Rastenbachklamm

Travelblog für 23.06.2019

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Sehr erholt stehe ich so etwa Viertel vor sieben auf. Nach einer langen Dusche geht es erst einmal zum Bäcker und dann gibt es ein ausgiebiges Frühstück. Als dann auch der Rucksack gepackt ist, geht es um zwanzig vor neun los: Ich möchte heute zur Rastenbachklamm oberhalb des Kalterer Sees und meine Ferienwohnung ist der perfekte Ausgangspunkt für diese Wanderung.

Es geht erst kurze Zeit an der Straße zum Mendelpass entlang, dann biege ich auf die weniger befahrene Straße nach Altenburg ab. Es geht die erste Viertelstunde dauernd bergauf, meist aber eher mäßig. Nach etwa zwanzig Minuten wechsle ich vom Bürgersteig entlang der Straße auf den Waldweg, der fortan bis Altenburg immer mehr oder weniger weit oberhalb der Straße verläuft. Der Waldweg ist leicht, steigt meist sehr moderat an, aber vor allem ist er wunderschön und auch abwechslungsreich. Zwischendurch öffnet sich auch einmal ein erstklassiges Panorama über den Kalterer See. Später lasse ich die beschilderte Abzweigung zur Rastenbachklamm aus und gehe weiter in Richtung Altenburg. Da kommt man ein Stück oberhalb von Straße und Klamm durch die tief - und hier recht breit - eingeschnittene Rinne des Bachs. Hier ist es vor allem malerisch. Sobald man diese Rinne komplett durchquert hat ist man auch praktisch schon in Altenburg. Da geht es erst einmal die kleine örtliche Straße hinunter, an der Kreuzung ist ein Gasthaus, aber ich kehre nicht ein, es ist ja erst zehn. Über die Kreuzung geht es weiter und ich komme gleich in den alten Ortskern mit der Kirche. Die steht fast schon ausgesetzt am Hang und hat ein Dach aus glasierten Ziegeln auf Turm und Apsis. Neben dem Eingang schmückt auch diese Kirche außen ein Fresko. Ich bewundere die Kirche kurz und gehe weiter, an ihr vorbei, der Weg heißt hier „Friedensweg“, eine schöne Ermahnung, wie ich finde. Nach wenigen Metern ist dort ein großer Panoramaausblick mit einem Blick von Kaltern über den See bis hinunter das Etschtal Richtung Trient. Da muss ich natürlich auch eine Panoramaaufnahme machen.

Altenburg: Panorama
Altenburg: Panorama

Nur ein kurzes Stück weiter kommt man über ein moderne Hängebrücke, deren Handläufe aus den Tragseilen bestehen und kurz nach der Brücke ist man bei der Ruine von St. Peter. Nach der Infotafel ist dies einer der ältesten Kirchenbauten in Südtirol, der bis ins 6. Jahrhundert zurückreicht. Leider wurde sie ab 1782 nicht mehr genutzt und verfiel danach. Der Bau lässt sein Alter an der niedrigen Bauhöhe und den Annexen zum Hauptschiff erkennen. Ich gehe weiter und komme unter der Hängebrücke durch. Dort ist auch zu erkennen, dass es früher wohl eine Steinbrücke hinüber zur Kirche gab, von der nun aber auch nur noch Ruinen der Pfeiler stehen. Auch wenn ich bisher schon ein wenig vom Ort abgestiegen bin, so geht es nun tief hinunter. Das ist auch nötig, denn die ganze Zeit war zu hören, dass das Wasser weit unten fließt. So ist aber der Talgrund der Rinne bald erreicht, wo ich auch wieder auf den Weg treffe, dessen Abzweigung ich vorhin ignoriert habe. Ich gehe hinab, doch die erste Stufe mit dem ersten Wasserfall ist künstlich mit einer Mauer erbaut worden, wohl zur Regulierung. Danach ist man bald auf Stahlstegen mit vielen steilen Treppen unterwegs hinab, aber schon sehr schnell wird klar, dass der Wasserlauf viel schneller abfällt, als man ihm selbst mit diesen Konstruktionen folgen kann. Während man den ersten natürlichen Wasserfall noch gut sehen kann, sieht man kurz darauf den Bach nur noch von oben. Man wird dann jedoch durch einen atemberaubenden Ausblick über den Kalterer See auf einer Stahlplattform vor dem Fels entlohnt. Von da steigen die Stahltreppen vor dem Fels und abseits des Wasserlaufs steil hinab und auch, als sie enden, geht es weiter steil im Wald nach unten. Ein kleiner Stichweg führt vom eigentlichen Wanderweg, dort wo er wieder auf einen Felsvorsprung ansteigt, hinab zum Fuß des untersten Wasserfalls. Dieser ist besonders spektakulär, fällt das Wasser doch an einer nur fast senkrechten Wand in einem langsam breiter werdenden Strahl hinab in ein Becken mit hellen, beigen Kieseln. Diese hellen Steine bilden den ganzen Bachlauf, den ich in diesem Tal gesehen habe, das Bachbett, was im Vergleich zum Umfeld sehr auffällig heraus leuchtet.

