Eine überraschende Bierreiset

Travelblog - Fazit

Zum letzten Tag


Der Roadtrip wurde etwas überraschend zu einer Bierreise. Am zweiten Tag stand ich in Red Bluff in einem Bio-Supermarkt und vor mir war ein Kühlregal mit einer netten Auswahl an sogenannten Craft-Bieren. Die standen in einzelnen Flaschen mit einem (Imperial) Pint (gut 0,5l) oder einer ähnlichen Menge da. Das kam mir viel mehr entgegen als die im Massenmarkt üblichen Sixpacks mit sechs kleineren Flaschen mit gut einem Drittel Liter. Da habe ich spontan eines mitgenommen, in der Hoffnung, es auch kühl trinken zu können. Die Sorge darum war völlig unbegründet, denn in den Motels gab es auf dem Zimmer immer entweder einen Kühlschrank oder wenigstens einen kleinen Eiskübel und eine Eismaschine draussen. Auch an diesem Abend war ein Kühlschrank da. Das habe ich dann an den meisten Abenden wiederholt.

Kölsch Style Craft Beer
Kölsch Style Craft Beer

Von früheren Roadtrips war mir vertraut, dass es lokal einige Microbreweries gibt, deren Biere gab es damals jedoch eigentlich nur in deren eigenem Brewpub. Eine richtige Distribution ist mir früher und in anderen Staaten nicht begegnet. Allerdings wusste ich, dass vor allem Oregon eine echte Hochburg der kleinen Brauereien ist. Washington und Kalifornien brauchen sich diesbezüglich aber auch nicht zu verstecken. Vermutlich wegen dieser Braukultur und des inzwischen vielseitigen Angebots ist auch diese für mich neue Distribution entstanden. Solche Kühlregale fand ich in fast jedem Supermarkt in Oregon und Washington. Nur in Kalifornien hatten bloss die besseren Supermärkte so ein Angebot, auch die Corner Stores hatten nicht immer eine gute Auswahl.

Supermarket Beer Shelf
Supermarket Beer Shelf

Die verfügbaren Biere variieren dabei deutlich, es gibt ein paar Brauereien, die häufig überregional verfügbar sind, aber auch regionale Biere sind oft im Angebot. Bei den Sorten tauchen am häufigsten IPAs auf und insgesamt dominieren starke Biere mit viel Alkohol. Das ist angesichts der Biere des amerikanischen Massenmarktes verständlich, trifft aber leider meinen Geschmack nicht immer. Allerdings gibt es neben den IPAs, Porters und Stouts auch leichtere Sorten, Red Ales, Wheat Beers (ja, Weissbiere!), Lager Beers, sogar Belgian, Pilsner und Kölsch (!) Style Beers. Im Brewpub der Widmer Brewery in Portland habe ich sogar ein ziemlich gutes Alt und ein weiteres Dunkles bekommen, das so direkt aus Bayern hätte kommen können. Die meisten Biere nach einem europäischen Vorbild sind zwar sehr lecker, weichen aber ein bisschen ab und sind ein wenig amerikanisiert, mit einem weniger cremigen Schaum und manchmal einer leicht säuerlichen Note. Insgesamt kann ich nur sagen, dass die Craft-Biere, die ich getrunken habe, auf dieser Reise immerhin um die 30 verschiedene, durchweg wirklich gute Biere waren. Ich habe mich auf breiter Front durchprobiert. Es sind (bewusst) nicht immer Sorten gewesen, die ich bevorzuge, und so manches hatte einen recht hohen Alkoholgehalt, aber sie hatten in ihrer Kategorie immer eine hohe Qualität.

Imperial IPA Style Craft Beer
Imperial IPA Style Craft Beer

Mittlerweile haben auch Bars und Restaurants in diesem Teil der USA oft eine teils beeindruckende Auswahl an Craft-Bieren, manchmal sogar eine ganze Reihe davon vom Fass. Verschiedene Male konnte ich das auch ausnutzen, da ich wiederholt versucht habe, Zimmer zu finden, von denen Restaurants und Brewpubs zu Fuss erreichbar sind. Neben Portland, wo ich eine Tramverbindung hatte, klappte das unter anderem in Bend (Oregon), Port Angeles (Washington) und Fort Bragg (Kalifornien).

Beer Menu: Craft Beer on Draft
Beer Menu: Craft Beer on Draft

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass zumindest für den Nordwesten der USA und ganz besonders für Oregon das alte Vorurteil über amerikanisches Bier nicht im geringsten mehr haltbar ist. Es gibt dort freilich auch die Brause für den Massenmarkt, wer sich das dort aber antut, ist eindeutig selbst schuld. Es ist heute besonders in Oregon leicht, sehr gutes und leckeres Bier zu trinken. Prost.


Zur Übersicht