Läuft - läuft nicht: Am Jaufenpass

Travelblog für 14.07.2018

Zum vorigen Tag


Heute steht Wandern am Jaufenpass auf dem Programm. Aber ich habe Halsweh. Schon gestern lief mir immer wieder die Nase und das war wohl auch in der Nacht so, denn das reizt den Hals bei mir. Ich mache mich freilich nach dem Frühstück trotzdem auf den Weg, halte unterwegs bei einem Supermarkt an, um mich für das vorletzte WM-Spiel am Abend zu versorgen. Da kaufe ich auch Zahnpflegekaugummi als beste Option gegen den gereizten Hals. Der ist tatsächlich ganz gut und um Viertel vor zehn laufe ich kurz unterhalb der Passhöhe auf der Nordseite los. Es geht etwa eine Stunde recht eben knapp unterhalb des Bergrückens dahin, danach geht es auf dem Rücken weiter und steigt erkennbar an. Beim Steigen merke ich, dass dieser Schnupfen auch meinen Kreislauf belastet, denn es belastet mich weit mehr als ich erwarten würde. Nach eineinhalb Stunden und gut hundert Höhenmeter unter dem Gipfel des Fleckner beschliesse ich daher abzubrechen, umzukehren und zur Flecknerhütte abzusteigen. Kurz vor der Hütte bekomme ich auch ein paar Regentropfen ab, nachdem es schon vorher deutlich zugezogen hatte. Das bleiben aber die einzigen Tropfen, worüber ich recht froh bin, denn ich hatte meine Regenjacke im Auto gelassen.

Jaufenpass: Panorama Alpenhauptkamm (Norden)
Jaufenpass: Panorama Alpenhauptkamm (Norden)

Nach insgesamt zwei Stunden Wandern komme ich in der Flecknerhütte an. Sie hat geöffnet, aber es ist wenig Betrieb. Zuerst muss ich feststellen, dass ich keine Brille außer meiner Sonnenbrille eingepackt habe, ich Schussel! Fern- und Nah-Brille liegen wohl einträchtig im Auto. Ich bestelle erst einmal ein alkoholfreies Weissbier und dann noch das Kitzbratl vom hauseigenen Kitz. Mein Essen ist also vor nicht allzulanger Zeit auf den Wiesen um die Hütte herumgesprungen. Heute schmeckt es hervorragend mit Reis und Gemüse. Es ist eine ordentliche Portion, aber auch mit vielen Knochen und Fettstreifen, schliesslich war es ein kleines Tier. Trotzdem eine Spitzenmahlzeit auf einer Hütte, aber auch das einzige Hauptgericht auf der Karte. So gestärkt geht es um halb eins weiter und bei dem nun eigentlich leichten Rückweg zum Auto spüre ich, dass der Schnupfen mich beeinträchtigt. Es läuft nicht rund, aber es ist kein Problem, ich bin nur angestrengter als das ein weitgehend ebener Rückweg verursachen dürfte.

Am Auto leere ich erst einmal die Taschen von den unterwegs vollgeschneuzten Papiertaschentüchern und rüste ganz entspannt und langsam ab, so dass ich mich ganz gut fühle, als ich losfahre. Es geht wieder die Südseite des Jaufenpasses hinunter und dann nach Moos am Ende des Passeiertals unterhalb des Anstiegs zum Timmelsjoch. Dort finde ich sofort das Bunker Mooseum, ein kleines Museum in einem nie fertiggestellten Weltkriegsbunker, das einen recht umfassenden Anspruch hat: Von der Eiszeit über prähistorische Funde, die Geschichte der Region bis zum Faschismus und dem Bunkerbau, der wie gesagt nie fertiggestellt wurde. Neben der Darstellung auch des Widerstands sind in einer engen Beton-Wendeltreppenröhre Reden des Duce und des Führers zur Einschüchterung zu hören. Nach drei Vierteln der Wendeltreppe kann man die schon fertigen Maschinengewehrstände und Wachräume besichtigen. Ganz oben kommt man heraus in ein Freigehege einer Steinbockfamilie.

Bunker Mooseum: Steinbock
Bunker Mooseum: Steinbock

Einer stand auf dem Geländer einer Aussichtplattform und der Boss mit eindrucksvollem Geweih hatte es sich auf der Treppe Richtung Ausgang bequem gemacht. Zum Glück habe ich am Eingang den Tipp bekommen mit der dort bereitgestellten orangen Jacke zu wedeln, das mag er nicht. Wenn dabei der Reissverschluss auf die Metallgeländer trifft, mag er das offensichtlich ganz besonders nicht. Nach zwei Minuten Wedeln hatte ich mich an ihm vorbei gewedelt. Am Ende ist dann noch ein kleiner Abschnitt im Bunker zum Bergbau in der Nähe am Schneeberg. Das ist wirklich ein pfiffiges kleines Museum, auch wenn die herausragendsten Elemente das Steinbock-Freigehege und zwei prähistorische Beile sind.

Bunker Mooseum: antike Beile
Bunker Mooseum: antike Beile

Ich fahre um Viertel nach drei wieder zurück nach Meran, was völlig ereignislos verläuft und bin kurz vor vier am Hotel. Da bringe ich erst einmal meine Einkäufe weg und gehe dann eine kleine Runde schwimmen, weniger als gestern. Das Wasser kommt mir kälter vor, das Thermometer sagt aber etwas anderes, und das Schwimmen strengt mich mehr an. Ich bin wohl wirklich nicht ganz auf dem Damm. Nach einer Weile auf der Liege gehe ich aufs Zimmer und bin froh, dass ich dort bin. Ein bisschen Arbeit am PC, ein bisschen hinlegen, Travelblog schreiben und dann freu ich ich mich auf das Spiel England gegen Belgien - um den dritten Platz. Nur finde ich um fünf vor acht heraus, dass es bereits um vier Uhr war. Das passt zu diesem Tag, genauso wie die Tatsache, dass ich jetzt am Abend einen Schupfen in voller Blüte habe.


Zum nächsten Tag

Zur Übersicht