Eine traumhafte Gelegenheit: keine Notlösung

Zum letzten Tag


Diese Reise hat ihr Ziel zuerst deswegen gefunden, weil es die Beschränkung auf nur eine Woche Dauer gab. Die Auswahl von Südtirol war also ein wenig aus der Not geboren, da man hier von München aus eben auch bereits eine Woche schön nutzen kann. Allerdings muss ich auch klarstellen, dass es von Anfang an feststand, dass es deswegen keine Notlösung ist, sondern nur ein sehr attraktives Ziel, das sich mir bei dieser Rahmenbedingung besonders angeboten hat. Genau das hat sich auch komplett bestätigt. Und dazu möchte ich abschliessend ein paar Bemerkungen machen.

Reisen

Südtirol ist leicht zu bereisen. Diesmal bin ich mit einem Mietwagen gereist, was einem natürlich große Flexibilität gibt. Daneben gibt es aber auch ein dichtes Busnetz, Haltestellen findet man gefühlt fast bis ans Ende jeder Strasse. Ich habe es dieses Mal nicht genutzt, aber dies ermöglicht mehr Optionen beispielsweise bei der Planung von Wanderungen.

Die Region ist fast schon maximal auf Tourismus eingestellt, was einem gute Infrastruktur und überall hilfreiche Informationen zur Verfügung stellt. Daneben sind die Menschen freundlich und aufgeschlossen, was das Reisen ebenfalls erleichtert.

Dem standen leider diesmal ein paar Erlebnisse mit dreisten, fast schon offensiven Bettlern gegenüber, die sich wohl auch auf Touristen spezialisiert haben. Hier muss man sich ein gesundes Misstrauen bewahrt haben trotz des vielleicht größeren Mitgefühls im Urlaub.

Ziele

Reiseziele gibt es fast schon unzählige in Südtirol, es sollte praktisch für jeden Geschack etwas zu finden sein. Natürlich ist Wandern eine Top-Aktivität, wenn es nicht gerade tiefster Winter ist. Es finden sich zahlreiche Vorschläge in Reise-/Wanderführern oder auf entsprechenden Websites. Man erreicht die Ausgangspunkte mit dem Auto oder dem Bus, kann sich lange Aufstiege oft mit Seilbahnen ersparen und hat die gesamte Bandbreite von Spaziergängen im Tal bis zu hochalpinen Wanderungen zur Auswahl. Dabei lassen sich auch alle Strecken von ein bis drei Stunden bis zu langen Tages- und Mehrtageswanderungen planen. So manche Wanderung hatte ich zumindest in Betracht gezogen und bin dann doch nicht dazugekommen, etwa in der Bletterbachschlucht oder am Trudner Horn. Auch das Nonstal bleibt dabei für mich noch zu entdecken. Den militärhistorischen Wanderweg oben am Stilfser Joch habe ich wegen der Erkältung aus dem Programm genommen.

Letzterer Wanderweg ist für mich auch eines von so manchen wirklich besonderen Zielen, die ich auch nicht alle besuchen konnte in der Kürze der Zeit. Zu solchen Zielen zählen auch die Eislöcher bei Eppan, die Erdpyramiden nahe Bozen, der Archeoparc bei Meran und der Geoparc der Bletterbachschlucht, die eben schon erwähnt wurde. Oftmals sind diese nur mit einem kleinen Spaziergang oder ein wenig Wandern erreichbar. Es gibt da bestimmt noch mehr zu entdecken. Zu den besonderen Zielen zählt sicher auch Schloss Trautmannsdorff, das ein Tourismusmuseum mit dem Sissi-Schloss und dem schönsten botanischen Garten, den ich kenne, vereint.

