Regen, Museion und Speck

Travelblog für 22.06.2019

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Endlich einmal gut geschlafen, aber als ich um Viertel vor sieben langsam aufstehe, geht ein Gewitter nieder. Dabei hatte es zwei Stunden vorher, als ich kurz mal raus musste, noch ganz gut nach einem romantischen Sonnenaufgang ausgesehen. Das motiviert mich nicht gerade, mich zu beeilen, wo ich doch eigentlich möglichst früh auf dem Bauernmarkt in Meran sein wollte. Trotzdem bin ich nach einem Minimalfrühstück und einer ausgiebigen Dusche schon um Viertel vor acht im Regen auf dem Weg nach Meran. Es ist kaum Verkehr um diese Zeit und der Regen lässt langsam nach. Den Parkplatz, den man mir im Hotel in Meran empfohlen hatte, finde ich auch auf Anhieb und ich gehe los zum Bauernmarkt. Sorglos, wie ich losmarschiere, nehme ich erst einmal die falsche Straße, aber nach einem Bogen durch die Laubengänge finde ich diesen kleinen Bauernmarkt doch. Es sind kaum ein Dutzend Stände und den vom Pöder, wo ich den Speck kaufen will, erkenne ich nicht gleich, da sie auch anderes anbieten. Ich kreisel einmal herum und biete Klaus per Whatsapp an, ihm was mitzubringen. Beim zweiten Durchgang sehe ich auch einen kleinen Aufkleber, der den Stand meiner Wünsche identifiziert. Ich kaufe Speck für mich und meinen Bruder, Klaus hat sich nicht gemeldet. Am Rückweg zum Parkplatz schicke ich ihm eine Whatsapp, dass seine Chance vorbei ist. Weiter geht‘s nach Bozen. Ich verpasse eine Abzweigung, weil die Kopplung meines Handys mit dem Auto verloren ging und ich gerne Musik hätte. Nach einem Stopp zum neu Koppeln bringe ich mich auch wieder auf Kurs. Als ich schon längst auf der Schnellstraße nach Bozen bin, kommt per Whatsapp eine Antwort von Klaus. Er war Duschen. Pech gehabt.

Bozen: Schloß Maretsch
Bozen: Schloß Maretsch

In Bozen folge ich der offiziellen Ausschilderung über die Brennerlandstraße und bereue es. Die Straße von Eppan rein ist zwar nicht schneller, aber einfacher und entspannter, trotz der vielen Ampeln. Ich finde dennoch problemlos in das Parkhaus am Bahnhof, das mir nicht nur einen Parkplatz, sondern auch Toiletten bietet. Ich mache mich also auf den Weg zu Schloss Maretsch. Dabei gehe ich nur mit einer Idee zur Richtung frei Schnauze quer durch die Altstadt. Als ich danach meine Position kontrolliere, sehe ich, dass ich zwar die Richtung ganz toll hinbekommen habe, mich aber nur auf einer Straße befinde, von der es keinen Durchgang gibt. Entweder ich gehe weiter und hintenrum oder ich drehe um. Ich gehe natürlich hintenrum, das ist auch ganz schön und ich habe ein paar schöne Perspektiven auf das Schloss. Leider ist es komplett verrammelt, also ist kein Besuch drin. Das macht mir eigentlich gar nichts, dann gehe ich direkt weiter zum Museion, dem Haus für moderne und zeitgenössische Kunst. Dort sind sie für einen Besuch wesentlich offener, schließlich ist es schon Viertel nach zehn.

Im Moment haben sie eine kleine Ausstellung zum und mit dem Lichtspielapparat (ihrem eigenen Nachbau) des Bauhausmitglieds Ludwig Hirschfeld-Mack. Das ist eine interessante Randerscheinung der Abstraktion im Bauhaus, die dort ja auch mit Musik und zeitlichen Verläufen experimentierten. Danach kommt eine interessante ausführlichere Ausstellung zu (vorwiegend italienischer) feministischer Kunst seit den 60ern. Leider mangelt es mir an Italienisch für all die Manifeste, doch die Werke haben auch so manchen interessanten Aspekt - neben dem ohnehin grundsätzlich unterstützungswürdigen Anliegen. Die dritte Ausstellung im obersten Stock widmet sich Haim Steinbach, der alle Arten von Fundstücken als Kunst in Szene setzt, oft in wirklich spannender Präsentation. Der Pavillon, der mir an der Kasse noch nahegelegt wurde, ist leider bis auf den Eingangsbereich verschlossen. Das war trotzdem wieder ein sehr schöner Besuch im Museion, aber da es auch nicht besonders groß ist, bin ich nach kaum eineinhalb Stunden wieder draußen.

