Nicht das Letzte: Ultental (Val d'Ultimo)

Travelblog für 18.07.2018

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Ich fahre heute erst um kurz nach neun los, denn es gibt einen Fixpunkt in der Tagesplanung: Der Speckverkauf beim Pöder öffnet erst um 14:00 Uhr. Mein Wanderplan ist vorsichtshalber immer noch bescheiden gehalten, auch wenn mir der Schnupfen so ziemlich durchgestanden scheint. Kein Wunder, wenn ich bedenke, dass ich morgen heimfahre. Aber es ist immerhin auch weit bis hinauf ans Ende des Ultentals und dank ausreichend Verkehr zieht sich das auch hin. Nach St. Pankratz bauen sie auch noch die Tunnel der Straße aus, was die Schilder mit der Sperrung zwischen null und vier Uhr erklärt. An der einen Stelle bohren sie einen neuen Tunnel statt dem alten, während der Verkehr weiter durch den alten läuft. Der ist dank der Baustelle nur etwas staubig. Danach kommt die coolste Straßenbaustelle, die ich je gesehen habe: Der Verkehr wird wechselseitig von einer Ampel oder von Flagmen hindurch geleitet. Im zweiten Tunnel erweitern sie den alten im laufenden Betrieb. Der Verkehr fließt wärenddessen einspurig durch den Tunnel, zuerst durch den geweiteten neuen Teil, während sie da bauen, dann unter einem stabilen Gerüst durch, wo sie gerade die Bohrung erweitern, und nach dem Gerüst durch den alten, engen Teil. Hinter dem Tunnel wartet der Gegenverkehr, dass er drankommt. Danach geht es gemütlich, aber auch sehr entspannt das Tal hinauf. Erst hinter St. Gertrud, dem letzten Dorf, wird die Straße eng und etwas herausfordernder, aber da ich immer Fahrzeuge vor mir habe, bleibt das sehr gesittet. Lediglich auf halber Strecke müssen wir an einer roten Ampel warten, die nur für den Linienbus auf der Strecke geschaltet wird. Da kommt dann ein etwas größerer Sprinter als Bus herunter und weiter geht's. Als ich oben am Parkplatz am Weissenbrunn(stau)see bin, habe ich fast eineinhalb Stunden gebraucht für weniger als 45 Kilometer.

Ultental: Hütte am Wanderweg
Ultental: Hütte am Wanderweg

Ich wandere los und etwa die erste Hälfte der Strecke deckt sich mit einer Wanderung, die ich vor sieben Jahren schon einmal mit einer Freundin gemacht habe, ähnlich wie bei der Waalwanderung. Hier oben in den Lärchenwäldern mit wunderschönen Wildbächen ist es aber so schön, dass ich auch diesmal wieder ein paar Fotos machen will. Ich wandere also zum Fischersee, einem kleinen Stausee, einer von sechs im Ultental und der zweithöchste, vermutlich der kleinste. Dort mache ich ausgiebig Pause und fotographiere etwas.

Ultental: Fischersee
Ultental: Fischersee

Als ich weitergehe ist mein Ziel der Fiechtsee und hier beginnt die Route, die ich noch nicht kenne. In leichtem Auf und Ab geht es im Wesentlichen einen Hang entlang, der mal mehr, mal weniger steil ist, aber immer eine schöne Umgebung bietet. Häufig gibt es auch wunderbare Blicke über das Tal.

Ultental: Wanderweg
Ultental: Wanderweg

Gegen Ende sehe ich unter mir die Fiechtalm, der See ist aber hinter einer Geländekante, die ich noch erklimmen muss. Dahinter ist er aber in einer weiten, ebenen Senke, ein kleiner See inmitten einer grünen Wiese, eingerahmt vom Lärchenwald, wo der Kessel wieder sachte ansteigt. Vereinzelt weiden ein paar sehr glückliche Kühe auf der Wiese. Zudem ist auch der Ausblick herrlich. Das muss freilich in einigen Bildern festgehalten werden.

Ultental: Panorama am Fiechtsee
Ultental: Panorama am Fiechtsee

Danach steige ich hinab zur Fiechtalm und kehre ein. Ich habe eigentlich keinen Hunger, aber die Fritattensuppe macht mich an, so dass ich eine kleine Portion zum alkoholfreien Weissbier bestelle. Eine sehr nette Einkehr, auch wenn ich in der Sonne sitzen muss. Das stört mit Mütze, Sonnenbrille und einer leichten Brise nicht. Gegen eins, als sich eben weitere Leute an meinen Tisch setzen, verabschiede ich mich auch schon wieder. Mein Weg führt jetzt schon zurück zum Parkplatz, denn wenn ich nicht zu früh beim Pöder sein will, so will ich da schon auch beizeiten dort sein.

Ultental: Kälbchen bei der Fiechtalm
Ultental: Kälbchen bei der Fiechtalm

Der Abstieg zu See ist auch eine sehr schöne Strecke und ich gehe am Auto vorbei noch kurz zum Seeufer hinunter. Zugegebenermassen eine sehr kurzer Strandbesuch. Um zwanzig vor zwei fahre ich los, das Tal hinunter. Das schmale Stück der Strasse, wieder eine echte Bergstrasse, komme ich unbeeinträchtigt hinunter, lediglich ein paar Mal habe ich Gegenverkehr, der aber immer professionell damit umgeht. Ab St. Gertrud halten mich nur noch deutsche Sonntagsfahrer auf - und eine kleine Wartezeit an der coolen Tunnelbaustelle. Unterhalb von St. Pankratz halte ich Ausschau nach dem Hinweisschild zum Pöder, das ich beim Heraufweg gesehen habe.

