Trudner Höhenweg

Travelblog für 24.06.2019

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Das entspannte Morgenritual fängt um Viertel vor sieben langsam an: Duschen, Brötchen holen, Frühstücken, Brotzeit machen und den Rucksack packen. Um halb neun bin ich unterwegs nach Truden, wo ich um neun ankomme. Auf dem Weg habe ich zum ersten Mal freie Fahrt auf einer Bergstraße, der Dolomitenstraße von Auer hoch nach Montan. Es ist dieselbe Richtung wie zur Bletterbachschlucht, aber ich werde nicht links, sondern rechts abbiegen. Auf der freien Strecke richten sie gerade eine Baustelle ein, aber ich bin der erste in der Schlange beim Flagman, also stört mich das nach der Baustelle nicht mehr. Nach Montan bin ich in der Schlange hinter einem Laster, aber es geht trotzdem gut voran. Nachdem ich in Kaltenbrunn abgebogen bin, ist die Strecke erst einmal frei, aber ich fange mir bald einen Skoda Yeti ein, aber da taucht dann auch wieder ein Flagman auf. Diesmal mähen sie die Böschung. Aber ich bin ja schon fast da.

Trudner Höhenweg: Panorama
Trudner Höhenweg: Panorama

Kurz nach neun laufe ich also los und dank der guten Handy-Karte klappt das auch perfekt. Ich nehme wie geplant den schönen Waldweg ein paar Meter oberhalb der kleinen Straße, die von der Wegbeschreibung genannt wird. Sie werden sowieso wieder zusammenlaufen. Der Waldweg stellt sich als Kreuzweg heraus, aber wieder einmal laufe ich als Ungläuiger ihn in der falschen Richtung. Die Darstellungen mit den kleinen Holzreliefs sind aber sehr nett gemacht. Kurz nachdem die Wege wieder aufeinander treffen gibt es ein wunderbares Panorama nach Norden zu Alpenhauptkamm hin: Zeit, die Kamera auszupacken. Und den Akku zu wechseln. Weiter geht‘s an einem stattlichen Hof vorbei, über Wiesen, Lärchenwiesen und in den Wald. Der Weg wird nach einem Löschteich mit zahllosen Libellen vom Forstweg zu einem deutlich ruppigeren Waldweg und es wird im Verlauf immer steiler. Ich passiere nach einer knappen Stunde die Pinter-Schupfe, eine private Hütte, die nach gelegentlichen Events aussieht. Langsam ist es teils richtig steil. Aber bald bei der Pera Schupf komme ich auf einen Forstweg und es ist erst einmal etwas ebener. Ich bleibe geraume Zeit auf diesem Wald- und Forstweg, der meist recht gut, manchmal etwas rustikaler ist. Es geht hin und wieder ein wenig hinauf, aber bald meist recht eben dahin durch den Wald. Selten hat man einen Ausblick, wenn es eine Lichtung gibt. Man geht zwar ziemlich oben an diesem Bergrücken entlang, ist aber nicht ganz oben und auch da ist dieser eher breite Rücken eigentlich immer bewaldet. Als es langsam wieder runter geht, ist das Ergebnis von einmal im Wald aufräumen zu sehen: Meterhoch aufgeschichtete Stämme, einer dieser Stapel ist weit über hundert Meter lang, wie er hinten im Wald verschwindet. Das ist aber nicht der einzige. Das scheint ein kapitaler Wind- oder Schneebruch gewesen zu sein. Bald danach zweigt von diesem Forstweg ein kleinerer Waldweg ab, der nun deutlich abwärts hinunter zum Ziss-Sattel geht. Hier könnte nur noch einer der kleinen Traktoren fahren, wie sie in den Weinbergen und Obstgärten unten überall benutzt werden. Das wäre aber schade um diesen wunderbar weichen Waldboden. Am Sattel will ich angesichts der Zeit, es noch nicht einmal Mittag, nicht den direkten Weg nach Truden zurückgehen, wieder einmal der E5, der schräg am Hang hinabgeht. Auf die 350 Höhenmeter auf das Trudner Horn habe ich auch keine Lust, weil ich meine Kondition etwas schonen will, ich habe ja noch zwei Wanderungen vor. Also gehe ich den Weg, der