Santa Rosa ist es morgens gegen neun zwar noch ein wenig dunstig, aber der dichte Verkehr läuft ganz gut. Selbst an der Ampel, die den zufliessenden Verkehr auf die US-101 reguliert, muss ich nur kurz warten. Der Freeway ist dann zwar recht dicht befahren, aber es läuft fast immer flüssig, von ein paar sehr kurzen Stockungen abgesehen. Es kommt sogar die Sonne schnell heraus, damit ist es aber vorbei, als ich mich der Golden Gate Bridge nähere: der Nebeldunst ist zurück. Rechtzeitig aktiviere ich das Mautgerät an meiner Windschutzscheibe, indem ich es aufklappe. Eigentlich wollte ich die Brückenmaut per Internet am Vorabend bezahlen, das hat mit meinem Handy aber nicht funktioniert und ich bin immer im Buchungsvorgang stecken geblieben. Mit dem Gerät geht das auch, da schlägt nur der Autovermieter noch eine Gebühr auf. Nur auf der Brücke selbst gibt es keine Bezahlmöglichkeit, es würde zu lange dauern und Staus verursachen, sehr nett. Kurz vor der Brücke halte ich noch Ausschau, ob es einen Parkplatz mit Aussicht auf die Brücke gibt wie in der Gegenrichtung, aber stadteinwärts ist da nichts. Das bedeutet, ich fahre direkt über die Golden Gate Bridge. Gleich dahinter sind auch die Gates für die Mautregistrierung, mein Gerät piept brav, dass es auch ausgelesen wurde. In weiser Voraussicht habe ich die Durchfahrt ganz rechts genommen, denn die Ausfahrt, die ich nehmen will, ist gleich danach. Und hier heisst gleich danach kaum 50m hinter der Mautstelle. Damit bin ich auf dem Lincoln Blvd., den ich über den Hügel zum Baker Beach nehme.

Golden Gate Bridge from Baker Beach
Golden Gate Bridge from Baker Beach

Von diesem Strand hat man einen tollen Blick auf die Golden Gate Bridge. Hier habe ich schon oft Fotos gemacht. Leider ist es heute eben recht dunstig. Das ist schade, denn es ist auch noch recht wenig los an diesem Strand, so dass sogar Bilder praktisch ohne Menschen gelingen. Ich gehe trotzdem den Strand ein wenig entlang, um eine noch bessere Perspektive zu bekommen, auch wenn das bei dem Dunst fotografisch keinen durchschlagenden Erfolg hat. Ich gebe auf und gehe zurück zum Auto, fahre erst einmal den Lincoln Blvd. zurück zu einem Aussichtspunkt auf dem Hügel, der näher an der Brücke liegt. Dort gibt es auch ein paar schöne Ansichten, aber der Dunst ist natürlich immer noch da.

Golden Gate Bridge Close-up
Golden Gate Bridge Close-up

Dann geht es wieder in dieselbe Richtung wie zuvor, denn ich will zum Legion of Honor Museum oberhalb von Land‘s End. Das Museum interessiert mich nicht allzu sehr, aber im Säulenhof vor dem Eingang steht der Denker von Rodin. Diese Bronze hier ist einer der fünf Originalabgüsse. Vor dem Museum ist ausserdem noch das Holocaust Denkmal und zudem hat man auch hier einen sehr schönen Blick auf die Golden Gate Bridge. Diese Lage etwas abseits hatte ich bisher auf meinen früheren Besuchen noch nie erreicht. Ich fahre, nachdem ich den besten Blick auf die Brücke gefunden habe, weiter zu meinem nächsten Ziel.

The Thinker (Rodin)
The Thinker (Rodin)

Ich möchte sehen, ob man die wirklich typisch steilen Strassen aus der Nähe fotografieren kann, daher will ich zur Kreuzung von Divisadero und Broadway. Dazu muss ich die Geary St. ein ganzes Stück in Richtung Downtown fahren und, als ich auf die Divisadero möchte, darf man nicht links abbiegen. Das habe ich erwartet und fahre eben dreimal rechts. So komme ich an die Kreuzung auf dem Hügel, nachdem ich selbst erst einmal richtig steil raufgefahren bin. Ich suche kurz einen Parkplatz, finde dann glücklicherweise einen nur einen halben Block entfernt den Broadway hinauf, und gehe an die Kreuzung. Diese ist durchaus beeindruckend, die Kreuzung ist eben, zwei Strassen gehen sehr steil hinunter, eine geht ein wenig abwärts und eine geht ein wenig aufwärts. So sehen die echten Strassen von San Francisco aus. Leider ist dies einfach nicht sinnvoll zu fotografieren. Immerhin sind auch in dieser Gegend die für San Francisco typischen Häuser mit den Erkern zu sehen - neben den edleren Residenzen in diesem wohl eher noblen Viertel.

