San Francisco (III), Chicago, München

Travelblog für 24.07.2015

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Ich habe zwar schlecht geschlafen, aber der Grund ist nicht, dass ich früh raus muss oder Aufregung vor dem Rückflug. Vielmehr haben im Zimmer über mir hyperaktive Kinder bis nach Mitternacht herumgetrampelt. Dafür bin ich früh wach und stehe um 5 nach 6 auf, was bedeutet, dass ich mir für die Morgentoilette und das endgültige Packen meines Koffers grosszügig Zeit lassen kann. Eine Stunde später bin ich entspannt damit fertig geworden und gehe hinunter zum Frühstücksbuffet. Da ist schon eine ganze französische Reisegruppe und lärmt, also nehme ich mir ein kleines Frühstück mit auf mein Zimmer. Eine Viertelstunde später verlasse ich das Zimmer endgültig für den Checkout und muss dort noch nicht einmal warten. Das bedeutet aber, dass ich ich zwanzig Minuten in der Lobby auf das Airport-Shuttle warten muss. Ich bin ein wenig ungeduldig, weil beim Online-Checkin die Flugzeit eine Viertelstunde früher ausgewiesen wurde als ich bei der Shuttlebestellung kalkuliert hatte. Das Shuttle ist aber absolut pünktlich und funktioniert so zuverlässig, wie ich es von früher her schon kenne: Der Fahrer holt zwar noch drei weitere Pärchen von verschiedenen Hotels ab, aber er schafft das so reibungslos, dass er mich wie versprochen um 8:30 Uhr am Terminal rauslässt.

Der halbautomatische Checkin bzw. Baggage Drop-off ist ein wenig komisch, da die Kioske für mich eine ungewöhliche Bedienung haben und ein Mitarbeiter immer noch den Koffer entgegennimmt sowie einen kurzen Blick auf meinen Pass wirft. Dennoch klappt das völlig problemlos. Da ist die Sicherheitskontrolle schon aufwändiger, wie immer in den USA. Natürlich muss man auch hier die Schuhe ausziehen, aber insgesamt funktioniert es trotz der Schlangen schnell und professionell. Hier komme ich auch ohne den Abstecher in den Nacktscanner durch und bin um 5 vor 9 an meinem Gate. Meine Befürchtungen wegen der vorverlegten Zeiten auf dem Boarding Pass waren also unberechtigt. Ich muss noch ein wenig auf das Einsteigen warten, aber als es soweit ist, klappt auch das gut. Lediglich danach wird mir die Wartezeit bis zum Start lang. Der Start selbst ist wie aus dem Bilderbuch.

Ich habe dabei einen Fensterplatz und damit einen herrlichen Blick auf San Francisco Downtown mit der Golden Gate und der Bay Bridge. Die gute Aussicht bleibt mir erst einmal erhalten bei diesem Flug nach Chicago über die Berge und die Prärie. Alle Wasserreservoirs, die ich am Anfang sehe, haben die verräterischen hellen Ränder, die zeigen, dass sie recht leer sind. Diese Ränder sind teils recht auffällig. Ich meine, den Lake Tahoe auszumachen und es bleibt klar bis weit in die trockene Zone östlich der Sierra Nevada mit tollen Aussichten, aber vor den Rocky Mountains ziehen dann doch Wolken auf, die den Blick auf den Boden verhindern. Danach über dem Mittelwesten und der Prärie reisst es wieder etwas auf, aber es bleibt ein wenig wolkig. Die Aussicht ist hier ohnehin langweiliger, aber gegen Ende des Fluges meine ich noch, den Mississippi auszumachen. Zwischen den tollen Aussichten lese ich auf diesem Flug „Mortality“ von Christopher Hitchens komplett. Das ist ein sehr bewegendes Buch und besonders rührt mich das Nachwort seiner Frau.