auf der Rückseite des Bergrückens zurück zu meinem Aufstieg führt. Nach kurzer Zeit sehe ich ein Schild auf Italienisch, dass er geschlossen sei, wegen Schäden, die ich mangels Italienisch nicht genau verstehe. Ich sage mir, das sehe ich mir an, denn umdrehen kann ich immer noch. Schon nach zehn Minuten, es gab noch ein zweites Schild, stehe ich vor einem massiven Wind- oder Schneebruch. Ich schaue mir das hinter den ersten zwei Stämmen an, und es ist klar: Ich drehe um. Es sieht nach einem weiten Stück unpassierbaren Wegs aus und mitten da drin möchte man sich nicht den Fuß verknacksen, vermutlich ohne Handy-Empfang auf einem Weg, wo keiner sonst so verrückt ist, ihn zu gehen. Also zurück und doch den E5 hinunter nach Truden. Noch vor dem Sattel sehe ich vor mir ein Reh oder eine Gams im Wald verschwinden. Auf dem Sattel sehe ich eine Bank, aber da will ich nicht Brotzeit machen. Ich höre hier zum ersten Mal heute andere Menschen oberhalb am Weg zum Gipfel. Bisher war ich völlig allein unterwegs: Soviel Waldeinsamkeit kann heute noch bekommen. Ich gehe weiter und bin nicht mehr ganz allein. Ein Fiat Panda kommt hinauf gefahren, aber sehr zivil. Aber als er durch ist, sehe ich bald dahinter eine Gams den Berg hinunter hetzen. Sie ist mit voller Geschwindigkeit unterwegs, obwohl der Hang hier über 45 Grad Neigung hat. Sie kann das, aber jedes andere Tier hätte sich den Hals gebrochen, von Menschen ganz zu schweigen. Hier begegne ich noch einzelnen, aber das ist deutlich weniger als am Sonntag bei der Klamm. Ein Mountainbiker, ein Pärchen an der nächsten Bank und ein einzelner Wanderer beim Aufstieg. Nach dem Pärchen kommt nur keine Bank mehr, auf der ich Brotzeit machen könnte. Eine lange Strecke halte ich Ausschau, aber da ist nichts und auch keine Gelegenheit, gemütlich zu sitzen. Seit der besetzten zweiten Bank verlief der Weg auf einem Steig und nicht mehr auf der Forststraße, aber auch, als er nach einer langen Strecke wieder in diesen Forstweg mündet, wird es nicht besser. Nach einem ganzen weiteren Stück sehe ich einen bemoosten Baumstumpf etwas abseits des Wegs. Da gehe ich hin und prüfe, ob er trocken ist. Er ist es und wird mein Brotzeitplatz. Während ich meine Semmel verspeise interessiert sich eine Hummel ausgiebig für meine Hosentasche und mein Shirt. Ob es wegen dem Salz meines Schweißes ist? Sie ist ein schönes Tier mit brauen Haaren am Hinterteil und einem schönen Kopf. Ich bin aber auch froh, sie nicht verscheuchen zu müssen, denn sie sind ja normalerweise friedlich, gestochen werden will ich aber auch nicht. Nach der Brotzeit gehe ich nicht wieder hinauf auf den E5, sondern hinunter. Da ist auch ein Waldweg, der praktisch sicher auf dem E5 herauskommt. Dort hinunter ist der Waldboden komplett bemoost und so weich, wie ich es lange nicht hatte. Der Waldweg kommt nach wenigen Metern auf dem E5-Forstweg heraus und an dieser Kreuzung steht fast zum Hohn eine Bank, auf der ich Brotzeit hätte machen können! Dann hätte ich aber nicht die Hummel kennengelernt und auch nicht diesen bemoosten Waldboden! Es geht jetzt nur noch moderat bergab und bald verläuft der Forstweg sogar eben. Als dann der offizielle Weg nach Truden hinab geht, bleibe ich auf dem Forstweg, der statt dessen auf einer etwas längeren Strecke um das Tal herum, aber eben ins Zentrum von Truden geht. Dort muss ich ohnehin noch einmal steil hinauf zum Parkplatz am oberen Ende des Ortes am Sattel. Aber auch das ist schnell gemeistert und etwa um halb zwei bin ich am Auto und fahre nach ein paar Minuten wieder los, zurück nach Kaltern.

