Bletterbachschlucht

Travelblog für 21.06.2019

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Die Nacht war wie die vorige, zuerst schlecht einschlafen und nur ein leichter Schlaf, und gegen Morgen dann herrlich erholsam. Es liegt also nicht an der Unterkunft, denn das Bett in der Ferienwohnung ist noch bequemer als das im Grand Hotel. Ich nutze nach der Dusche die Gelegenheit, den Bäcker auszuprobieren, da ist schon lang offen, angeblich seit sechs und das Angebot lässt keine Wünsche offen. Ein Teil wird gleich zurück als Frühstück verspeist, der Rest zu einer Brotzeit verarbeitet. Das Hörnchen ist ein Traum zusammen mit der selbstgemachten Aprikosenmarmelade, die ich zur Begrüßung von der Hausherrin bekommen habe. Die Breze begeistert mich nicht so, aber da ich schon seit Jahren keine herausragenden Brezen irgendwo bekommen habe, ist das mehr mein Problem. Ich packe meinen Rucksack und mache mich in aller Ruhe fertig, denn ich will erst Viertel vor neun los. Das Besucherzentrum der Bletterbachschlucht öffnet nach allen Infos erst um halb zehn.

Ich komme also völlig stressfrei wie geplant los und bin dann auch genau pünktlich vor Ort, zwei Minuten zu früh. Zwischenzeitlich hatte ich die Befürchtung, dass es schon so bald recht belebt sein würde, denn ein Reisebus, der sich vor mir die Dolomitenstraße ab Auer hochkämpft, biegt genauso in Richtung Aldein ab wie das Rudel Porsche Cabrios, das er sich unterwegs eingefangen hat und in dem ich mit meinem Seat Ibiza ein rechter Fremdkörper war. Keiner davon biegt dann aber hinter Aldein ab in Richtung Geoparc Bletterbachschlucht, schon wieder UNESCO Welterbe. Die wollen wohl doch eher zum Latemar oder zur Wallfahrtskirche. Es geht noch vier Kilometer auf einer malerischen kleinen Straße durch den Wald hinauf zum Besucherzentrum. Sie haben schon offen als ich den Eintritt bezahlen will. Es ist sonst praktisch niemand da, daher bekomme ich den Weg erklärt und den Leihhelm dazu - der ist im Eintrittspreis mit drin. Es herrscht Helmpflicht im Naturdenkmal.

Bletterbachschlucht: Helmpflicht
Bletterbachschlucht: Helmpflicht

Ich gehe den Weg wie empfohlen, also erst einmal durch den Wald hinab in den unteren Teil der Schlucht. Sobald man nach unten kommt, versteht man die Helmpflicht: Es ist eine teils enge, an manchen Stellen fast klammartige Schlucht, in der man durch das Bachbett aufwärts wandert. Die Wände sind oft sehr hoch und senkrecht, so dass Steinschlag plausibel ist. Da es zu Recht auch für Familien mit Kindern empfohlen ist, ist die Helmpflicht angebracht. Man ist direkt im Bachbett unterwegs, denn für einen befestigten Weg daneben ist kein Platz. Das trägt aber auch zum Abenteuerfeeling bei. Dem sind die an geologisch interessanten Stellen aufgestellten Infotafeln aber ein bisschen abträglich, so hilfreich sie sind.