San Francisco Houses
San Francisco Houses

Ich fahre also weiter, möchte nun mein Gepäck ins Hotel bringen, da es auch auf dem Broadway liegt, nur viel näher an der Downtown. Es klappt nur nicht ganz, einfach diese Strasse entlang zu fahren, denn die wird von einer Baustelle blockiert, die grosszügig umfahren werden muss. Ich komme aber vor dem Tunnel wieder auf den Broadway und dann ist es nur noch geradeaus zum Hotel. Dort in der Ladezone lässt sich bequem halten und ich kann mein Gepäck völlig problemlos und schnell abgeben, so dass ich mich bis zum Check-in dort nicht mehr darum kümmern muss. Nach ein paar Minuten bin ich wieder unterwegs und sehe, dass ich gut im Zeitplan liege. Das bedeutet, ich kann ohne Stress noch hinauf nach Twin Peaks fahren, bevor ich zum Flughafen sollte. Und kurz danach, gerade vorbei an der berühmten Pyramide des Transamerica Buildings, stehe ich im Stau mitten in der Downtown.

San Francisco Downtown Congestion
San Francisco Downtown Congestion

Das ist der lästigste Stau seit dem ersten Tag auf dem Weg nach Napa. Allerdings bin ich nach ein paar Blocks durch und dann fahre ich die Market St. entlang. Die macht den Eindruck, als dürfte man da gar nicht fahren, was aber gar nicht wirklich so ist. Ich fahre sie ganz durch, an der Castro St., dem homosexuellen Nabel der Welt vorbei, bis sie schon lange Portola Dr. heisst und die Abzweigung hinauf nach Twin Peaks abgeht. Die nehme ich selbstverständlich. Dort oben ist heute nicht besonders viel los und ich kriege leicht einen Parkplatz. Zum Glück ist die Sicht inzwischen etwas besser, es ist zwar noch etwas milchig-dunstig, doch man kann wenigstens über die ganze Stadt sehen. Die Fotos sind dadurch zwar ein wenig blass, aber gibt es immerhin etwas darauf zu erkennen. In Richtung Pazifik ist es jedoch noch trüber als in Richtung der San Francisco Bay, was hier eine normale Sommerwetterlage ist.

San Francisco: Twin Peaks Panorama
San Francisco: Twin Peaks Panorama

Nachdem ich die Aussicht von Twin Peaks ausreichend genossen habe, fahre ich wieder hinunter auf den Portola Dr. und bei der ersten Tankstelle tanke ich voll für die Rückgabe des Mietwagens. Auf der Pazifikseite des Hügels fahre ich auf den Freeway, biege auf die I-280 ab, um in Richtung Flughafen zu kommen, und bald bin ich ein letztes Mal auf der US-101 nach Süden in Richtung Flughafen. Nach einem Stück frage ich mich, ob ich nicht schon vorbei bin, und fahre kurz ab vom Freeway, um mir die Karte im Navi in Ruhe anzusehen. Dabei merke ich, dass ich bei der Ankunft den I-380 hinüber auf die Pazifikseite gefahren bin, diesmal aber die I-280 genommen habe, um auf die Bayseite zu kommen. Damit klärt sich, warum ich erst noch ein paar Meilen nach Süden zum Flughafen fahren muss. Dort ist die Beschilderung unmissverständlich und ich stelle das Auto schnell im Parkhaus auf der Rückgabespur ab. Ich habe noch deutlich über eine halbe Stunde Toleranz, mein Zeitplan hat also hervorragend funktioniert. Ich finde es sogar schon ein wenig lästig, dass ich zehn Minuten warten muss, bis ein Mitarbeiter mein Auto registriert und mir meinen Beleg aushändigt.