Trudner Höhenweg: Detail
Trudner Höhenweg: Detail

Es geht wieder genau denselben Weg zurück hinunter nach Auer. Der Mäheinsatz ist zu Ende, aber die Baustelle hat schon Fortschritte gemacht. Wieder stehe ich ganz vorne, aber ein Harley-Fahrer fährt nach vorne. Unten in Auer ist die Reichweitenanzeige des Seat bei 180 Kilometer angekommen, wobei sie oben in Truden bei 100 Kilometer angefangen hat. Ich werde trotzdem als nächstes zum Tanken fahren, mit vollem Tank komme ich mindestens bis Österreich auf der Rückfahrt, vielleicht aber auch bis München. Allerdings stehe ich vor Kaltern erst einmal im Stau, ohne Idee, warum der am Montagnachmittag auftritt. Im ersten Kreisverkehr von Kaltern wird klar, warum: Heute ist ein Radrennen. Nach dem Kreisel geht es aber gut und ich komme flott zu der Tankstelle, die ich ansteuern wollte. Dort drängt mich erst ein Bus von der ersten Zapfsäule weg, dann ist die Bezahlweise kryptisch und am mutmaßlichen Bezahlterminal kommen zwei Motorradpolizisten mit ihrer Tankkarte auch nicht weiter. Nach drei Minuten geb ich auf und fahr nach Eppan weiter. An der ersten Tankstelle dort gibt es keinen Stress. Ich tanke voll, putze meine Scheiben und zahle direkt an der Säule beim Tankwart mit meiner Kreditkarte. So einfach kann es gehen. Da es noch früh ist, und sich der Rennstau aufgelöst hat, der Versuch einer Umfahrung hat sowieso nicht geklappt, fahre ich wieder runter zum Kalterer See. Da kehre ich in einer Art Resort mit Strandbad, Hotel und Restaurant ein und gönne mir auf der Terrasse zwei alkoholfreie Weizen, leider nur Drittelchen.

Danach geht es zurück in die Ferienwohnung und um vier stehe ich unter der Dusche, den Schweiß des Tages abwaschen. Ich schreibe kurz am Travelblog, doch um halb sechs gehe ich wieder los, zur empfohlenen Vinothek in der Nähe. Es stellt sich heraus, dass ich da nicht essen kann, lasse mich aber beraten und gehe mit einem Roten für Erik, einem Rosé und einer Flasche Grappa wieder raus. Die letzten beiden sind eher für mich selber. Ich beschließe, die Beute zuerst zurück in die Ferienwohnung zu bringen und dann erneut ohne Gepäck zum Essen zu gehen. Bald bin ich wieder am Weg ins Zentrum von Kaltern. Ich entschließe mich für ein eher einfaches Restaurant, wo ich am zentralen Platz aber draußen sitzen kann. Es gibt eine Pizza Siciliana, die ganz in Ordnung ist - für hier, in allen anderen Ländern wäre sie super. Dazu wieder alkoholfreies Weißbier, wieder nur ein Drittelchen und hinterher einen Grappa Morbida. Als ich damit durch bin, zahle ich und gehe. Um halb acht bin ich zurück in der Wohnung und kann anfangen, das Travelblog für den Tag fertig zu schreiben.


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