Damit sind wir beim Thema Kultur und Museen. Es gibt viele kleine, aber interessante Museen, von denen ich einige besuchen konnte. Andere wie das Bergbaumuseum, besonders auch der Standort oben am Schneeberg, fielen der zeitlichen Beschränkung zum Opfer. Falls man bestimmte Museen oder Sehenswürdigkeiten aber unbedingt besuchen möchte, sollte man sich auch vorab sehr genau über die Öffnungszeiten informieren, da diese teils recht begrenzt und unerwartet ausfallen können. Es gibt aber in fast allen Museen ein kleines rotes Heftchen mit praktisch allen Südtiroler Museen und ihren Öffnungszeiten. Natürlich können auch Reiseführer und das Internet weiterhelfen, denn dasselbe gilt für andere Sehenswürdigkeiten wie Kirchen und Schlösser/Burgen etc. Die Kirchen in Bozen, die mir verschlossen blieben, sind gute Beispiele. Mit der entsprechenden Vorbereitung kann man eine ganze Reise mit dem Fokus auf frühen Fresken machen. Leider blieb St. Prokulus für mich geschlossen und für Kloster Marienberg oder Müstair hinter der Schweizer Grenze, immerhin UNESCO-Weltkulturerbe, hatte ich keine Zeit. Auch in Brixen gibt es bedeutende Fresken und ich bin gar nicht vorbeigekommen.

Ein regelrechtes Kontrastprogramm ist der genauso gut mögliche Schwerpunkt einer primär kulinarischen Reise. Freilich ist hier ebenfalls gute Vorbereitung essentiell, aber dann ist Südtirol zweifellos ein hervorragendes Ziel dafür. Neben den aussergewöhnlich guten Restaurants lassen sich weitere Besonderheiten finden, zum Wein ebenso wie zu anderen Köstlichkeiten, als Beispiel seien hier nur der Pöder und sein Speck genannt. So eine Reise bietet sich an für die Verbindung mit reinem Autowandern, wobei letzteres sicher zu Einschränkungen bei der Auswahl der erreichbaren Ziele führt. Es sind aber auch so zweifellos aber tolle Aussichten möglich, beispielsweise von Passhöhen wie dem Jaufenpass, den Timmelsjoch, dem Stilfser Joch, dem Mendelpass und von dort auf dem Penegal usw.

Verpflegung und Shopping

Man muss sich fast schon dumm anstellen, um hier in Südtirol schlecht zu essen. Hier kommt herzhafte Alpenküche mit italienischem Genuss zusammen. Wenn man die Augen offen hat und die Speisekarten liest, dann sollte man etwas nach seinem Geschmack finden. Das Angebot ist in größeren Orten vielseitig und auch die Berghütten haben bei geringerer Auswahl meist ein schönes Angebot. Es ist auch sehr leicht, sich lokale oder italienische Leckereien mit heimzunehmen, wenn man die Transportkapazitäten hat. Ein Besuch in einem größeren Supermarkt oder einem der Feinkostläden reicht hierzu. Daneben gibt es auch ganz besondere Gelegenheiten, wenn man sich vorher gut genug informiert. Ich habe, wie im Text beschrieben, mir einen besonders herausragenden Südtiroler Speck bei einem Bauern im Ultental besorgt, beim Pöder. Ein klare Empfehlung dafür. Gleiches gilt natürlich für Wein und Grappa im Überetsch. Aber auch hier helfen einem die Läden an anderen Orten ähnlich gut weiter. Andere Einkäufe ausser klassichen Souvenirs sind in den größeren Städten gut zu machen, aber auch die Outlet-Mall am Brenner ist nicht zu verachten.

Schon wieder kein Fazit

Südtirol ist immer eine Reise wert. Selbst mit wenig Zeit und weiteren Einschränkungen bieten sich viele Ziele und Möglichkeiten für Aktivitäten sowie Einkäufe an. Dabei sind diesmal wegen der Jahreszeit freilich sämtliche Wintersportmöglichkeiten aussen vor geblieben. Logischerweise ist die ganze Region auch sehr auf Tourismus eingestellt und hat sehr viele Besucher. Aber durch die Vielzahl an Möglichkeiten kann man es wenigstens bei guter Planung hinbekommen, dass man nicht das Gefühl hat, alles sei überlaufen. Gute Planung ist auch vonnöten, wenn man Ziele, besonders Museen, unbedingt besuchen möchte, wegen teils überraschender Öffnungszeiten. Planung ist jedoch immer das A und O, wenn man sich nicht nur treiben lassen will.


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