Haim Steinbach: No Elephants
Haim Steinbach: No Elephants

Ich gehe noch ein wenig durch die Altstadt in Richtung Markt, will noch nach Wildsalami sehen. Die Marktstände überzeugen mich aber nicht so ganz, also mache ich einen Bogen durch die Laubengänge und zurück zu einem Speckfachgeschäft kurz vor dem Markt. Sie bieten das an, was ich suche, praktischerweise vakuumiert und zu akzeptablen Preisen: Ich schlage bei Hirsch- und Rehsalami zu, genug, um auch meinem Bruder etwas abzugeben. Beim Rausgehen stoße ich noch ein kleines Schildchen um, weil ich damit beschäftigt bin, meinen Schirm rauszuholen und zu öffnen. Hatte es bis nach dem Museum nur meistens ein wenig getröpfelt, so ist es inzwischen zu leichtem Regen geworden. Also gehe ich nach diesem Einkauf gemütlich, aber direkt zum Parkhaus zurück. In der Altstadt sind es mir inzwischen auch viel zu viele Menschen, und das wird nicht besser dadurch, dass die meisten einen Regenschirm offen haben. So kann ich das nicht länger genießen. Also lieber zurück, obwohl es nicht lang nach Mittag ist. Diesmal nehme ich auch die Straße nach Eppan raus und, da noch mehr Autos rein als raus fahren, geht das zwar langsam, aber gut voran. In Eppan kreisele ich ein wenig durch mehrere Teile des Dorfs, bis ich einen Supermarkt mittendrin finde, wo ich nochmal meine Vorräte komplettiere. Am Ende komme ich aber schon gegen eins zurück zur Ferienwohnung, wo ich erst einmal meine Einkäufe verstaue und einen kleinen Snack einwerfe. Dann leg ich mich kurz hin. Kurz werden zwei Stunden.

Als ich wieder auf den Beinen bin, spüle ich schnell ab und schau meine Planung für die nächsten Tage durch. Ich beschließe dann recht schnell, mal zum Weingut Lieselehof zu gehen. Das ist nur etwa einen Kilometer von meiner Ferienwohnung entfernt und sollte geöffnet haben. Natürlich geht der Hinweg überwiegend bergauf und ich spüre die gestrige Wanderung noch in den Beinen. Leider ist dort wieder mal alles verrammelt und kein Hinweis oder eine Aufforderung zu klingeln oder so zu erkennen. Dann gehe ich halt unverrichteter Dinge wieder zurück. Als Ersatz nehme ich den interessantesten Weißwein aus dem Weinkühlschrank unten im Gemeinschaftsbereich mit hoch, freilich nicht ohne mich dazu in der Liste zu verewigen. So bleibt mir noch Zeit, die Pizzeria rauszusuchen, die ich heute zum Abendessen besuchen will, aber dann gehe ich auch bald schon los dorthin, denn ich möchte früh essen. Bisher habe ich zwar viel eingekauft heute, aber kaum etwas gegessen. So ist es kaum Viertel vor sechs durch, als schon da sitze. Es wird eine Pizza mit Steinpilzen, scharfer Salami und Bauchspeck. Die ist zwar groß, aber glücklicherweise auch dünn, denn so geht noch eine Panna Cotta. Bei beiden frage ich mich, warum Italiener in Deutschland das so selten genauso gut hinbekommen. Danach noch einen Grappa, den hauseigenen Brand, durchaus knackig, aber gut. Sehr zufrieden verlasse ich die Pizzeria schon etwa um sieben wieder und gehe zurück in die Ferienwohnung. Jetzt ist die Zeit und Gelegenheit am Travelblog zu schreiben.


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