Bei der Landung in Chicago wird wieder einmal eine sehr enge Kurve sehr tief recht kurz vor dem Touchdown und in schnellem Sinkflug geflogen, was ich ja auch schon früher hatte. Anscheinend ist das normal für Chicago O‘Hare. Dabei habe ich auch kaum eine interessante Aussicht, nur kurz huschen die Downtown von Chicago und der Lake Michigan an meinem Fenster vorbei. Nach einer wieder einmal langen Taxidauer komme ich schnell raus und bin auch fix bei meinem neuen Abfluggate am nächsten Terminal, wo ich dann noch über eine Stunde Zeit habe, da der Flug aus San Francisco sogar zu früh dran war. In Chicago haben wir jetzt fünf Uhr nachmittags - in San Francisco wäre es jetzt erst zwei, in München wäre es gerade elf Uhr abends. Auch hier treffen meine Befürchtungen wegen der laut Plan kurzen Umsteigezeit von unter zwei Stunden nicht ein. Ich hole mir sogar noch ein paar Chips, mein letzter Einkauf in USA.

Das Einsteigen ist zäh wie immer in USA und der Abflug verzögert sich wegen mechanischer Probleme ein wenig. Man hört bei der Ansage aus dem Cockpit einen Alarm im Hintergrund. Den hört man immer noch bei ein weiteren Ansage eine Viertelstunde nach dem Start. Immerhin sehe ich beim Start von meinem neuen Fensterplatz die Downtown von Chicago recht gut. Ein Stück, nachdem wir den Lake Michigan überquert haben, gibt es eine Zeitlang Wolken und danach bleibt es auch recht dunstig. Der Blick nach unten ist dann eher milchig vernebelt. Nach einiger Zeit geht die Sonne langsam unter und es wird dunkel. Einige Zeit sieht es so aus, als würden wir direkt über Albany im Staat New York fliegen, aber dann passieren wir weiter südlich etwas nördlich von Poughkeepsie. Da ist es Ortszeit Viertel nach acht und schon ziemlich dämmrig. Als wir später über Cape Cod auf den Atlantik hinaus fliegen, ist es praktisch dunkel. Das ist dann auch Zeit, nach dem Dessert des Dinners für so viereinhalb Stunden Nacht und Schlaf zu simulieren.

Als ich dann gegen sieben Uhr morgens Münchener Zeit wieder aktiv werde, nähern wir uns gerade Irland, das wir südlich passieren werden und es wird gerade langsam hell draussen. Das europäische Festland erreichen wir an der äussersten Spitze Frankreichs und da fliegen wir die Küste entlang bis wir südlich von Cherbourg und Jersey landeinwärts kommen. Wir passieren Paris und fliegen in einer Linie Richtung München. Nach der Küste, die frei zu sehen ist, liegt Frankreich danach unter Wolken, aber über Deutschland reisst es etwas auf und ich kann den Südwesten von oben betrachten. Die Landung erfolgt dann nach einer grossen Schleife Richtung Osten pünktlich um 9:35 Uhr Münchener Zeit.

Nach kurzem Taxi geht auch das Aussteigen schnell, aber an der Passkontrolle warte ich lange. Mir schien die Schlange ganz rechts die kürzeste zu sein, aber hier befindet sich auch die Reihe für das Flugpersonal, so dass der Beamte hier doppelt so viele Personen abfertigen muss als die anderen. Also bin ich in der langsamsten Schlange gelandet, aber danach muss ich wenigstens nicht mehr lange auf mein Gepäck warten. Ich gehe durch den Zoll aus dem Sicherheitsbereich und zur S-Bahn hinunter. Dort ist die Organisation wegen einer Baustelle anders, aber auch die S8 fährt normal, nur geht die nächste vom anderen Gleis als gewohnt. Nach der S-Bahnfahrt schiebe meinen Koffer noch die Strecke bis nach Hause und gegen halb zwölf stehe ich vor meiner Haustür. Damit ist die Reise endgültig vorbei und ich darf mich nun erst einmal mit meinem Jetlag herumschlagen.


Fazit

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