Das Schild ist da, wo ich es erwarte, und ich biege ab auf eine enge, steile, kaum einspurige Strasse. Nach hundert Metern geht sie nur noch als Feldweg weiter und ich fahre tapfer weiter hinauf, wenigstens ist es meistens nicht mehr so steil. Das ändert sich bald wieder, aber hier wird sie immerhin eingermaßen befestigt, allerdings mehr schlecht als recht. Nach insgesamt einem halben Kilometer seit der Abzweigung stehe ich plötzlich in einem dreieckigen kleinen Hof, auf einer schrägen betonierten Ebene. Zwei Seiten sind Gebäude, der dritte ein kleiner Abgrund, eigentlich nur ein hoher Absatz, aber genug, dass man nicht über die Kante kommen sollte. Ich stelle mein kleines Auto so hin, dass es so wenig wie möglich stört, und folge dem Schild zum Speckverkauf. Ich bin also richtig. Als ich gerade den Türgriff anfassen will, kommt der Bauer selbst aus dem Stall und ich erkläre ihm mein Anliegen. Er greift zum Handy, ruft seine Schwiegertochter an und schickt mich ums Haus zum Kellereingang, wo ich auf sie warten soll. Nach ein paar Minuten kommt sie und lässt mich ein in die Schatzkammer. Hier in diesem schon allein recht coolen Kellergewölbe reifen die ganzen Speckstücke, die sie aus eigenen Schweinen machen - anders als praktisch aller sonstiger Südtiroler Speck. Es ist ein Speckhimmel und sie führt mich herum, hier der Schinken, dort der Bauchspeck, die Rückenteile, die Coppa und so fort, dabei sind auch ein paar Sorten Würste. Wir reden die ganze Zeit und sie erzählt mir, dass sie fünf Schweine im Monat, nicht mehr und nicht weniger verarbeiten. Ich erfahre auch, dass es wohl nur drei Bauern gibt, die das so machen, sie selbst, ein jüngerer, der aber nur wenige Schweine hat, und einer im Sarntal, der sich als Bio-Bauer zertifizieren lässt und deswegen doppelt so teuer ist. Ich versichere ihr, dass ich vollstes Vertrauen in ihre Arbeitsweise habe. Eine Wurstsorte hat mich neugierig gemacht, da sie neben dem Edelschimmel auch Salzkristalle ausbildet. Es ist eine Hirschsalami, was ich ja sowieso liebe. Am Ende nehme ich über zwei Pfund Schinkenspeck, eineinhalb Pfund Coppa und eine Hirschsalami für einen sehr fairen Preis. Bei beiden Specksorten hat sie mich von genau dem Teil probieren lassen, dass ich dann gekauft habe! Sie packt es mir vakuumverschweisst in handlichen Stücken ein und hat einen sehr zufriedenen Kunden mehr. Und ich ihre Visitenkarte, denn sie verschicken ihre Schätze auch...

Ich fahre sehr vorsichtig wieder zurück hinunter auf die Hauptstrasse, recht glücklich und entspannt wieder hinunter nach Lana, wo ich im Supermarkt ein letztes Mal ein paar Getränke kaufe. Dann geht es aber direkt zurück zum Hotel, wo ich den Speck gleich in den Kühlschrank im Zimmer packe. Der ist dann voll. Ich bin zwar vor vier zurück, aber damit ist Zeit, schon mal alles einzupacken, was ich nicht mehr brauche, und am Travelblog zu schreiben, bevor es unter die Dusche geht. Danach ist es mit halb sieben auch schon Zeit, gemütlich loszugehen zum Essen. Schon das erste der beiden Lokale, die ich gestern ausgemacht habe, gefällt mir, also gehe ich rein und bekomme gleich einen kleinen Tisch im Hinterhof am Ausgang hinter der Pergola, der eben frei wird. Es geht prima los, ich bekomme mein Weizen und darf bestellen. Dann passiert lange nichts, bis der erste Kellner, nicht der, der die Bestellung aufgenommen hat, sich wundert, dass ich nichts zu essen bekomme und nachfragt. Er bleibt hartnäckig und sagt mir fünf Minuten später, dass meine erste Bestellung nicht weitergegeben wurde, jetzt aber alles gut wird. Ich darf also weiter warten. Als meine Spinatknödel in Pfifferlingrahmsoße dann kommen, sind sie auch wirklich wunderbar. Danach stockt es aber wieder ein bisschen, die Karte für die Auswahl eines Grappa kommt nach dem Abräumen noch schnell, aber dann bin ich hinter der Pergola wieder aus dem Blickfeld. Als ich schon darüber nachdenke, einfach zu gehen und nur Geld hinzulegen, kommt der Ober wieder und lässt mich bestellen - oder eigentlich nicht. Er will die Auswahl des Grappa übernehmen und, als er dann kommt, ist es ein doppelter für den halben Preis, nach dem was ich auf der Rechnung sehe. Eine kleine Wiedergutmachung für die wirklich lange Wartezeit. Dabei hatte eigentlich er das Problem, denn am Nebentisch war schon der dritte Satz Gäste beim Essen als ich aufgegessen hatte. Dieses letzte Abendessen hier in Meran war wirklich kein Desaster, aber es hatte seine Längen. Erst nach halb neun bin ich zurück im Hotel, was mir aber immer noch gut Zeit lässt, das Travelblog für den Tag fertig zu schreiben.


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