Bletterbachschlucht: unterer Teil
Bletterbachschlucht: unterer Teil

Es macht sich wieder einmal bezahlt, dass ich gern möglichst früh diese Orte besuche, denn zunächst treffe ich niemanden, im unteren Teil der Schlucht dann aber eine ganze Gruppe, dem Anschein nach Studenten auf Exkursion. Gegen Ende des wirklich außerordentlich beeindruckenden und malerischen unteren Teils der Schlucht, in dem es immer wieder sehr kleine Wasserfälle von der Seite gibt, überhole ich langsam ein Pärchen mit Hund. Wir sind dann auch zusammen am Ende des unteren Teils der Schlucht beim Blick auf den Wasserfall des Bachlaufes in der Schlucht. Sie gehen eher zurück auf der Suche nach dem Jägersteig, der bei etwa zwei Dritteln des Weges aus der Schlucht führt. Ich treffe sie an der Abzweigung wieder, die beim Heraufweg offenbar keiner von uns gesehen hat, beim Rückweg aber kaum zu übersehen ist. Ich gehe den Steig gleich, während sie sich noch unschlüssig sind. Der Steig ist wirklich meistens sehr steil, er geht in kurzer Zeit 150 Höhenmeter im Wald und an einer Felskante hinauf, ist aber perfekt abgesichert. Er ist nur sehr anstrengend. Ich habe zwei Fotos gemacht, die nur etwa zwanzig Minuten, aber eben 150 Höhenmeter auseinander liegen... Oben angekommen geht man noch eine kurze Steigung auf einem wie ein Forstweg ausgebauten Wanderweg zur nächsten Abzweigung in den oberen Teil der Schlucht. Vom Abstieg zweigt auch ein Weg zu einem Aussichtspunkt ab, den ich freilich nehmen muss. Die Aussichten finde ich aber im Vergleich zu vorher wenig spektakulär. Unten im Flussbett kann man abwärts bis zum oberen Ende des Wasserfalles gehen, das natürlich durch eine Absperrung gesichert ist. Es ist schön, diese Perspektiven beide in so kurzer Zeit sehen zu können. Anschließend geht es wieder das Flussbett weglos hinauf bis zum Talende. Diese Strecke ist aber weniger spektakulär als der untere Teil der Schlucht. Meist ist es eben ein Flussbett in einem engen Tal mit meist Waldhängen, teils mit kleineren Felswänden, aber nicht so spektakulär tief in den Porphyr geschnitten wie weiter unten. Das Pärchen, das ich bei der Wasserfallkante getroffen und dann bald hinter mir gelassen habe, scheint daher auch nicht willens, bis ins Talende zu gehen. Sie biegen vermutlich ab, als der Fernwanderweg E5 die Schlucht kreuzt, was auch der Rückweg zum Besucherzentrum ist - da sind sie ein ganzes Stück hinter mir, aber danach habe ich sie nicht mehr gesehen. Ich bin auch nach einiger Zeit im weniger spektakulären oberen Teil des Flussbettes etwas mürbe und überlege ernsthaft, ob es sich lohnt und ich nicht lieber umdrehen soll. Ich reiße mich zusammen und gehe einfach erst einmal weiter, diese Entscheidung kann man noch verschieben. Bald sehe ich auch das Talende unterhalb des Weißhorns hervorspitzen und das nährt die Erwartung, dass es dort wieder spektakulär wird. Ich werde nicht enttäuscht. Gegen Ende ist es eine Art Rondell aus sehr hohen Felswänden mit Geröllhängen unten in Richtung Bach. Das begehbare Bett wird immer enger und schwieriger, auch etwas steiler. An einer Gabelung gehe ich nicht mehr weiter, auf beiden Armen sind hohe Wasserfälle zu sehen und es ist klar, dass man nur noch wenige Meter weiter käme, der Blick aber nicht mehr besser wird. In meiner elektronischen Karte auf dem Handy bin ich schon hinter dem Wegende. Dort bin ich etwa sechshundert Meter unter dem Gipfel des Weißhorns.