Mit der Flughafen-Hochbahn geht es zum Terminal an die Endhaltestelle der BART-Linie, wo ich erst einmal etwas brauche, um die Fahrkartenautomaten zu verstehen: Man sucht sich anhand einer Tabelle seinen Fahrpreis heraus, dann steckt man Scheine und Münzen für diesen oder einen höheren Betrag hinein. Als nächstes stellt man ein, wie viel Wechselgeld man bekommen möchte, indem man in kleinen Schritten solange einen Betrag abzieht, der kleinste sind 5 Cent, bis der Preis erreicht ist. Wenn man damit zufrieden ist und bestätigt, bekommt man Münzen als Wechselgeld und ein Ticket mit Magnetstreifen zum entsprechenden Wert. Das muss man dann an der Eingangs- und an der Ausgangsschranke der Bahn in einen Schlitz stecken. Ich habe schon einfachere Tarifsysteme gesehen. Die BART selbst ist auch auf ihre Weise sehenswert. Im Prinzip ist es die regionale S-Bahn, die teils unterirdisch verläuft und sogar unter der Bay hindurch führt. Sie wurde in den Sechzigern gebaut und in den frühen Siebzigern erstmals in Betrieb genommen. Heute sehen die Züge aus wie aus einem Science Fiction Film aus den Sechzigern, nur etwas heruntergekommen. Aussen erscheinen sie zudem eher schmutzig, was an diesem retro-futuristischen Design recht befremdlich wirkt. Innen sind sie sehr sauber, nur etwas abgegriffen. Sie hören sich auch nicht gerade futuristisch an. Die Stationen vor allem in der Innenstadt sehen aus wie frühere Vorstellungen von Moderne und sind etwas abgenutzt, aber auch hier ist es sauber und funktioniert hervorragend. Alles in allem ist eine Fahrt mit der BART eine sehr interessante Erfahrung und ich habe grossen Spass dabei. In der Montgomery St. steige ich wieder aus, gehe diese Strasse auch entlang, drehe eine kleine Extra-Runde in der Downtown und fotografiere das Transamerica Building. Das Wetter ist auf dieser Seite der Hügel weiterhin etwas freundlicher als morgens im Dunst.

Chinatown Detail
Chinatown Detail

Von da gehe ich die Columbus Ave. an Chinatown vorbei bis zum Washington Square, einem Platz mit einem kleinen Park mitten in North Beach, dem früheren Italienerviertel. Dann geht es die Columbus wieder zurück und die Grant St. durch Chinatown bis zu dessen Ende. Diese Strasse ist praktisch die Hauptstrasse von Chinatown.

Chinatown Gate
Chinatown Gate

Hier ist auch durchweg bis zum Chinatown Gate der Trubel und das Gewusel, das ich von früher noch kenne und das ich im Chinatown von Portland vermisst habe. Am Gate drehe ich um und gehe zurück in Richtung meines Hotels, wobei ich nach einem Stück auf eine Parallelstrasse wechsle. Diese laufe ich entlang bis zur Columbus und letztere dann zum Hotel. Inzwischen bin ich etwas ausgepowert und deswegen bin ich froh, jetzt einzuchecken. Dabei kann ich praktischerweise gleich das Airport-Shuttle für meine Abreise bestellen. Es ist schon lange nach vier, als ich dann auf meinem sehr schönen Zimmer bin. Ich richte mich dort ein, dann ruhe mich ein wenig aus.

Es ist schon deutlich nach sechs, als wieder losgehe zum Dinner. Ich möchte es in der Stinking Rose versuchen, einem Knoblauch-Restaurant, das ich bereits seit Anfang der Neunziger kenne. Das ist immer noch beliebt wie früher, aber ich bin früh genug dran, um sofort einen Tisch zu bekommen. Ich gönne mir Miesmuscheln als Vorspeise und danach Linguine mit Prawns und Bacon, also mit Krabben und Schinken. Es ist wirklich besonders lecker, aber etwas teurer, so wie das hier schon immer war. Ich möchte mit meinem Nostalgie-Trip weitermachen und ins Vesuvio, aber da ist es schon ziemlich voll. Also gehe ich nach einer kurzen Suche in eine andere Bar auf dem Broadway. Dort habe ich auch später dann einfach genug für heute und ich gehe zurück ins Hotel.

North Beach Dusk
North Beach Dusk

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