Rastenbachklamm: Wasserfall
Rastenbachklamm: Wasserfall

Der eigentliche Weg führt weiter auf eine kleine Felskante zu einer Gabelung. Ich nehme hier den Weg hinunter Richtung Kalterer See, der nach einer letzten Treppe weiter stark abfällt. Bald nach der nächsten Gabelung, wo ich mich für den Weg nach Kaltern statt zum See entscheide, finde ich eine Bank und beschließe, Brotzeit zu machen. Es ist schon zehn nach elf. Ich mache lange Pause, genieße meine Brotzeit und den Tag. Hier kommen viele kleine Gruppen beim Aufstieg an mir vorbei, so wie das auch schon auf den Stahlstiegen angefangen hatte. Ich schätze, viele wollen zu Mittag in der Wirtschaft in Altenburg einkehren. Ich muss sagen, angesichts des langen steilen Abstiegs bin ich froh, nicht in der Gegenrichtung unterwegs gewesen zu sein. Etwa zu Mittag gehe ich selber weiter auf den Rückweg nach Kaltern. Nach einer letzten Abzweigung zum Kalterer See befinde ich mich auf dem Kardatscher Wanderweg nach Kaltern. Er steigt erst einmal ein Stück deutlich in einem Hohlweg an, um dann bald am Hang moderater zu werden und später im Wald in einen kleinen Forstweg zu münden. Dieser geht in leichtem Auf und Ab durch den Wald, kreuzt einen Weinberg und nach einem Anstieg durch den Wald wird er später in den Weinbergen und Obstgärten zu einer ziemlich kleinen Straße. Dabei hat man immer wieder schöne Ausblicke, gegen Ende vor allem auf Kaltern und den Penegal. Schon wieder in Kaltern schlage ich einen kleinen Haken, gehe eine Seitenstraße hinunter, so dass ich nicht von oben sondern von unten, eigentlich fast eben, zurück bei meiner Unterkunft ankomme. Es ist kurz nach eins.

Die Zeit kann ich nutzen, um nach einer Dusche mal alle meine Bilder und GPS-Tracks zu sichern. Dann hole ich mir noch eine Kanne Wasser von der Hauptleitung, wobei mir die Familie mit der Hausherrin entgegen kommt. Sie war offensichtlich auch draußen. Ich räume noch etwas auf und gegen drei lege ich mich für eine Stunde zur Siesta hin. Ich spüre meine Beine ein wenig, gerade eine kleine Zerrung am rechten Hüftgelenk, die ich häufiger habe, ist heute hin und wieder aufgetreten. Danach wird am Travelblog geschrieben.

So um sechs gehe ich los, den Berg hinauf zu einem etwas rustikaleren Restaurant, auch eine Empfehlung der Hausherrin von der Ferienwohnung. Nach kurzer Rücksprache mit dem Kellner sitze ich am Ende eines langen Tisches, dessen anderes Ende reserviert ist. Hier sitzt man generell an langen Tischen, auch mehrere Gesellschaften zusammen. Es gibt ein Viertel Sauvignon und ein Gulasch mit Knödeln. Beides ist ganz hervorragend. Zu Verdauung gönne ich mir noch den besten Grappa des Hauses. Mittlerweile ist es auch ganz schön voll geworden, an meinem Tisch sitzt nicht nur die Gruppe mit der Reservierung, sondern auch noch ein weiteres Pärchen. Da ist es nur verständlich, dass es leider ein bisschen dauert, bis ich bezahlen kann. Der Kellner, der die Gäste auf die Tische verteilt und alle Bestellungen aufnimmt, muss inzwischen sogar beim Verteilen der Getränke helfen, denn sie sind hier nur zu dritt: Er koordiniert alles, nimmt Bestellungen auf und kassiert, eine Frau liefert die Mahlzeiten aus und eine junge hübsche Hilfskellnerin liefert die Getränke aus, was aber gerade zu viel wird. Dabei fällt mir auf, dass bisher in jedem Restaurant junge, hübsche, italienische Hilfskellnerinnen waren, die für Auslieferungen zuständig waren. Das ist ein Muster, aber eines, das sehr gut funktioniert, technisch und optisch, das muss ich als weißer alter Mann einfach sagen. Ich bin etwa um acht zurück in der Wohnung, schreibe eine Email mit Urlaubsgrüßen an meine Eltern und das Travelblog des Tages fertig.


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