Bletterbachschlucht: Talende
Bletterbachschlucht: Talende

Ich genieße diesen Ort ein paar Minuten - für mich allein, denn seit dem E5 war kein Mensch mehr in Sicht - und gehe dann das Bachbett wieder hinunter zur nächsten Abzweigung. Auf halbem Weg kommt mir die Exkursionsgruppe entgegen. Beim E5, den ich so genau beim Heraufweg auch nicht wahrgenommen hatte, der aber aus dieser Richtung auch nicht zu verfehlen ist, gehe ich den Steig hinauf aus dem Talgrund in Richtung Besucherzentrum. Nach einem kurzen steilen Anstieg geht dieser Pfad eher gemächlich leicht bergab zurück zur Abzweigung zum Wasserfall und Aussichtspunkt. Von nun an begegnen mir immer mehr Leute, auch mit Kindern, was wenig verwunderlich ist. Bei einem Aussichtspunkt über den unteren Teil der Schlucht setze ich mich auf eine Bank und verspeise meine Brotzeit. Meine Schinkensemmeln sind so lecker, dass ich beide esse, obwohl ich gar nicht so hungrig bin. Der Bäcker in Kaltern konnte also mein Vertrauen ganz locker gewinnen! Danach ist es nur noch ein kurzer Weg durch den Wald auf dem breiten Wander- und Forstweg zum Besucherzentrum, er kommt aber auch über eine Lärchenwiese an einem Teich vorbei, es bleibt also bis zum Schluss sehr schön und abwechslungsreich. Im Besucherzentrum gebe ich meinen Helm und das Kärtchen zur Besucherregistrierung ab, sehe mir noch die kleine Ausstellung zum geologischen Kontext an und fahre dann wieder zurück. Ich mache am Rückweg einen kleinen Bogen in der Hoffnung einen guten Supermarkt in Neumarkt zu finden, an der Durchgangsstraße ist aber nichts. Also fahre ich zurück ins Zentrum, wo auch nichts ist und biege da nach Tramin auf meinen Rückweg ab. Da ist dann aber ein gut sortierter Supermarkt, in dem ich vor allem etwas Obst, Kaminwurzen und Limonaden kaufe. Außerdem haben sie ein Dose kaltes Bitter Lemon für mich. Das ist offen, bevor ich vom Parkplatz gefahren bin, und es ist leer, lange bevor ich zurück in Kaltern bin. Auf dem Weg wundere ich mich über einen italienischen Harleyfahrer, der sein Gefährt golden verziert hat. Statt Satteltaschen hat er einen goldenen Anbau, in dem auch die Auspuffrohre versteckt sind. Und er trägt einen goldenen Helm. Nicht jeder ist stilsicher.

Ich bin noch vor drei wieder in meiner Ferienwohnung, und nachdem die Einkäufe verräumt sind, vor allem aber kalte Getränke genossen wurden, dusche ich mal und lege mich eine Stunde hin. Dann ist immer noch Zeit, am Travelblog zu schreiben, bevor es Zeit wird, sich um das Abendessen zu kümmern.

Kurz nach sechs gehe ich los, diesmal besser vorbereitet als am Vortag. Und bei der dritten Empfehlung, die ich diesmal auch erkenne, schlage ich zu. Ich bekomme den letzten kleinen freien Tisch draußen. Danach lotsen sie alle neuen Gäste nach drinnen. Ich nehme auch keine Pizza, sondern die Rindstagliate auf Rucola mit Parmesanraspeln und Bratkartoffeln, medium, die Tagliate, nicht die Kartoffeln. Dazu ein Pinot Grigio und stilles Wasser. Alles in allem in Traum, absolut perfekt. Danach noch ein Grappa vom Goldmuskateller und es ist gut für heute. Das gibt ein ordentliches Trinkgeld, weil alles passt, auch der Service ist hervorragend. Es ging auch schnell und um halb acht bin ich schon wieder in der Ferienwohnung und schenke mir meinen Gewürztraminer ein. Genug Zeit, das Travelblog für heute fertig zu schreiben und mich auf morgen vorzubereiten. Als ich dann in der Dämmerung gegen neun auf meinem Balkon sitze, fallen immer noch hin und wieder einzelne Tropfen wie schon seit dem Ende meines Abendessens. Die seltenen Blitze in der Ferne, die man sieht, sind alle im Norden aus Richtung Bozen, doch der gelegentliche Donner kommt von Westen vom Mendelpass und dem Penegal herab. Ich genieße das Schauspiel zum Wein.


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